Leo Tolstoi, Was ist Geld (1890): „Auch die Frage, was Geld sei, wird alsdann ihre Lösung finden, und es wird sich herausstellen, dass das Geld durchaus nicht jenes un­schuldige Mittel der Wertmessung, der Verkehrserleichterung und der Sparmög­lichkeit ist, als welches die Wissenschaft es gegenwärtig darstellt, son­dern dass es das erste und vorzüglichste Mittel der Unterjochung des Menschen durch den Menschen ist, mit einem Wort, dass es ist: geron­nene Gewalt.“

Was ist Geld? Von Leo Tolstoi Geld! Was ist Geld? Geld ist ein Äquivalent für Arbeit. Ich habe gebildete Leute … Mehr

Hannah Arendt über Freiheit und Politik (1958): „Will man die Menschen daran hindern, dass sie in Freiheit handeln, so muß man sie daran hindern, zu denken, zu wollen, herzustellen, weil offenbar all diese Tätigkeiten das Handeln und damit Freiheit in jedem, auch dem politischen Verstande mit implizieren. Daher glaube ich auch, dass wir das Phänomen der totalen Herrschaft durchaus missverstehen, wenn wir meinen, dass in ihr eine totale Politisierung des Lebens erfolgt, durch die Freiheit zerstört wird. Das gerade Gegenteil ist der Fall; wir haben es mit Phänomenen der Entpolitisierung zu tun, wie in allen Diktaturen und Despotien, nur daß diese Entpolitisierung hier so radikal auf­tritt, dass sie das politische Freiheitselement in allen Tätigkeiten vernichtet und sich nicht nur damit zufrieden gibt, das Handeln, also die politische Fähigkeit par excellence, zu zerstören.“

„Freiheit und Politik“ heißt der Vortrag, den Hannah Arendt 1958 im Rahmen des Vortragszyklus »Erziehung zur Freiheit« im Schweizerischen Institut … Mehr

Martin Niemöller, Was schuldet der Christ dem Staat heute? (1957): „Der Staat, der sich selbst zum Zweck macht, der sich selber verabsolutiert, der Staat, der zur Totalität und zur Omnipotenz strebt, der richtet sich selbst zugrunde und zugleich die Menschen, die — was Recht und Frieden angeht — seiner Sorge anvertraut sind. Gott will nicht, dass der Staat an seine Stelle tritt und sich zum Gott macht; das ist Majestätsbeleidigung, das ist das crimen laesae majestatis, denn Gott duldet keine Usurpatoren, keine Konkurrenten. — So schuldet es der Christ dem Staat heute, ihn nicht nur an seinen Auftrag, sondern auch an seine Grenzen zu erinnern, weil der Staat, der seine Grenzen nicht erkennt und anerkennt, nicht nur sich selber, sondern auch seine Menschen tödlich gefährdet, und der Christ kann ja nicht im Blick auf die Menschen, d. h. auf die anderen erklären: ‚Soll ich meines Bruders Hüter sein?‘. Er ist es, oder er verleugnet sein Christsein.“

Auf Einladung der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin (Ost) hielt Martin Niemöller am 24. Mai 1957 im Auditorium Maximum vor … Mehr

Eberhard Jüngels Stellungnahme zum Kirchenasyl von 1994: „Die Kirche hat das geltende staatliche Recht zu respektieren, in einem demokratischen Rechtsstaat zumal. Hält sie es für verbesserungsbedürftig, so hat sie den Gesetzgeber um ent­sprechende Verbesserungen zu bitten. Sie kann ihn aber nicht zwingen und auch nicht zwin­gen wollen. Und sie kann schon gar nicht für sich selber ein das geltende staatliche Recht brechendes Kirchenrecht proklamieren. Es sind Fälle denkbar, in denen die staatliche Handhabung des geltenden Rechtes diesem nicht gerecht wird. In solchen Fällen ist mit den Mitteln des Rechts gegen die staatliche Handhabung des Rechts Einspruch zu erheben. Das ist der Kirche genauso aufgegeben wie jedem Bürger.“

Immer noch lesenswert ist, was Eberhard Jüngel 1994 in Sachen Kirchenasyl in der F.A.Z. geschrieben hatte: Die Gewaltfreiheit des Kirchenraumes … Mehr

Hannah Arendt über die Lüge in der Politik: „Die bewusste Leugnung der Tatsachen – die Fähigkeit zu lügen – und das Vermögen, die Wirklichkeit zu verändern – die Fähigkeit zu handeln – hän­gen zusammen; sie verdanken ihr Dasein derselben Quelle: der Einbildungs­kraft. Es ist näm­lich keineswegs selbstverständlich, dass wir sagen können ‚Die Sonne scheint‘, wenn es tat­säch­lich regnet (gewisse Hirnverletzungen haben den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge). Es be­weist vielmehr, dass wir mit unseren Sinnen und unserm Verstand zwar für die Welt gut ausgerüstet, dass wir ihr aber nicht als unveräußerlicher Teil eingefügt sind. Es steht uns frei, die Welt zu verändern und in ihr etwas Neues anzufangen. Ohne die geistige Freiheit, das Wirkliche zu akzeptieren oder zu verwerfen, ja oder nein zu sagen – nicht nur zu Aussagen oder Vorschlägen, um unsere Zustimmung oder Ablehnung zu bekunden, sondern zu Dingen, wie sie sich jenseits von Zustimmung oder Ablehnung unseren Sinnes- und Erkenntnisorga­nen darbieten –, ohne diese geistige Freiheit wäre Handeln unmöglich. Handeln aber ist das eigentliche Werk der Politik.“

Die Lüge in der Politik (Lying in Politics) Von Hannah Arendt Als 1971 Teile des sogenannten Pentagon-Papiere, ein Geheimdokument des … Mehr

José Ortega y Gasset über den Populismus in ‚Der Aufstand der Massen‘ (1929): „Der Massenmensch findet sich vollkommen. Der hervorragende Mensch muss, um sich voll­kommen zu finden, ausgesprochen eitel sein. Die Überzeugung von seiner Vollkommen­heit ist ein Fremdkörper in seinem Wesen; sie ist nicht ursprünglich in ihm, sondern ein Produkt seiner Eitelkeit und trägt sogar für ihn selbst einen vorgetäuschten, scheinhaften und fragwür­digen Charakter. Darum braucht der Eitle die anderen, damit sie ihm die Meinung, die er gern von sich selber hätte, bestätigen. Dem mittelmäßigen Menschen unserer Tage, dem neuen Adam, dagegen fällt es nicht ein, an seiner Gottähnlichkeit zu zweifeln. Sein Selbstvertrauen ist paradiesisch wie Adams; es hin­dert ihn daran, sich mit anderen zu vergleichen, was die erste Bedingung für die Entdeckung seiner Unzulänglichkeit wäre. Er müsste dazu eine Weile aus seinem eigenen Leben hinaus- und in das seines Nächsten hinüberwandern. Aber die gemeine Seele versteht sich nicht auf Seelenwanderungen – den sublimsten Sport.“

José Ortega y Gassets „Der Aufstand der Massen“ (La rebelión de las masas) erschien 1929 auf Spanisch und 1931 in … Mehr

Ernst Wolf, ‚Politischer Gottesdienst‘. Zum 80. Geburtstag des ‚Politikers‘ Karl Barth (1966): „Karl Barth musste der kulturprotestantischen, weithin lutherischen Tradition, er musste einem christlichen Nationalismus und einer kirchlichen Interessenpolitik in Deutschland einfach anstößig werden, denn er hat ihre Tabus angegriffen und zum Teil dann sogar entmachtet. Gerade damit aber hat er dem Christen in der Daseinsgemeinschaft mit Nicht- und Nichtmehr-Christen zu jener dienstbaren Freiheit verholfen, aus der allein echtes politisches Handeln am Gemeinwohl in Partnerschaft, an der salus publica sinnvoll und auch realisierbar ist, sofern es seine reine Weltlichkeit erkennt und bejaht.“

„Politischer Gottesdienst“. Zum 80. Geburtstag des „Politikers“ Karl Barth Von Prof. D. Dr. Dr. Ernst Wolf I. Man hat immer … Mehr

Menschen unseres Vertrauens – wenn es ums Wählen geht: „Bei der Landtagswahl wählen wir keine Parteiprodukte, sondern Volksvertreter, die im Parlament eine Regierung wählen und gesetzgeberisch Regelungen für unser zukünftiges Zusammenleben vorsehen. Dazu muss uns als Bürger auch Unliebsames oder schwer Verständliches zugemutet werden. Was es für unsere Wahl braucht, ist das persönliche Vertrauen in Kandidaten und damit auch in die zukünftigen Volksvertreter.“

Menschen unseres Vertrauens – wenn es ums Wählen geht Zwei Wahlen stehen im Oktober an, am 14. die Wahl zum … Mehr

Zur Ethik der Zahlen: „Wenn hinter Zahlen nicht länger wertzuschätzende Güter stehen, werden sie selbst zur alles bestimmenden Wirklichkeit. Es entsteht ein zahlen­getriebenes Handeln, das sich selbst nur noch zahlenwertig darzustellen und sich darin mit anderen Zahlengefügen zu vergleichen weiß. Die allumfassende Relativität der Zahlen lässt nichts gelten, was auf sich selbst beruhen kann. Zahlen sind in ihrer komparativen Eigendyna­mik nicht satisfaktionsfähig; ihnen fehlt die Genugtuung.“

Wenn Zahlen uns die alles bestimmende Wirklichkeit sind. Zur Ethik der Zahlen Zahlen sind uns alltäglich gegenwärtig, vorrangig im beruflichen … Mehr