Søren Kierkegaard über Hiob: „Nur der Leichtsinnige könn­te wünschen, dass Hiob nicht mit wäre, dass sein ehrwürdiger Name ihn nicht daran erinnern sollte, was er zu vergessen sucht: dass es Schrecken gibt im Leben und Angst; nur der Selbstsüchtige könnte wünschen, dass Hiob nicht da wäre, da­mit die Vorstellung von seinen Leiden mit ihrem strengen Ernst seine gebrechliche Freude nicht stören sollte, ihn aufschrecken aus seiner in Verhärtung und Verlorenheit berauschten Sicher­heit.“

Über Hiob Von Søren Kierkegaard Wenn das eine Geschlecht ausgedient, sein Werk vollbracht, seinen Streit ausgekämpft hat, so hat Hiob … Mehr

Robert Musil über die Dummheit (1937): „Gelegentlich sind wir alle dumm; wir müssen gelegentlich auch blind oder halbblind handeln, oder die Welt stünde still; und wollte einer aus den Gefahren der Dummheit die Regel ablei­ten: »Enthalte dich in allem des Urteils und des Entschlusses, wovon du nicht genug ver­stehst!«, wir erstarrten! Weil unser Wis­sen und Können unvollendet ist, müssen wir in allen Wissenschaften im Grunde voreilig urtei­len, aber wir bemühen uns und haben es erlernt, diesen Fehler in bekannten Grenzen zu halten und bei Gelegenheit zu verbessern, wodurch doch wieder Richtigkeit in unser Tun kommt. Nichts spricht eigentlich dagegen, dieses exakte und stolz-demütige Urteilen und Tun auch auf andere Gebiete zu übertragen; und ich glaube, der Vorsatz: »Handle, so gut du kannst und so schlecht du musst, und bleibe dir dabei der Fehlergrenzen deines Handelns bewusst!« wäre schon der halbe Weg zu einer aussichtsvollen Lebensgestaltung.“

Über die Dummheit Von Robert Musil Meine Damen und Herren! Einer, so sich unterfängt, über die Dummheit zu sprechen, läuft … Mehr

Julian Barnes, Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn (Nichts, was man fürchten müsste): „Glauben heißt, genau das für wahr zu halten, was allen Regeln nach ’nicht geschehen sein kann‘. Die Jungfrauengeburt, die Auferstehung, ein Leben nach dem Tode. Nach allem, was wir wissen und verstehen, kann es nicht geschehen sein. Aber es ist geschehen. Oder es wird geschehen.“

Ich glaube nicht an Gott, aber ich vermisse ihn (Nichts, was man fürchten müsste) Von Julian Barnes Ich glaube nicht … Mehr

Über die verschiedenen Formen des Atheismus: „Der theoretische Atheismus ist die bewusste und begründete Ablehnung Gottes. Die Existenz Gottes ist für ihn eine realitätsfremde Illusion. So will er an die Stelle des Gottesglaubens eine vermeintlich aufgeklärte Lebenshaltung setzen: Ein vernunftgemäßes und eigenverantwort­liches Leben allein ermögliche die wahre Humanität des Menschen und führe zur Verwirkli­chung einer besseren Welt.“

Über die verschiedenen Formen des Atheismus In der Spätantike hatten die Kirchenväter dem Vorwurf zu begegnen, dass das Christentum atheistisch … Mehr

Fernando Pessoa über die trostlose Religionslosigkeit (Das Buch der Unruhe, 1930): „Wir wurden in metaphysische Angst, in moralische Angst, in politische Unruhe hineingeboren. Trunken von äußerlichen Formeln, von den bloßen Verfahren der Vernunft und der Wissenschaft hatten die uns vorangegangenen Generationen alle Fundamente des christlichen Glaubens unterhöhlt, weil ihre Bibelkritik, die von der Kritik an den Texten zur Kritik an der Mythologie des Christentums übergegangen war, die Evangelien und die vorangehende Hierographie der Juden auf eine ungewisse Ansammlung von Mythen, Legenden und bloßer Literatur reduziert hatte.“

Über die trostlose Religionslosigkeit (Das Buch der Unruhe) Von Fernando Pessoa (1888-1935) Als die Generation geboren wurde, der ich angehöre, … Mehr

Dolf Sternberger, Vorbemerkung zum Wörterbuch des Unmenschen (1945): „Soviel und welche Sprache einer spricht, soviel und solche Sache, Welt oder Natur ist ihm erschlossen. Und jedes Wort, das er redet, wandelt die Welt, worin er sich bewegt, wandelt ihn selbst und seinen Ort in dieser Welt. Der Verderb der Sprache ist der Verderb des Menschen. Seien wir auf der Hut! Worte und Sätze können ebensowohl Gärten wie Kerker sein, in die wir, redend, uns selbst einsperren., und die Bestimmung, Sprache sei allein die Gabe des Menschen oder eine menschliche Gabe, bietet keine Sicherheit.“

Vorbemerkung zum Wörterbuch des Unmenschen (1945) Von Dolf Sternberger Sprache ist die Gabe allein des Menschen, das verwirrende und befreiende, … Mehr

Martin Buber, Der Glaube des Judentums (1928): „Die Umkehr ist die größte Gestalt des ‚Anfangens‘. Wenn Gott zum Menschen spricht: ‚Öff­ne mir die Pforte der Umkehr so schmal wie eine Nadelspitze, und ich will sie so weit öffnen, daß Wagen einziehen kön­nen‘, oder wenn Gott zu Israel spricht: ‚Kehret um, und ich werde euch zu einer neuen Schöpfung umschaffen‘, zeigt sich uns in großer Klarheit der Sinn des menschlichen Anfangens. In der Umkehr ersteht der Mensch neu als Gottes Kind.“

Der Glaube des Judentums Von Martin Buber 1. Der Weg des Glaubens Es ist nicht die Religion, sondern nur der … Mehr

Milan Kundera, Der entführte Westen oder die Tragödie Mitteleuropas (1983): „Und, um die Wahrheit zu sagen, sehe ich die Schuld Mitteleuropas schließlich in dem, was ich die ‚Ideologie der slawischen Welt‘ nennen möchte. Die Tschechen (trotz der ernsten Warnung ihrer repräsentativsten Persönlichkeiten) trugen sie ger­ne vor sich her, als sie sich naiv gegen die deutsche Aggressivität verteidigten; die Russen hingegen benutzten sie gerne, um ihre imperialen Ziele zu rechtfertigen.“

Der entführte Westen oder die Tragödie Mitteleuropas Von Milan Kundera 1. 1956, im September, schickte der Direktor der ungarischen Nachrichtenagentur, … Mehr