Helmuth Plessner über das Lächeln in seiner Philosophischen Anthropologie: „Durch seine Distanziertheit gewinnt das Lächeln Bedeutung als Mittel und Ausdruck der Kommunikation. Man gibt sich lächelnd zu verste­hen: gemeinsames Wissen um etwas, Gemeinsamkeit überhaupt, auch in der Form des Getrenntseins wie Triumph und Niederlage, Überle­genheit, Verlegenheit, Demut. Das Lächeln reagiert auf die Situation und bestätigt zugleich sich selbst und dem anderen, dass man die Situa­tion begreift und insofern ihre Bindung wieder gelockert hat.“

Das Lächeln Von Helmuth Plessner An Vieldeutigkeit alle anderen mimischen Bewegungen des Men­schen übertreffend, scheint das Lächeln seine Ausnahmestellung dar­in … Mehr

Clifford Geertz, Religion als kulturelles System: „Jemand, der beim Ritual in das von religiösen Vorstellungen bestimmte Bedeutungssystem »gesprungen« ist (vielleicht ist dieses Bild für die tatsächlichen Vorgänge ein wenig zu sportlich – »geglitten« mag zutreffender sein) und nach Beendigung desselben wieder in die Welt des Common sense zurückkehrt, ist – mit Ausnahme der wenigen Fälle, wo die Erfahrung folgenlos bleibt – verändert. Und so wie der Betreffende verändert ist, ist auch die Welt des Common sense verändert, denn sie wird jetzt nur noch als Teil einer umfassenderen Wirklichkeit gesehen, die sie zurechtrückt und ergänzt.“

Religion als kulturelles System Von Clifford Geertz Der Versuch zu sprechen, ohne eine konkrete Sprache zu sprechen, ist ebenso zum … Mehr

Jürgen Moltmann über den Urknall (100 Wörter des Jahrhunderts): „Warum Ur-»knall« und nicht Ur-»sprung«? Es klingt mechanistisch, nicht so menschlich, wie man früher von einer »Geburt der Welt« aus ihrer göttli­chen Mutter oder von einer »Schöpfung der Welt« aus Wort und Geist des göttlichen Vaters gesprochen hatte. Es klingt kriegerisch und männlich. Eigentlich gibt es doch nichts Geistloseres als »Knall«, »Blitz« und »Explosion«. Sollen wir im Ernst sagen: »Am Anfang war der Knall«?“

Urknall Von Jürgen Moltmann Die Weltentstehungslehre des 20. Jahrhunderts wird mit den Namen »Urknall«, »Big Bang«, »Urblitz«, »Blitzstart« und »Explosion« … Mehr

Peter Gross, Unendliches Begehren nach Mehr (Die Multioptionsgesellschaft, 1994): „Wie auch immer, mit oder seit Augustinus zieht sich die Vorstel­lung, die Seligkeit sei etwas ganz anderes, mehr und mehr zurück und dringt eine diesseitige Glücksvorstellung in die Welt und die Menschen hinein. Der Abgrund zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und der Welt, zwischen der absoluten Wahrheit und der Unsicherheit und Lüge, zwischen Vernunft und Erfah­rung, zwischen Möglichem und Wirklichem wird enthierarchisiert. Die Himmelsleiter führte himmelwärts und endete im ganz Anderen. Nun wird sie wie von einem Baum, dessen Früchte ge­pflückt sind, weggenommen und auf die Erde abgesenkt.“

Fast 30 Jahre ist es her, dass Peter Gross‘ Die Multioptionsgesellschaft bei Suhrkamp erschienen ist. Furios geschrieben mit einer religiösen … Mehr

John Donne über die Zweifelhaftigkeit der Welterkenntnis (An Anatomy of the World, 1611): „Neue Philosophie setzt alles nun in Zweifel. / Das Element des Feuers ist verlöscht; / Die Sonn ist fort, die Erde auch, und kein Verstand / Dem Menschen zeigt, wo er sie wiederfindet. / Und frei bekennt der Mensch, dass diese Welt / Ganz aufgebraucht, wenn in Planeten und im Firmament / Man lauter neue sucht, und sieht, dass in Atome / Alles auseinanderfällt. / In Stücken alles, kein Zusammenhang.“

Exzerpt aus An Anatomy of the World Von John Donne (1572-1631) And new philosophy calls all in doubt,The element of … Mehr

Paul Ricoeur, Das Leben bis zum Tod begleiten: „Die Wahrheit der aktiven Sterbehilfe ist die Wahrheit eines assistierten Suizids. Ein Mensch entscheidet autoritativ über die Grenze zwischen dem Tolerierbaren und dem Untolerierbaren. Doch für wen ist die Verlängerung des Lebens unerträglich? Für den kranken Menschen? Für das familiäre Umfeld? Wer bittet um den Tod? Was bedeutet diese Bitte?“

Das Leben bis zum Tod begleiten Von Paul Ricoeur Die Herausforderungen Wer von Einsatz spricht, meint etwas zu gewinnen oder … Mehr

Robert D. Kaplan über das „tragische Denken“ als politische Vernunft: „Tragisch denken heisst letztlich, dass man realisiert und akzeptiert, dass die Welt eben nicht perfekt ist. Irgendwo wird es immer Desaster und Traurigkeit geben. Dennoch kann tragisches Denken dazu beitragen, dass es nicht noch mehr Desaster und Traurigkeit gibt. Dazu gehört, dass man die Angst vor negativen Konsequenzen ernst nimmt.“

Im Januar ist Robert D. Kaplans neues Buch „The Tragic Mind“ (Yale University Press, 2023) herausgekommen, in dem Kaplan die … Mehr