Friedrich Mildenberger, Welthafte Wirklichkeit in ihrer Begründung in Gott: Versuch einer offenbarungstheologischen Neuinterpretation der Transzendentalienmetaphysik (1986): „Die Aufmerksamkeit, in der der Glaubende sein Innen durch die Wahrheit und Güte welthafter Wirklichkeit und darin durch die Ge­genwart der Zeit Gottes bestimmen läßt, sieht sich verbunden und verbündet mit dem, was ich Einsicht des Lebens genannt habe, dem Herzen des Menschen.“

Welthafte Wirklichkeit in ihrer Begründung in Gott Versuch einer offenbarungstheologischen Neuinterpretation der Transzendentalienmetaphysik. Gottes Offenbarung in Jesus Christus als Ermöglichung … Mehr

Ernst Bloch, Was im Alter zu wünschen übrigbleibt (Prinzip Hoffnung): „Der Altgewordene, der, in abendlicher Kühle auf der Bank vor seiner Haustür sitzend, das verbrachte Leben überschlägt und sonst nichts, dieser Zug des Grimmschen Wunschbildes ist wirtschaftlich wie inhaltlich außer Kurs gekommen. Nicht aber außer Kurs ist der tüchtige Wunsch, der dem nach Stille so angemessene, dass der Leerlauf des Lebens ringsum aufhöre. Hier hat das Alter (mit dem die bürgerliche Welt nichts mehr anfangen kann) das Recht, altertümlich zu sein.“

Was im Alter zu wünschen übrigbleibt Vor Ernst Bloch Wir lernen im Alter vergessen. Aufreizende Wünsche treten zurück, obzwar ihre … Mehr

Robert Spaemann, Was macht Personen zu Personen? (2011): „Der Akt der Anerkennung von jemandem als »jemand« und nicht »etwas«, der mit unserem Gebrauch des Wortes »Person« verbunden ist, hat eine immanente Logik. Eine ungerechtfer­tigte Einschränkung des Kreises derer, denen diese Anerkennung zuteil wird, verändert die Natur dieses Aktes auch gegenüber denen, die als Personen anerkannt werden. Eine ungerechtfertigte Datierung des Beginns dieser Anerkennung am Anfang des Lebens zieht eine ungerechtfertigte Beendigung im letzten Stadium des Lebens nach sich. Eine Person ist »jemand« und nicht »etwas«. Es gibt keinen kontinuierlichen Übergang von etwas zu jemand. Es wäre nicht korrekt zu sagen: »›Jemand‹ ist etwas mit den und den Eigenschaften.« Jemand ist nicht etwas. Wir müssen deshalb, um zu sagen, was wir mit »jemand« meinen, tautologisch sagen: »›Jemand‹ nennen wir jemanden, der die und die Eigenschaften hat.« Aber auch das ist nicht korrekt. Als jemanden betrachten wir nämlich manche Wesen, und zwar insbesondere Menschen, auch dann, wenn sie faktisch diese Eigenschaften gar nicht besitzen.“

Was macht Personen zu Personen?[1] Von Robert Spaemann I. Personalität und Individualität Vor zwei Jahren hielt ich Vorlesungen über kulturphilosophische … Mehr

Niklas Luhmann über die Theoriegewinnung in seinem Vorwort zu Soziale System (1984): „Die Aufgabe ist dann, schon vorhandene Texte zu sezieren, zu exegieren, zu rekombinieren. Was man sich selbst zu schaffen nicht zutraut, wird als schon vorhanden vorausgesetzt. Die Klassiker sind Klassiker, weil sie Klassiker sind; sie weisen sich im heutigen Gebrauch durch Selbstreferenz aus. Die Orientierung an großen Namen und die Spezialisierung auf solche Namen kann sich dann als theoretische Forschung ausgeben. Auf abstrakterer Ebene entstehen auf diese Weise Theoriesyndrome wie Handlungstheorie, Systemtheorie, Interaktionismus, Kommunikationstheorie, Strukturalismus, dialektischer Materialismus – Kurzformeln für Komplexe von Namen und Gedanken. Neuheitsgewinne kann man dann von Kombinationen erwarten.“

Was Niklas Luhmann seinerzeit in seinem Vorwort zu Soziale System (1984) mit einer feinsinniger Ironie beschrieben hat, lässt sich mit … Mehr

Søren Kierkegaard, Die Unerklärlichkeit des Todes (Drei Reden bei gedachten Gelegenheiten, 1845): „Die Unerklär­lichkeit ist die Grenze, und die Bedeutung der Aussage ist allein, dem Gedanken des Todes rückwirkende Kraft zu geben, ihn zu einem Ansporn im Leben zu machen, weil mit der Entscheidung des Todes es vorüber ist, und weil die Ungewissheit des Todes jeden Augenblick nachsieht.“

Die Unerklärlichkeit des Todes Von Søren Kierkegaard Endlich muß von der Entscheidung des Todes gesagt werden, daß sie unerklärlich ist. … Mehr

Hans Jonas, Der ethischen Perspektive muß eine neue Dimension hinzugefügt werden. Ein Interview (1992): „Es braucht gar keine Hoffnung in sich zu bergen, es birgt eine Pflicht in sich, nämlich sich nicht dem Fatalismus zu überlassen, weil man damit aufgegeben hat und das Schicksal, das ja doch vermieden werden soll, damit eigentlich nur besiegelt. Das Denken, das noch eine Chance erspähen und damit aufrufen kann, etwas zu tun, ist ja schließlich dasselbe mächtige Denken wie das, was uns in die Krise und die unmögliche Misere hineingeritten hat. Eben dieses Denken muß für jene Chance offen bleiben, wenn überhaupt eine Hoffnung sein soll.“

Der ethischen Perspektive muß eine neue Dimension hinzugefügt werden. Ein Interview mit Fragen von Mischka Dammaschke, Horst Grönke und Christoph … Mehr

Michel Foucault, Was ist ein Autor?: „Der Autor ist genau genommen weder der Eigentümer seiner Texte, noch ist er verantwortlich dafür; er ist weder ihr Produzent noch ihr Erfinder. Der Autor ist sicherlich derjenige, dem man das Geschriebene oder Gesagte zuschreiben kann. Aber die Zuschreibung – selbst wenn es sich um einen be­kannten Autor han­delt – ist das Ergebnis komplizierter kritischer Operationen.“

Was ist ein Autor? Von Michel Foucault Französische Gesellschaft für Philosophie Sitzung vom Samstag, den 22. Februar 1969 Michel Foucault, … Mehr

Hannah Arendt, Über den Totalitarismus. Vorwort und abschließende Bemerkungen zur ersten Auflage von The Origins of Totalitarianism (1951): „Unsere neue Schwierigkeit liegt darin, dass ein fundamentales Mißtrauen in alles, was nur gegeben ist, zu unserem Ausgangspunkt geworden ist – ein Misstrauen gegen alle Gesetze sowie moralischen und gesellschaftlichen Vorschriften, die aus einem gegebenen, umfassenden, universalen Ganzen abgeleitet werden. Die Quellen der Autorität des Rechts werden untergraben, und es werden die letzten Ziele der politi­schen Organisationen und Gemeinschaften in Frage gestellt; das zwingt uns nicht nur, neue Gesetze zu finden und zu vererben, sondern auch ihr eigentliches Maß, den Maßstab von Gut und Böse, das Prinzip ihrer Quelle, zu finden und zu vererben.“

Über den Totalitarismus. Vorwort und abschließende Bemerkungen zur ersten Auflage von The Origins of Totalitarianism (1951) Von Hannah Arendt Vorwort … Mehr

Über den Thymos und dessen schädigenden Auswirkungen: „Wo der wählerische Homo optativus immer weniger für sich selbst erreichen kann und immer mehr zu verlieren hat, lässt die Verlusterfahrung den Thymos über sich herauswachsen. Als Populismus oder Haltungsaktivismus kollektiviert zersetzt er in seinem Eifer den Gemeinsinn, senkt Toleranzschwellen und lässt Konflikte eskalieren. Ist die kommunikative Vernunft nicht länger einem kollektivierten Thymos gewachsen, zerfällt ein demokratischer Verfassungsstaat in einen Tribalismus oder wird durch eine Diktatur ersetzt.“

Über den Thymos und dessen schädigenden Auswirkungen Von der anthropologischen Tradition her unterscheidet man bezüglich des Menschseins zwischen Geist (pneuma/spiritus) … Mehr