„Am Anfang war das Wort“, sagte der unglückliche Mann. Aus Andrei Tarkowskis Tagebuch vom Februar 1979: „Hilf mir, Herr, und vergib mir! Ein Bild ist ein Abdruck der Wahrheit, den Gott uns mit unseren blinden Augen erahnen lässt. Ich glaube, ‚Stalker‘ wird wirklich mein bester Film sein. Das ist gut zu wissen, aber nicht mehr. Oder besser: Es gibt mir größeres Vertrauen. Es bedeutet keineswegs, dass ich eine hohe Meinung von meinen Filmen habe. Ich mag sie nicht – sie enthalten so viel Hektisches, Vergängliches, Falsches. (Weniger in ‚Stalker‘ als in anderen.) Das liegt nur daran, dass die Filme anderer so viel schlechter sind. Ist das Hochmut von mir? Vielleicht. Aber es ist auch die Wahrheit.“

„Am Anfang war das Wort“, sagte der unglückliche Mann. Aus Andrei Tarkowskis Tagebuch 10. Februar 1979 Herr! Ich spüre, wie … Mehr

Hayden White, Das Problem der Erzählung in der modernen Geschichtstheorie: „Die Tatsache, dass die Erzählung eine »historischen« wie »nichthi­storischen« Kulturen gemeinsame Diskursform ist und im mythi­schen wie im fiktionalen Diskurs überwiegt, macht sie als Form des Sprechens über »reale« Ereignisse verdächtig. Die nichtnarrative Sprechweise, wie sie in der Physik üblich ist, scheint der Darstel­lung »realer« Ereignisse angemessener. Dabei aber ist die Vorstellung von dem, was ein »reales« Ereignis ist, nicht von der Unter­scheidung zwischen »wahr« und »falsch« abhängig (denn dies ist eine Unterscheidung, die zur Ordnung der Diskurse und nicht zur Ordnung der Ereignisse gehört), sondern eher von der Differenzie­rung zwischen »real« und »imaginär« (die sowohl zur Ordnung der Ereignisse als auch zur Ordnung der Diskurse gehört). Man kann einen imaginären Diskurs über reales Geschehen schaffen, der, weil er »imaginär« ist, deshalb nicht weniger »wahr« zu sein braucht. Alles hängt davon ab, wie man das Wirken der menschlichen Imagi­nationsfähigkeit interpretiert.“

Das Problem der Erzählung in der modernen Geschichtstheorie Von Hayden White In der neueren Geschichtstheorie ist die Erzählung Gegenstand außerordentlich … Mehr

Franz Kafka, Die Erfindung des Teufels (Tagebücher 1910-1923): „Nur die Menge der Teufel kann unser irdisches Unglück ausmachen. Warum rotten sie einander nicht aus bis auf einen oder warum unterordnen sie sich nicht einem großen Teufel? Beides wäre im Sinne des teuflischen Prinzips, uns möglichst vollkommen zu betrügen. Was nützt denn, solange die Einheitlichkeit fehlt, die peinliche Sorgfalt, die sämtliche Teufel für uns haben?“

9. Juli 1912 Die Erfindung des Teufels Von Franz Kafka Wenn wir vom Teufel besessen sind, dann kann es nicht … Mehr

Huub Oosterhuis, Kennst du mich? Wen kennst du dann?: „Bist du der Einzige, vor dessen Augen / meine Nacktheit nicht verborgen ist? / Kannst du es ertragen, wie kein anderer, / dass ich kein Licht gebe, nicht warm bin, / dass ich nicht schön bin, nicht viel, / dass keine Quelle entspringt / in meiner Tiefe, / dass ich nur dieses Gesicht habe, / kein anderes? / Bin ich durch dich, ohne Scham, / gesehen, angenommen, / von niemand Geringerem? / Wäre das nicht viel zu wahr?“

Kennst du mich? Wen kennst du dann?Weißt du mehr über mich als ich?Kennst du mich? Wer bin ich dann?Weißt du … Mehr

Christoph Grubitz über den Aphoristiker Elazar Benyoëtz: „Was Kohelet Aktualität verleiht, ist auch in Benyoëtz’ Aphoristik zu finden: Die Desavouierung von billigen Trostreden und die Aufwertung des Vergänglichen. Ernst Blochs Wort, dass das Buch Kohelet den »oppressiv gebrauchten Jenseitsschreck wegnimmt«, gilt auch für Benyoëtz. Religion und Utopie erweisen sich so als ästhetischer Vorschein einer besseren Welt: »Das Geglaubte bleibt nicht aus, es ist das Ausbleibende.«“

Elazar Benyoëtz (geb. 24.3.1937 in der Wiener Neustadt) Von Christoph Grubitz Unter den deutschsprachigen jüdischen Apho­ristikern des 20. und 21. … Mehr