Joseph Wittig, Der neue Kalender: „Wenn dann der Vater nach der Milchsuppe am Jahresschluß den neuen Kalender brachte, die Januarseite aufschlug und dabei sagte: „Jetzt ist das alte Jahr zu Ende; jetzt kommt das neue Jahr; ich wünsche euch allen ein gesundes und glückliches Jahr“, dann war das alte Jahr wirklich vorbei und ein neues war ge­kommen, und wir freuten uns und waren selig, ohne zu fragen, warum. Wenn der Vater etwas sagte, so war es weder Zeremonie noch Symbol, sondern immer Wirklichkeit.“

Der neue Kalender Von Joseph Wittig Es braucht nicht erst in der Zeitung zu stehen, denn das wissen wir von … Mehr

Joseph Wittig, Es wurde ein Kind, nicht ein Schnitzwerk (Roman mit Gott): „Sie schufen wohl alle für ihr Haus eine bewegliche Weihnachtskrippe, die das Wunder inmitten einer lebens­voll bewegten Welt, zwischen den Straßen der Welt und den Viehwegen und Viehtrieben der Gebirge darstellte. Sie liebten ihre Frauen, aber ihre eigentliche Liebe galt dem ‚Christkind‘, das in der Heiligen Nacht geboren wurde. Sie liebten Gott, aber sie liebten und fanden ihn in diesem Kinde.“

Es wurde ein Kind, nicht ein Schnitzwerk Von Joseph Wittig Ich schreibe diese Zeilen am „Christ heiligen Abend“. Mit Weib … Mehr

Warlam Schalamow, Durch den Schnee (1956): „Geht man den Weg des ersten in seinen Fußstapfen, entsteht eine erkennbare, doch kaum begehbare schmale Fährte, ein Fußpfad, kein Weg — Löcher, in denen es sich schwerer läuft als im unberührten Schnee. Der erste hat es am schwersten, und wenn seine Kräfte erschöpft sind, geht ein anderer vom selben Fünfervortrupp voran. Von denen, die der Spur folgen, muß jeder, selbst der Kleinste und Schwächste, auf ein Stückchen unberührten Schnee treten, nicht in die fremden Fußspuren.“

Durch den Schnee (1956) Von Warlam Schalamow Wie tritt man einen Weg in unberührten Schnee? Ein Mann geht voran, schwitzend … Mehr

Ernst Lange, Die Kerzen: „Denn am Tag darauf, eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst, kam Sergej in die Kirche. Er kam auf mich zu und wollte mir gerade seine Hand geben, als sein Blick auf den Altar fiel. Da zog er die Hand wieder zurück. „Ihr habt sie nicht genommen?“ fragte er, und es war einen Augenblick lang, als wollte er anfangen zu weinen. „Ihr habt sie also nicht genommen!“, und jetzt war seine Stimme schwer und böse vor Zorn und Enttäuschung. „Kerzen von einem Kommunisten sind wohl nicht gut genug für … für den da!“

Die Kerzen Von Ernst Lange Als ich meinen zweiten Weisen traf, war der große Krieg schon vorbei. Allerdings erst drei … Mehr

Nerses IV. Schnorhalis Worte aus seiner „Elegie über Edessa“ (1145) im Hinblick auf die Vertreibung der Armenier aus der Region Bergkarabach: „Mein Herz ist in Ängsten / und ich ringe mit mir selbst / und bin schmerzlich mit mir selbst gequält. / Und meine Seele und Geist sind in Aufruhr, / wenn ich mir den letzten unseligen Tag in Erinnerung rufe / und das Morgen, das so dunkel ist.“

Aus der Elegie über Edessa Von Nerses IV. Schnorhali Nach der Vertreibung der Armenier aus der Region Bergkarabach im September … Mehr

Reinhold Schneider, Das Friedensreich der Toten. Zu Allerheiligen – Allerseelen (1945): „Es dunkelt früh, und die verlassene Trümmermasse baut sich zusammen zur Totenstadt, über die der Turm gebietet. Und wieder ist ein Tag über den Garten gegangen, und es ist nichts geschehen, als daß der Teppich der Blätter noch dichter wurde und die Zweige sich ein wenig mehr gelichtet haben. Die Stunden glitten hin wie der Flug der Vögel, der keine Spuren läßt.“

Das Friedensreich der Toten. Zu Allerheiligen – Allerseelen Von Reinhold Schneider In der Nacht, gegen Morgen, breitete sich der Nebel … Mehr

Das Hohelied der Liebe (1. Korinther 13, 1-13) in der Übertragung von Jörg Zink: „Die Liebe hat Zeit. / Sie liebt mit langem Atem. / Sie ist freundlich. / Sie erzwingt nichts / und nimmt den Geliebten, wie er ist. // Sie fällt nicht auf / und stellt sich nicht zur Schau. / Sie verletzt nicht. / Sie greift nicht an. / Sie sucht keinen Gewinn. // Sie wird nicht bitter / durch bittere Erfahrung. / Sie rechnet das Böse nicht zu. / Sie trauert über das Unrecht / und freut sich über die Wahrheit.“

Das Hohelied der Liebe (1. Korinther 13, 1-13) in der Übertragung von Jörg Zink Spräche ich in allen Sprachen der … Mehr