Brief an den Kurfürsten Johann den Beständigen zur Visitation vom 30. November 1525 Von Martin Luther Gottes Gnade und Friede … Mehr
Kategorie: Kirchengeschichte
Klaus Scholder, Kirchenkampf (1975): „Der Kirchenkampf hat wie keine Epoche zuvor die Schwierigkeiten des politischen Redens und Handelns der Kirche im 20. Jahrhundert offenbar werden lassen. Die Thematisierung von Schrift und Bekenntnis war in einer revolutionären politischen Situation die einzige und die einzig legitime Möglichkeit der Kirche, zu einem Konsensus über eine falsche politische Theologie zu kommen – ein Vorgang, wie er auch schon im Widerstand der Erweckungsbewegung gegen den Nationalprotestantismus am Anfang des 19. Jahrhunderts zu beobachten ist. Dass diese Thematisierung nicht schlechterdings unpolitisch war, sondern zu bestimmten politischen Konsequenzen nötigte, diese Einsicht ist der Kirche mehr aufgezwungen worden, als dass sie sie von sich aus entwickelt hätte. Daraus jedoch zu folgern, die Kirche müsse zu einer unmittelbaren Einsicht in das politisch jeweils Richtige und Gebotene gebracht werden, heißt den Fehler der Deutschen Christen zu wiederholen und die grundlegende Einsicht Bonhoeffers aufzuheben: ‚Die Kirche kann primär nicht unmittelbar politisch handeln; denn die Kirche maßt sich keine Kenntnis des notwendigen Geschichtsverlaufs an.'“
Kirchenkampf Von Klaus Scholder I. Der Begriff und seine Geschichte Als Kirchenkampf bezeichnet man die wechselvolle Gesch. der christl. Kirchen … Mehr
Klaus Hemmerle, Nächte, die Licht geben: „Als wir über die mit Schutt bedeckte Treppe wieder heraufkrochen, ein Bild des Entsetzens, ein schier endloser Feuerschein am nächtlichen Himmel über den Trümmern der Altstadt. Aber es gab für uns nur einen Blick: hinauf zum Münsterturm. Und dann der trotz allem Entsetzen erlöste Schrei: Gott sei Dank, er steht noch! Es war ein gespenstischer Weg heimwärts durch die Trümmer, aber je näher wir unserem Zuhause kamen, desto spärlicher waren die Zeichen der Zerstörung. Doch ein Haus in der Straße brannte – es war das unsere. Und nun der durchdringende Bittruf meines Vaters: Lieber Gott, nimm uns alles, aber lass uns zusammen!“
Nächte, die Licht geben Von Klaus Hemmerle 27. November 1944. Ich hatte an diesem Abend Brandwache in der Schule zu … Mehr
Helmuth James Graf von Moltke im Brief an die Ehefrau Freya (Januar 1945): „Der entscheidende Satz jener Verhandlung war: ‚Herr Graf, eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur dies eine: Wir verlangen den ganzen Menschen.‘ Ob er sich klar war, was er damit gesagt hat? Dann wird Dein Wirt ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und verurteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Großrundbesitzer, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher – das alles ist ausdrücklich in der Hauptverhandlung ausgeschlossen, sondern als Christ und als gar nichts anderes.“
Nun kann mir nichts mehr geschehen (Brief an die Ehefrau Freya) Von Helmuth James Graf von Moltke Tegel, den 10.1.1945 … Mehr
Gerhard Jacobi, Tagebuch eines Großstadtpfarrers (1929): „Bei einer Taufe, die ich hatte, entdeckte ich im Schlafzimmer, wo ich mir den Talar anzog, zweimal 30 Flaschen = 60 Flaschen Bier. Es waren 6 Herren geladen. Kindertaufe nicht sub specie aeternitatis, sondern alcoholis. Ach, es wird mir überhaupt das Taufen manchmal so schwer. Man lädt dem Kindlein das Schwerste auf, das Kreuz. Mit der Taufe begraben in den Tod. Und manchmal, da muss ich mich doch sehr bemühen, um innerlich zu hören, dass Gott in der Taufe spricht. – Selten gelingt es mir auch, in meiner Taufansprache hinaufkommen über das „Ich glaube an Gott den Schöpfer“. Es liegt natürlich an den Hörern; denn wer denkt heute in der Christengemeinde überhaupt bei der Taufe an Gott? Man denkt an Geburt, Kaffee, Kuchen, Bier, ans Familienfest, das der Pfarrer verbrämen muss. Manchmal suche ich die Familienfeststimmung zu durchbrechen durch ein herbes Bibelwort, das ich den Fräcken und seidenen Kleidern zurufe. Mag’s ihnen, den Eltern oder Paten, ruhig ein Ärgernis sein, dass man so etwas bei der Taufe sagt.“
Gerhard Jacobis Tagebuch eines Großstadtpfarrers, das auf dessen Pfarrdienst an der Hallenser Pauluskirche (1923-1927) Bezug nimmt, wird von Klaus Scholder … Mehr
Hans Graf von Lehndorff, Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42): „Wie konnte es geschehen, dass ich 31 Jahre alt werden und in dies schäbige Gemeindehaus kommen musste, um zu erfahren, dass es noch etwas anderes gab als meine kleine Existenz, nämlich eine Welt, die nach allen Seiten offensteht, in der man leben und atmen kann und die eine Fülle von Entdeckungen für mich bereithält? Ich saß vornübergebeugt, vergaß meine Umgebung und staunte nur über das, was aus diesem Menschen zu mir sprach. Zu mir ganz allein – denn wer sonst unter den Anwesenden hätte seine Worte so verstehen können, wie ich sie verstand? Ich holte immer wieder tief Luft und wusste, dass die enge Wand, die mich umgab, an einer Stelle durchstoßen worden war.“
Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42) Von Hans Graf von Lehndorff Wenn man mich … Mehr
Hans Joachim Iwand, Brief an Fritz Kessel, DC-Bischof der Provinz Ostpreußen mit Sitz in Königsberg (1934): „Dass heute ein Geschlecht von jungen Theologen heranwächst, die wieder ‚aus Glauben reden‘ und darum vielleicht denen, die aus der Kirche von ehedem kommen, unbequem sind, ist meine Zuversicht und Gewissheit. Wer wider sie steht, wird nicht auf immer widerstehen können.“
Brief an Fritz Kessel, DC-Bischof der Provinz Ostpreußen mit Sitz in Königsberg (1934) Von Hans Joachim Iwand Königsberg, den 8. … Mehr
Hans Joachim Iwand, Predigt über 1. Johannes 1,5-9 (Predigerseminar Jordan, 1937): „Meine Brüder, die Anfechtungen des Lebens können und werden noch sehr hoch gehen, es werden Zeiten und Stunden kommen, in denen wir glauben, Gott ganz verloren zu haben, aber wenn wir dies, dies letzte, endgültige Wort Gottes nicht loslassen, dann wird es kräftiger sein als alles, was uns von Gott trennen will. Dann wird es wirklich das Wort sein, das Gott über unser Leben setzt und das darum gilt in Zeit und Ewigkeit. Denn dabei wird es bleiben, solange wir hier auf Erden unseren Weg gehen: Was wir als Trost und Gewißheit unseres Glaubens haben, das haben wir darum, weil wir uns flüchten dürfen in die Arme unseres Gottes, der uns krönt mit Gnade und Barmherzigkeit und der zu uns sagt: Sei getrost mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben.“
Predigt über 1. Johannes 1,5-9 (1937) Von Hans Joachim Iwand Und das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehört … Mehr
Jeanette Wolff, Sadismus oder Wahnsinn: Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten (1946): „Mir als Mutter krampfte sich das Herz zusammen, und die anderen, besonders die junge Lettin, waren tieftraurig. Langsam ging der Tag zur Neige. Zum Appell ging meine Tochter fort, und wir alle glaubten sie schon verloren. Nach ungefähr einer Stunde kam sie zurück. Max hatte sie aufgeschnallt und immer wieder gefragt: ‚Hast du noch keine Angst?‘ und ‚Willst du den Namen nicht nennen?‘ Sie verneinte immer wieder, und nach 35 Minuten schnallte er sie ab und wurde mit den Worten ‚Na, feige bist du ja nicht‘ und einem Fußtritt entlassen. — Was wir beide empfanden, als wir uns wiedersahen, kann kein Mensch ermessen, und in diesem Moment gelobten wir uns: Weg vom Stutthof, sobald wie möglich und ganz gleich wohin.“
JEANETTE WOLFF SADISMUS ODER WAHNSINN. Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten Alleinauslieferung Großvertrieb Ernst BreifeldGreiz in Thüringen Sachsenverlag Druckerei- … Mehr