Gerhard Jacobi, Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935): „Wenn der Weg des Brotes für Jesus eine Versuchung war, dann wird er wohl auch eine Versuchung für seine Kirche sein. Das ist er auch, sogar ein höchst verführerischer Weg. Gebt den Menschen Brot, dann werden sie in den Schoß der Kirche kommen. Durch Brot gewinnt man Seelen und Leiber. Die Kirche soll (immer wieder wird es gesagt) nur ordentlich Wohlfahrtspflege treiben, sie soll nicht so viel predigen. Solche Reden sind gerade darum eine Versuchung, weil Liebe, Hilfe, Fürsorge zum Auftrag der Kirche gehören. Der Versucher nimmt Dinge, die zum Glauben gehören. Und doch — wenn die Kirche aus dem Christentum nur Menschenfreundlichkeit machen würde, dann wäre sie nicht mehr Kirche Jesu Christi. Die Kirche hat zu predigen; denn der Glaube kommt aus der Predigt (sagt der Apostel). Sie wird wahrhaftig auch leiblich helfen, so sehr sie kann, und trotzdem hat sie — so hart das klingt — zu sagen: Du Mensch lebst nicht vom Brot allein, und hättest du alles, was diese Erde zu geben vermag, so lebst du deshalb noch lange nicht. Leben, wahrhaft leben kannst du nur von dem Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Dieses Wort ist Christus.“

Predigt über Matthäus 4, 1-11 (1935) Von Pfarrer Gerhard Jacobi, Berlin. Da ward Jesus vom Geist in die Wüste geführt, … Mehr

Lothar Loeffler, Professor für Erb- und Rassenbiologie während der NS-Zeit als Verfasser dreier Artikel Eugenik, Euthanasie und lebensunwertes Leben in der dritten Auflage der RGG: „Eine eugenische Indikation zur Schwangerschaftsunterbrechung oder zur Vernichtung sog. lebensunwerten Lebens ist abzulehnen. Die zu erwartenden Erfolge der Sterilisierung für menschliche Populationen sind umstritten. Als Maßnahme privater Eugenik auf freiwilliger Grundlage, etwa bei Vorhandensein schon mehrerer, in gleicher Weise erbkranker Kinder einer Ehe, kann ihr Bedeutung zukommen. Allerdings wird dem kath. Christen die Lehre seiner Kirche entgegenstehen.“

Das sind die Geschichten aus der Nachkriegszeit. Ausgerechnet Lothar Loeffler (1901-1983) hatte in der dritten Auflage der RGG (Religion in … Mehr

Wilhelm Flor, Kirchenrecht (1937): „Das Recht der Kirche ist von anderer Art als das des Staates. Das staatliche Recht ist dazu bestimmt, das gesamte Staatsleben zu regeln, das Kirchenrecht ist, weil die Ordnung der Kirche bereits grundlegend durch das Bekenntnis bestimmt und daran gebun­den ist, nicht so umfassend. Die Ausgabe des Kirchenrechts ist, die Wortverkündigung und die Verwaltung der Sakramente in Gemäßheit der Heiligen Schrift und der Bekenntnisschriften zu ermöglichen und sicherzu­stellen. Auch die die äußeren Dinge betreffenden Rechtsnormen haben letzten Endes dieses Ziel. Dass äußere und innere Angelegenheiten der Kirche überhaupt nicht völlig voneinander getrennt wer­den können, ist in dem 1933 entbrannten Kirchen­streit besonders deutlich geworden.“

Kirchenrecht (1937) Von Wilhelm Flor Wilhelm Flor (1883-1938) war der maßgebliche Jurist der Bekennenden Kirche im Kirchenkampf. Kirchenrecht ist die … Mehr

Stewart W. Herman über die Evangelisch-lutherische Kirchen in Bayern 1945: „Das kirchliche Leben scheint gesünder zu sein als in vielen anderen Teilen des Landes, aber es gibt keine Anzeichen für einen stark evangelischen (evangelical) Trend, der in den kommenden Jahren für das ganze Land führend sein könnte. Bayern bleibt die Hochburg des Konservatismus, der sich radikalen Veränderungen in jeder Richtung widersetzt.“

Stewart Winfield Herman, Jr. (1909-2006), US-amerikanischer lutherischer Pastor im Dienst des Office of Strategic Services (OSS) über seine Gespräche vom … Mehr

Johannes Bugenhagens Leichenpredigt zum Begräbnis Martin Luthers (1546): „Ich soll jetzt und will gerne bei dem Begräbnis unseres herzlieben Vaters, D. Martini seligen, eine Predigt halten. Aber was oder wie soll ich reden, so ich vor Weinen nicht wohl ein Wort hervorbringen kann? Und wer soll euch trösten, wenn ich, euer Pfarrherr und Prediger, nicht reden kann? Wohin kann ich mich von euch wenden? Ich werde ohne Zweifel mit meiner Rede mehr Heulen und Trauern hervorrufen. Denn wie sollten wir nicht alle herzlich trauern, da Gott uns diese Betrübnis zugeschickt und den hohen, teuren Mann, den ehrwürdigen D. Martinus Luther, von uns weggenommen hat? Durch ihn hat er uns allen und allen Kirchen Christi in deutschen Landen, auch vielen in fremden Nationen, unaussprechliche Gaben und Gnade erwiesen.“

Eine christliche Predigt bei der Leiche und Begräbnis des ehrwürdigen Herrn D. Martinus Luther am 22. Februar 1546, gehalten von … Mehr

Über die Hinrichtung von Eitelhans Langenmantel als Wiedertäufer 1528 in Weißenhorn (aus der Chronik von Clemens Sender): „Und als er den Glauben wieder zu sprechen begann, schlug ihm der Henker das Haupt ab. Der Kopf fiel auf die Erde, und der Leib blieb auf dem Schemel sitzen; zugleich fiel der Schemel mit seinem Leib um. Und so hat er sein Ende andächtig und standhaft beschlossen, was viele Leute zum Weinen und tiefen Nachdenken bewegte.“

Über die Hinrichtung von Eitelhans Langenmantel als Wiedertäufer 1528 in Weißenhorn (aus der Chronik von Clemens Sender) An Sankt Georgentag … Mehr

Hans Ruh über Josef L. Hromádka (1967): „Das gesamte Denken Hromádkas zielt hin auf Bewegung: Dynamik steht gegen Statik, Veränderung gegen Ruhe, Feuer gegen Erstarrung, Revolu­tion gegen Status quo. Solche Bewegung deutet hin auf die besondere Be­wegtheit des Menschen Hromádka. Er gehört zu den Theologen, deren Per­sönlichkeit in den theologischen Aussagen und den ethisch-politischen Ent­scheidungen zu einem sichtbaren Ausdruck gelangt. Hromádkas Biographie gehört hinein in die Beschreibung seines theologischen Denkens, ja er ist einer der Theologen, die man kennen muss, will man ihre Intentionen zu­tiefst verstehen und würdigen.“

Josef L. Hromádka Von Hans Ruh Josef L. Hromádka, geboren am 8. Juni 1889 in Hodslavice (Mähren). 1907—12 Theologiestudium in … Mehr

Dorothee Sölle über Friedrich Gogarten: „Alles ist euer — der Satz spricht von der Mündigkeit dessen, der Vernunft hat zu prüfen, was nützlich und zuträglich sei. Ihr aber seid Christi — das ist keine Einschränkung hintenherum, als müsse die Säkularisierung nun doch an be­stimmten Grenzen haltmachen. Ihr seid Miterben Christi, zur gleichen Sohnschaft berufen, zu Verantwortung und Leiden, Herren der Welt, weil Söhne des Vaters. Eben dies meint unter Christen das Wort Freiheit.“

Friedrich Gogarten Von Dorothee Sölle Friedrich Gogarten, geboren am 13. Januar 1887 in Dortmund. 1917 Pfarrer in Stelzendorf (Thüringen). 1922 … Mehr

Heinrich Alt über die Kanzel- bzw. Predigtuhr (1843): „Dann begann nach dem Kanzelvers und der Vorlesung des Textes die eigentliche Predigtabhandlung, die gewöhnlich drei Theile enthielt, von denen der erste mit dem Auslaufen des zweiten Viertelstundenglases zu Ende war; das leerwerdende dritte Viertelstundenglas belehrte dann den Redner, daß es Zeit sei, den dritten Theil zu beginnen, und auch dieser wurde wieder mit der pünktlichsten Genauigkeit so lang gedehnt, daß erst mit dem letzten verrinnenden Körnlein das oft lang ersehnte ‚Amen‘ erfolgte.

Die Sanduhr Von Heinrich Alt Häufiger noch, als das Kanzelpult, findet man auf den Kanzeln die Sanduhr, nach welcher sich … Mehr