Philipp Jakob Spener, Pia Desideria oder Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren evangelischen Kirche samt einigen einfältig dahin abzweckenden christlichen Vorschlägen (1675): „Es werden zwar wenige evangelische Orte sein, wo nicht genug Predigten gehalten werden, aber dennoch finden viele gottselige Gemüter an vielen Predigten nicht wenig auszusetzen, denn es gibt Prediger, die oft ihre meisten Predigten mit Dingen anfüllen, womit sie sich den Ruhm der Gelehrsamkeit erwerben wollen, obwohl die Zuhörer nichts davon verstehen; da müssen oft viele fremde Sprachen herbei, von denen vielleicht nicht ein Einziger in der Kirche ein Wort versteht. Wie manche tragen mehr Sorge dafür, dass der Eingang passend, und der Übergang natürlich, dass die Einteilung kunstreich genug, und alle Teile recht nach der Redekunst abgemessen und ausgeziert seien, als dass sie solche Materien wählten und durch Gottes Gnade ausführten, wovon die Zuhörer im Leben und Sterben Nutzen haben könnten.“

Speners Pia Desideria erschien als Vorrede zur Neuausgabe von Johann Arndts Evangelienpostille für die Frankfurter Frühjahrsmesse im März 1675 (signiert … Mehr

Der Rat von Nürnberg an seinen Gesandten beim Schwäbischen Bund (24. März 1525): „Es ist gar leicht zu reden, das Evangelium und seine Prediger verursachten diese Empörung. Wie sich aber die harte Tyran­nei und Bedrückung durch die Herrschaften verantworten und verbergen lassen, das weiß jedes Kind auf der Straße, vor allem, dass die Herren das Wort Gottes mit Gewalt verfolgt, seine Prediger geplagt, seine Hörer gestraft, und aus dem Evan­gelium nichts anderes als Geld gezogen und es missbraucht haben zum Deckmantel ihres unerhörten Handelns. So also muss eine Ungehörigkeit die andere mit sich bringen.“

Der Rat von Nürnberg an seinen Gesandten beim Schwäbischen Bund (24. März 1525) Was die aufrührerische Bauernschaft betrifft, scheint uns … Mehr

Philipp Melanchthons Schrift Wider die 12 Artikel der Bauernschaft (1525): „Da sich die Bauern auf das heilige Evangelium berufen und dieses als Vorwand nutzen, ist es zunächst notwendig zu klären, was das heilige Evangelium von uns verlangt oder nicht verlangt, damit man die Artikel der Bauernschaft beurteilen kann. Diese versuchen nämlich, alle ihre Forderungen im Namen Gottes durchzusetzen und wollen uns glauben machen, dass der Grund ihrer Artikel darin besteht, das Evangelium zu hören und entsprechend zu leben. Dabei verlangen die Bauern jedoch vieles, was ihnen nicht zusteht und wozu sie auch nicht vom Evangelium ermächtigt sind. Darüber hinaus üben sie Gewalt aus und wollen ihre Vorhaben durch Aufruhr, Empörung und Mord durchsetzen.“

Eine Schrift wider die Artikel der Bauernschaft (1525) Von Philipp Melanchthon Melanchthons Erwiderung zu den 12 Artikeln der Bauern wurde … Mehr

Die 12 Hauptartikel der Bauernschaft (März 1525): „Zum andern dann klar lauter folget, dass die Bauern, die in ihren Artikeln solches Evangelium zu Lehre und Leben begehren, nicht mögen ungehorsam, aufrührisch genennt werden. Ob aber Gott die Bauern (die nach seinem Wort zu leben ängstlich rufen) erhören will, wer will den Willen Gottes tadeln? Wer will in sein Gericht greifen? Ja, wer will seiner Majestät widerstreben? Hat er die Kinder Israels, die zu ihm schreien, erhöret und aus der Hand des Pharaos befreit, mag er nicht noch heute die Seinen erretten? Ja, er wirds erretten.“

Die 12 Hauptartikel der Bauernschaft Dem christlichen Leser Fried und Gnad Gottes durch Christum. Es sind viele Widerchristen, die jetzund … Mehr

Paul Tillich, Das Ja zum Kreuze. Radioansprache an die deutschen Freunde von 1949: „Sagt Ja zu Eurem Kreuz, sagt Ja zu dem, daß Ihr ausgestoßen seid, Euch selbst ausgestoßen habt. Es bedarf nur dieses einen Jas und Ihr seid nicht mehr ausgestoßen, Ihr seid Mitträger einer Gemeinschaft, die größer ist, als alles Verstoßen-Sein. Ihr, das deutsche Volk ist auferstanden. Aber es gibt keinen anderen Weg dazu, als ja zu sagen zu seinem Kreuz.“

Das Ja zum Kreuze. Radioansprache über »Die Stimme Amerikas« an die deutschen Freunde im Jahre 1949 Von Paul Tillich Meine … Mehr

Martin E. Marty (1928-2025) über Dietrich Bonhoeffer (1906–1945): „Bonhoeffer wird heute vor allem für seine Interpretation der modernen Geschichte in Erinnerung behalten, die er auf Grundlage dieser Beobachtungen sowie seines Bibelstudiums während der Gefangenschaft entwickelte. Aus christlicher Perspektive betrachtete er die Säkularisierung als einen weitgehend positiven Prozess. In einer viel beachteten historischen Analyse erkannte er, dass der ‚Gott der Erklärung‘ allmählich aus der europäischen Geschichte verschwand – und mit ihm das, was er das ‚religiöse Apriori‘ nannte. Mit diesem Begriff meinte er die Vorstellung, dass ein Mensch eine bestimmte Metaphysik, eine spezifische Sicht auf Transzendenz oder eine besondere Form der Frömmigkeit und kirchlichen Existenz übernehmen müsse, bevor er Christ werden könne. All dies, so Bonhoeffer, gehöre zur spirituellen Adoleszenz der Menschheit.“

Am 25. Februar ist Martin E. Marty, „the Dean of American Church Historians“ (Grant Wacker) im Alter von 97 Jahren … Mehr

Bedrohung des Zisterzienserinnenklosters Heggbach durch den Baltringer Haufen (Heggbacher Chronik, Februar/März 1525): „Am Samstag vor Circumdederunt, es war vor Valentini und der sonntägliche Buchstabe A [12. Februar], da kamen unsere armen Leute, die wichtigsten zu meiner seligen Herrin, und Ulrich Schmied war Hauptmann und Hans Galster, der Bruder der schwarzen Magdalena, war Fähnrich. Sie baten uns, dass wir ihnen etwas von den Zinsen nachließen und insbeson­dere, dass sie künftig weder Hennen noch Hühner noch Eier abgeben müssten. Da sagte meine selige Herrin, sie wolle das nicht tun, denn sie habe keine Macht, dem Gotteshaus zu nehmen, was ihm zukomme … Sie bäte sie inständig, dass sie von ihrem Vorhaben Abstand nähmen, denn sie würden sie selbst und das Gotteshaus in Ungemach bringen, auch bei jedermann in große Ungnade, das lege sie ihnen dar, und sie müsse sich ihrer schämen, besonders derer aus Sulmingen.“

Bedrohung des Zisterzienserinnenklosters Heggbach durch den Baltringer Haufen (Februar/März 1525) Eine unbekannte Nonne des Klosters Heggbach bei Biberach schrieb im … Mehr

Peter Blickle über den Deutschen Bauernkrieg: „Das göttliche Recht bildete den Ansatzpunkt zur Entwicklung neuer Verfassungsmodelle. Sie fußten auf der Prämisse, das Evangelium könne den Parameter für weltliche Ordnungen abgeben, was den prinzipiellen Widerspruch Luthers hervorrief, wohingegen der konkrete politische Unterbau je nach den territorialen Vorgaben variieren konnte. Gemeinsam ist allen Programmen, daß sie die Land- und Stadtgemeinden zur Basis des staatlichen Aufbaus machen und das Prinzip der Wahl für alle politischen Ämter durchsetzen wollen. So gelesen können die Programme insgesamt das Attribut »revolutionär« beanspruchen und der Bauernkrieg als solcher die Bezeichnung »Revolution des gemeinen Mannes«.“

Deutscher Bauernkrieg Von Peter Blickle Der Bauernkrieg gehört einerseits zu den herausragenden Ereignissen der deutschen Geschichte (Ranke nennt ihn das … Mehr