Paul Ricœur, Das Recht zu strafen (Le droit de punir, 1958): „Wenn das Leiden Christi einen Sinn hat, dann doch den, alle Sühne zu erfüllen und abzuschaffen. Das Leiden Jesu Christi ist die einzige und die letzte Sühne, und wie immer man es versteht, ob man sagt, es sei, weil die Sühne wahr ist und dann ist sie erfüllt, oder ob man sagt, sie sei falsch und dass es gerade keine Sühne gibt, weil Christus nicht gesühnt hat, sondern sich selbst umsonst hingegeben hat, wie man die Frage auch entscheiden mag, indem man sagt, dass die Sühne tot ist, weil sie erfüllt ist oder weil sie überwunden ist – wenn das Leiden Jesu Christi einen Sinn hat, kann nichts und niemand etwas zur Sühne Christi hinzufügen. Der Tod Christi ist der Tod der Sühne.

Das Recht zu strafen (Le droit de punir, 1958) Von Paul Ricœur Der Ausgangspunkt meiner Überlegung ist der Versuch, das … Mehr

Karl Barth, Euch ist heute der Heiland geboren (Weihnachten 1941): „Wer den Ernst der Weihnacht in sich hineingehen lässt, der glaubt. Alles andere ist Ersatzglaube. Es wäre viel einfacher, gerade recht zu glauben und also den Ernst der Weihnacht in sich hineingehen zu lassen. Wir können uns ja auch heute gesagt sein lassen, was heute geschehen und was heute zu uns gesagt ist. Dass der Heiland geboren und in seiner ganzen Hilflosigkeit mächtig auf dem Plane ist, das können heute auch solche realisieren, die sich noch gestern nichts davon träumen ließen. Der Ernst der Weih­nacht kann einem jeden, und er kann in allen Verhältnissen sofort greifbar und praktisch lebendig werden. Er kann von einem jeden gelebt werden. Laß dir geholfen — von dem Helfer, der uns heute geboren ist, geholfen sein! Lebe als ein solcher, dem durch ihn geholfen ist! Mehr ist nicht nötig, aber das ist nötig. Es kann ja einem jeden einleuchten — wirklich in einen jeden hineinleuchten —, dass dem Todesernst, der der menschlichen Existenz immer eigen ist, und dem besonderen Todesernst gerade unserer Zeit nur der Ernst der Weihnacht gewachsen ist, dass dieser aber eben darum in uns hineingehen und unser eigener Ernst werden muss.“

Euch ist heute der Heiland geboren (Weihnachten 1941) Von Karl Barth Die Redaktion von «Du» hat mich eingeladen, für dieses … Mehr

Kornelis H. Miskotte über den Gemeinsinn (1958): „Echter Gemeinsinn lebt nur da, wo der Mensch die Gemeinschaft als einen hohen Wert an sich erkannt hat und sein Leben danach richtet. Die heutige akute Vertrauenskrisis, der fortwährend genährte Arg­wohn aller gegen fast alle Mitmenschen, ist ein Symptom der Verwilderung des Gemeinsinns, das in einer krankhaften Einsamkeit wurzelt.“

Gemeinsinn Von Kornelis H. Miskotte Der Ursprung des heute schillernden Begriffes Gemeinsinn liegt im Begriff des sensus communis. Aus­gehend von … Mehr

Adolf von Harnack, Weihnachten (1928): „Der Friede — für den inneren und äußeren Menschen, für Haus und Familie, für Handel und Wandel, für die Staaten und den ganzen Weltkreis, für Leben und Sterben gibt es nichts Köstlicheres als den Frieden, und wenn wir auf die Stimmen der Völker, ihrer Lehrer, Propheten und Dichter lauschen, so ist es der Friede, den sie alle preisen und heiß begehren. Aber diesem heißen Begehren ent­spricht nicht, wenn wir näher zusehen, die klare Einsicht, wie ein vollkommener Friede beschaffen sein muß, und noch weniger die Einsicht, wie man zu ihm gelangt. Wirre Stimmen hören wir vielmehr und halbwahre Urteile: ‚Der Krieg ist der Vater aller Dinge und jeglichen Fort­schritts‘, ‚Wenn du Frieden willst, so rüste den Krieg‘, ‚Dauernder Friede erschlafft die Menschen‘, ‚der frische, fröhliche Krieg‘ und ähnliches. Aber von solchen Unklar­heiten ist die Menschheit nun endlich befreit worden, befreit durch das furchtbare Erlebnis des Weltkrieges, ja, diese Befreiung ist sein einziger positiver und segensreicher Erfolg — wenn die Menschheit bereit ist, ihn zu erkennen und anzunehmen. Der Weltkrieg hat uns gelehrt, was der Krieg ist und in noch fürchterlicherer Weise sein wird — vorher haben wir das nicht gewusst — aber eben dadurch hat er uns auch gelehrt, was der Friede ist.“

Weihnachten (1928) Von Adolf von Harnack Preisen muß man es, daß jedes Jahr ein Tag wiederkehrt, an dem Freude und … Mehr

Martin Luther, Des Katechismi Summa und Inhalt (Tischreden): „Der Katechismus ist die rechte Laienbibel, darinne der ganze Inhalt der christlichen Lehre begriffen ist, so einem jeden Christen zu der Seligkeit zu wissen vonnöten. Wie das Hohelied Salo­monis ein Gesang über alle Gesäng, canticum canticorum, ge­nannt wird, also sind die zehn Gebot Gottes doctrina doctrinarum, eine Lehre über alle Lehren, daraus Gottes Wille erkannt wird, was Gott von uns haben will und was uns mangelt.

Des Katechismi Summa und Inhalt (Tischreden) Von Martin Luther Der Katechismus ist die rechte Laienbibel, darinne der ganze Inhalt der … Mehr

Karl Barth, Der Sinn des kirchlichen Fortschritts (1939): „Weil auch das wahr ist, dass wir zwar Zeit haben, aber bald keine Zeit mehr haben werden, darum muss es in der Kirche mitten in der Evo­lution immer auch Revolutionen geben, genauer ge­sagt: Reformationen, d. h. Erneuerungen, Wieder­herstellungen von Grund aus, Rückgriffe, bzw. Vor­griffe auf den Grund und das Ziel der Kirche in Jesus Christus, radikale Besinnungen auf jenes Eine, im Wechsel der Zeiten Beharrende, das nun doch so einfach, wie Vinzenz von Lerinum es sich ge­dacht hat, der Kirche nicht zur Verfügung steht, das vielmehr nach einem Worte Calvins in ‚vielen Auferstehungen‘ der Kirche neu geschenkt, aber auch von der Kirche selbst immer neu erbetet, erkannt, erobert werden muss.“

Der Sinn des kirchlichen Fortschritts (1939) Von Karl Barth Als ich eingeladen wurde, in diesem Winter einen Bernoullianums-Vortrag zu halten, … Mehr

Christoph Blumhardt, Predigt zu Römer 3,22 über Gottes Gerechtigkeit (1893): „Nicht Gesetzlichkeit bringt uns Gottes Recht und Wahrheit, sondern unser Verhalten im Glauben zu Gott bringt uns Gerechtigkeit Gottes. Um diese handelt es sich, um die Gerech­tigkeit Gottes. In der Welt kann nichts werden, auch mit dir nicht — du bemühst dich ganz umsonst, und wenn du bis aufs Tüpfel­chen all dein Leben aushebst, wie brav und gut du sein wollest, und wenn ihr eine Gesellschaft gründet, die ganz spiegelglatt ist, da die Leute kaum mehr lachen, geschweige denn tanzen, oder ins Wirtshaus gehen, sondern deren Tageslauf bloß ist: Aufstehen, beten, arbeiten, beten, essen, beten, schlafen, beten — machet eine solche Gesellschaft, damit wird der Welt nicht geholfen!“

Predigt zu Römer 3,22 über Gottes Gerechtigkeit (1893) Von Christoph Blumhardt Die Gerechtigkeit vor Gott kommt durch den Glauben an … Mehr

Klaus Scholder, Kirchenkampf (1975): „Der Kirchenkampf hat wie keine Epoche zuvor die Schwierigkeiten des politi­schen Redens und Handelns der Kirche im 20. Jahrhundert offenbar werden lassen. Die Thematisie­rung von Schrift und Bekenntnis war in einer revolutionären politischen Situation die einzige und die einzig legitime Möglichkeit der Kirche, zu einem Konsensus über eine falsche politische Theologie zu kommen – ein Vorgang, wie er auch schon im Widerstand der Erweckungsbewegung gegen den Nationalprotestantismus am Anfang des 19. Jahrhunderts zu beobachten ist. Dass diese Themat­isierung nicht schlechterdings unpolitisch war, sondern zu bestimmten politischen Konsequen­zen nötigte, diese Einsicht ist der Kirche mehr aufgezwungen worden, als dass sie sie von sich aus entwickelt hätte. Daraus jedoch zu folgern, die Kirche müsse zu einer unmittelbaren Ein­sicht in das politisch jeweils Richtige und Gebo­tene gebracht werden, heißt den Fehler der Deutschen Christen zu wiederholen und die grundle­gende Einsicht Bonhoeffers aufzuheben: ‚Die Kirche kann primär nicht unmittelbar politisch handeln; denn die Kirche maßt sich keine Kenntnis des notwendigen Geschichtsverlaufs an.'“

Kirchenkampf Von Klaus Scholder I. Der Begriff und seine Geschichte Als Kirchenkampf bezeich­net man die wechselvolle Gesch. der christl. Kirchen … Mehr