Leonhard Goppelt, Versöhnung durch Christus nach dem Neuen Testament (1967): „Paulus versucht nun nicht spekulierend und objektivierend zu erklären, wie sich diese Erweisung der Liebe Gottes sachlich, insbesondere zeitlich, zur Bekundung seines Zornes verhalte. Er bringt die Wörter Versöhnung und Zorn nie direkt zusammen. Er verkündigt die Versöhnungstat Gottes und ruft alle auf, sich mit Gott versöhnen und dadurch aus dem Zorn retten zu lassen. Für den Glauben ist der Zorn gerade nicht entschwunden, er sieht ihn mehr als jeder andere Mensch, aber der Glaube findet allen Bekundungen des Zornes gegenüber, auch gegenüber dem Zorn des Endgerichtes, das große Dennoch: Nichts „kann uns scheiden von der Liebe Gottes“ (Röm. 8, 38 f.)“.

Versöhnung durch Christus nach dem Neuen Testament (1967) Von Prof. D. Leonhard Goppelt, Universität Hamburg Die Botschaft von der Versöhnung … Mehr

Sophie Scholl, Brief an Fritz Hartnagel (1942): „Der Anblick eines unschuldigen kleinen Mäuschens in der Falle hat mir immer Tränen in die Nase steigen lassen, und dass ich darüber froh wurde wieder, und jetzt noch froh bin trotzdem, kann ich bloß einem Vergessen verdanken, das aber doch keine Lösung ist. Es kann ja hier auf Erden auch keine Lösung geben. Im Römerbrief heißt es: denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deß Willen, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung. – Fritz, lies dieses Kapitel unbedingt selbst durch, nach diesem Brief, oder jetzt gleich. Und lies den herrlichen Satz zu Beginn: Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“

Brief an Fritz Hartnagel Von Sophie Scholl Ulm, 28.10.1942 Mein lieber Fritz!Heute habe ich einen Brief von Dir erhalten und … Mehr

Martin Luther, Ein Sermon von dem heiligen hochwürdigen Sakrament der Taufe (1519): „Die Taufe heißt auf Griechisch baptismos, auf lateinisch mersio, das ist, wenn man etwas ganz ins Wasser taucht, das über ihm zusammenschlägt. Und wiewohl an vielen Orten der Brauch nicht mehr ist, die Kinder in das Taufwasser ganz hineinzutauchen, sondern man begießt sie allein mit der Hand aus dem Taufwasser, so sollte es doch so sein und wäre recht, dass man nach dem Wortlaut des Wörtleins Taufe das Kind oder einen jeden, der ge­tauft wird, ganz hinein ins Wasser senkt und tauft und wieder herauszieht.“

Ein Sermon von dem heiligen hochwürdigen Sakrament der Taufe (1519) Von Martin Luther Zum ersten. Die Taufe heißt auf Griechisch … Mehr

Wilfried Joest über Bekehrung: „Auf jeden Fall bleibt die Bekehrung auch da, wo sie in einem besonderen Erlebnis des Umbruchs beginnt, ein lebenslanges Geschehen, denn das Ja zu dem befreienden Anspruch der Gottesgerechtigkeit und das Nein zum Anspruch der Sünde will täglich neu vollzogen sein. Das bedeutet nicht Halbierung und Dosierung – als brauchte ich mich heute noch nicht endgültig für Gott zu entscheiden, da ich mich ja auch morgen und immer wieder bekehren kann. Bekehrung meint immer das Ganze der Wendung und die Übergabe des ganzen gegenwärtigen und künftigen Lebens an Gott.“

Bekehrung IV. Systematisch Von Wilfried Joest Wenn wir uns im Verständnis dieses durch mancherlei Brauch und Mißbrauch belasteten Begriffs an … Mehr

Die Thesen von Pomeyrol (1941): „Gegründet auf die Bibel erkennt die Kirche Israel als das Volk an, das Gott dazu erwählt hat, der Welt einen Erlöser zu geben und mitten unter den Völkern ein immerwährender Zeuge des Geheimnisses seiner Treue zu sein. Obwohl sie zugibt, dass der Staat vor einem Problem steht, für das er eine Lösung finden muss, erhebt sie einen feierlichen Protest gegen jede Regelung, die die Juden aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließt. Die Kirche verzichtet auf alle zweideutigen Aussagen und erklärt, dass man die zwangsläufige Unterwerfung unter den Sieger nicht zu einem Akt freier Zustimmung erklären kann. Sie ist wohl bereit, alle äußeren Konsequenzen der Niederlage auf sich zu nehmen, sieht es aber als eine geistliche Pflicht an, gegen jeden totalitären und pseudoreligiösen Einfluss Widerstand zu leisten.“

Die Thesen von Pomeyrol (1941) Am 16. und 17. September 1941 versammelte sich in Pomeyrol – einem der Église réformée … Mehr

Wilhelm Freiherr von Pechmanns Begründung seines Kirchenaustritts im Schreiben an Reichsbischof Müller (1934): „Nun habe ich zwar oft und oft protestiert: gegen die Vergewaltigung der Kirche, gegen ihren Mangel an Widerstandskraft, auch gegen ihr Schweigen zu viel Unrecht und zu all’ dem Jammer und Herzeleid, das man, aus einem Extrem ins andere fallend, in ungezählte ’nichtarische‘ Herzen und Häuser, christliche und jüdische, getragen hat. Aber ich habe bisher nur in Wort und Schrift protestiert, und immer ganz vergeblich. Es ist Zeit, einen Schritt weiterzugehen, d. h. durch den Austritt aus einer Kirche zu protestieren, die aufhört, Kirche zu sein, wenn sie nicht ablässt, die auch von Ihnen wieder proklamierte ‚Einheit zwischen National­sozialismus und Kirche‘ zu einem integrierenden Bestandteil ihres Wesens, zur Richtschnur ihrer Verwaltung zu machen; wenn sie nicht ablässt, sich einem Totalitätsanspruch zu unter­werfen, in dem ich schon an sich, vollends aber in seiner Anwendung auf Glauben und Kirche, nichts anderes zu erkennen vermag als einen Rückfall in vor- und widerchristlichen Absolutismus.“

Begleitbrief zur Kirchenaustrittserklärung an Reichsbischof Müller Von Wilhelm Freiherr von Pechmann AN DEN REICHSBISCHOF München, Ostermontag, 2. April 1934 Hochwürdigster … Mehr

Helmut Tacke im Brief an Christian Möller (1980): „Hat uns nicht Kierkegaard ge­rade mit seinen Meditationen zur Nachfolge auf uns selbst und nur auf uns selbst festgelegt? Musste nicht folge­richtig bei Bultmann und anderen die eigene Entschei­dung zum Maßstab werden, bei der eben alles Entschei­dende von mir ausgeht? Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Dolmetscher der Rechtfertigung ausgestorben sind. Dass etwa unsere Predigten mit der Nachricht des ›Für uns‹ ihre Schwäche darin haben, dass die Hörer in sich selbst so stark sind und unter allen Umständen bei sich selbst bleiben und mit sich identisch sein wollen? Es ist wie in einem Uhrwerk, in dem ein Rad aus der Mitte herausgebrochen wurde. Das Motiv bewegt nicht mehr die Zeiger.“

Helmut Tacke im Brief an Christian Möller vom 30. Juni 1980 Ich bin davon überzeugt, daß die Seelsorge auf eine … Mehr

Johannes Rehm, „Gute Arbeit“ in christlicher Sicht: „Das gesellschaftliche Leben in unserem Land und insbesondere das Arbeitsleben verträgt keine weitere Beschleunigung und zusätzliche Arbeitsverdichtung. Die arbeitenden Menschen müssen spüren, dass es in den aktuellen Debatten um sie geht, dass ihre Arbeit geschätzt wird, dann wählen sie nicht rechtsradikal. Investitionen in ‚gute Arbeit‘ sind Investitionen in die Zukunft, die sich umfassend lohnen.“

„Gute Arbeit“ in christlicher Sicht Von Johannes Rehm I. Zur Einführung: Schlechte Zeiten für „gute Arbeit“? Eine „gewaltige Kraftanstrengung“ ist … Mehr

Karl Barth, Frohe Botschaft (Weihnachten 1946): „Die heimliche — aber für die, die hören, gar nicht heimliche — Wahrheit der Welt und des Menschenlebens heißt: dass Gott für uns ist. Was uns regiert, ist also nicht der Unsinn, mit dem wir uns selbst und mit dem wir uns gegenseitig belasten und unglücklich machen. Auch nicht die Ungerechtigkeit, gegen die wir uns offen oder heimlich empören und an der wir doch auch irgendwie beteiligt sind. Und so auch nicht die Gräber, in denen man uns alle einmal mit Ehren und Unehren versorgen wird. Indem Gott für uns ist, wie es in jener Nacht ausgesprochen wurde, ist das alles zur Lüge gemacht, gegen die wir — immer, wenn wir es hören könnten und wollten — die Köpfe erheben und getrosten Mutes hoffen und trotzen dürfen.“

Frohe Botschaft (Weihnachten 1946) Von Karl Barth Ich stelle mir die Menschen vor, die diese Weihnachtsnummer der «Schweizer Illustrierten Zeitung» … Mehr