Fridolin Stier über die Theologie im Vorhof: „Hier ist es still. Die Nacht schweigt tief. Über meinem Zelt stehn die Sterne, Abermillionen Sterne, schön und schrecklich, und schweigen in sich hinein, als wüßten sie es oder als wüßten sie nichts … Wie still es hier ist! Nur die Psalmen fern wo verhallend, und ein Hören­sagen, raunend sehr leise.“

Über die Theologie im Vorhof

Von Fridolin Stier

»Theologie im Vorhof« – das ist die meine, so hieße ich sie, wenn ihr ein Name zu geben wäre. Hier, im Vorhof, um es genau zu sagen: im Vorhof der Heiden, steht auf Abbruch mein Zelt. Ein großes Hörensagen trägt mir durch die Luft die Kunde vom Heiligtum zu, Psalmen höre ich hallen von fern; es ist Nacht … Groß ist der Vorhof; wer ins Heiligtum will, hier muß er hindurch …

Ist es bis zur »Stätte der Begegnung« noch weit? Ein­sam zelte ich hier; es ist sehr still. Wo sind die »Pilger« – die anderen, sind sie alle schon drin? Gibt es da ein »breites Tor«, durch das sie ohne Aufhalt im Vorhof hineingelangt sind? Hinein – wo hinein? […]

Hier ist es still. Die Nacht schweigt tief. Über meinem Zelt stehn die Sterne, Abermillionen Sterne, schön und schrecklich, und schweigen in sich hinein, als wüßten sie es oder als wüßten sie nichts … Wie still es hier ist! Nur die Psalmen fern wo verhallend, und ein Hören­sagen, raunend sehr leise, manchmal ein Aufschrei mich schreckend, und ich lausche wie Wild auf der Lauer, und meine Augen schweifen nomadisch … Vor­hof – Zelt – »Theologie«? Abbruch! Auf! Ich muß weiter! Das Heiligtum! Die Stätte! Ich finde sie nicht, es sei denn, DU riefest mich hin. Wenn du bist, wenn du du bist, komm!

Quelle: Fridolin Stier, Vielleicht ist irgendwo Tag. Aufzeichnungen, Freiburg-Heidelberg: Kerle, 1981, S. 347f.

Hier der Text als pdf.

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