Walter Lüthi, Der Name (aus: „Das Unservater. Eine Auslegung“ 1963): „Welch zerrissene, schmieri­ge und klebrige Sache aber ist doch unter uns Frommen das Geschwätz von Gott geworden! Und doch ist sein Name heilig, heilig, heilig. Ja es kann geschehen, dass Geld überhaupt entwertet wird. Es ist dann Inflation. Es gibt auch eine Inflation in der Kirche, eine Inflation am Wort, so dass dieses keine Deckung mehr hat und leer wird.“

Der Name

Von Walter Lüthi

Gott hat einen Namen. Namenlos ist das Elend auf dieser Erde, namenlos ist die Bosheit unter den Menschen; denn die Finsternis liebt die Namenlosigkeit. Namenlose, anonyme Briefe, Briefe ohne Unterschrift, pflegen gemeine Briefe zu sein. Gott aber ist kein anonymer Briefschreiber, Gott steht mit seinem Namen zu allem, was er tut und lässt und sagt, Gott hat das Tageslicht nicht zu scheuen. Der Teufel liebt die Anonymität; Gott aber hat einen Namen. Er hat diesen Namen nicht zufällig bekommen, hat ihn überhaupt nicht bekommen, er hat ihn sich selber beigelegt, denn er will einen Namen haben. Für ihn ist «Name» nicht «Schall und Rauch umnebelnd Himmelsglanz», sein Name ist sein Zeichen, das Zeichen dafür, dass er der wahre Gott ist, sein Name ist gleichsam seine Unterschrift, sein Namenszug, sein Siegel, seine Marke (seine Schutzmarke wenn ihr wollt!) – was diese Marke trägt, ist Gottes. Gott hätte gewiss auch Macht gehabt, keinen Namen zu haben; aber weil er die Klarheit liebt und die Vernebelung hasst, darum eben hat er es majestätisch vorgezogen, kein namen­loser Gott zu sein.

Und sein Name ist heilig, das heisst, er braucht nicht erst noch geheiligt zu werden, er ist es bereits; es ist nicht so, dass Gott etwas fehlte, das er noch nicht besässe, das noch auf uns warten müsste, bis dass wir es ihm erstatten würden. Sein Name war immer heilig, ist es und wird es sein in Ewigkeit. Sein Name ist heilig, das heisst eben, dass dieser Name ihm gehört und keinem anderen. Gott ist der einzige Träger dieses Namens, hat gewissermassen das Monopol darauf, er ist im wörtlichen Sinn des Wortes sein Eigenname. Darum ist diese erste Bitte des Unservaters entsprechend dem ersten der Zehn Gebote, wo es auch darum geht, dass Gott ein­zig ist und keiner neben oder ausser ihm. Sein Name allein ist heilig. Im Himmel weiss man das schon längst; darum wird im Himmel wohl kaum um die Heiligung des Gottesnamens gefleht, es ist das ein Gebet für die Erde und für uns Menschen. Vom Himmel her tönt es anders, dort wird angebetet, dort wird gejubelt: «Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll» (Jes. 6).

Aber nun hat Gott sich zu einem Schritt entschlossen, der nur schwer begreiflich ist. Gott gibt seinen Namen bekannt, und zwar nicht, was begreiflich wäre, nur den Engeln und Seligen des Himmels, sondern Gott hat sich entschlossen, seinen Namen auf die Erde zu geben, hat uns gar die Erlaubnis erteilt, seinen Namen zu brauchen. Gott hat seinen Namen hier auf Erden unter uns Menschen gleich­sam in Umlauf gesetzt und hat ihn damit uns preisgegeben. Es ist schon menschlich gesprochen ein Wagnis, eine Unterschrift zu geben, denn einmal unterschrieben, weiss man nie, was daraus werden kann; wenn die Unterschrift unter die Leute kommt und umgeht, hat man sie nicht mehr in der Hand, sie kann jederzeit missbraucht oder gar gefälscht werden. Ist es Gott mit seinem Namen ähnlich ergangen? War er damals ahnungslos, als er seine heilige Unterschrift auf dieser unheiligen Erde in Umlauf gab? War er ahnungslos und hat nicht gewusst, in welche Gefahr des Missbrauchs er damit seinen guten Namen brachte? Warum sollte er das nicht gewusst haben? Wenn er es dennoch tat, dann aus Liebe. Er liebt uns so sehr, dass er die Bedenken um die Heiligkeit seines Namens zurückstell­te, so sehr, dass er die Barmherzigkeit sogar seiner Heilig­keit voranstellte. So sehr ging ihm unser Elend hier unten zu Herzen, dass er seinen Namen nicht bei den Engeln und Seligen dort über den Sternen zurückbehielt, sondern dass er ihn uns Menschen überliess, wissend, in welch schmut­zige Ohren, auf welch unreine Lippen, in welch befleckte Herzen, in welch üble Gesellschaft sein Name geraten wird. Nicht umsonst heisst er, wie wir gesehen haben, «unser Vater»! Schon dass er seinen Namen unter uns gab, zeigt, wie sehr und ganz er unser Vater ist. Aber wenn er nun auch seine Heiligkeit aus Erbarmen zurückstellte, meinen wir doch ja nicht, die Heiligkeit seines Namens sei ihm deswegen gleichgültig und feil geworden. Im Gegen­teil, auch wenn es ihm gefallen hat, sein Erbarmen seiner Heiligkeit voranzustellen, dann ist das seine und nicht etwa unsere Sache; uns gegenüber bleibt die Warnung unge­schmälert aufgerichtet: «Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.» Das heisst, wer Gottes Vaternamen missbraucht, miss­braucht seine Güte.

Und nun ist es nicht auszusprechen, was Gottes heiliger Name, trotz dieser seiner Warnung, hier auf Erden auszu­stehen hat. Es ist die reinste Leidensgeschichte um diesen seinen Namen. Man bekommt etwa einmal ein Geldstück zu Gesicht, das durch die vielen Finger, durch die es schon gehen musste, völlig abgegriffen und bis zur Unkenntlich­keit entstellt ist. Nun, Geldstücke kann man nach Belieben wieder einsammeln; aber welch eine abgegriffene Münze ist doch der Name Gottes unter uns Frommen geworden! Daher kommt es, dass diese erste Unservaterbitte vor allem für die Kirche gilt. Dass doch da sein Name keine abgegrif­fene Münze mehr sei, sondern wieder Prägung, Umrisse, auch wieder Ecken und Kanten bekomme! Und wenn einem eines jener Fünfernötchen, zerrissen, verschmiert und klebrig durch die Finger geht, wie hat man nachher das Bedürfnis, sich die Hände zu waschen! Und doch ist das nur papierene Vergänglichkeit. Welch zerrissene, schmieri­ge und klebrige Sache aber ist doch unter uns Frommen das Geschwätz von Gott geworden! Und doch ist sein Name heilig, heilig, heilig. Ja es kann geschehen, dass Geld überhaupt entwertet wird. Es ist dann Inflation. Es gibt auch eine Inflation in der Kirche, eine Inflation am Wort, so dass dieses keine Deckung mehr hat und leer wird. Ja, so wie es geschehen kann, dass eine Verbrecherbande anfängt, falsches Geld in Umlauf zu setzen, so gibt es auch eine Falschmünzerei in der Kirche, bei uns Frommen auf und unter den Kanzeln. Hier aber sind es, Gott sei’s geklagt, nicht Verbrecherbanden, die diese geistliche Falschmünze­rei betreiben – wer ist da noch nie dabei gewesen? Wer gehört nicht zum «Volk mit unreinen Lippen», das falsche Münze in Umlauf bringt bis hinein in die Worte des Gebets? Wer steht nicht unter dem Gericht des Wortes «denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht»! Trösten wir uns nur nicht zu billig damit, dass Gott ja in erster Linie barmherzig sein will und dass er Vater heisst, denn was seine freie Gnade ist, ist niemals unser Recht. Wenn Gott seinerseits den Vaterna­men voranstellt, dann haben wir unserseits den Herrenna­men voranzustellen und zu respektieren. Es bleibt dabei, Gott wird nicht ungestraft lassen den, der seinen Namen missbraucht.

Damit aber hat uns diese erste Unservaterbitte bis dort hinuntergeführt, wo wir unsere Armut und Hilflosigkeit erkennen. Hier erst vermögen wir nun innezuwerden, wie sehr dieses erste Gebetsanliegen nicht nur mit dem ersten Gebot, sondern auch mit der ersten Seligpreisung überein­stimmt, wo von den geistlich Armen die Rede ist, eben von jenen Menschen, die sich vor Gott nicht mehr rühmen können. Dem Namen Gottes gegenüber kann unsereiner nur arm sein. Da wird einem so recht bewusst, warum das Wort vom Namen Gottes nicht nur ein Gebot, sondern zugleich auch ein Gebet ist. Vor dem heiligen Gottesnamen stehen wir tatsächlich dort, wo wir nur noch erschrecken und um Hilfe rufen können. Und so lässt uns denn rufen: «Herr, hilf, wir entheiligen ja fort und fort deinen Namen und bereiten dir Schande über Schande! Herr, hilf, dass dein Name geheiligt werde. Zwar weiss ich nicht, wer ihn heiligen kann, aber gib, dass er geheiligt werde. Ich selber kann ihn nicht heiligen und, wie ich sehe, meine Nachbarn zur Rechten und zur Linken auch nicht; aber, Herr, hilf, dass dein Name trotzdem geheiligt werde!» So kann es passieren, und das geschieht nun tatsächlich unter der Wirkung des Heiligen Geistes, dass diese Bitte einen Gläubigen nicht mehr in Ruhe lässt und anfängt, ihn Tag für Tag wie ein Seufzer zu begleiten, dass alle übrigen Gebete zurücktreten hinter diesem einen: Herr, dass doch nur dein Name geheiligt werde! Es wird dann unter der Wirkung des Heiligen Geistes eine selten selbstlose Bitte. Alle persönlichen Interessen und vordringlichen Tagesfra­gen treten dann zurück, um diesem einen Anliegen Platz zu machen. So wie Christus sicher nicht zufällig gerade diese zur ersten Bitte seines Gebetes gemacht hat, so kann der Heilige Geist bewirken, dass sie auch bei dir an die erste Stelle tritt. Ja hier kann es nun geschehen, dass du gar ins Eifern kommst um Gottes Namen. Wer kennt sie nicht, die Eiferer um Gottes Heiligkeit im Alten und im Neuen Bund! Wer kennt sie nicht, die Männer der Kirchengeschichte, an denen es offenbar wurde, dass es eine Liebe gibt, die eifert, die Lie­be zur Heiligkeit Gottes! Wer kennt nicht einen Calvin, bei dem diese erste Unservaterbitte wahrhaftig angefangen hat, sein Leben lang den ersten Platz einzu­nehmen, den Platz, der ihr gehört! Sie alle wollten den Namen Gottes so geheiligt wissen, dass sie Gott allein die Ehre gaben: «Soli deo gloria»!

Aber da erhebt sich nun noch einmal und erst recht die Frage: Wer in der Kirche kann vor dem heiligen Namen Gottes bestehen? Ist dieser Name nicht ein verzehrendes Feuer, das jeden tötet, der in seine Nähe sich wagt? Die Bitte um Gottes Heiligkeit würde uns tatsächlich töten, wie Ananias und Saphira über ihrer geistlichen Falschmünzerei getötet worden sind, wenn nun nicht noch einmal etwas passiert wäre: Gott selber hat nämlich dieses Gebet erhört dadurch, dass er den Einen sandte, der die grosse Ausnah­me ist. Durch sein Ohr ist dieser Name eingedrungen, in sein heiliges Herz und über seine reinen Lippen ist dieser Name gegangen. Ja, beschmutzt und verfälscht, wie er ihn antraf auf Erden, hat er diesen Namen auf sich und an sich genommen. All die abgegriffenen und all die gefälschten Münzen hat er eingezogen, eingestampft und neu geprägt. Dort am Kreuz hat er den ganzen Missbrauch des Gottes­namens, aber auch die ganze Strafe über diesen Missbrauch getragen. Dort am Kreuz, dort allein ist Gottes Name geheiligt. Wir sagten, es sei die reinste Leidensgeschichte um diesen Namen; ja, hier ist nun eine Leidensgeschichte daraus geworden, eine Passion im wörtlichen Sinne des Wortes. Gereinigt und «strahlend wie am ersten Tag» ist der Name Gottes vom Kreuz her wieder zurückgekommen und nun noch einmal in Zirkulation gebracht worden unter den Menschen. Wie sehr den Herrn in seiner Passionszeit die Heiligung des Namens bewegt und beschäftigt, darein lässt uns der vierte Evangelist einen Einblick tun im Hohepriesterlichen Gebet, wo Christus im Angesicht des Kreuzes bittet: «Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan», und «ich heilige mich selbst für sie, auf dass auch sie geheiligt seien in der Wahrheit.» So hat er den misshandel­ten Namen Gottes auf sich genommen, Gott aber hat ihm für diese Gehorsamstat «einen Namen gegeben, der über alle Namen ist».

Und nun ist auch uns, seinen Kindern und Erben, ein Anteil an diesem von ihm geheiligten Namen angeboten, sagt er doch selber: «Ich heilige mich für sie, damit auch sie geheiligt seien.» Dieser Name ist uns allen nun auferlegt dadurch, dass uns nun die Taufe angeboten ist. Wir sind getauft auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Es ist der heilige, nicht der missbrauchte Name, der uns in der Taufe auferlegt wird. Hier sind wir nun hinein genommen, gleichsam eingehüllt in die Heilig­keit seines Namens. Auf diese Weise lässt uns Christus teilnehmen an seiner Erfüllung dieser Bitte. Darum dürfen wir jetzt getrost und vertrauend, ohne verzweifeln zu müssen, in der Kirche für die Heiligung seines Namens beten, weil wir nun durch die Taufe gedeckt sind, weil sein geheiligter Name vom Kreuze her als königlich majestäti­sches Geschenk über uns gekommen ist.

Ja wir dürfen jetzt diesen Namen tragen und weiter tragen, dürfen ihn mit uns nach Hause nehmen, dürfen unser Lebtag Träger dieses seines Namens sein. Hoffentlich sind wir’s nicht so, wie dieser Tage eine Atheistin sich bitter beklagte, als sie sich dahin äusserte, gute Kirchenspringer seien schlechte Nachbarn. Es ist nur zu oft wahr, dass gute Kirchenspringer schlechte Nachbarn sind; aber wie ganz anders müsste das werden, wenn nun auf Schritt und Tritt, auf Weg und Steg das Wissen darum uns begleitete, dass wir getauft sind auf Gottes geheiligten Namen. Die Taufe ernst nehmen, das heisst doch nun, dass uns die Heiligkeit des göttlichen Namens nicht mehr verlässt, und dass wir nicht mehr anders können als Gott die Ehre geben. Hier hat und erzieht man nun Kinder zu Gottes Ehre, kann Windeln waschen, Latein lernen oder Steine klopfen zu Gottes Ehre. Morgen für Morgen geht man nun ans Tagewerk, gedeckt durch Gottes geheiligten Namen. Welch neue Sinngebung der Arbeit glänzt uns hier entgegen! Und wie müssten wir von hier aus über jedem Tagelöhner Gottes Namen erken­nen, Gottes Heiligkeit und Gottes Liebe! Nicht mehr Erfolg und Gewinn wäre jetzt unser erstes Anliegen bei der Inangriffnahme eines Werkes, sondern dass Gottes Name dadurch geheiligt werde. Welch ein Aufleuchten von ganz oben her ginge da durch unsere Fabriken und Büros, durch unsere Ratssäle und Wohnstuben landauf und -ab!

Und dann noch ein Letztes. Diese erste Unservaterbitte hat für das heutige Geschlecht nun noch eine Aktualität besonderer Art bekommen. Es starb vor einigen Jahren eine Christin, die zufolge eines schweren körperlichen Leidens Jahrzehnte hindurch aufs Krankenlager gefesselt war. Sie hat in ihren einsamen Stunden viel Fürbitte getan, für die Gemeinde und für Einzelne. An ihrer Fürbitte fiel einem eine ganz bestimmte Form auf, die aber offenbar mehr bedeutete als nur Form; sooft sie nämlich für einen einzel­nen Menschen sämtliche Anliegen vor Gottes Thron gebracht hatte, schloss sie ihre Fürbitte für diesen Men­schen mit den Worten – «und dass er still werde vor dir». Und dann betete sie für einen anderen Menschen und schloss wieder mit der merkwürdigen, fast formelhaften Beifügung – «und dass er still werde vor dir». Das Stille­werden vor Gott, das war offenbar ihr Hauptanliegen; darin sah sie, die schwer Heimgesuchte, ein wesentliches Stück Heiligung des Namens Gottes. Diese Art der Heiligung hat für uns heutige Menschen ihre besondere Bewandtnis. Das Elend, das über die Erde ging, hat in den Gemütern unzäh­liger Menschen eine grosse Bitternis zurückgelassen, eine Bitterkeit, die sich immer mehr zusammenballt, nicht nur gegen die Menschen, sondern vor allem gegen Gott. Warum hat Gott das getan? Ist das ein Gott, der solches zulässt? Wo ist denn dein Gott? Bist du Gott, so steig herab und hilf! Gott ist tot! In solchen Ausrufen des Haderns macht sich die Verbitterung Luft. So sind jetzt die Leute hin und her weithin wie eine geballte, zum Himmel erho­bene Faust. Diese Empörung gipfelt schliesslich darin, dass eine Welle des Selbstmordes durch unsere Reihen geht. Selbstmord ist doch oft ein letzter Trotz gegen den Him­mel, Verzweiflungstrotz, der letzte Streich, den man meint, dem Himmel spielen zu müssen, indem man dem Schöpfer das Leben vor die Füsse wirft wie ein Paket, das man mit bitterem Hohne refüsiert, das Leben, das er geheiligt hat, und für das er gestorben ist. Wer nun in solchem Aufruhr, wie schliesslich Hiob, stille wird vor Gott und zu der Erkenntnis kommt: «Gott, dein Weg ist heilig», der heiligt jetzt in besonderer Weise Gottes Namen. Wenn die Ankla­ge zur Selbstanklage wird, und wenn schliesslich auch die bittere Selbstanklage vor dem Kreuz verstummt, wenn Gott allein recht bekommt und recht behält, dann wird der empörte Mensch stille vor Gott und heiligt durch solches Stillewerden Gottes Namen. In einem Bunker in der Nähe Kölns, in welchem eine Zeitlang Verfolgte verborgen sich aufgehalten hatten, wurde nachher die Inschrift an der Wand gefunden: «Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint, ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt, ich glaube an die Liebe, auch wenn sie verborgen ist.» So hat ein schwer Heimgesuchter den Namen seines Gottes geheiligt. Der Christ aber darf seines Gottes Namen heiligen, indem er bekennt: Ich glaube ans Licht, denn Christus ist das Licht in der Finsternis, ich glaube an Gott, denn er hat in Christus geredet und schweigt nicht, ich glaube an die Liebe, denn die Liebe ist erschienen am Kreuz.

Walter Lüthi, Das Unservater. Eine Auslegung, Basel: Friedrich Reinhardt, 1963.

Hier der Text als pdf.

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