Über die verrinnende Lebenszeit in der Sanduhr und Jochen Kleppers „Der du die Zeit in Händen hast“: „Da lässt sich im Bild der alten Sanduhr auf die Lochblende verweisen, die die beiden Glas­kolben miteinander verbindet und durch die der Sand rinnt: Durch Jesus Christus entrinnt mir nicht mein Leben mit der Zeit; es wird vielmehr in Gottes Ewigkeit gefasst.“

Detail aus Ambrogio Lorenzettis Fresko „Allegorie der Guten Regierung“ im Palazzo Pubblico (Siena, 1338)

Über die verrinnende Lebenszeit in der Sanduhr und Jochen Kleppers „Der du die Zeit in Händen hast“

Was wäre wenn …, was wäre, wenn man den eigenen Todestag vorab wissen könnte oder gar zur Kenntnis nehmen müsste. Da würde sich wohl die eigene Lebenserfahrung grundlegend ändern. Mir ist dabei das Bild einer Sanduhr vor Augen. Kann der eigene Todestag unbekann­terweise außer Acht gelassen werden, ist mein Lebensblick bildlich auf den unteren Glaskol­ben ausgerichtet. Sandkorngleich wachsen mir Stunden, Tage und Jahre zu, die mein Leben immer weiter zur Fülle bringen. Die Zeit lässt mich also Leben gewinnen. Ganz anders jedoch, wenn mir die Zeitdauer auf mein Lebensende hin einsichtig wäre. Dann würde sich der Blick unweigerlich auf den oberen Glaskolben richten. Mein Leben füllt sich nicht an, sondern verrinnt mir mit der Zeit. Wieviel Lebenszeit verbleibt mir noch? Schlussendlich müsste ich mein Leben im Countdown erleben.

In Jochen Kleppers Lied „Der du die Zeit in Händen hast“ (EG 64/GL 257) finden sich eindrückliche Zeilen, die es mit der befristeten Lebenszeit aufnehmen: „Der Mensch ahnt nichts von seiner Frist. / Du aber bleibest, der du bist, / in Jahren ohne Ende.“ (4. Strophe) „Da alles, was der Mensch beginnt, / vor seinen Augen noch zerrinnt, / sei du selbst der Vollender.“ (2. Strophe) „Wer ist hier, der vor dir besteht? / Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht: / nur du allein wirst bleiben.“ (3. Strophe)

Wider die verrinnende Lebenszeit wird Christus als Mitte der Zeit bekannt: „Nun von dir selbst in Jesus Christ / die Mitte fest gewiesen ist, / führ uns dem Ziel entgegen.“ (1. Strophe) Da lässt sich im Bild der alten Sanduhr auf die Lochblende verweisen, die die beiden Glas­kolben miteinander verbindet und durch die der Sand rinnt: Durch Jesus Christus entrinnt mir nicht mein Leben mit der Zeit; es wird vielmehr in Gottes Ewigkeit gefasst. So heißt es abschließend in der 6. Strophe: „Der du allein der Ewge heißt / und Anfang, Ziel und Mitte weißt / im Fluge unsrer Zeiten: / bleib du uns gnädig zugewandt / und führe uns an deiner Hand, / damit wir sicher schreiten.“

Hier mein Text als pdf.

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