Christoph Blumhardt über Gott: „Solange Gott unsichtbar ist, muß unser Glaube übersetzt werden in Seufzen – man kann doch nicht jubilieren, solange man nichts sieht. Ich will Taten, ich will Gott sehen, sonst glaube ich auch nichts von ihm.“

Gott ist nicht unsichtbar

Von Christoph Blumhardt

Wir sollten … keinen unsichtbaren Gott haben, sondern einen sichtbaren. Es ist falsch, wenn man meint, Gott sei unsichtbar. Wenn wir nichts von ihm sehen, so kommen wir auf allerlei wunderliche Gedanken von Gott. Es ist oft gescheiter, man denkt nicht viel an Gott, wenn man nichts Habhaftes von ihm merkt. Drum bittet nur, daß er uns was darbiete, an dem man sich Gedanken machen kann. So die eigenen Gedanken schweifen lassen bezüg­lich etwas Unsichtbarem, hat keinen Wert. Der Mensch ist gar nicht so organisiert, daß er über etwas nachden­ken könnte, von dem er nichts sieht und hört. Wir haben freilich allerlei Worte von Gott, aber ich möchte raten, nicht so philosophisch darüber zu denken. Wer die Bibel brauchen will, der soll einfach die Gebote Gottes brau­chen und die Tatsachen betrachten und stehenlassen und daraus für sein Leben sich etwas merken, aber nicht so allerlei Gedanken machen. …Da hat jemand aus der Schrift ein so dickes Buch geschrieben über den Zustand nach dem Tode – wie kann man denn das? Wenn einer nicht dort gewesen ist, kann man das nicht; es ist rein unmöglich, über etwas zu schwatzen, was man nicht gesehen hat. Man muß was sehen! … Nur die Apostel haben (darauf) geachtet und etliche mit ihnen; aber wie dies Geschlecht gestorben war, hat die Christen­heit wieder einen unsichtbaren Gott gehabt. Und jetzt müssen wir uns bis auf den heutigen Tag mit einem un­sichtbaren Gott behelfen. … Das heißt eigentlich glau­ben: glauben an das Dargebotene Gottes, was man vor Augen und Ohren sieht und hört. Ich kann das nicht mehr für Glauben nehmen, was wir heute glauben nennen …

Unser Glaube muß etwas Bestimmtes haben, und unser Geist muß etwas bemerken, auf das man den Glauben richten kann. … Und der Unglaube ist nur da, wo man etwas sichtbar göttlich Gegebenes nicht glaubt … Des­halb ist der heutige Unglaube nicht so wichtig; es ist nicht der Unglaube, der verdammt wird, weil die Leute ja nichts sehen. … Wir sind die Ungläubigen, nicht die! Ob ein Kant glaubt, ist im Himmel gleich – der ist ein redlicher Mann; da wird nur gefordert, daß wir das Fädlein nicht fahrenlassen, daß Gott … etwas an uns tut. Das heißt glauben; und das Fahrenlassen ist viel ärger, als wenn hunderttausend Weltleute ungläubig sind. … Solange Gott unsichtbar ist, muß unser Glaube übersetzt werden in Seufzen – man kann doch nicht jubilieren, solange man nichts sieht. Ich will Taten, ich will Gott sehen, sonst glaube ich auch nichts von ihm.

Quelle: Worte des evangelischen Pfarrers und Landtagsabgeordneten Christoph Blumhardt, hrsg. v. Johann Harder, Wuppertal: Jugenddienstverlag, 1972, S. 25f.

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