Max Josef Metzgers Friedensprogramm von 1917: „Wir sehen die Gewähr des Erfolges aller Friedensbemühungen, die unversiegbare Kraftquelle des Friedensgeistes, in der geistigen und wirklichen Kommunion aller Völker und ihrer Glieder mit dem Friedenskönig: „Christus, gestern und heute und in alle Ewigkeit“.


Aufgrund seiner Erfahrungen als Divisionspfarrer im Ersten Weltkrieg verfasste Max Josef Metzger 1917 die Broschüre „Rassenhaß oder Völkerfriede“, die folgendes Friedensprogramm enthielt:

Friedensprogramm

Von Max Josef Metzger

Das einzige Friedensprogramm, das der Welt den Frieden geben kann, ist das christliche.
Aus dem Geiste dessen geboren, der mit Recht sagen könnte:“Den die Welt nicht geben kann, den Frieden gebe ich euch!“ […] Dieses Programm, das der Welt mit Christi Segen den Frieden wieder schenken und verbürgen kann, es ist in kurzen Sätzen das folgende:

1. Wir fordern das Ende des nutzlosen Blutvergießens auf den Schlachtfeldern, zugleich aber damit das Ende einer Politik, die mit Machtmitteln die sittlichen Probleme des Zusammenlebens der Völker zu überwinden sucht und dabei immer aufs neue Kriege heraufbeschwört.

2. Wir fordern den dauerhaften Weltfrieden, an den wir glauben, im Namen der Zivilisation, der Kultur, der Sittlichkeit und Religion.

3. Wir fordern als Anfang des Friedens die Ablenkung des Interesses aller Völker von dem vermeintlichen äußeren Feind und der Konzentration aller Kräfte gegenüber dem tatsächlichen inneren Feind, der allen Völkern gemeinsam ist: Alkoholismus (..), Unsittlichkeit, Tuberkulose (..), Degeneration, Geld- und Bodenwucher, Pauperismus (Massenarmut), Unterernährung usw.

4. Wir fordern das Aufgeben des sinnlosen Wettrüstens der Völker zu Wasser und zu Land und die Konzentrierung ihrer Mittel auf die positiven Kulturaufgaben.

5. Wir fordern als Voraussetzung für diese Neuorientierung der Politik die Aufnahme der Forderung in das Programm aller friedliebenden Länder, daß Kredite für Rüstungen nur in dem Maß bewilligt werden, als diese zur Sicherung der Ordnung im eigenen Land erforderlich sind und nur in einem für alle Länder gleichen Prozentsatz der Kredite für Kulturzwecke der betreffenden Länder.

6. Wir fordern ein Handinhandgehen aller Regierungen und Parlamente zur ehrlichen friedlichen Verständigung über die gegenseitigen Forderungen der Gerechtigkeit und den unbedingten Willen aller Regierungen und Parlamente, beim nächsten Volk das als recht anzuerkennen, was man für sich selbst als billig ansieht.

7. Wir fordern von unseren Regierungen und Parlamenten die ehrliche Unterstützung aller Bestrebungen, die auf die Schaffung eines dauerhaften Weltfriedens, eines Weltkulturbundes, gerichtet sind, nicht nur der kleinen äußeren Mittel der völkerrechtlichen Verständigung, sondern vor allem der Überwindung des kriegsverursachenden Geistes der Selbstsucht und Ungerechtigkeit im Leben der Einzelnen und der Völker im Großen.

8. Wir fordern das Aufgeben des Rassenkampfes und aller Vergewaltigungsbestrebungen eines Volksteiles gegenüber dem anderen und die Anerkennung des Rechtes für jedes Volk, kraft dessen es seine eigene Sprache und Kultur innerhalb des Staatsganzen besitzen und entfalten darf.

9. Wir fordern die Überwindung des Klassenkampfes, der mit dem Geist der nackten Machtpolitik im Leben des einzelnen Volkes auch den Geist der Machtpolitik im Völkerleben, damit den Geist des Weltkrieges heraufbeschwört, durch den Geist des sozialen Ausgleiches, des Willens zur sozialen Gerechtigkeit und der versöhnenden christlichen Nächstenliebe.

10. Wir fordern die Neuorientierung der Erziehung der heranwachsenden Jugend unter Vermeidung allen Chauvinismus (übertriebener Nationalismus), aller Nährung kriegerischen Geistes, unter Weckung des sozialen Pflichtgefühles, der Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, sozialen Verantwortlichkeit.

11. Wir fordern das Aufgeben des Macchiavellismus (bedenkenlose Machtpolitik) in der Politik und seine Ersetzung durch die Grundsätze des Christentums auch im öffentlichen Leben als der einzigen Grundlage für dauernde Verständigung und friedliches Nebeneinanderleben der Völker.

12. Wir fordern die Rückkehr aller Völker und Staaten und aller ihrer einzelnen Glieder zu einem praktischen Christentum, unbedingte und rückhaltslose Anerkennung und Durchführung des göttlichen Sittengesetzes und seiner Forderungen der Gerechtigkeit und Nächstenliebe, und sehen die Gewähr des Erfolges aller Friedensbemühungen, die unversiegbare Kraftquelle des Friedensgeistes, in der geistigen und wirklichen Kommunion aller Völker und ihrer Glieder mit dem Friedenskönig
„Christus, gestern und heute und in alle Ewigkeit“.

Quelle: Max Josef Metzger, Rassenhaß oder Völkerfriede (1917), abgedruckt in Max Josef Metzger, Friede auf Erden! Ein Aufruf zur Völkerversöhnung, Graz: Volksheil, 1918, S. 53-56.

Hier das Friedensprogramm als pdf.

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