Christus und Corona – Weihnachten im Zeichen der Pandemie: „Nur das eigene Hinsehen ist gefragt. Schau einfach hin! Lass dich als Zuschauer in das Geschehen hineinnehmen, das Gott für uns alle vorgesehen hat.“

Foto: Matthias Sauter, Südwest Presse

Christus und Corona. Weihnachten im Zeichen der Pandemie

Das ahnen wir alle, dass dieses Jahr Weihnachten anders sein wird. Die Weihnachtsmärkte sind abgesagt; Krippenspiel und Christvesper werden in vielen Kirchen nicht stattfinden können. Was als Christfest gemeinschaftlich gefeiert sein will, scheint nur im kleinen Kreis innerhalb des eigenen Haushalts möglich zu sein. Wo wir sonst auf andere Menschen zugehen und uns einladend öffnen, heißt es Abstand zu halten und sich zurückzunehmen.

Sollen wir schon jetzt Weihnachten nachtrauern, bevor die Feiertage anstehen? Wenn die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest von eigenen Klagen und Lamentieren bestimmt ist, was alles nicht möglich sein wird, bringen wir uns selbst um die Festfreude. Besser das Beste an Weihnachten neu entdecken – das, was uns das Corona-Virus nicht nehmen kann. Davon schreibt der Apostel Johannes in geheimnisvoll klingenden Worten:

Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist.“(1Johannes 1,1-2)

Weihnachten berührt uns mit dem menschgewordenen Leben des Gottessohnes. So hat am Weihnachtsfest die Krippe im Mittelpunkt zu stehen. Diese findet sich ja auch zuhause unter dem Weihnachtsbaum. Das Weihnachtsevangelium gibt uns vor, wer und wo seinen Platz zu finden hat, das Jesuskind mit Maria und Josef, die Hirten kniend davor, im Hintergrund Ochs und Esel. Nichts wird handgreiflich bewegt, als stünde die Zeit still. Nur das eigene Hinsehen ist gefragt. Schau einfach hin! Lass dich als Zuschauer in das Geschehen hineinnehmen, das Gott für uns alle vorgesehen hat.

Da mögen die Figuren nach unterschiedlichen Vorstellungen geschnitzt, modelliert und bemalt worden sein. Und auch die Weihnachtskrippen, in denen sie sich wiederfinden, haben unterschiedliche, mitunter eigenwillige Formen, zeigen sich in unterschiedlichen Landschaf­ten. Aber wenn die Krippe aufgestellt und das Weihnachtsevangelium gelesen wird, liegt es nicht in unserer Hand, was da geschehen ist: Gottes Sohn, Jesus Christus, von der Jungfrau Maria geboren, den Hirten mit der Engelsstimme angekündigt: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“ (Lukas 2,10-12)

So sollen auch wir den Christus in Bethlehem sehen und ihm unseren Glauben schenken. Was uns heil werden lässt, sind nicht die eigenen Vorhaben und Errungenschaften. Angenommen sind wir von dem, der von sich selbst sagt: „Ich bin das A und O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offenbarung 22,13), der die Liebe in Person ist, durch den Himmel und Erde erschaffen sind, den wir uns nicht selbst ausdenken können und der in seinem Gericht das letzte Wort behalten wird. Im Blick auf die Krippe läuft unser Leben läuft auf ihn zu – Gottes Sohn menschgeworden. Wir machen uns keine Illusionen über ein selbstbestimmtes Leben, sondern lassen uns von Gott einnehmen: „Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Lichte sehen wir das Licht.“ (Psalm 36,10)

Auch wenn der Gottessohn sich in die Hände von Menschen gelegt hat, um uns nahe­zukommen, lässt er sich jedoch nicht von uns vereinnahmen. Wo wir auf das Jesuskind schauen, hat uns zugleich Gott im Blick. Die Engel wissen davon ein Lied zu singen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlge­fallens.“ (Lukas 2,14) Mit Gott im Himmel sind wir nicht auf Augenhöhe. Wir bekommen es ihm zu tun, mitunter unnahbar fremd, dann schicksalsmächtig; wir stolpern mit unseren Fragen, können ihn eben nicht selbst begreifen – Gottes Wort in unserem Ohr: „Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei?, spricht der Heilige. Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.“ (Jesaja 40,25f)

Hineingeboren sind wir in das Zusammenleben mit anderen Geschöpfe Gottes, wo Wohl und Unwohl von Ordnungen und Zufügungen abhängen, die wir nicht selbst geschaffen haben. Was alles noch auf uns zukommen wird, haben wir nicht selbst in der Hand. So gilt es an Weihnachten unsere Ehrfurcht vor Gott neu zu entdecken. Gott „ehrfürchten“ heißt ja nicht sich vor ihm ängstigen. Die Ehrfurcht sucht kein Versteck auf, sondern erweist Gott in der Höhe ihre Hochachtung. Ihm traut sie den Lauf der Dinge zu und vertraut darauf, dass er in Christus uns alles zum Heil zuwenden will.

In der Weihnachtskrippe halten wir keine Figuren in der eigenen Hand. Wir schauen hinein und sehen, wie Gott sich in Jesus Christus uns vorstellt. Wer in Zeiten der Corona-Pandemie sein Leben ihm anvertrauen kann, geht nicht an sich selbst zugrunde, sondern findet sich zu seinem Heil bei Gott wieder.

Hier mein Text als pdf.

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