Gerhard von Rads Predigt über Hesekiel 37,1-11: „»Ich glaube eine heilige christliche Kirche«, das kann doch nur heißen: ich glaube an diese Erweckung des Gottesvolkes aus dem Tod, aus dem Nichts.“

Gräberfeld
Albert Cüppers: „Landschaft mit aufgelassenem Gräberfeld“ / Ezechiel 37

Die Predigt, die Gerhard von Rad am 24. Juni 1951 im Universitätsgottesdienst in Heidelberg gehalten hatte, spricht auch in unsere Zeit hinein:

Predigt über Hesekiel 37,1-11

Von Gerhard von Rad

Und des Herrn Hand kam über mich und führte mich hinaus im Geist des Herrn, und stellte mich auf ein weit Feld, das voller Totenbeine lag. Und er führte mich allenthalben dadurch. Und siehe, des Gebeines lag sehr viel auf dem Feld; und siehe, sie waren sehr verdorret. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, meinst du auch, daß diese Beine wieder lebendig wer­den? Und ich sprach: Herr, Herr, das weißt du wohl. Und er sprach zu mir: Weissage von diesen Beinen, und sprich zu ihnen: Ihr verdorreten Beine, höret des Herrn Wort! So spricht der Herr, Herr von diesen Gebeinen: Siehe, ich will einen Odem in euch bringen, daß ihr sollt lebendig werden. Ich will euch Adern geben und Fleisch lassen über euch wachsen, und mit Haut überziehen, und will euch Odem geben, daß ihr wieder lebendig werdet; und sollt erfah­ren, daß ich der Herr bin. Und ich weissagte, wie mir befohlen war; und siehe, da rauschte es, als ich weissagte, und siehe, es regte sich, und die Gebeine kamen wieder zusammen, ein jegliches zu seinem Gebein. Und ich sah, und siehe, es wuchsen Adern und Fleisch drauf, und wurden mit Haut überzogen; es war aber noch kein Odem in ihnen. Und er sprach zu mir: Weissage zum Winde; weissage du Menschenkind, und sprich zum Wind: So spricht der Herr, Herr: Wind, komm herzu aus den vier Winden, und blase diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig, und richteten sich auf ihre Füße. Und ihrer war ein sehr groß Heer. Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Beine sind das ganze Haus Israel.

Liebe Gemeinde! Im Alten Testament sehen wir ein ganzes Volk beschäftigt mit Gott. Ein ganzes Volk! Könige und Bauern und Prie­ster und Mägde, Generäle, Soldaten, selbst die Feinde und Außen­wohnenden mischen sich gelegentlich in dieses Gespräch. Sie sind damit beschäftigt, sagte ich, nicht immer zum eigenen Ruhm, oft daran versagend oder erschrocken darüber, daß Gott zu diesem Volk geredet hat. Die einen sind wohl dankbar und beglückt darüber, andere aber sind das keineswegs, weil sie genau gewußt haben, daß sie nur durch Gott in die merkwürdigsten Konflikte geführt wurden, während sie sonst ihr Leben leidlich in der Gewalt gehabt hätten. Aber nun ist ihnen auf einmal das Steuer entglitten, und sie meinen, ins Bodenlose zu stürzen.

Liebe Gemeinde, in diesem Volk umherzugehen, seinen Gesprächen zu lauschen, den Schrei­benden über die Schulter, den Grübelnden ins Herz sehen zu dürfen, das ist das große Vor­recht der Gemeinde Christi, von dem sie heute allerdings nahezu keinen Gebrauch mehr macht, ja, von dem sie eigentlich gar nicht mehr weiß.

Und hier stehen wir nun neben einem alten Mann, der auf der Erde sitzt und in eine Buchrolle schreibt. Ich glaube nicht, daß euch dieser Mann, wie man so sagt, sympathisch wäre. Wir wissen merkwürdi-[39]gerweise nicht, ob wir ihn für einen Mann halten sollen, der durch eine innere Glut verbrennt, oder für einen eiskalten Doktrinär. Aber was verschlägt das, daß wir uns über ihn als Menschen nicht klar­werden! Er hat ja ein Gesicht von Gott her empfangen, eines der ungeheuerlichsten Gesichte, das je ein Prophet empfangen hat. Wir sollen nun gewiß nicht glauben, daß für den Propheten, im Gegen­satz zu uns, der Umgang mit solchen Gesich­ten etwas Alltägliches war. Das gewiß nicht! Vielleicht hat er sich tagelang in entsagungs­voller Meditation dafür bereitet, hat in strenger Übung erst all die lauten, unordentlichen Stimmen der eigenen Brust niederhalten müs­sen, um zum Gefäß für solche Offenbarungen werden zu können. Und nach dem Empfang des Gesichts ist er vielleicht (wie er selbst von seiner Berufungsvision erzählt) sieben Tage betäubt und verstört auf der Erde gesessen. Und als er sich dann so weit gesammelt hatte, um das Geschaute aufzuzeichnen, da erschien es ihm so fern, so phantastisch, so wunderbar wie uns jetzt.

Es war ja der Geist Gottes über ihn gekommen, und der hatte ihn, wie es hier heißt, »hinaus­geführt«. Eine weite Ebene lag vor ihm, und er selbst, rätselhaft als Doppelgänger seiner selbst, befand sich inmitten dieser Ebene, diesem »Feld, das voller Totenbeine lag«. Und nun wird zunächst gar nichts gesprochen. Der Prophet sagt nur, daß er umhergeführt worden sei. Die Domäne des Todes wird zuerst umschritten. »Und siehe, des Gebeins lag sehr viel auf dem Feld, und siehe, sie waren sehr verdorrt.« Das heißt: Diese Domäne des Todes war rie­sengroß und seine Herrschaft eine unbezweifelbare und end­gültige. Was Hesekiel sah, war ganz und hoffnungslos tot.

Vielleicht könnte mancher denken: Zu gewissen Zeiten mag es viel­leicht nützlich sein, den Menschen dieses Bild des Totenfeldes vor Augen zu stellen; aber die Menschen unserer Tage wissen genug vom Tod und seiner Macht. Und doch wäre das ein holder Irrtum. Den wirkli­chen, endgültigen Tod, ich meine, so, wie ihn dieser Prophet gesehen hat, sehen auch die heutigen Menschen nicht. Wahrschein­lich können ihn die Menschen von sich aus gar nicht sehen. Was rauscht es in unseren Blättern von Auferstehung! Deutschland soll auferstehen, Europa, der abendländische Geist. »Was heut gehet müde unter, hebt sich morgen neu gebo­ren!« Wir glauben um ein Lebensgesetz zu wissen, das heißt »stirb und werde«. Zeigt das nicht alles, ob es nun ernst oder unernst dahergeredet ist, daß wir um den wirklichen Tod nicht wissen, daß der Mensch ihn gar nicht fassen kann! [40]

Aber nun geht es in diesem Gesicht ja um den Tod in einer beson­deren Gestalt: »Du Men­schenkind, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel.« Es geht also um den Tod des Gottes­volkes, der Gemeinde. Nun könnte da wieder einer entgegnen: Bleib uns damit vom Leib! Von der Ohnmacht unserer Gemeinden wissen wir schon genug. Die brauchst du uns nicht erst zu predigen! Aber stimmt das? Wenn wir unsere christlichen Blätter aufschlagen oder wenn wir gar die Erklärungen der verschiedenen kirchenpolitischen Gruppen lesen, die sich heute munter voneinander absetzen – Generäle ohne Truppen! – muß man da nicht fragen: Sehen sie denn das Feld mit den völlig verdorrten Totengebeinen nicht? Und wieder muß man antworten: Vielleicht kann nur ein Prophet die Todesstarre der Gemeinde wirklich sehen. Denkt an den Propheten Elia, der in völliger Verzweiflung in die Wüste hinaus wandert, sich unter einem Ginsterbusch niederläßt und bittet, daß seine Seele stürbe. »Es ist genug Herr, so nimm nun meine Seele. Sie haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Pro­pheten mit dem Schwert erwürgt, und ich bin allein übrig geblieben.« Liebe Gemeinde, müs­sen wir da nicht einfach sagen: Ja, so ist es wirklich! Just so steht es um die Gemeinde. Wir sind die Letzten! Wo sind die Gnadengaben, die in der ersten Christenheit lebendig waren? Machen wir uns nichts vor – auch unsere Art, die Menschen anzure­den, die christliche Pre­digt, ist sie nicht etwas hoffnungslos Gestri­ges?

Erst jetzt verstehen wir vielleicht das Gewicht und den Umfang der Frage, die da an Hesekiels Ohr schlug: »Du, Menschenkind, meinst du auch, daß diese Gebeine wieder lebendig wer­den?« Ja, wahrhaf­tig, das ist die Frage, der nun nicht mehr auszuweichen ist. Es ist die Frage aller Fragen, die hier in letzter Schärfe gestellt ist. Sie ist auch unserem Glauben gestellt – Gott stellt sie uns alle Tage – wir müssen eine Antwort darauf finden. Darum wollen wir nun alles zusammennehmen, um die Antwort zu bedenken, die der Prophet auf diese Frage gibt. Sie ist merkwürdig. »Und ich sprach: Herr, Herr, das weißt du wohl.« Geben wir es zu, die Antwort entspricht nicht ganz dem, was wir von einem Propheten erwarten. Welche einzigar­tige Gelegenheit, so denken wir, ein umfassendes, vollhaltiges Bekenntnis zu dem Herrn über Leben und Tod auszusprechen! Stattdessen dieses verhaltene, fast vorsichtig verklausulierte: »Herr, das weißt du wohl!« Aber wäre es denn wirklich besser gewesen, wenn der Prophet hier lauter und feuriger gesprochen hätte? Wie oft haben wir [41] es gespürt, daß unser Glau­be gerade da, wo er laut und gesprächig wird, Gott vorgreift und daß sich da fast unvermeid­lich etwas von unserer naiven Bravour einmischt. (Luther hat in Worms nicht entfernt so laut gesprochen wie viele unserer Reformationsprediger!) Darum ist dieses: »Herr, das weißt du wohl«, das aussieht, als sei es weder Nein noch Ja, ein Wort wirklichen Glaubens, weil es die unge­heure, unbeantwortbare Frage wieder zurück in Gottes Hände legt. Es ist ein bescheide­nes, demütiges Wort, von dem zu lernen uns wohl anstünde. Ja, wenn wir das auch vermöch­ten, unsere Dinge so Gott anzubefehlen, unsere Nöte hätten dann eine große Verheißung! So fängt der Mensch an, Gott als seinen Herrn anzuerkennen, und so kann ihm Gott die Wunder seiner Herrlichkeit zeigen.

Und er sprach zu mir: Weissage von diesen Gebeinen und sprich zu ihnen: Ihr verdorrten Gebeine, höret des Herrn Wort! Und ich weissagte, wie mir anbefohlen war; und siehe, da rauschte es, als ich weissagte, und siehe, es regte sich, und die Gebeine kamen wieder zusam­men, ein jegliches zu seinem Gebein. Und ich sah, und siehe, es wuchsen Adern und Fleisch darauf, und sie wurden mit Haut überzo­gen; es war aber noch kein Odem in ihnen. Und er sprach zu mir: Weissage zum Winde! Weissage, du Menschenkind, und sprich zum Wind: So spricht der Herr: Wind, komm herzu aus den vier Winden und blase diese Getöteten an, daß sie wieder lebendig werden! Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig und richteten sich auf ihre Füße. Und ihrer war ein sehr großes Heer.

Es wird sich wohl keiner der Gewalt, ja, Pracht dieser Darstellung entziehen können. Das ist kein fremdes Erzählen, das ist eine Rede in hohem prophetischem Stil. Schwer wie Blöcke sind die Sätze herangerollt. Man kann das nicht schnell lesen. Dieses fast mono­tone, sich immer wiederholende »und ich« macht das Lesen ebenso schwer wie das innere Auffassen. Aber die feierliche Gewalt dieser Worte kann uns nicht über die Frage hinweghelfen, wie wir diese ungeheure Vision zu verstehen haben. Die Theologen unter uns wissen ja, daß sich die alttestamentlichen Ausleger beeilt haben zu versichern, von einer Totenauferstehung sei hier jedenfalls nicht die Rede; das sei nur eine Weissagung von einer Auferweckung der Gemein­de. Nur! Der Prophet scheint aber an kein »Nur-Geistiges« zu denken. Er schildert den Vor­gang der Erweckung der Gemeinde so dinglich, so realistisch, als sei das im Grunde ein und dieselbe Sache wie das Lebendigwerden der toten Leiber, als gehöre das eine zum andern. Mindestens kommt diese Erweckung der toten Gemein­de, wie der Prophet sie sieht, schon ganz nahe heran an das, was wir Christen mit der Auferweckung der Toten meinen. Und wie nahe [42] stehen diese beiden Dinge im dritten Glaubensartikel nebeneinander, als gehörten sie unlöslich zusammen! »Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben.« So wäre es noch nicht das Schlechteste, wenn wir uns diesen dritten Glaubensartikel jetzt einmal von dem Propheten Hesekiel auslegen ließen! »Ich glaube eine heilige christliche Kirche«, das kann doch nur heißen: ich glaube an diese Erweckung des Gottesvolkes aus dem Tod, aus dem Nichts. Diese Erweckung ist aber schon angebrochen, wir stehen mitten drin zwischen Pfing­sten und der Wiederkunft Christi, nur daß Hesekiel dieses Geschehen der Erweckung der Gemeinde zusammenrafft zu einem einzigen Ereignis. Das, was sich heilsge­schichtlich zerlegt in viele Einzelakte, das ist aber doch im Grund ein Geschehen. Für uns freilich steht an der Stelle des Propheten der, dem die Schuhriemen aufzulösen Hesekiel nicht würdig war. Erst er hat die wahre Vollmacht, über das Totenfeld hin zu rufen: »Ihr verdorrten Gebeine, höret des Herren Wort!«

Ach, liebe Gemeinde, wolle es uns jetzt doch Gott geben, daß wir nicht wieder in jene menschliche Bravour, in ein doch irgendwie eingelerntes gläubiges Deklamieren verfallen! Es geht ja nicht um mutige große Prognosen, die wir der christlichen Gemeinde stellen, und nicht um jenes begeisterte und doch so verdächtige große »Den­noch des Glaubens«, sondern es soll uns einzig darum gehen, daß wir dieses »Herr, das weißt du wohl«, nachzusprechen lernen. Alles, was der Prophet schildert, diese Erweckung und langsame Belebung – ein schweres Geschehen in mehreren Akten – dies Rauschen über dem weiten Totenfeld, das ist ja nur dem Glauben vernehmbar. Was wir sehen, ist der Tod, das sind Totengebeine. Und was das be­trifft, so ist es nur gut und heilsam, wenn wir uns da so wenig wie möglich vormachen. Nicht jeder christliche Kreis, der sich irgendwo auftut, nicht jedes Rundgespräch auf einer unserer Evangelischen Akade­mien sind ein Zeichen dieser Auferweckung und der kommenden Voll­endung. Nichts gegen diese Bemühungen! Aber es ist ein christ­licher Unfug, daran Letztes über Tod oder Leben der Gemeinde Christi ablesen zu wollen. Das, was der Prophet weissagt, ist etwas ganz anderes, sehr viel Verborgeneres und läßt sich gewiß nicht an Abendmahlssta­tistiken und dergleichen ablesen. Wer weiß denn, in welchen Trübsalen und Verzweiflungs­nächten diese Erweckung der Gemeinde geschieht? Was wissen wir denn, ob nicht gerade in unseren Traurigkeiten, ja selbst in unserem Scheitern das neue Leben [43] vor Gott geboren wird, ob nicht gerade in unserer ganzen christli­chen Ohnmacht uns Christus ganz nahe ist und wir von ihm schon eingehüllt sind; so wie der Engel neben Elia stand, der verzweifelt in der Wüste lag und sich den Tod wünschte. Sind nicht auch wir Chri­sten heute ganz verdorben durch eine ganz lächerliche Ehrfurcht vor dem, was vor Augen groß, zahlreich und durch­schlagend ist? Verdorben von all jenem, das überhaupt nur noch dadurch existieren kann, daß es sich übersteigert und anderes niederwalzt? Und da wundem wir uns dann, wenn uns im Blick auf die Gemeinde Christi Schwermut und Verzweiflung packt!

Von dem heidnischen Zauberer Bileam sagt die Schrift, daß er auf einer Bergeshöhe stand, als zu seinen Füßen Israel gezeltet hatte; aber er sah nur den äußersten Rand des Gottesvolkes. Das ist die Schau des Unglaubens, das ist sein Sehfeld! Aber als Bileam sich dann von Gott zum Segnen hat überwinden lassen, da hat er das ganze Gottesvolk gesehen, und dann hob er an: »Wie lieblich sind deine Zelte Jakob und deine Wohnungen Israel, wie die Täler, die sich ausbreiten, wie Gärten an den Wassern, wie Aloebäume, die der Herr pflanzt.« Meint ihr, Bileam habe diesen Segen, diese Wasser­quellen in der Wüste wirklich mit seinen natürlichen Augen gesehen? Sein Blick wurde ihm aus der Begrenzung des Augenblicks und des Augen­scheins gelöst und geöffnet für das ganze Gottesvolk. Damit stehen wir doch mitten in jener Weissagung von der Erweckung der Gemeinde; denn am Ende sagt der Prophet von den Er­weckten: »Und ihrer war ein sehr großes Heer.« Laßt mich jetzt nicht noch einmal die Trüb­salslitanei beginnen: Wo ist denn dieses große Heer? Bei unseren kleinen und zerbröselnden christlichen Gemeinden etwa? Es ist da, dieses Heer, und wir sind nicht die Letzten, wie wir das mit Elia manchmal meinen. Wenn wir die alten Gebete sprechen und die Trost- und Oster­lieder singen, da gehören wir zu diesem Heer. Und wenn wir im Altardienst den Lobpreis sin­gen, da umsteht uns wieder eine Wolke von Zeugen. Da ist es, als sei die schmale Grenzwand, die uns noch von der ewigen Welt Gottes trennt, schon gefallen. Da stehen wir, die wir noch auf dem Wege sind, schon Schulter an Schulter neben der Gemeinde der Verklärten, die vor Gottes Thron singt. »Und ihrer ist ein sehr großes Heer.«

Diese Weissagung von der Erweckung der Totengebeine kann nun freilich nicht bedeuten, daß uns alles, was unser ist, was uns wichtig und wert ist, durch den Tod hindurch erhalten bliebe, daß also dieser Tod im Grunde gar kein Tod wäre. In dieses neue Leben können wir [44] nur hineinsterben; »Er muß wachsen, ich muß abnehmen.« Dies Wort steht über unserem Leben und über vielen Lebensinhalten, die wir so gern heiligsprechen. Es steht aber auch über unse­ren Gemeinden und all ihrer frommen Lebendigkeit und Betriebsamkeit. Es wird ihr nicht erspart, vor sich selber zum Totenfeld zu werden. Und darum soll es uns auch nicht anfechten, wenn wir so viel mißraten sehen, ja, wenn uns unser Glaube so tot und bar aller Verheißung vorkommt.

Wenn ich des nachts oft lieg in Not;
verschlossen gleich als wär ich tot,
läßt du mir früh die Gnadensonn aufgehn:
nach Trauern, Freud und Wonn.
[EG 111,2]

Amen.

Hier Von Rads Predigt als pdf.

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