Max Scheler, Zur Rehabilitierung der Tugend (1915): „Ein Mensch, der sich selbst ganz zu durchschauen und zu verstehen vorgibt, zeigt nicht, er wisse mehr von sich als der Ehrfürchtige, dem auch aus sich heraus »vergrabenes Gold wie aus Bächen schimmert«, sondern nur, dass er den Weg nicht gehen will, sich die eigene Seinstiefe zur Sichtbarkeit zu bringen; denn dieser Weg ist die Ehrfurcht vor dem eigenen Selbst. Sie allein gibt uns das geheime Bewußtsein eines Reichtums und einer Erfülltheit, wo unsere klaren, abgegrenzten Gedanken und Gefühlsinhalte uns nur Leere und Spärlichkeit geben; sie gibt uns das Gefühl noch ungehobener und in der irdischen Lebensdauer unhebbarer Schätze unserer Existenz und Kräfte.“

Zur Rehabilitierung der Tugend Von Max Scheler Das Wort Tugend ist durch die pathetischen und rührseligen Apostrophen, welche die Bürger … Mehr

Xiaojing – chinesischer Klassiker in Sachen Kindespietät: „Ehrfurcht (xiao) ist die Wurzel der Tugend und das, woraus die Erziehung erwächst. Setz’ dich wieder! Ich will mit dir reden. Den Leib mit Haut und Haaren haben wir von Vater und Mutter empfangen. Ihn nicht zu ver­derben oder zu beschädigen wagen: das ist der Ehr­furcht Anfang.“

Als grundlegende Tugend für das menschliche Zusammenleben gilt in der chinesischen Kultur die Kindespietät bzw. Ehrfurcht gegenüber den Eltern (xiao). … Mehr

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen“. Zur Ethik der Anteilnahme: „Anteilnahme als Tugend steht nicht zur eigenen Wahl, sie geschieht vielmehr, lässt uns keine Wahl, wenn es um das Wohlergehen oder das Weh des anderen geht. Da macht man mitunter etwas mit, was an seelische und körperliche Grenzen führt. Und doch erschließt die Anteilnahme mir ein Leben, das über eigene Erlebnisse hinausführt. Wo ich die andere mit deren Erlebnisse intensiv erlebe, erwächst mir eine Lebensfülle, deren Nachhaltigkeit ich nicht durch eigene Erlebnismöglichkeiten gewinnen kann.“

„Wo du hingehst, da will ich auch hingehen“. Zur Ethik der Anteilnahme Anteilnahme ist ein Wort, das nicht nur im … Mehr

Die maßvolle Unterscheidung (discretio): „Die monastische Tradition hat die discretio als Tugend hervorgehoben und versteht darunter vor allem das situative Unterscheidungsver­mögen beim Maß-geben und Maß-setzen, das den einzelnen Menschen mit seiner individuellen Bedürfnissen und Veranlagungen berücksichtigt.“

Die maßvolle Unterscheidung. Warum Diskretion mehr als nur Ehrensache ist Unter dem Begriff „Diskretion“ wird im allgemeinen Zurückhaltung bzw. Verschwiegenheit … Mehr

Von der christlichen Genügsamkeit: „Wer in neuere theologische, ethische, psychologische bzw. philosophische Lexika Einblick nimmt, wird in Sachen Genügsamkeit kaum fündig werden – als ob diese Tugend nicht länger gefragt wäre. Da darf wohl Konstantin Wecker das letzte Wort haben „Genug ist nicht genug“.“

In alten theologischen Lexika, insbesondere in der Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche finden sich Einträge über Genügsamkeit (bzw. Zufriedenheit). … Mehr