Hermann Diem, Predigtmeditation zu Lukas 18,9–14 (1953): „Aber beachten wir: der Pharisäer im Gleichnis hat Gott auch gedankt, und zwar auch für seine Fortschritte in der Heiligung. Es ist sogar erstaunlich, wofür er alles danken konnte. Er hat durchaus den richtigen Maßstab für seine Selbstprüfung: die Zehn Gebote. Und wir haben keinerlei Recht zu der Annahme, dass es etwa nur Heuchelei gewesen wäre, die ihn für seine Erfüllung der Gebote danken ließ. Wir wollen uns lieber fragen lassen, ob es mit unserer Gesetzeserfüllung so gut bestellt ist wie mit der seinen. Und wofür dankt er? Dass er nicht ist wie die anderen Leute, die nach den Geboten Gottes nichts fragen, wie z. B. dieser Zöllner hier? Das scheint doch ein sehr frommes Gebet zu sein. Wer von uns hat denn Gott schon dafür gedankt, wenn er vor dem Weg des Zöllners bewahrt blieb? Was ist dem Pharisäer denn eigentlich vorzuwerfen?“

Predigtmeditation zu Lukas 18,9–14 Von Hermann Diem Dass Jesus die Geschichte ein „Gleichnis“ nennt, ermahnt uns, sie in der Gezieltheit … Mehr

Søren Kierkegaard, Rede über Lukas 18,13 (Vom Pharisäer und Zöllner): „Der Zöllner stand von ferne. Was will das sagen? Das will sagen: allein für sich stehend, allein mit sich selbst vor Gott stehend — so stehst du von ferne, weit entfernt von den Men­schen, und weit entfernt von Gott, mit dem du doch alleine bist. Denn im Verhältnis zu einem Menschen ist es so, dass du ihm am nächsten bist, wenn du mit ihm alleine bist—, sind andere dabei, so bist du ihm ferner; im Verhältnis zu Gott aber ist es so, dass es dir scheint, als wärest du ihm näher, wenn mehrere dabei sind, und erst wenn du buchstäblich allein mit ihm bist, entdeckst du, wie ferne du ihm bist. O, wenn du auch nicht ein solcher Sünder bist wie der Zöllner, den auch die menschliche Gerechtigkeit schuldig spricht: bist du mit dir selbst allein vor Gott, dann stehst du auch von ferne.“

Rede über Lukas 18,13 Von Søren Kierkegaard Gebet Herr Jesus Christus, laß Deinen heiligen Geist uns recht er­leuchten und uns … Mehr