Hans Georg Gadamer, Die Vielfalt der Sprachen und das Verstehen der Welt (1990): „Angesichts der alles gleichmachenden Informatik, mit der sich künftig wahrscheinlich in noch ganz anderem Maße Verfügbarkeiten in unserem gesellschaftlichen Leben breitmachen werden, muss um so mehr die Sprache in ihren eigensten Möglichkeiten gepflegt werden. Dazu gehört, das treffen­de Wort zu finden, und auch, das vielsagende Schweigen zu lernen. Das Ganze heißt im Gespräch sein. Das wahre Gegenteil ist die Routine des Streitgesprächs, wenn man auf irgendeine These einzig mit der Frage rea­giert: »Ist da aber nicht ein logischer Widerspruch?« In Debattiernationen, zu denen wir Deutschen nicht gerade durch Talent berufen sind, ist das oft eine bloße Technik. Wir müssen das Gespräch in seiner inneren Wahrheits­möglichkeit dagegen verteidigen, vor allem natürlich gegen die Unterwer­fung unter die Regeln einer bloßen Scheinlogik, die man als Sophistik kennt.“

Die Vielfalt der Sprachen und das Verstehen der Welt (1990) Von Hans Georg Gadamer Es ist ein Thema von höchster … Mehr

Hans-Georg Gadamer über das Verstehen: „Eine noch ungelöste Aufgabe wäre eine Geschichte des Verstehens, die nicht eine Geschichte der Hermeneutik wäre. Sie hätte etwa zu fragen: Wann wird einer Aussage gegenüber die fremde Meinung als solche zum Gegenstand der Bemühung (statt der Frage ihrer Richtigkeit)? Wann wird die naive Angleichung aller Überlieferung an das eigene Weltverständnis soweit brüchig, dass das geschichtlich Andere zur Aufgabe des Verstehens wird? Am Ende dieser Geschichte müsste wohl die Frage stehen, wie weit die Bereitschaft des Verstehens getrieben werden darf, ohne die normativen Maßstäbe der Moral zu zersetzen, und wieweit das christliche Existenzverständnis, das christliche Liebesgebot und seine Grundlage, das eigene Sündenbewusstsein, die Gefahr bannen, die im Alles-Verstehen liegt.“

Verstehen Von Hans-Georg Gadamer Das alte Wort »Verstehen« erfährt seine Prägung zum Begriff – nach einer Vorphase, in der die … Mehr