Hans-Georg Gadamer über die Hermeneutik (1974): „Die Überlieferung, in der wir leben, ist nicht eine sogenannte kulturelle Überlieferung, die aus Texten und Denkmälern allein bestünde und ei­nen sprachlich verfaßten oder geschichtlich dokumentierten Sinn vermittelte. Vielmehr wird uns die kommunikativ erfahrene Welt selbst als eine offene Totalität beständig übergeben, «traditur», und hermeneutische Anstrengung gelingt überall da, wo Welt erfahren, Unvertrautheit aufgehoben wird, wo Einleuchten, Einsehen, Aneignung erfolgt, und am Ende auch dort, wo die Integration aller Erkenntnis der Wissenschaft in das persönliche Wissen des Einzelnen gelingt.“

Hermeneutik Von Hans-Georg Gadamer Hermeneutik ist die Kunst des ἑρμηνεύειν, d.h. des Verkündens, Dolmetschern, Erklärens und Auslegens. ‹Hermes› hieß der … Mehr

Hans-Georg Gadamer über Karl Löwith: „Karl Löwith war ein Mann von unverwechselbarer Eigen­art. Es war eine tiefe Seinstraurigkeit um ihn ausgegossen — zugleich wahrte er die würdigste Gefasstheit gegenüber dem Fremden, Befremdenden des Daseins, das uns auferlegt ist. Ein unfasslicher Gleichmut schien ihn zu be­seelen.“

Karl Löwith Von Hans-Georg Gadamer Karl Löwith war ein Mann von unverwechselbarer Eigen­art. Es war eine tiefe Seinstraurigkeit um ihn … Mehr

Hans-Georg Gadamer, Selbstdarstellung (1975): „Der hermeneutische Versuch, Sprache vom Dialog aus zu denken bedeutete letzten Endes die Überholbarkeit jeder Fixierung durch den Fortgang des Gesprächs. So wird die terminologische Fixierung, die im konstruktiven Bereich der modernen Wissenschaft und ihrer Verfügbarmachung des Wissens für jedermann ganz angemessen ist, im Felde der Bewegung des philosophischen Gedankens eigentümlich verdächtig.“

Selbstdarstellung Von Hans-Georg Gadamer Als ich im Jahre 1918 mit dem Reifezeugnis das Gymnasium zum Heiligen Geist in Breslau verließ … Mehr

Hans-Georg Gadamer über Rudolf Bultmanns Griechisch-Runde in Marburg: „Pünktlich um 8.15 Uhr begannen wir und lasen bis Schlag elf Uhr. Bultmann war ein strenger Mann. Dann erst begann die Nachsitzung. Rauchen durfte man vorher, nur dass Bultmann keine Zigaretten liebte, sondern schwarze Brasil oder Pfeife, und nur für Schlier hatte er aus besonderer Nach­sicht die sogenannten Schwächlingszigarren, die mit einem blonden Deckblatt versehen waren.“

Über Rudolf Bultmanns Griechisch-Runde in Marburg Von Hans-Georg Gadamer Bultmann war nicht nur ein scharfer Theologe, sondern auch ein leidenschaftlicher … Mehr

Hans Georg Gadamer über die Verborgenheit der Gesundheit: „Selbst wenn man sagt, es sei gelun­gen, die Krankheit zu beherrschen, hat sich am Ende die Krankheit schon von der Person getrennt und wird wie ein Eigenwesen behandelt, mit dem wir fertigwerden müssen. Das hat sogar besonderen Sinn, wenn wir in großen Maßstä­ben denken, etwa an die großen Seuchen, deren Beherr­schung der neuzeitlichen Medizin so weitgehend gelungen ist. Dabei wissen wir gleichwohl, dass solche Seuchen immer wieder viele einzelne Kranke sind, die ihr zum Opfer fallen. Gleichwohl sind sie wie ein eigenes Lebewesen.“

Über die Verborgenheit der Gesundheit Von Hans-Georg Gadamer Es gilt, über Dinge nachzudenken, die nicht nur den Arzt in seiner … Mehr

Hans-Georg Gadamers Erinnerungen an Paul Tillichs Zeit in Marburg (1924-1925): „Menschlich hat Tillich es eigentlich besser gemacht als wir. Meine Reserve gegenüber Tillich bezog sich auf seine intellektuelle »Leichtfüßigkeit«, auf seine Schnelligkeit, mit der er Positionen vari­ierte; er war ja ungeheuer schlagfertig, hatte eine hohe dialektische Gewandtheit, aber der ganze Stil seines Denkens war in meinen Augen formal.“

Erinnerungen an Paul Tillichs Zeit in Marburg (1924-1925) Von Hans-Georg Gadamer Tillich kam als Extraordinarius nach Marburg, das war wohl … Mehr