Robert W. Jenson über Theosis und die Lehre von der Trinität (1993): „Die Einheit Gottes besteht nicht in der Einzigartigkeit, mit der seine Natur verwirklicht wird, sondern in der Kohärenz des einen Lebens oder der einen Geschichte, die zwischen Vater und Sohn im Heiligen Geist gelebt wird. Insofern wir „ist“ in diesem speziellen Zusammenhang verwenden, werden wir sagen: Der eine dreieinige Gott ist dieses Leben. Es gibt also ein Leben, das Gott ist. Und dieses Leben ist in sich selbst gemeinschaftlich; es gibt drei personale Individuen, die dieses Leben miteinander vollziehen. Daher können sie uns in dieses Leben hineinnehmen. So verstanden – gemäß der kappadokischen Trinitätslehre – können wir Gott werden, ohne die göttliche Natur zu erwerben, und damit ohne zusätzliche Instanzen dieser Natur zu werden.“

Theosis Von Robert W. Jenson (1930-2017) I Es ist bekannt, dass die Kirche der Väter das Heil in erster Linie…

Nikolai Berdajew, Das Problem der Anthropodizee. Fragmente (1925): „Den Russen ist der Geist der Pilgerschaft und das leidenschaftliche Suchen der Gottesstadt und der Göttlichen Wahrheit eigentümlich. Russland ist berufen, das Problem der Beziehung des christlichen Bewusstseins zum Schaffen und zur Kultur mit äußerster Schärfe zu stellen. Im Westen verdunkelt die Größe und die Verfeinerung seiner Kultur die Stellung dieses Problems. Der westliche Mensch ist gebundener als der russische.“

Das Problem der Anthropodizee. Fragmente[1] Von Nikolai Berdajew Die Eigenart, Einzigkeit und Unwiederholbarkeit des Chri­stentums muß man keineswegs darin suchen,…

Heiner Bielefeldt über Konversion als Bestandteil der Religions- und Weltanschauungsfreiheit (2016): „Die Frage der Konversion war und bleibt der Lackmustest für das Verständnis der Religions- und Weltanschauungsfreiheit als universelles Menschenrecht, das allen Menschen in Anerkennung ihrer unantastbaren Würde zusteht. Ohne die Möglichkeit, die eigene Religion oder Weltanschauung zu wechseln, würden Entscheidungen, in einer bestimmten Religionsgemeinschaft zu verbleiben, im Umkehrschluss nicht mehr als Ausdruck von Freiheit gelten. Darüber hinaus kann das Recht auf Religionswechsel – in Verbindung mit dem Recht, andere zum Überdenken ihrer Orientierung einzuladen – religiöse Gemeinschaften auch einem gesunden Wettbewerb aussetzen, anstatt lediglich deren Zusammenhalt zu gefährden.“

Konversion als Bestandteil der Religions- und Weltanschauungsfreiheit (2016) Von Heiner Bielefeldt Definition: Im Kontext der Religions- und Weltanschauungsfreiheit umfasst der…

Johann Baptist Metz, Gotteskrise. Versuch zur »geistigen Situation der Zeit« (1993): „Die biblische Botschaft ist in ihrem Kern eine Zeitbot­schaft, eine Botschaft vom Ende der Zeit. Alle biblischen Aussagen tragen einen Zeitvermerk, einen Endzeitvermerk. Die Art, wie das Christentum zur Theologie wurde, hat den heilsdramatischen Zusammenhang zwischen Gott und Zeit entspannt. Die Theologie lebt zumeist von fremden, von ge­borgten Zeitverständnissen, die es in meinen Augen fraglich machen, wie in Verbindung mit ihnen der Gott der biblischen Überlieferung anzusprechen und zu denken sei.“

Gotteskrise. Versuch zur »geistigen Situation der Zeit« Von Johann Baptist Metz I. Zeitansage, zu sagen, was ist, war einmal Sinn…

Eisberge schmelzen. Zur finanziellen Zukunft der Landeskirchen: „Eine zukunftsfähige Finanzreform der verfassten Landeskirchen ist kaum möglich. Daher wird landeskirchliches Haushalten von Jahr zu Jahr schwieriger. So werden tatsächlich erzielte Einsparungen wohl immer schneller von weiteren Sparanforderungen überholt werden. Nichts erreicht und nichts gesichert, sondern immer mehr zusätzlich zugemutet – Bedienstete können damit auf Dauer nicht zurechtkommen. Die Zukunft der verfassten Landeskirchen ähnelt Eisbergen, die nach der Kalbung vom Schelfeis im antarktischen Meer treiben und dabei fortwährend abschmelzen. Deren Lebensdauer wird von verschiedenen Faktoren bestimmt – Größe und Form, Strömung und Verweilort sowie Wasser- und Lufttemperatur. Und doch gilt für jeden Eisberg dasselbe: Sein Ende ist absehbar; in nicht allzu ferner Zukunft wird er weggeschmolzen sein.“

Nun ist in der aktuellen Juni-Ausgabe des Deutsches Pfarrerinnen- und Pfarrerblatt mein Artikel Eisberge schmelzen. Zur finanziellen Zukunft der Landeskirchen…

Erich Bryner über Nikolaj Berdjajew (1874-1948): „Sein Denken ist durch Freiheit und Schöpfertum, durch Schau und Intuition, durch das Mystische und das Irrationale geprägt. Spontaneität und Dynamik sind für ihn typisch, nicht ein durchkonstruiertes, widerspruchsloses System. Sein Denken läßt sich nicht systematisieren. Doch gerade wegen dieser uner­müdlichen Kreativität und den stets neuen Ansätzen zu Neuem, Anderem und Besserem geht von Berdjajews Schriften eine große Anziehungskraft aus.“

Nikolaj Berdjajew Von Erich Bryner In der Theologiegeschichte unseres Jahrhunderts nimmt der Russe Nikolaj Berdjajew (1874-1948) mit seinem umfangreichen und…

Heiner Bielefeldt über Menschenrechte: „Die Menschenrechte institutionalisieren den Respekt vor der Würde des Menschen rechtsprak­tisch dadurch, dass sie jedem Menschen grundlegende Freiheits-, Gleichheits- und Teil­haberechte garantieren. Freiheit, Gleichheit und Teilhabe (früher: »Brüderlichkeit«) gel­ten als gleichsam architektonische Prinzipien, die alle menschenrechtlichen Einzel­normen prägen.“

Menschenrechte Von Heiner Bielefeldt I. Zwischen Recht, Moral u. religiöser Ethik Bei den Menschenrechten handelt es sich um grundlegende Freiheits-,…