Karl Barth, Möglichkeiten liberaler Theologie heute (1960): „Eben an ihrer Egozentrik (mein Glaube, mein Heilsbedürfnis, meine Seligkeit usw.) krankt aber mit der Theologie des Pietismus, der nachreformatorischen Orthodoxie, ja weithin schon der Reformatoren selbst, auch die Schleiermachers und Biedermanns — aber auch die Kierkegaards und seiner «existentialistischen» Nachfolger. Immer wieder erscheint da der Mensch als ein erstlich und letztlich in sich ver­schlossenes einzelnes «Subjekt», dem der Mitmensch nur nachträglich, nur beiläufig, fast nur ein wenig widerwillig zugesellt ist, wenn er ihm nicht gar, mit Sartre zu reden, die Hölle bedeutet. Und immer wieder erscheint da Gott — als «Objekt» dieses bruderlosen Subjektes ganz folgerichtig! — nicht einmal als ein Er, sondern als ein unpersönliches Es: das Woher des Gefühls schlechthiniger Abhängigkeit, das Absolute, das Zukünftige.“

Möglichkeiten liberaler Theologie heute Von Karl Barth Mir ist von den Herausgebern der «Theologischen Umschau» ein merkwür­diger Auftrag erteilt worden: … Mehr

Wilhelm Vischer, Gehört das Alte Testament heute noch in die Bibel des deutschen Christen? (1932): „Wenn wir das Alte Testament ablehnen, können wir das Neue Testament auch nicht mehr als Heilige Schrift behalten. Wenn wir es trotzdem noch behalten, dann hat es durch die Loslösung vom Alten Testament einen anderen Sinn bekommen. Das Hauptwort des Neuen Testaments, nämlich ‚Jesus Christus‘, sagt dann nicht mehr das Gleiche wie vorher; wir haben dann eigentlich gar kein Recht mehr, ‚Jesus Christus‘ zu sagen. Denn was heißt ‚Jesus Christus‘? Das ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes Messias und bezeichnet den Gesalbten, den von Gott selbst gesalbten priesterlichen König des Gottesvolkes, wie er in den Schriften des Alten Bundes verheißen ist.“

Gehört das Alte Testament heute noch in die Bibel des deutschen Christen? Von lic. Wilhelm Vischer, Bethel. In seiner Vorrede … Mehr

Martin Luther über die Heilige Schrift (Grund und Ursach aller Artikel D. M. Luther, 1521): „Die Heilige Schrift muss notwendigerweise klarer, leichter verständlich und gewisser sein als alle anderen Schriften, da ja alle Lehrer ihre Aussagen durch sie als durch eine klarere und beständigere Schrift bestätigen wollen und ihre eigenen Schriften durch sie begründet und erklärt sehen möchten. Niemand kann eine dunkle Aussage durch eine noch dunklere beweisen. Darum zwingt uns die Not, mit allen Lehrschriften zur Bibel zu laufen und dort Urteil über sie einzuholen; denn sie allein ist der rechte Lehnsherr und Meister über alle Schriften und Lehren auf Erden. Wenn das aber nicht gelten soll, wozu brauchen wir dann die Schrift? Dann verwerfen wir sie erst recht und begnügen uns mit Menschenbüchern und Menschenlehrern.“

Über die Heilige Schrift (Grund und Ursach aller Artikel D. M. Luther, 1521) Von Martin Luther Ich predige keine neuen … Mehr

Jürgen Roloff über die Hölle in der Bibel: „Allerdings gilt der Hades weniger als Ort denn als die dem Tod zugehörige Machtsphäre. Beim Endgericht wird Christus nicht nur die Toten aus dem Hades befreien, sondern er wird Tod und Hades zusammen vernichten. Die feurige Gehenna (auch »Feuerpfuhl«, »ewiges Feuer«, »Abgrund«) erscheint als Bereich ewiger und endgültiger Gottes- und Heilsferne. Ihr werden im Endgericht alle widergöttlichen Menschen und Mächte überantwortet. Das Neue Testament verzichtet jedoch auf jede spekulative Ausmalung von Hölle und Höllenstrafen.“

Hölle in der Bibel Von Jürgen Roloff Die Bibel spricht zwar vielfach von unterweltlichen Aufenthaltsorten der Toten bzw. endzeitlichen Straforten, … Mehr

Dietrich Ritschl zur Reform des Theologiestudiums in „Zur Logik der Theologie“ (1984): „Man muss den Mut haben, zwischen der Ausbildung von Pfarrern/Priestern und Gymnasiallehrern einerseits und zukünftigen theologischen Doktoranden und akademischen Lehrern andrerseits noch stärker als bisher zu unterscheiden. Für das normale Studium müssten vier Jahre ausreichen, wenn während der ganzen Zeit sowohl Hebräisch und Griechisch als auch Philosophie und Psychologie gelehrt und geübt würden im stetigen Zusammenhang mit den exegetischen und theologischen Arbeiten.“

Was Dietrich Ritschl vor mehr als 40 Jahren in „Zur Logik der Theologie“ zur Reform des Theologiestudiums geschrieben hatte, ist … Mehr

Brevard S. Childs, Auf dem Weg zur Wiedergewinnung theologischer Exegese: „Vom Christuszeugnis in dem hier vorgeschlagenen Sinn zu sprechen bedeutet vielmehr, eine textorientierte Rezeption der Schrift durch eine christliche Glaubensgemeinschaft zu beschreiben, die den biblischen Texten erlaubt, aus der Kraft einer göttlichen Wirklichkeit heraus zu erklingen, die durch die Begegnung mit der gesamten christlichen Bibel gewonnen wurde.“

Auf dem Weg zur Wiedergewinnung theologischer Exegese Von Brevard S. Childs In einem wichtigen Artikel hat David Yeago1 einen bemerkenswerten … Mehr

Leonhard Goppelt, Versöhnung durch Christus nach dem Neuen Testament (1967): „Paulus versucht nun nicht spekulierend und objektivierend zu erklären, wie sich diese Erweisung der Liebe Gottes sachlich, insbesondere zeitlich, zur Bekundung seines Zornes verhalte. Er bringt die Wörter Versöhnung und Zorn nie direkt zusammen. Er verkündigt die Versöhnungstat Gottes und ruft alle auf, sich mit Gott versöhnen und dadurch aus dem Zorn retten zu lassen. Für den Glauben ist der Zorn gerade nicht entschwunden, er sieht ihn mehr als jeder andere Mensch, aber der Glaube findet allen Bekundungen des Zornes gegenüber, auch gegenüber dem Zorn des Endgerichtes, das große Dennoch: Nichts „kann uns scheiden von der Liebe Gottes“ (Röm. 8, 38 f.)“.

Versöhnung durch Christus nach dem Neuen Testament (1967) Von Prof. D. Leonhard Goppelt, Universität Hamburg Die Botschaft von der Versöhnung … Mehr

Wilfried Joest über Bekehrung: „Auf jeden Fall bleibt die Bekehrung auch da, wo sie in einem besonderen Erlebnis des Umbruchs beginnt, ein lebenslanges Geschehen, denn das Ja zu dem befreienden Anspruch der Gottesgerechtigkeit und das Nein zum Anspruch der Sünde will täglich neu vollzogen sein. Das bedeutet nicht Halbierung und Dosierung – als brauchte ich mich heute noch nicht endgültig für Gott zu entscheiden, da ich mich ja auch morgen und immer wieder bekehren kann. Bekehrung meint immer das Ganze der Wendung und die Übergabe des ganzen gegenwärtigen und künftigen Lebens an Gott.“

Bekehrung IV. Systematisch Von Wilfried Joest Wenn wir uns im Verständnis dieses durch mancherlei Brauch und Mißbrauch belasteten Begriffs an … Mehr

Ernst Fuchs, Neun einleitende Thesen zum Ansatz einer christlichen Theologie (1970): „Jesus eröffnet den Raum der Liebe durch sein eigenes liebendes Verhalten in Wort und Tat bis an sein Kreuz. Die zentrale Aufgabe einer christlichen Theologie gilt der Aus­legung aller am Liebesgebot als Hilfe zur Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus beanspruchbaren Texte, in denen sich die Kraft absoluter Wahrheit als Nähe Gottes in der Liebe zu erkennen gibt.“

Neun einleitende Thesen zum Ansatz einer christlichen Theologie (Marburg, 21.1.1970) Von Ernst Fuchs Quelle: Rein Heijne, Sprache des Glaubens. Systematische … Mehr