Eberhard Jüngel, Zukunft und Hoffnung. Zur politischen Funktion christlicher Theologie (1974): „Theologie gleicht zumindest darin den heiligen Narren, dass sie, indem sie Abstand nimmt von der Welt, eben dieser Welt näher zu kommen versucht, als dies aus abstandsloser Nähe möglich ist. Ich möchte deshalb methodisch so vorgehen, dass Zukunft und Hoffnung zunächst so in den Blick geraten, wie sie im Horizont des christlichen Glaubens sichtbar werden: nämlich als Hoffnung auf die jede Zukunft überbietende Wiederkunft Jesu Christi oder kurz: als Hoffnung auf Gottes eigenen Advent. Diese genuin theologische Zukunftserwartung soll dann als eine menschliche Einstellung erhellt werden, in der gerade das Verhältnis zur letzten Zukunft dem gegenwärtigen Menschen näher kommt, als dieser sich selber nahe zu sein vermag. Von der Einsicht in die Bedeutung der Zukunft Gottes für die menschliche Gegenwart her mögen dann einige Zumutungen des Evangeliums an die Adresse des Gesetzes im Blick auf die nähere irdische Zukunft formuliert werden.“

Zukunft und Hoffnung. Zur politischen Funktion christlicher Theologie (1974) Von Eberhard Jüngel Politik gilt nach einem bekannten Wort Bismarcks als … Mehr

John Howard Yoder, Der Krieg des Lammes (The Politics of Jesus, 1972): „Könnte es sein, dass wir, wenn wir uns von der Zwanghaftigkeit der Vision von uns selbst als den Hütern der Geschichte befreien könnten, wieder die Gabe empfangen könnten, uns als Teilhaber am liebenden Wesen Gottes, wie es sich in Christus offenbart, zu sehen? Vielleicht können uns die Lieder der frühesten Kirche dies wiedergeben, wenn es das apostolische Argument nicht vermag. Eine Kirche, die einmal von Zwanghaftigkeit und dem Drang, die Welt zu verwalten, befreit ist, könnte dann Wege und Worte finden, um auch denjenigen, die außerhalb ihrer Grenzen stehen, die Einladung zu einer dienenden Haltung in der Gesellschaft zu vermitteln.“

Der Krieg des Lammes (The Politics of Jesus, 1972) Von John Howard Yoder Jesus und Paulus standen im Mittelpunkt unserer … Mehr

Nigel Biggar, Zur Verteidigung des gerechten Krieges. Christliche Tradition, Kontroversen und Fälle (2015): „Es wird oft behauptet, dass der Gedanke des gerechten Krieges von den Ereignissen überholt wurde – dass er durch neue Phänomene wie Atomwaffen, Kriege ‚unter den Menschen‘, Krieg durch Fernsteuerung und Cyber-Aggression obsolet geworden ist. Die Darstellung von Themen und Fällen in diesem Papier reicht trotz ihrer Kürze aus, um zu zeigen, dass sich das Denken in gerechten Kriegen wie immer weiterentwickelt, indem es mit kontroversen konzep-tionellen Problemen ringt und sich seinen Weg durch neuartige Umstände bahnt. Die Tradition des Denkens über den gerechten Krieg ist sehr lebendig, und im Hinblick auf die differenzier-te moralische Bewertung des Krieges hat sie keinen Rivalen.“

Zur Verteidigung des gerechten Krieges: Christliche Tradition, Kontroversen und Fälle Von Nigel Biggar Dieser Artikel stellt vier kontroverse Fragen vor, … Mehr

Dietrich Bonhoeffer, Brief an Mahatma Gandhi (1934): „Es nützt nichts, die Zukunft vorherzusagen, die in Gottes Händen liegt, aber wenn nicht alle Zeichen trügen, scheint alles auf einen Krieg in naher Zukunft hinzuarbeiten, und der nächste Krieg wird sicherlich den geistigen Tod Europas bringen. Was wir in unseren Ländern daher brauchen, ist eine wahrhaft geistige, lebendige christliche Friedensbewegung. Das westliche Christentum muss auf der Bergpredigt neu geboren werden, und hier liegt der entscheidende Punkt, warum ich an Sie schreibe. Nach allem, was ich über Sie und Ihre Arbeit weiß, nachdem ich Ihre Bücher und Ihre Bewegung einige Jahre lang studiert habe, bin ich der Meinung, dass wir westlichen Christen von Ihnen lernen sollten, was Verwirklichung des Glaubens bedeutet, was ein Leben, das dem politischen und rassischen Frieden gewidmet ist, erreichen kann.“

Brief an Mahatma Gandhi (1934) Von Dietrich Bonhoeffer Pastor Lic. Dietrich Bonhoeffer23, Manor Mount, S.E. 23. London                                                             17. Oktober 1934 … Mehr

Hans Joachim Iwand, Antwort. Ein Brief an Josef L. Hromádka (1959): „Wir haben theologisch zwar an der Menschheit Jesu Christi festgehalten, aber dass dieser Mensch ein Jude war, das haben wir dogmatisch oder im Sinne eines allgemeinen Humanis­mus ethisierend für irrelevant erachtet. Wir haben den inne­ren Zusammenhang zwischen dem alten und dem neuen Bund weniger klar und scharf gesichtet als es der Gegner tat, der die schwächste Stelle in unserem modernen Christentum erspäht hatte. In diesem Falle lag die Decke eher vor den Augen der Kirche als über der Synagoge. Wir haben nicht gesehen, dass wir mit der Entwurzelung aus Israel un­sere Ökumenizität als Kirche verlieren sollten und verloren hätten.“

Antwort. Ein Brief an Josef L. Hromádka zu dessen 70. Geburtstag am 8. Juni 1959 Von Hans Joachim Iwand Lieber … Mehr

Emil Brunner, Die Menschenrechte nach reformierter Lehre (1942): „In der gegenwärtigen Stunde kommt die Bedrohung der menschlichen Bestimmung unzweideutig vom autoritären Kollek­tivismus her, für den es eine unverletzliche, im Gotteswillen begründete Würde der menschlichen Person nicht gibt. Es ist darum kein Zufall, sondern sachliche Notwendigkeit, dass in dieser Stunde die christliche Gemeinde in der ganzen Welt wieder einmal in den akuten status confessionis eingetreten, dass sie als bekennende Kirche aufgerufen ist, und zwar diesmal als Anwalt der gottgeschaffenen Menschenrechte. Sie ist der Welt nicht nur das Evangelium von der rettenden Gnade schuldig — in deren Verkündigung sie ihr eigenes, ihr ewiges Leben hat —, sondern auch die Lehre von den Ordnungen Gottes, in der die Erkenntnis der rechten sozialen und staatlichen Gerechtigkeit und mit ihr sowohl die Erkenntnis der Menschenpflichten als der Menschen­rechte enthalten ist.“

Die Menschenrechte nach reformierter Lehre (1942) Von Emil Brunner Über Nacht ist die Idee der Menschenrechte aus einer euro­päischen Selbstverständlichkeit, … Mehr

„Hannibal ante portas!“ Karl Barths prophetisches Vorwort zur Neuauflage von Trouble and Promise in the Struggle of the Church in Germany (1938): „Was heißt ‚Freundschaft‘ mit dem Deutschland Adolf Hitlers? Soll es auch das heißen, dass in Zukunft ganz Großbritannien sich hinsichtlich des deutschen Kirchenkampfes auf den Standpunkt des Bischofs von Gloucester und seiner deutschen Gewährsmänner und Freunde stellen und also schweigen und zustimmen wird, wenn die Unterdrückung des Wortes Gottes in Deutschland in immer raffinierteren Formen weiter und weiter geht? Man sollte sich nicht täuschen: Freundschaft mit dem Deutschland Adolf Hitlers würde wohl notwendig auch das heißen müssen! Was soll es dann aber bedeuten, wenn auch der Erzbischof von Canterbury für eine Politik eintritt, die in dieser Freundschaft gipfelt? Es ist höchste Zeit, zu erwachen, sich die Augen zu reiben und aus den Träumen, die Einige oder Viele dort zu träumen scheinen, in die Wirklichkeit zurückzukehren.“

Vorwort zur Neuauflage von Trouble and Promise in the Struggle of the Church in Germany (1938) Von Karl Barth Ich … Mehr

Karl Barth, Die Gerechtigkeit Gottes (1916): „Es widerstrebt uns innerlich, dass die Gerechtigkeit, nach der wir lechzen, Gottes Sache ist, und nur von Gott her zu uns kommen kann. Wir würden ums Leben gern diese große Sache an die Hand und in Betrieb nehmen, wie wir so manches Andere in Betrieb haben. Es erscheint uns als höchst wünschenswert, dass die Gerechtigkeit, ohne die wir ja nicht sein können, einfach von unserm Willen ins Programm genommen werde, unbesehen, was das eigentlich für ein Wille sei. Wir nehmen uns ungefragt das Recht, die tumultuarische Frage: was sollen wir tun? aufzuwerfen, als ob das so wie so die erste und dringendste wäre. Nur möglichst schnell Hand angelegt an Reformen, Sanierungen, Methoden, Kultur- und Religionsbestrebungen von allen Sorten! Nur möglichst schnell ‚positive Arbeit‘ geleistet!“

Die Gerechtigkeit Gottes (1916) Von Karl Barth Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet dem Herrn den … Mehr

Karl Marx über die Politik des modernen Russlands (Revelations of the Diplomatic History of the 18th Century, 1857): „Die feindliche Macht trügerisch für eigene Eroberungen zu nutzen, sie durch eben diesen Gebrauch zu schwächen und sie schließlich mit den Waffen zu stürzen, die sie selbst geliefert hatte – diese Politik wurde Iwan Kalita durch den besonderen Charakter der herrschenden wie der dienenden Rasse eingegeben. Sie blieb auch die Politik Iwans III. Sie ist noch heute die Politik Peters des Großen und des modernen Russlands, mag die feindliche Macht, die es sich zunutze macht, auch Namen, Sitz und Wesen gewechselt haben.“

Über die Politik des modernen Russlands (Revelations of the Diplomatic History of the 18th Century, 1857) Von Karl Marx Eine … Mehr