Mary Douglas über Verschmutzung bzw. Verunreinigung (pollution): „Ein großer Teil des Verschmutzungsverhaltens liegt daher außerhalb des Bereichs unserer eigenen Erfahrung: Es handelt sich um die heftige Reak­tion der Verurteilung, die durch alles hervorgerufen wird, was den scheinbar selbstverständli­chen Kategorien des Universums zu widersprechen scheint. Unsere Kultur erzieht uns zu dem Glauben, dass Anomalien nur auf eine vorübergehend unzureichende Formulierung der allgemeinen Naturgesetze zurückzuführen sind.“

Mary Douglas‚ religionsethnologische Abhandlung Purity and Danger. An Analysis of Concepts of Pollution and Taboo von 1966 (auf Deutsch Reinheit … Mehr

„Das Licht der Öffentlichkeit verdunkelt alles“ (Hannah Arendt mit Bezug auf Martin Heidegger): „In unserem Zusammenhang geht es darum, dass die sarkastisch-pervers klingende Aussage ‚Das Licht der Öffentlichkeit verdunkelt alles‘ den Kern der Sache trifft und eigentlich nicht mehr ist als die prägnanteste Zusammenfassung der bestehenden Verhältnisse.“

Über den Sinnspruch „Das Licht der Öffentlichkeit verdunkelt alles“ Das ist ein Sinnspruch, der es in sich hat und auf … Mehr

Karl Jaspers, Das Gewissen vor der Bedrohung durch die Atombombe (1950): „Die Atombombe wird erst dann unmöglich, wenn Gewalt unter dem Recht steht. Dies setzt die übergeordnete Menschheitsinstanz voraus, deren Entscheidung getragen wird von den Rechtsformen, die die Souveränität jeder Staatlichkeit gebeugt haben unter eine Weltordnung der freien Menschheit in der Gegenseitigkeit des Mit­einanderredens und gesetzlich geordneten Ringens um die ständige Besserung der immer auch noch ungerechten Zustände.“

Das Gewissen vor der Bedrohung durch die Atombombe (1950) Von Karl Jaspers Es herrscht Einmütigkeit in der Verurteilung der Atombombe … Mehr

Hans-Georg Gadamers Erinnerungen an Paul Tillichs Zeit in Marburg (1924-1925): „Menschlich hat Tillich es eigentlich besser gemacht als wir. Meine Reserve gegenüber Tillich bezog sich auf seine intellektuelle »Leichtfüßigkeit«, auf seine Schnelligkeit, mit der er Positionen vari­ierte; er war ja ungeheuer schlagfertig, hatte eine hohe dialektische Gewandtheit, aber der ganze Stil seines Denkens war in meinen Augen formal.“

Erinnerungen an Paul Tillichs Zeit in Marburg (1924-1925) Von Hans-Georg Gadamer Tillich kam als Extraordinarius nach Marburg, das war wohl … Mehr

Norbert Elias über den Gebrauch der Gabel beim Essen (Über den Prozess der Zivilisation): „Zum guten Teil aber wird das Verhalten und Triebleben des Kin­des nun dadurch, daß ein bestimmter Gebrauch von Messer und Gabel in der Erwachsenengesellschaft völlig durchgesetzt ist, also durch das Beispiel der umgebenden Welt, auch ohne Worte in die gleiche Form und die gleiche Richtung gezwungen. Es wird nun, da sich dem Druck oder Zwang einzelner Erwachsener der Druck und das Beispiel der ganzen umgebenden Welt zugesellt, von den meisten Aufwachsenden relativ frühzeitig vergessen oder verdrängt, daß ihre Scham und Pein­lichkeitsgefühle, ihre Lust- und Unlustempfindungen durch Druck und Zwang von außen modelliert und auf einen bestimmten Standard ge­bracht wurden.“

Über den Gebrauch der Gabel beim Essen Von Norbert Elias Wozu dient eigentlich die Gabel? Sie dient dazu, die zerkleinerten … Mehr

Hannah Arendt über das gedankenlose Böse (Vom Leben des Geistes): „Könnte vielleicht das Denken als solches – die Gewohnheit, alles zu untersuchen, was sich begibt oder die Aufmerksamkeit erregt, ohne Rücksicht auf die Ergebnisse und den speziellen Inhalt – zu den Bedingungen gehören, die die Menschen davon abhalten oder geradezu dagegen prädisponieren, Böses zu tun?“

Vom gedankenlosen Bösen Von Hannah Arendt Was das Faktische betrifft, so hat meine Beschäftigung mit der Geistes­tätigkeit zwei recht verschiedene … Mehr

Paul Ricoeur, Die Goldene Regel. Exegetische und theologische Verwirrungen (1989): „Die sogenannte christliche Ethik beruht meines Erachtens auf dieser Spannung zwischen einseitiger Liebe und zweiseitiger Gerechtigkeit. Die praktischen Konsequenzen dieser gemeinsamen Ethik sind zahllos und durchaus machbar. Die Aufnahme eines Motivs der Barmherzigkeit und Großzügigkeit in alle unsere Gesetzbücher, Strafgesetzbücher und Gesetzbücher der sozialen Gerechtigkeit, stellt eine vernünftige, wenn auch schwierige und endlose Aufgabe dar.“

Die Goldene Regel. Exegetische und theologische Verwirrungen[1] Von Paul Ricoeur Das Problem, das ich Ihnen zur Diskussion stelle, lässt sich … Mehr