Hans Graf Lehndorff, Wohlstand und Trostlosigkeit. Rede auf dem Tag der Heimat 1962: „Ich vermag mir also nicht vorzustellen, wie ein Mensch seine Heimat abschreiben oder als Tauschobjekt hingeben kann. Und ich bin überzeugt, dass, wenn wir dieses täten, es nur als ein neues Zeichen politischer und menschlicher Unzuverlässigkeit des deutschen Volkes angesehen werden würde. Auf der anderen Seite aber will es mir nicht gefallen, wenn wir Heimatvertriebenen mit Ansprüchen und Forderungen auftreten. Wir Deutsche selbst haben dies Land aufs Spiel gesetzt, als wir uns von den Grundsätzen lossagten, nach denen wir erzogen waren, als wir uns einem Manne wie Hitler verschrieben. Es sind nun einmal im Namen Deutschlands Schatten auf die Welt gefallen, die wir nicht so ohne weiteres überspringen können.“

Wohlstand und Trostlosigkeit. Rede auf dem Tag der Heimat 1962 Die unbewältigte Gegenwart zeugt Angst vor der Zukunft Von Hans … Mehr

Benjamin Franklins Brief an Joseph Priestley (1780): „Der rasche Fortschritt, den die wahre Wissenschaft nun macht, lässt mich manchmal bedauern, dass ich so früh geboren wurde. Es ist unmöglich sich vorzustellen, auf welche Höhe sich in 1000 Jahren die Macht des Menschen über die Materie steigern mag. Vielleicht lernen wir, großen Massen ihre Schwere zu nehmen und ihnen absolute Leichtigkeit zu verleihen, um den Transport zu erleichtern. Die Landwirtschaft könnte ihre Arbeit verringern und ihren Ertrag verdoppeln. Alle Krankheiten mögen durch sichere Mittel verhindert oder geheilt werden, selbst jene des Alters nicht ausgenommen, und unser Leben nach Belieben verlängert werden, sogar über das vorsintflutliche Maß hinaus.“

Benjamin Franklins Brief an Joseph Priestley Passy, 8. Feb. 1780 Sehr geehrter Herr, Ihr freundlicher Brief vom 27. September ist … Mehr

Klaus Scholder über Otto Dibelius: „Was Dibelius zu sehen glaubte, war eine unaufhaltsame Entwicklung der modernen Staaten hin zum Totalitären. Dies galt ausdrücklich nicht nur für die Entwicklung im Osten, sondern auch im Westen. Es sei eine lebensgefährliche Selbsttäuschung, so schrieb Dibelius, wenn die Christenheit des Abendlandes meine, ‚dass sie den Staat von Römer 13 gepachtet habe, während der Staat von Offenbarung 13‘ – das Tier aus der Tiefe – ’nur in Rußland und einigen russisch beherrschten Ländern existiere. Es muss gesehen werden, dass der Staat über die ganze Welt hin in einer bestimmten Entwicklung begriffen ist, dass diese Entwicklung überall in der gleichen Richtung geht und daß sie die Menschheit mit Untergang und Vernichtung bedroht.’“

Otto Dibelius (1880-1967) Von Klaus Scholder Als Otto Dibelius am 10. April 1966 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin seine Abschiedspredigt … Mehr

Hans Joachim Iwand, Um die Einheit und Reinheit der Bekennenden Kirche (1936): „Es gibt eine Gottlosigkeit der Heiden, sie hat etwas Er­barmungswürdiges an sich, denn sie kennen ja nicht den Herren der Herrlichkeit — aber es gibt auch, und nur allzu oft und nur allzu nahe, eine Gottlosigkeit derer, die einmal mit dem Evangelium er­leuchtet sind und das heilsame Wort Gottes geschmeckt haben — der Herr unser Gott wolle uns allesamt davor bewahren, dass wir dahin abstürzen und andere dahin mitreissen. Gibt es denn niemanden mehr, der diese Furcht versteht? Der uns von daher versteht? Sind wir einander so ferne gerückt, dass wir uns nicht mehr verstehen können in der Furcht Gottes? Aus der Furcht vor Gott haben wir bekennen müssen vor den Menschen, aus der Furcht vor Gott dürfen wir heute von dem, was wir bekannt haben, nicht weichen.“

Um die Einheit und Reinheit der Bekennenden Kirche Wort des Vorbereitenden Ausschusses des Reichsbruderrats, verfasst von H. J. Iwand, Berlin, … Mehr

Martin Niemöller, Vortrag am 22. Januar 1946 in der Neustädter Kirche in Erlangen zur deutschen Schuld: „Es kann sein, dass unse­re Schuld viel schwerer wiegt, die wir die Botschaft von Buße und Glauben kannten. Wir hätten das wache Gewissen haben müs­sen, aber wir haben auch das Leben zum Götzen gemacht! Ich habe auch bekannt, so lange es ging, aber als ich im KZ sah, wie man die Juden misshandelte, habe ich selbst nicht mehr gewagt, meinen Mund aufzutun. Auch ich bin verantwortlich für das, was im deut­schen Volk geschehen ist. Wir Christen ha­ben diese Schuld anzufassen und zu beken­nen. Wenn wir sie nicht anfassen, bleibt diese Schuld: dreißig bis vierzig Millionen Tote durch die Hände deutscher Menschen: aber keiner in Deutschland findet sich bereit, die­se Schuld zu bekennen.“

Vortrag am 22. Januar 1946 in der Neustädter Kirche in Erlangen (auf Einladung der dortigen Evangelischen Studentengemeinde) Von Martin Niemöller … Mehr

Nahum Goldmann, Sein Schicksal gestalten: „Dem Schicksal der Inhaftierung durch die Nazis entging ich aus Liebe zu meinem Vater, der damals in Palästina wohnte. Einige Tage nach Hitlers Machtantritt wurde ich telegrafisch informiert, dass mein Vater in Lebensgefahr sei, worauf ich sofort, alles was ich besaß zurücklassend, mit meiner heuti­gen Frau, damaligen Verlobten, über Italien nach Palästina eilte. Drei Tage nachdem ich Berlin verlassen hatte kam die Gestapo in mein Büro, sich nach mir zu ‚erkundigen‘. Wäre ich nicht auf dem Wege zu meinem Vater gewesen, weiß ich nicht, was mit mir geschehen wäre; jedenfalls wäre ich wohl nicht in der Lage, heute diesen Aufsatz zu schreiben.“

Sein Schicksal gestalten Von Nahum Goldmann Wir leben in einer Zeit, die keine festen moralischen, intellek­tuellen und politischen Fundamente hat, … Mehr

Anna Haag in ihrem Tagebuch vom 5. Mai 1941: „Ich möchte ernsthaft wissen, wie viele »Durchschnittsdeutsche« wir haben. Dieser ist ein »Allesfresser«: er ist fromm, gottgläubig, christusgläubig, hitlergläubig, vaterlandsgläubig, er ist voller Mitleid und – voll entsetzlicher Bestialität. Es schmerzt ihn, ein kleines Tier leiden zu sehen, und er fühlt sich edel in seinem Mitleid, aber gleichzeitig ist es im »höheren« (nationalistischen) Sinn notwendig, ganze Völker auszurotten, sie auf die scheußlichste Weise vom Erdboden verschwinden zu lassen – zu »vertilgen« (wie Hitler sagt).

Tagebucheintrag vom 5. Mai 1941 Von Anna Haag Meine Nachbarin zur Rechten ist Bayerin, zugleich aber eine »gottesfürchtige« Protestantin und … Mehr

Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche Barmen 1934. Vorträge und Entschließungen, herausgegeben von Karl Immer: „Auf die Tagung, die vom 29. bis 31. Mai 1934 in Barmen stattfand, sehen die Teilnehmer mit tiefem Dank zurück, weil wir alle die gute Hand Gottes an der Arbeit sahen, des Gottes, der Wunder tut und der als der Gott der Anfänge einen neuen Anfang seiner Kirche schenkte. Der Ruf: ‚Zurück zum Anfang‘, der seit mehr als zehn Jahren ernst und mahnend unserer evangelischen Kirche den Weg zu ihrer Erneuerung zeigte, beherrschte die reichen, schweren Tage und Abende in Barmen. Zurück zur Reformation, zu den Reformatoren selbst, und damit zurück zum Wort, diese Forderung soll die Arbeit, zu der uns diese Synode verpflichtet, bestimmen.“

„Im übrigen sorgte der Barmer Pastor Karl Immer, der schon die organisatorische Vorbereitung der Synode übernommen hatte, nun auch für … Mehr

Die Thesen von Pomeyrol (1941): „Gegründet auf die Bibel erkennt die Kirche Israel als das Volk an, das Gott dazu erwählt hat, der Welt einen Erlöser zu geben und mitten unter den Völkern ein immerwährender Zeuge des Geheimnisses seiner Treue zu sein. Obwohl sie zugibt, dass der Staat vor einem Problem steht, für das er eine Lösung finden muss, erhebt sie einen feierlichen Protest gegen jede Regelung, die die Juden aus der menschlichen Gemeinschaft ausschließt. Die Kirche verzichtet auf alle zweideutigen Aussagen und erklärt, dass man die zwangsläufige Unterwerfung unter den Sieger nicht zu einem Akt freier Zustimmung erklären kann. Sie ist wohl bereit, alle äußeren Konsequenzen der Niederlage auf sich zu nehmen, sieht es aber als eine geistliche Pflicht an, gegen jeden totalitären und pseudoreligiösen Einfluss Widerstand zu leisten.“

Die Thesen von Pomeyrol (1941) Am 16. und 17. September 1941 versammelte sich in Pomeyrol – einem der Église réformée … Mehr