Karl Barth, Möglichkeiten liberaler Theologie heute (1960): „Eben an ihrer Egozentrik (mein Glaube, mein Heilsbedürfnis, meine Seligkeit usw.) krankt aber mit der Theologie des Pietismus, der nachreformatorischen Orthodoxie, ja weithin schon der Reformatoren selbst, auch die Schleiermachers und Biedermanns — aber auch die Kierkegaards und seiner «existentialistischen» Nachfolger. Immer wieder erscheint da der Mensch als ein erstlich und letztlich in sich ver­schlossenes einzelnes «Subjekt», dem der Mitmensch nur nachträglich, nur beiläufig, fast nur ein wenig widerwillig zugesellt ist, wenn er ihm nicht gar, mit Sartre zu reden, die Hölle bedeutet. Und immer wieder erscheint da Gott — als «Objekt» dieses bruderlosen Subjektes ganz folgerichtig! — nicht einmal als ein Er, sondern als ein unpersönliches Es: das Woher des Gefühls schlechthiniger Abhängigkeit, das Absolute, das Zukünftige.“

Möglichkeiten liberaler Theologie heute Von Karl Barth Mir ist von den Herausgebern der «Theologischen Umschau» ein merkwür­diger Auftrag erteilt worden: … Mehr

Karl Barths Antwortbrief an Béla Vasady vom November 1938: „An diese andere Grenze habe ich in diesem Sommer und Herbst unablässig denken müssen: die Grenze zwischen einem Bereich, in welchem es allerdings auch keine auch nur von ferne vollkommene Ordnung der menschlichen Dinge gibt, aber immerhin mehr oder weniger aufrichtige Versuche dazu, immerhin noch Recht und Freiheit, immerhin noch einen Raum auch für die Kirche – und einem anderen Bereich, in welchem ein antichristli­cher Mythus seinen totalitären Anspruch auf den ganzen Menschen und auf jedes Lebens­gebiet erhebt und damit das Unrecht und die Unfreiheit zum Prinzip, die Kirche innerlich unmöglich macht. An dieser Grenze wird das politische Problem von selbst zum theologischen. An dieser Grenze war in diesem Jahr nicht nur die Tschechoslowakei und auch nicht nur die europäische Humanität, sondern auch die christliche Kirche angegriffen.“

Antwortbrief Karl Barths an Bela Vasady (1938) Basel, St. Albanring 186, 9. November 1938 Herrn Professor Vasady BélaDebrecenUngarn Lieber Herr … Mehr

Karl Barth, Du weißt, wer wir sind (Gebet): „Nun aber stehen wir alle vor dir: in aller Ungleichheit darin gleich: dass wir alle vor dir und auch untereinander im Unrecht sind – dass wir alle einmal sterben müssen – dass wir alle ohne deine Gnade verloren wären – aber auch darin, dass deine Gnade uns allen verheißen und zugewendet ist in deinem lieben Sohn, unserem Herrn Jesus Christus.“

Du weißt, wer wir sind Herr, unser Gott!Du weißt, wer wir sind:Menschen mit gutem und Menschen mit schlechtem Gewissen –zufriedene … Mehr

Béla Vasady im Brief an Karl Barth zur ‚Sudetenkrise‘ 1938: „Nach all dem, was geschehen ist, ist es unvermeidlich, dass man in Deutschland und wohl auch anderswo Ihre Zeilen mit dem Gefühl liest: siehe, Karl Barth, der Theologe, hat die Tschechen zum Kriege gehetzt in einer Sache, deren unblutige Erledigung den Politikern gelungen ist. Hitler und seine Regierung haben erklärt, dass sie keine Tschechen zu Deutschland zwingen wollen. Hitler hat nur die deutschbewohnten Gebiete beansprucht. Von einem Freiheitskampf der Tschechen gegen die Deutschen zu sprechen, entbehrt also jeder wahren Grundlage.“

Karl Barths Brief an Josef Hromádka vom September 1938 während der sogenannten Sudetenkrise enthielt die Worte „Jeder tschechische Soldat, der … Mehr

Karl Barth, «Du sollst Dir kein Bildnis — noch irgendein Gleichnis machen». Eine Erklärung zur Diskussion über die Münsterscheiben (1952): „Das Christusbild auf der Scheibe aber hat die fatale Eigenschaft, unver­änderlich sich selbst gleich zu bleiben, sich der Ge­meinde dauernd aufzudrängen und in dieser seiner Beharrlichkeit ein Hindernis der fortwährend notwendigen Neugeburt der Verkündigung und des Glaubens zu sein. Aus dem Gottesbild entsteht not­wendig die Abgötterei. Die Kirche zerstört sich selbst, wenn sie ihr Vorschub leistet. Was für Apollo am Casino recht ist, ist darum für Christus im Mün­ster noch lange nicht billig!“

«Du sollst Dir kein Bildnis — noch irgendein Gleichnis machen». Eine Erklärung zur Diskussion über die Münsterscheiben. Von Karl Barth … Mehr

Karl Barth, Dieser kleine Seufzer: „Ach ja! das ist das Gebet und die Quelle aller Gebete. Da steckt das ganze Vaterunser darin und jedes Miserere und Gloria, das die Kirche je gebetet hat. In diesem kleinen Seufzer steckt Alles, und Alles muss auch immer wieder zu diesem kleinen Seufzer werden. Da gibt es keine Kunst des Betens. Da gibt es nur das ganz schlichte Dürfen des Kindes Gottes. Dass du von diesem Dürfen Gebrauch machst, das ist es, was du tun sollst, wenn du nicht beten kannst.“

Dieser kleine Seufzer. Über das Gebet Von Karl Barth Gibt es einen Menschen, der sagen dürfte: Ich kann beten? Ich … Mehr

Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche Barmen 1934. Vorträge und Entschließungen, herausgegeben von Karl Immer: „Auf die Tagung, die vom 29. bis 31. Mai 1934 in Barmen stattfand, sehen die Teilnehmer mit tiefem Dank zurück, weil wir alle die gute Hand Gottes an der Arbeit sahen, des Gottes, der Wunder tut und der als der Gott der Anfänge einen neuen Anfang seiner Kirche schenkte. Der Ruf: ‚Zurück zum Anfang‘, der seit mehr als zehn Jahren ernst und mahnend unserer evangelischen Kirche den Weg zu ihrer Erneuerung zeigte, beherrschte die reichen, schweren Tage und Abende in Barmen. Zurück zur Reformation, zu den Reformatoren selbst, und damit zurück zum Wort, diese Forderung soll die Arbeit, zu der uns diese Synode verpflichtet, bestimmen.“

„Im übrigen sorgte der Barmer Pastor Karl Immer, der schon die organisatorische Vorbereitung der Synode übernommen hatte, nun auch für … Mehr

Paul Schempp über Karl Barth 1947: „Wie Barth vor aller Flucht in Weltanschau­ungen warnt, so schiebt er auch im Glauben an die Weltherrschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus alle optimistischen oder pessimistischen Perspektiven beiseite. Nüchterne Besonnenheit, Ge­duld, sachliche Arbeit, Absage an reaktionäre Träume, an Sehnsucht nach Führertum und Befehl, an die Sucht, immer andere haftbar zu machen, und dafür ein verantwortliches Ja zum Menschen in den gege­benen und aufgegebenen Formen und Möglichkei­ten der Gemeinschaft, das sind Forderungen Barths, die eine allgemeine Wegrichtung anzeigen. Unermüdlich ermuntert und erinnert Barth die Kirche der Reformation, ihre einzigartige, unentbehrliche, fröhliche und siegreiche Sache recht zu treiben und sich nicht zu verlieren an allerlei gutgemeinte ‚Bewegungen‘, an Bedürf­nisse und Belange und Selbstempfehlungen. Indem sie ganz für Christus da ist, ist sie auch ganz da für die Welt, für die wirkliche Not und für jede Not des Menschen, gerade auch für seine politische Not und Verlegenheit.“

Karl Barth und der Protestantismus (1947) Von Paul Schempp Es werden noch viele Bücher geschrieben werden über den Professor der … Mehr

Carl Zuckmayer, Bericht von einer späten Freundschaft mit Karl Barth (1969): „Nie hat mich ein lebender Mensch, vielleicht mit Ausnahme von Albert Einstein, so sehr davon überzeugt, und zwar durch sein pures Dasein, dass Gottesglaube vernünftig sei. Es kam zu dem Besuch in seinem Heim, im Bruderholz zu Basel, den er lange gewünscht hat­te. Für mich war es der Höhepunkt in dieser späten Freundschaft, und ich hatte kein Gefühl von einem Abschied, kein Vorgefühl. Ich sah sein »Pfarrhausgärtchen«, das er sehr liebte, in der Maiblüte. Wir saßen, am Nachmittag er und ich allein, am Abend und bis tief in die Nacht mit einigen seiner näch­sten Freunde, von Pfeifenrauch umschwebt in seinem anheimelnden Studierzimmer, zwischen dessen von Büchergestellen verkleideten Wänden er wirkte wie Hieronymus im Gehäuse.“

Bericht von einer späten Freundschaft (1969) Von Carl Zuckmayer In memoriam Karl Barth Wie sich das oft ergibt, gerade bei … Mehr