Carl Zuckmayer, Bericht von einer späten Freundschaft mit Karl Barth (1969): „Nie hat mich ein lebender Mensch, vielleicht mit Ausnahme von Albert Einstein, so sehr davon überzeugt, und zwar durch sein pures Dasein, dass Gottesglaube vernünftig sei. Es kam zu dem Besuch in seinem Heim, im Bruderholz zu Basel, den er lange gewünscht hat­te. Für mich war es der Höhepunkt in dieser späten Freundschaft, und ich hatte kein Gefühl von einem Abschied, kein Vorgefühl. Ich sah sein »Pfarrhausgärtchen«, das er sehr liebte, in der Maiblüte. Wir saßen, am Nachmittag er und ich allein, am Abend und bis tief in die Nacht mit einigen seiner näch­sten Freunde, von Pfeifenrauch umschwebt in seinem anheimelnden Studierzimmer, zwischen dessen von Büchergestellen verkleideten Wänden er wirkte wie Hieronymus im Gehäuse.“

Bericht von einer späten Freundschaft (1969) Von Carl Zuckmayer In memoriam Karl Barth Wie sich das oft ergibt, gerade bei … Mehr

Klaus Scholder, 1945. Das Jahr ohne Vergleich: „Es stellte sich heraus, dass die Generation, die die Katastrophe überlebt hatte, nicht nur entschlossen, sondern auch fähig war, einen demokratischen Staat zu gründen und zu erhalten. Diese Entschlossenheit und Fähigkeit zu demokratischen Formen aber bedeutete tatsächlich zugleich eine überzeugende und wirkungs­volle Absage an das Dritte Reich. Es war eine Absage, die Bestand hatte – auch wenn sie viele Fragen offenließ. So hat eine ausdrückliche Auseinandersetzung über Schuld und Verantwortung der Deutschen bisher kaum stattgefunden. Vielleicht war das von der Generation der Betroffenen auch nicht zu erwarten. Aber wir sind aus dieser Frage nicht entlassen.“

1945. Das Jahr ohne Vergleich Von Klaus Scholder Das Jahr 1945 war ein Jahr ohne Vergleich. Kein Deutscher, der es … Mehr

Claus Westermann, Verheißungen an Israel: „Das Alte Testament ist von Anfang bis Ende durchzogen von einer Kette von Ankündigungen, Versprechen oder Zusagen Gottes. Es gehört zum Wesen dieser Verheißungen, daß ihre Erfüllung nach neuer Verheißung ruft, denn immer ragt die Verheißung über die Erfüllung hinaus . Auch wenn gesagt werden kann, ‚es kam alles‘, so steht in einem weiteren Horizont doch immer noch etwas aus. Dabei sind die Verheißungen so in die Geschichte des Gottesvolkes verwoben, dass man ihre Ge­schichte nachzeichnen kann.“

Verheißungen an Israel (Weissagung und Erfüllung) Von Claus Westermann Das AT ist von Anfang bis Ende durchzogen von einer Kette … Mehr

Gerhard von Rad, Predigtmeditation zu Josua 1,1-9 (Neujahr): „Unser Glaube ist schon zufrieden, wenn er je den nächsten Schritt als von Gott gewiesen erkennen darf. Tatsächlich gehen V. 3 und 5 in einem äußersten Pathos der Zuversicht einher, das uns den Atem verschlagen möchte. Aber hier geht es nicht um den individuellen Weg dieses oder jenes Menschen, sondern um den des ganzen Gottesvolkes in seine Ruhe, und von ihm gilt: Gott geht mit ihm, ja, er hat ihm in jeder Hinsicht den Weg schon bereitet; an jeden Fußbreit Bodens hat er gedacht.“

Predigtmeditation zu Josua 1,1-9 (Neujahr) Von Gerhard von Rad Entscheidend für das Verständnis dieses Textes ist die Be­stimmung des heilsgeschichtlichen … Mehr

Immanuel Kant über Hiob (Über das Misslingen aller philosophischer Versuche in der Theodizee, 1791): „Der Schluss ist dieser: dass, indem Hiob gesteht, nicht etwa frevelhaft, denn er ist sich seiner Redlichkeit bewusst, sondern nur unweislich über Dinge abgesprochen zu haben, die ihm zu hoch sind, und die er nicht versteht, Gott das Verdammungsurteil wider seine Freunde fällt, weil sie nicht so gut (der Gewissenhaftigkeit nach) von Gott geredet hätten als sein Knecht Hiob. Betrachtet man nun die Theorie, die jede von beiden Seiten behauptete: so möchte die seiner Freunde eher den Anschein mehrerer spekulativen Vernunft und frommer Demut bei sich führen; und Hiob würde wahrscheinlicherweise vor einem jeden Gerichte dogmatischer Theologen, vor einer Synode, einer Inquisition, einer ehrwürdigen Classis, oder einem jeden Oberkonsistorium unserer Zeit (ein einziges ausgenommen), ein schlimmes Schicksal erfahren haben.“

Über Hiob (Über das Misslingen aller philosophischer Versuche in der Theodizee, 1791) Von Immanuel Kant Hiob wird als ein Mann … Mehr

Helmut Tacke im Brief an Christian Möller (1980): „Hat uns nicht Kierkegaard ge­rade mit seinen Meditationen zur Nachfolge auf uns selbst und nur auf uns selbst festgelegt? Musste nicht folge­richtig bei Bultmann und anderen die eigene Entschei­dung zum Maßstab werden, bei der eben alles Entschei­dende von mir ausgeht? Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Dolmetscher der Rechtfertigung ausgestorben sind. Dass etwa unsere Predigten mit der Nachricht des ›Für uns‹ ihre Schwäche darin haben, dass die Hörer in sich selbst so stark sind und unter allen Umständen bei sich selbst bleiben und mit sich identisch sein wollen? Es ist wie in einem Uhrwerk, in dem ein Rad aus der Mitte herausgebrochen wurde. Das Motiv bewegt nicht mehr die Zeiger.“

Helmut Tacke im Brief an Christian Möller vom 30. Juni 1980 Ich bin davon überzeugt, daß die Seelsorge auf eine … Mehr

George MacDonald, Die Imagination – ihre Funktion und ihre Kultur (The Imagination: Its Function and its Culture, 1867): „Die Imagination des Menschen ist nach dem Bilde der Imagination Gottes gemacht. Alles vom Menschen muss zuerst von Gott gewesen sein; und es wird viel zu unserem Verständnis der Imagination und ihrer Funktionen im Menschen beitragen, wenn wir zuerst recht daran gehen, die Imagination Gottes, in der die Imagination des Menschen lebt und sich bewegt und ihr Wesen hat, richtig zu betrachten.“

Die Imagination – ihre Funktion und ihre Kultur (The Imagination: Its Function and its Culture, 1867) Von George MacDonald Es … Mehr

Ernst Robert Curtius über das theatrum mundi in Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter (1948): „Calderón ist der erste Dichter, der das von Gott gelenkte theatrum mundi zum Gegenstand eines sakralen Dramas macht. Der tiefsinnige Gedanke, den Platon einmal hinwarf und der in der ungeheuren Fülle seines Werkes wie verloren ruht, der dann aus dem Theologischen ins Anthropologische gewendet und moralisch trivialisiert wurde, erfährt eine leuchtende Palingenesie im katholischen Spanien des 17. Jahrhunderts. Die Schauspielmetapher, gespeist von antiker und mittelalterlicher Tradition, kehrt in ein lebendiges Theater zurück und wird Ausdrucksform für eine theozentrische Auffassung des Menschenlebens, die weder das englische noch das französische Schauspiel kennt.“

Schauspielmetaphern – theatrum mundi (Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, 1948) Von Ernst Robert Curtius In Platons Alterswerk, den «Gesetzen», lesen … Mehr