Paul Schempp über Karl Barth 1947: „Wie Barth vor aller Flucht in Weltanschau­ungen warnt, so schiebt er auch im Glauben an die Weltherrschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus alle optimistischen oder pessimistischen Perspektiven beiseite. Nüchterne Besonnenheit, Ge­duld, sachliche Arbeit, Absage an reaktionäre Träume, an Sehnsucht nach Führertum und Befehl, an die Sucht, immer andere haftbar zu machen, und dafür ein verantwortliches Ja zum Menschen in den gege­benen und aufgegebenen Formen und Möglichkei­ten der Gemeinschaft, das sind Forderungen Barths, die eine allgemeine Wegrichtung anzeigen. Unermüdlich ermuntert und erinnert Barth die Kirche der Reformation, ihre einzigartige, unentbehrliche, fröhliche und siegreiche Sache recht zu treiben und sich nicht zu verlieren an allerlei gutgemeinte ‚Bewegungen‘, an Bedürf­nisse und Belange und Selbstempfehlungen. Indem sie ganz für Christus da ist, ist sie auch ganz da für die Welt, für die wirkliche Not und für jede Not des Menschen, gerade auch für seine politische Not und Verlegenheit.“

Karl Barth und der Protestantismus (1947) Von Paul Schempp Es werden noch viele Bücher geschrieben werden über den Professor der … Mehr

Martin Luther über das Amen (Deutsche Auslegung des Vaterunsers für die einfältigen Laien, 1519): „Darum heißt das Wörtlein «Amen»: «wahrlich», «für wahr», «gewiss», und es ist ein Wort des festen, herzlichen Glaubens. Es ist, als sagtest du: «O Gott Vater, diese Dinge, um die ich dich gebeten habe, sind – ich zweifle nicht daran – gewiss aufrichtig gemeint und werden geschehen; nicht deshalb, weil ich um sie gebeten habe, sondern weil du befohlen hast, um sie zu bitten, und sie gewiss zugesagt hast. Ebenso bin ich gewiss, dass du, Gott, wahrhaftig bist; du kannst nicht lügen. Also nicht die Würdigkeit meines Gebets, sondern die Gewissheit, dass du wahr bist, bringt mich dazu, es fest zu glauben. Und ich zweifle nicht, dass es ein Amen daraus werden und ein Amen sein wird.»“

Von dem Wort Amen Von Martin Luther Das Wort «Amen» stammt aus der hebräischen (oder jüdischen) Sprache und heißt auf … Mehr

Wilhelm Freiherr von Pechmanns Begründung seines Kirchenaustritts im Schreiben an Reichsbischof Müller (1934): „Nun habe ich zwar oft und oft protestiert: gegen die Vergewaltigung der Kirche, gegen ihren Mangel an Widerstandskraft, auch gegen ihr Schweigen zu viel Unrecht und zu all’ dem Jammer und Herzeleid, das man, aus einem Extrem ins andere fallend, in ungezählte ’nichtarische‘ Herzen und Häuser, christliche und jüdische, getragen hat. Aber ich habe bisher nur in Wort und Schrift protestiert, und immer ganz vergeblich. Es ist Zeit, einen Schritt weiterzugehen, d. h. durch den Austritt aus einer Kirche zu protestieren, die aufhört, Kirche zu sein, wenn sie nicht ablässt, die auch von Ihnen wieder proklamierte ‚Einheit zwischen National­sozialismus und Kirche‘ zu einem integrierenden Bestandteil ihres Wesens, zur Richtschnur ihrer Verwaltung zu machen; wenn sie nicht ablässt, sich einem Totalitätsanspruch zu unter­werfen, in dem ich schon an sich, vollends aber in seiner Anwendung auf Glauben und Kirche, nichts anderes zu erkennen vermag als einen Rückfall in vor- und widerchristlichen Absolutismus.“

Begleitbrief zur Kirchenaustrittserklärung an Reichsbischof Müller Von Wilhelm Freiherr von Pechmann AN DEN REICHSBISCHOF München, Ostermontag, 2. April 1934 Hochwürdigster … Mehr

Elazar Benyoëtz, In Zweifel gezogen dehnt sich der Glaube aus. Variationen über ein verlorenes Thema: „Öffne ich meine Augen, ist es der Anfang meines Tages; öffne ich meinen Mund, ist es der Anfang meiner Geschichte; öffne ich mein Herz, ist es eine Metapher. Gott sucht mein Gehör. Aus der Tiefe wird gerufen, nicht geglaubt. / Im Anfang war das Wort, die Rede aber erwachte im Garten Eden. Gott würde gern durch die Blume gesprochen haben. / Wer mit der Bibel erwacht, kann zu Gott durch die Blume nicht sprechen“

In Zweifel gezogen dehnt sich der Glaube aus. Variationen über ein verlorenes Thema[1] Von Elazar Benyoëtz Ich will vom Glauben … Mehr

Günther Anders, Die Antiquiertheit des Hassens (1985): „Was ich nun auszusprechen im Begriff stehe, wird in den Ohren Friedliebender (auch in meinen) furchtbar klingen, aber es ist unverschweigbar: Gerade die Hasslosigkeit, die Hassunfähigkeit der In­strumente, gerade dieser Defekt ist es, an dem wir zugrunde gehen werden. Gute Zeiten waren das, als Krieger einander noch bedrohten und abschlachteten und als Kriege noch von Hassfähigen geführt wur­den. Die waren noch immerhin Menschen gewesen. Und die einander Hassenden konnten unter Umständen auch einmal aufhören, zu has­sen; und damit auch aufhören, zu kämpfen; und damit auch aufhören, zu vernichten; oder vielleicht sogar anfangen, einander zu lieben.“

Die Antiquiertheit des Hassens Von Günther Anders Erstes Stück: Vorgedanken I «Sie hassen nichts?» «Doch», antwortete Zeno. «Etwas schon.» «Und … Mehr

Rolf Wischnath, Alles neu. Predigt zur Jahreslosung 2026 (Offenbarung 21,5): „GOTTes neue Welt kennt keine Ausgrenzung: Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Alter, Beeinträchtigung, sexuelle Identität oder soziale Stellung verlieren ihre trennende Kraft. GOTTes Liebe in Jesus Christus gilt allen Menschenkindern seiner wunderbaren Schöpfung. GOTT nimmt sie in ihrer Unterschiedlichkeit, in ihrer Würde und Ehre an. Ich hoffe, dass es für mich als einem leidigen Sünder Vergebung geben wird für meinen Ungehorsam – und für die Anderen auch.“

ALLES NEU. PREDIGT ÜBER DIE JAHRESLOSUNG 2026 Von Rolf Wischnath „SIEHE, ICH MACHE ALLES NEU!“ (Offenbarung 21,5). I Das ICH … Mehr

Romano Guardini, Der Morgen: „Siehst du, wieviel von der ersten Stunde des Tages abhängt? Sie ist sein Anfang. Man kann ihn auch ohne Anfang beginnen, gedankenlos, willenlos in ihn hineingleiten. Da ist dann überhaupt kein ‚Tag‘, sondern ein Fetzen Zeit, ohne Sinn noch Angesicht. Ein Tag ist aber ein Weg; er will Richtung. Ein Tag ist ein Werk; das fordert klaren Willen. Ein Tag ist ein Lied; das verlangt helles Anheben. Ein Tag ist dein ganzes Leben. Dein Leben ist wie dein Tag. Das will aber ein Antlitz.“

Der Morgen Von Romano Guardini Das Angesicht des Morgens leuchtet vor allen Stunden stark und hell. Er ist ein Anfang. … Mehr

Thomas Mann, Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft (1930): „Gespeist also von solchen geistigen und pseudogeistigen Zuströmen, vermischt sich die Bewegung, die man aktuell unter dem Namen des Nationalsozialismus zusammenfaßt und die eine so gewaltige Werbekraft bewiesen hat, vermischt sich, sage ich, diese Bewegung mit der Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsroheit, die über die Welt geht, als ein Produkt wilder, verwirrender und zugleich nervös stimulierender, berauschender Eindrücke, die auf die Menschheit einstürmen.“

Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft (1930) Von Thomas Mann Meine geehrten Zuhörer, — ich weiß nicht, ob ich … Mehr