Wladimir Solowjow über das Gebet des Herrn (Vaterunser): „Je mehr wir unsere materiellen Bedürfnisse auf das geringste Maß beschränken in der Bitte um das tägliche Brot für heute, desto eher machen wir ihre Befriedigung möglich.“

Das Gebet des Herrn

Von Wladimir Solowjow

Das Gebet des Herrn, das vollkommen selbstlos ist, ist zugleich auch vollkommen wirksam. Jede seiner Bitten, wenn sie im Glauben ausgesprochen wird, enthält in sich auch schon den Anfang der Erfüllung.
Wenn wir im Glauben sprechen: „Geheiligt werde Dein Name“, wird der Name Gottes schon geheiligt in uns.
Indem wir das Reich Gottes herbeirufen, halten wir dadurch uns selbst für zu diesem Reiche gehörig, das heißt, es kommt schon zu uns.
Indem wir sagen: „Dein Wille geschehe“, das heißt, indem wir unseren Willen Gott anheimstellen, erfüllen wir damit seinen Willen in uns.
Endlich, je mehr wir unsere materiellen Bedürfnisse auf das geringste Maß beschränken in der Bitte um das tägliche Brot für heute, desto eher machen wir ihre Befriedigung möglich.
Indem wir ferner unseren Schuldigern vergeben, rechtfertigen wir uns damit vor Gott, und endlich, indem wir um Gottes Hilfe im Kampf gegen die Versuchungen und Eingebungen der arglistigen Mächte bitten, erhalten wir damit schon die allerwirksamste Hilfe, denn diese Art kann durch nichts anderes als durch Fasten und Beten ausgetrieben werden.

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