Wie die katholische Erweckungsbewegung in Schwaben Friedrich Engels in Sachen Kommunismus beeinflusst hat
Das sind solche Geschichte, die man auf eine Schlagzeile bringen kann: Wie die Allgäuer Erweckungsbewegung Friedrich Engels beeinflusst hat.
Ignaz Lindl (1774-1845), mit Johannes Evangelista Goßner befreundet, war wohl der charismatischste Prediger in der katholischen Erweckungsbewegung in Schwaben. In Baindlkirch bei Ried (Bayern) als Sohn einer Gastwirtsfamilie geboren, studierte in Augsburg und Dillingen, wurde 1799 zum Priester geweiht und war zunächst Kaplan in seinem Heimatort. Dort leitete er ab 1809 den Neubau und die künstlerische Ausstattung der Pfarrkirche.
1818 wurde ihm die Pfarrei entzogen. Anschließend wirkte er in Gundremmingen (bekannt als AKW-Standort), wo seine Predigten in der Pfarrkirche St. Martin mehrere Tausend Menschen anzogen. Schließlich konnte er die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen von Zar Alexander I. gewinnen, der ihn 1820 nach St. Petersburg holte. Dann initiiert er 1822 in Bessarabien die deutsche Siedlung Sarata, wozu er etwa 70 Auswandererfamilien aus Bayern und Württemberg hinzuholte. Nach urchristlichem Ideal und unter milleniaristischen Vorzeichen soll dort Gütergemeinschaft praktiziert werden.
Da er als katholischer Priester mit seiner Haushälterin Elisabeth Völk aus Eismannsberg die Ehe einging (und dazu auch der Segen von Johannes Evanglista Goßner erbeten und erhalten hatte), wird er 1823 aus dem Zarenreich verweisen und landet schließlich 1824 in (Wuppertal-)Barmen.
Es gilt als wahrscheinlich, dass Ignaz Lindl als Hauslehrer den jungen Friedrich Engels in dessen Kindheit unterrichtete und ihm dabei eine religiös motivierte Gütergemeinschaft nahegebracht hatte (Michael Knieriem, Die Auseinandersetzung des jungen Engels mit der religiösen Tradition). Lindls Grabmal befindet sich auf dem Unterbarmer Friedhof in der Nähe der Grabanlage der Familie Engels.