Warum in der Kirche nicht von einer „Dreifaltigkeit“ Gottes die Rede sein sollte
Jedes Mal zucke ich zusammen, wenn ich dem Wort „Dreifaltigkeit“ begegne, so jüngst in der Enzyklika Magnifica Humanitas, wo vom Menschen als „Abbild des dreifaltigen Gottes“ die Rede ist.
Wohl seit dem Spätmittelalter wird der lateinische Begriff trinitas – Tertullians Übersetzung des griechischen triás („Dreiheit“) – im Deutschen mit „Dreifaltigkeit“ wiedergegeben, so auch bei Martin Luther. Was damit – in meinen Augen – zur Sprache kommt, ist ein subtiler Modalismus. Ist im Deutschen von „falten“ bzw. von „Faltigkeit“ die Rede, wird ein flächiges, homogenes Kontinuum visuell gebrochen, wie uns das bei einer aufgelegten Tischdecke vor Augen geführt wird.
Die verfänglich-anschauliche Rede von einer „Dreifaltigkeit“ legt die Vorstellung nahe, dass der eine Gott sich uns in den drei „Faltweisen“ von „Vater“, „Sohn“ und „Heiliger Geist“ zeigt. „Faltungen“ sind modal, haben keine eigene Subsistenz und können sich nicht in Beziehung zueinander setzen. Sie vermögen daher nicht, der trinitätstheologischen Terminologie mia ousia – treis hypostaseis zu entsprechen.
Ich halte es im kirchlich-theologischen Kontext für angebracht, auf den Begriff „Dreifaltigkeit“ grundsätzlich zu verzichten und stattdessen den unanschaulichen Begriff „Dreieinigkeit“ zu verwenden. Man befindet sich damit in Übereinstimmung mit den anderen europäischen Sprachen, die ebenfalls keine „Dreifaltigkeit“ kennen.
Zurecht hat Jürgen Moltmann 2017 im Zeitzeichen-Interview betont:
„Hinter dem Begriff Dreifaltigkeit steht ein falscher Gedanke der Einheit Gottes, der von einer numerischen Einheit Gottes. Und dann sind Vater, Sohn und Heiliger Geist eben nur drei Seinsweisen der Gottheit. […] Aber das stimmt nicht, denn die trinitarische Einheit Gottes ist eine einladende Einigkeit. Im Johannesevangelium sagt Jesus, dass alle, die an ihn glauben: „eins“ seien sollen in Gott und untereinander. Das heißt für mich: Ich glaube nicht nur an die Trinität, sondern ich lebe in der Trinität, wenn ich in der Christusgemeinschaft lebe.“ (Zeitzeichen, Nr. 6, 2017)