Gottfried Bachl über die dahergeredete Predigt (1967): „Es klafft ein Spalt zwischen der religiösen Sprache, der Vorstellungswelt, in der die Prediger sich ergehen, und dem, was subkutan und unbewusst vielleicht aber sehr wirklich die Hörer bewegt. Die geringe Bildungs- und Anstoßkraft der christlichen Verkündigung rührt daher, dass sie fragefeindlich ist oder, wenn es hochkommt, sich die Frage des anzusprechenden Menschen lieber selbst fingiert, statt sie mühselig zu erlauschen.“

Über die dahergeredete Predigt

Von Gottfried Bachl

Mit dem, was man Predigt nennt, sind weitum nicht gerade angenehme Empfindungen verbunden. Nicht nur, weil predigen oft heißt: moralisch raunzen oder donnern, sondern weil sich, schlimmer noch, das Gefühl einschleicht, es werde ohne den rechten Ernst von irgendwo herab dahergeredet.

In der Tat, wenn auch nur ein Bruchteil der hörbaren Klagen wahr ist, dann sind die Leiden des Volkes Gottes unter den Kanzeln groß. Eine Ursache dafür mag liegen in der dürftigen Vorbereitung auf ein Amt, das als erste Aufgabe die Verkündigung des Wortes unternimmt.
Es wäre schön, wenn eine Statistik einmal herausbrächte, wie viel Zeit die beruflichen Verkünder für die Vorbereitung der Predigt aufwenden; im Vergleich mit dem Zeitaufwand für die anderen wirklichen und sogenannten seelsorglichen Geschäfte.

Der eigentliche Grund für die Misere scheint mir aber in folgendem zu liegen: Es klafft ein Spalt zwischen der religiösen Sprache, der Vorstellungswelt, in der die Prediger sich ergehen, und dem, was subkutan und unbewusst vielleicht aber sehr wirklich die Hörer bewegt. Die geringe Bildungs- und Anstoßkraft der christlichen Verkündigung rührt daher, dass sie fragcfcindlich ist oder, wenn es hochkommt, sich die Frage des anzusprechenden Menschen lieber selbst fingiert, statt sie mühselig zu erlauschen.

Aus: Forscht genau nach dem Kind!, Welser Zeitung Nr. 51 vom 21. Dezember 1967, S. 1.

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