Reinhold Schneiders Sonett „Schuld und Gnade“ (1942) für Jochen Klepper: „Und Schuld und Gnade, wunderbar verschlungen, / Sie wirken durch die Nacht an allen Orten; / Es löst die Gnade von der Schuld sich nicht.“

Eine der letzten gefundenen Nachrichten Reinhold Schneiders an Jochen Klepper enthält das folgende Sonett, dem er einige handschriftliche Zeilen beifügt. Dass zu dieser Zeit auch Schneider Klepper kaum beistehen kann, deuten die Worte „Sonst läßt sich wenig sagen“ an.

Schuld und Gnade

O dunkler Tag, der in das Heil geführt,
Verworfne Nacht, aus der die Lichter dringen!
Unsäglich Leid, das mit gewaltigen Schwingen
Schon an die Grenzen dieser Erde rührt!

Glückselig, wer der Sünde Macht gespürt,
Und wie des Himmels Mächte mit ihr ringen!
Der Zeiten Abgrund wird ein Herz bezwingen,
In dem die Schuld der Wahrheit Glut geschürt.

Und Schuld und Gnade, wunderbar verschlungen,
Sie wirken durch die Nacht an allen Orten;
Es löst die Gnade von der Schuld sich nicht.

Der Abgrund weckt des Himmels mächtige Zungen,
Die Frevler sprengen eherne Tempelpforten,
Und stürmisch überwältigt sie das Licht.

Freiburg i. Br., 20./21. 4. 1942

Reinhold Schneider

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