Georg Schwaiger über Johann Michael Sailer (1751-1832): „Sailer wird heute nicht nur als einer der wichtigsten Väter der neueren katholischen Theologie gesehen. Viele seiner zukunftweisenden Ansätze haben im Zweiten Vatikanischen Konzil, wenn auch nicht im bewußten Rückgriff, ihre Entfaltung und Bestätigung gefunden.“

Johann Michael Sailer (1751-1832)

Von Georg Schwaiger

Johann Michael Sailers langes Leben – fast auf das Jahr genau die Lebenszeit Goethes – hat zwei Jahrhunderten und zwei tiefgreifend verschiedenen Epo­chen der neueren Geschichte angehört. Zeitgenossen und Spätere rühmten den Theologen, Seelsorger und Erwecker religiösen Lebens, der 1832 als Bischof von Regensburg starb, als „erste Leuchte“ der katholischen Kirche, als „baye­rischen Kirchenvater“, als „Heiligen jener Zeitenwende“.1 Sailer erfuhr in seiner Jugend noch die ungebrochene kirchliche Religiosität der süddeutschen Barockepoche, erlebte das Vordringen der Aufklärung bis zur Radikalität der Spätphase, die von Frankreich ausgehende grundstürzende Revolution mit ihren Auswirkungen auf ganz Europa und Amerika, die „Säkularisation“ in Deutschland mit dem Ende der geistlichen Reichsstände (1803), der Aufhe­bung der Stifte und Klöster, mit dem Ende der katholischen Universitäten und fast aller anderen kirchlichen Bildungseinrichtungen, die napoleonischen Kriege und den Untergang des Heiligen Römischen Reiches (1806), die tiefgreifendsten politischen und sozialen Veränderungen in ganz Europa, die re­staurative Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongreß, die Neuorganisa­tion der schwer angeschlagenen katholischen Kirche und den gewaltigen gei­stigen Umbruch „von der Aufklärung zur Romantik“.2 Im Geisteskampf der Philosophen und Ideologen legte er als Universitätslehrer, Prediger und Bischof, mit seinem gesprochenen und geschriebenen Wort, im letzten mit seiner ganzen Existenz, glaubensstark und geistesmächtig Zeugnis ab für die Lebens­kraft der christlichen Botschaft. So wurde er für die katholische Kirche in Deutschland der bedeutendste Brückenbauer aus der alten in eine neue Zeit, einer der grundlegenden Väter des notwendigen Neubaues in der Theologie, ein Erwecker lebendigen Christentums.

I. Leben

Johann Michael Sailer wurde am 17. November 1751 als Sohn eines Dorfschu­sters und Kleinbauern in Aresing bei Schrobenhausen im Kurfürstentum Bay­ern geboren. Er wuchs in einer armen, tief religiösen Familie heran, besuchte in wirtschaftlich bedrängten Verhältnissen das Jesuitengymnasium in München (1762-1770), trat in die Gesellschaft Jesu ein und empfing im zweijährigen [54] Noviziat in Landsberg am Lech (1770-1772) die geistliche Bildung des Or­dens, die im anschließenden Universitätsstudium in Ingolstadt (1772-1777) ihre Vertiefung fand, aber auch Einflüsse einer maßvollen katholischen Auf­klärung in sich schloß. Benedikt Stattler wurde sein bedeutendster theologi­scher Lehrer. Nach der päpstlichen Aufhebung des Jesuitenordens (1773) wurde Sailer am 23. September 1775 im Augsburger Dom zum Priester (Welt­priester) geweiht.

Im Anschluß an seine Studien wirkte er als Repetitor der Philosophie und Theologie, 1780/81 als 2. Professor der Dogmatik in Ingolstadt, neben Bene­dikt Stattler, wurde aber mit diesem in den Auseinandersetzungen um die Universitätsreform als „Exjesuit“ entlassen. Die folgenden ersten „Brachjahre“ nützte Sailer vornehmlich zur literarischen Tätigkeit. Seine Kraft und Eigenart als Lehrer konnte sich zum erstenmal entfalten, als er 1784 an die fürstbischöflich-augsburgische Universität Dillingen — als Professor der Ethik und Pastoraltheologie — berufen wurde.

Im Zuge maßvoller aufgeklärter Reformen setzte ein erstaunlicher Auf­schwung der kleinen, vorwiegend der Priesterbildung dienenden Hochschule ein, der vornehmlich der begeisternden Lehrtätigkeit Sailers zu danken war: „Mit hoher Kraft gerüstet und mit dem Geist der Liebe gesalbt wie wenige, stand er da und wirkte — wie ein himmlischer Genius auf die empfänglichen Jünglinge. Oft war es, als ob Flammen von ihm ausgingen, … leuchtend und erwärmend.“3 Vor allem ging es Sailer darum, die künftigen Priester zur Heiligen Schrift zu führen und durch ihr betrachtendes Lesen „lebendiges Christentum“ und „gottselige Innigkeit“ zu wecken .4 Dazu gebrauchte er im Unterricht die deutsche Sprache und vertiefte die Unterweisung in kleinen Gruppen, auf Spaziergängen und in der abendlichen gemeinsamen Schriftle­sung. In Dillingen gewann bereits erste Gestalt, was man später Sailers Prie­sterschule genannt hat.

Die Auseinandersetzung zwischen einer streng konservativen Gruppe und einer stärker zeitaufgeschlossenen Richtung, als deren Repräsentant Sailer er­schien, führte schließlich zu jahrelangen Untersuchungen und zur Entlassung und Maßregelung Sailers und seiner engsten Freunde (November 1794) durch den Fürstbischof von Augsburg, Clemens Wenzeslaus von Sachsen, zugleich Kurfürst-Erzbischof von Trier. Neid und Mißgunst einiger weniger erfolgrei­cher Kollegen, die Exjesuiten von St. Salvator in Augsburg und ihre Anhänger hatten schließlich den lange zögernden, seit Ausbruch der Revolution in Frankreich ängstlich gewordenen Fürsten dazu veranlaßt. Schwer getroffen, aber schließlich nicht verbittert, fand Sailer in Ebersberg (bei München) eine Zuflucht. Er nützte die zweite aufgezwungene „Brachzeit“ wieder zu frucht­barer literarischer Tätigkeit.

Als angeblicher Aufklärer war Sailer in Dillingen entlassen worden, als vermeintlichen Aufklärer berief ihn der leitende bayerische Minister Montge­las 1799 an die Universität Ingolstadt, die 1800 nach Landshut verlegt wurde. Hier lehrte Sailer bis 1821 Pastoral, Moral, Homiletik, Pädagogik, Liturgie [55] und Katechetik. Zugleich war er Universitätsprediger. Sein Hauptfach war die Moraltheologie. Bedeutende Professoren aller Fakultäten zählten zum Sailer­kreis in Landshut, der immer mehr, wenn auch in heftigen Auseinandersetzun­gen, Heimstatt und Strahlungspunkt gleichgestimmter Menschen wurde. Der Grundzug war tiefe, aus der Heiligen Schrift, den Kirchenvätern und der Liturgie lebende Frömmigkeit, treue Liebe zur Kirche, verbunden mit der Aufgeschlossenheit für alles Gute und Schöne.

Auch auf viele evangelische Christen machten Sailers Güte und Wahrhaftigkeit tiefen Eindruck; mit zahlreichen hielt er freundschaftliche Verbindung, von der Familie Lavaters in Zürich bis zu Matthias Claudius in Hamburg, zur gräflichen Familie Stolberg-Wernigerode im Harz und zum Juristen Friedrich Carl von Savigny in Berlin. Bewußt trat Sailer, ohne seiner katholischen Überzeugung etwas zu vergeben, für den Frieden unter den christlichen Kir­chen ein.5

In den zwei Jahrzehnten seiner Wirksamkeit in Landshut hat Sailer über tausend Priester herangebildet, die meisten für Bayern selbst. Hier unterrich­tete er 1803 auch den damaligen Kurprinzen, den späteren König Ludwig von Bayern. Aus dieser Begegnung wuchs hohe wechselseitige Wertschätzung für ein ganzes Leben, die Sailer später zum kirchenpolitischen Berater des Königs werden ließ.6 Viele kirchlich Gesinnte sahen im Wirken Sailers ein sichtbares Werkzeug der göttlichen Vorsehung, damit der Offenbarungsglaube, Kirche und Priestertum nicht untergingen.

Eine harte Gegenposition vertrat in Landshut der Kantianer Matthäus Fin­gerlos, Pastoraltheologe und Direktor des Georgianums, Vertreter einer ratio­nalistischen Aufklärung in der Theologie und stark dem staatlichen Nützlich­keitsdenken in der Priesterbildung verpflichtet. In den schweren geistigen Kämpfen konnte sich schließlich Sailer mit seinen Freunden (darunter vor allem der Dogmatiker Patriz Benedikt Zimmer) durchsetzen.

Nach dem Wiener Kongreß stand die kirchliche Neuordnung dringend an. 1817 wurde das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Bayern unterzeichnet. Infolge erheblicher Unklarheiten zog sich die tatsächli­che Neuorganisation der katholischen Kirche Bayerns bis 1821 hin. 1818 lehnte Sailer höflich den ehrenvollen Ruf des Königs von Preußen als Profes­sor nach Bonn und als künftiger Erzbischof nach Köln ab, genauer: Er überließ die letzte Entscheidung dem Papst. Rom hüllte sich in Schweigen. Als König Max Joseph von Bayern — auf Betreiben des Kronprinzen Ludwig — Sailer zum Bischof von Augsburg nominierte, sprach der Heilige Stuhl 1819 die entschie­dene Ablehnung aus. Neben anderen Denunziationen spielte dabei eine maß­gebliche Rolle das Gutachten des Wiener Redemptoristen Klemens Maria Hof­bauer. Die alten Vorwürfe, die 1794 zur Entlassung in Dillingen geführt hat­ten, wurden darin erneut erhoben, kräftig erweitert und durch kritiklos über­nommenen Klatsch über Exzesse falscher Mystik erweitert: Sailer sei gefährli­cher als Luther; dieser habe offen die Kirche umzugestalten versucht, während Sailer dies geheim betreibe. Gegen zähen Widerstand konnte Kronprinz Lud-[56/57]wig in langen Bemühungen die Rehabilitierung Sailers durchsetzen, obwohl an der Römischen Kurie ein von den Gegnern geschürtes Mißtrauen blieb. Sailer, der sich wie kein zweiter Mann in Deutschland in dieser verworrenen Zeit für den christlichen, katholischen Glauben eingesetzt hatte, mußte sich aber der römischen Forderung beugen und eine Erklärung abgeben, daß er der römischen Kirche und dem Papst treu ergeben sei, alles glaube, was diese glaubten, und alles widerrufe, was er etwa dagegen gefehlt habe. Obwohl zutiefst verletzt, gab er diese demütigende Erklärung ab, „dem Beispiele des großen Fenelon nachfolgend“.7

Durch die unablässigen Bemühungen des Kronprinzen wurde Sailer 1821 ins Regensburger Domkapitel berufen, im folgenden Jahr dem altersschwa­chen Bischof Johann Nepomuk Freiherrn von Wolf (1821-1829) als Koadju­tor, Weihbischof und Generalvikar beigegeben. Am 28. Oktober 1822 emp­fing Sailer im Regensburger Dom die Bischofsweihe. So wurde Sailer im letzten Jahrzehnt seines Lebens, die letzten Jahre als regierender Bischof (1829-1832), der geistliche Leiter des ausgedehnten Bistums Regensburg. Trotz seines vorgerückten Alters war er bis Ende der zwanziger Jahre noch erstaunlich rüstig.

Bei aller Sorge für sein Bistum wirkte Sailer — wie eh und je — fast über ganz Deutschland hin und noch darüber hinaus. Der gefeierte Vater der historischen Rechtsschule, Friedrich Carl von Savigny, der mit Sailer an der Universität Landshut eng vertraut geworden war, schrieb 1823 von der Universität Berlin nach Regensburg: „Mein teurer, geliebter Sailer! Du bist zwar jetzt ein Kir­chenfürst geworden, und ich sollte also wohl bloß noch mit Ehrfurcht und aus einer gewissen Ferne Dich begrüßen; aber Dein kindliches Herz ist geblieben wie immer, und so kann ich’s nicht lassen, ich muß Dich zugleich lieben wie immer und als ob Du noch meinesgleichen wärest, mit der verehrenden Dank­barkeit eines Sohnes und mit der vertraulichen Freundschaft eines Bruders.“8

Die schwere Bürde, die Sailer noch im Greisenalter auf seine Schultern nahm, wurde ihm erleichtert durch die treue Mitarbeit seines gleichgesinnten, hochbegabten Geheimsekretärs. Es war dies der junge Melchior Diepenbrock, der spätere Fürstbischof und Kardinal von Breslau. Beide Männer waren an Alter und Herkunft grundverschieden, aber gleich in der Lauterkeit des Cha­rakters. Im jungen Diepenbrock fand Bischof Sailer einen Hauskaplan und Geheimsekretär, wie er ihn brauchte. Sailer schenkte ihm unbegrenztes Ver­trauen, und Diepenbrock zeigte sich des Vertrauens wert.

„Elf Jahre hindurch“, schreibt 1852 der Fürstbischof und Kardinal Diepenbrock, „habe ich in ununterbrochenem Verkehr mit ihm gelebt, die letzten acht Jahre als sein nächster Haus- und Tischgenosse, habe ihn bei seinem sommerlichen Landaufenthalt im nahen Schloß Barbing (das ihm König Lud­wig freundlichst angewiesen hatte) und auf mehreren größeren Reisen in die Schweiz und an den Rhein begleitet, habe unter seiner Leitung seinen weit ausgebreiteten Briefwechsel mit den verschiedensten Menschen über die ver­schiedensten Verhältnisse größtenteils geführt, bin in seine Freundschafts- und [58] Geschäftsbeziehungen eingeweiht worden, habe ihn stündlich beobachtet in gesunden und kranken Tagen, in heitern und trüben Stunden, … und ich kann vor Gott versichern: ich habe ihn nie klein, nie sich ungleich, nie stolz oder eitel, nie gereizt, nie entmutigt, nie erzürnt oder verdrießlich, und wenn auch zuweilen tief verletzt und betrübt, doch nie außer Fassung, nie leiden­schaftlich bewegt, stets seiner selbst würdig gefunden, habe ihn stets als ein Musterbild vor mir stehen sehen, an dem man sich erheben, erbauen und lernen konnte, ein Mann, ein Christ zu sein … Das durchscheinende Geheim­nis seines inneren Lebens war die stete Gegenwart Gottes.“9 Zwischen Sailer und Diepenbrock bestand ein Verhältnis unbegrenzten gegenseitigen Vertrau­ens. Schon zur Abfassung des ersten Hirtenbriefes mußte der Sekretär dem alten, jetzt auch altersschwachen, aber immer noch geistig hellwachen Bischof „Herz und Hand und Feder“ leihen.

Daß Sailer nicht etwa ein Hofbischof war, bewies seine entschlossene, doch stets maßvolle Haltung im Streit um die konfessionsverschiedenen „Misch­ehen“, der damals auch das Königreich Bayern ergriffen hatte.

Eine andere Art der Frömmigkeit des 19. Jahrhunderts verkörperte in Re­gensburg Sailers Weihbischof Michael Wittmann, gewiß hochangesehen und hochverdient um Seelsorge und Priesterbildung, aber von großer büßerischer Strenge geprägt und nicht ohne rigoristische Züge.

Sailer starb, wie er gelebt hatte, im Gefühl der Gegenwart Gottes, am 20. Mai 1832 in Regensburg, umgeben von liebenden Verwandten und Freun­den. Aus den Händen des Weihbischofs Wittmann hatte er die Sterbesakra­mente empfangen und dann mit vollem Bewußtsein die Sorge für sein Bistum dem Weihbischof anvertraut. Mit Sailer starb einer der edelsten Priester und Bischöfe des 19. Jahrhunderts.

Sailer wurde im vorderen südlichen Seitenschiff des Regensburger Domes beigesetzt. Weihbischof Wittmann rühmte ihn: „Unter den hiesigen Bischöfen wird er nach Jahrhunderten noch groß dastehen.“10 Als kurze Zeit danach König Ludwig I. von Bayern Regensburg besuchte, ließ er sich zu Sailers Grab führen. Dort sprach er, daß die Umstehenden es deutlich hören konnten: „Hier ruht der größte Bischof von Deutschland … Mir ist ein Schutzgeist gestorben.“11 Die Verbundenheit zwischen Sailer und König Ludwig hatte nicht zuletzt darin gewurzelt, daß beide die goldene Mitte suchten, für ein gerechtes Abwägen der kirchlichen und staatlichen Interessen eintraten. Noch zu Lebzeiten Sailers traten andere, radikalere Kräfte auch in der katholischen Kirche stärker hervor, die gegen die Mitte des Jahrhunderts immer mehr zur alleinigen Geltung drängten. Sailers Andenken konnte über Jahrzehnte ver­dunkelt werden, seine menschliche, christliche Größe leuchtet hell in der ge­genwärtigen Zeit. [59]

II. Sailers literarisches Werk und theologische Bedeutung

Ungeachtet der Vorlesungen, häufigen Predigten, seelsorgerlichen Beratungen und einer ausgedehnten Korrespondenz fand Sailer noch Zeit, große Werke philosophischen, theologischen und religiös-erbaulichen Inhaltes abzufassen. Von erheblicher Bedeutung für das geschriebene Wort Sailers wurden die sogenannten Brachjahre, die freien Jahre nach seiner Entlassung in Ingolstadt (1781-1784) und nach seiner Maßregelung und Entlassung in Dillingen (1794-1799). In diesen Jahren mußte Sailer von schmalen Einkünften leben, doch der Aufenthalt bei Freunden enthob ihn der drückenden materiellen Sorgen und gab ihm Muße zu ungestörter Arbeit.

Neben seiner Tätigkeit als Universitätslehrer und geistiges Haupt eines wei­ten Freundeskreises ist das literarische Schaffen Sailers die zweite große Kom­ponente seines Einflusses auf das geistig-religiöse Leben Deutschlands in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hubert Schiel zählt 194 Einzelveröffent­lichungen Sailers. 41 stattliche Bände umfassen Sailers sämtliche Werke, wie sie der Sailerschüler Joseph Widmer herausgegeben hat, die gleichwohl erheb­liche Lücken aufweisen, besonders zum Frühwerk Sailers.

Es ist nicht ohne Reiz, daß das literarische Werk des machtvollen religiösen Erneuerers mit einem „oekonomischen Versuch“ beginnt: Wie man einen Weyer von seinem Geröhre ohne Ableitung des Wassers reinigen kann (Ingolstadt 1774). Zehn Jahre später beschäftigte sich Sailer ein zweitesmal mit dem Was­ser, aber diesmal in ganz anderem Sinn. Die Überschwemmungskatastrophe des Jahres 1784 bot ihm Anlaß zu einer umfangreichen Schrift Über die Wasser­flut in unserm Deutschland (München 1784). Er zeichnet die Not in packenden Bildern und beantwortet die Frage nach dem Walten der Vorsehung Gottes in solchen Naturereignissen. In Fristingen, einem Dorf bei Dillingen, das in der verheerenden Flut gänzlich überschwemmt worden war, hielt Sailer seit 1785 beim alljährlichen Dankfest für die überstandene Not häufig die Predigt. Das Volk gewann den Prediger sehr lieb und nannte ihn das „Wasserherrlein“.

Die frühen theologischen Arbeiten Sailers stehen, wie kaum anders zu er­warten, noch ganz im Schatten seines Lehrers Benedikt Stattler. So brachte er Stattlers Demonstratio evangelica als Kompendium heraus (München 1777). Auf dem Titelblatt bekannte er sich dankbar als Stattlers Schüler. Auch seine um­fangreiche theologische Doktorarbeit, die 1779 zu Augsburg unter dem Titel Theologiae Christiane cum Philosophia nexus erschien, bewegte sich in den tradi­tionellen scholastischen Bahnen der Zeit. Schon jetzt begann er damit, kleine Gelegenheitsschriften herauszubringen, Predigten zu besonderen Anlässen, Nachrufe, Mahn- und Erbauungsreden.

Sailer hat nie in seinem Leben die fruchtbaren Anregungen der Jesuitenschule seiner Jugend verleugnet, auch nicht in der Zeit, da er als Exjesuit verschrien wurde und von Exjesuiten Verfolgung und Verleumdung erlitt. „In der Gesellschaft Jesu lernte ich den Geist des Gebetes und der Selbstver-[60]leugnung“, notierte er am 15. Mai (wohl 1803) in sein Tagebuch.12 Die großen Leistungen des Ordens hat er nie verkannt, auch wenn er offen aussprach, daß er selber „nimmer in die alte Ordensform“ passe und an eine neue nicht zu denken sei (1801) 13 In einer Selbstdarstellung schreibt Sailer über die Jesuiten: „In der Entstehung des Ordens regte sich viel Göttliches, in der Ausbreitung viel Menschliches, in der Aufhebung vieles, das weder göttlich noch mensch­lich war.“14 Schon am Jesuitengymnasium zu München und vor allem im Noviziat zu Landsberg am Lech wurde er in die aszetische, stark von der spanischen Spiritualität geprägte Tradition des Ordens eingeführt. Sailers Mitnovize Anton Daetzl überliefert wesentliche Einzelheiten. Immer noch hat man in Landsberg die „Geistlichen Exerzitien“ des Ignatius von Loyola einge­übt, wurde von der via purgativa zur via illuminativa und zur via unitiva hingeführt. Das große Werk des Alfons Rodriguez De perfectione gehörte zur selbstverständlichen Lektüre. Sailer stieß nicht erst durch Lavater oder Mat­thias Claudius auf mystische Innerlichkeit. Das ganze 18. Jahrhundert hin­durch war die große mystische Literatur der Vergangenheit in Bayern noch bekannt und lebendig, die deutsche Mystik des Mittelalters und noch mehr die spanische des 16. Jahrhunderts. Im fortschreitenden Jahrhundert der Aufklä­rung begann die Überlieferung zwar zu stocken, doch erloschen ist sie nicht. Die deutlichen Spuren der jesuitischen Ausbildung zeigen sich nicht nur in den frühen Werken Sailers. Die ignatianischen „Meditationspunkte“ sind in sein erbauliches Schrifttum zunächst verhüllt einbezogen. Im späteren Werk wur­den sie methodisch ausgebaut. Doch ist Sailer eine zu starke, originale religiöse Persönlichkeit, als daß er sich einer bestimmten Schule einordnen und von Jugendeindrücken her gleichsam erklären ließe. Er nahm fruchtbare Anregun­gen von allen Seiten auf. Bereits als junger Professor der Dogmatik in Ingol­stadt, im Alter von dreißig Jahren, zeichnet sich klar sein geistiges Profil ab: Sailers Werke werden nach Inhalt und sprachlicher Form „sailerianisch“. Ein äußerer Umstand kam ihm dabei zu Hilfe.

In der bayerischen Traktatenliteratur und in der großen Barockpredigt des späten 17. und des 18. Jahrhunderts wirkte eine ursprüngliche Kraft, die der lateinischen Scholastik fehlte: die Volkssprache, das Volkstümliche. Die deutschen Predigten und Erbauungsschriften großer Prediger und Mystiker des deutschen Mittelalters wurden zugleich bedeutende Zeugnisse sprachlicher Kultur und geistiger Verfeinerung. In Spanien hatten Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz in ihrer Landessprache geschrieben und dadurch auch zur literarischen Blüte des „goldenen Jahrhunderts“ ihren Beitrag geleistet. Die große Zeit der Jesuitenschule war im 18. Jahrhundert bereits Vergangenheit. Die ordnende Macht der suarezianischen Scholastik war in den eklektizistischen Systemversuchen rationalistisch aufgelöst, wesensfremden Denkformen unterworfen worden und daran zerbrochen, wie schließlich der Orden selbst. Überdauert hat aber die geistliche, der Mystik verbundene aszetische Litera­tur. Sie konnte sich gegen alle Angriffe der Aufklärer behaupten, gewann neue Freunde in Kreisen des Pietismus, der Erweckung, der Empfindsamkeit, der [61] früh aufbrechenden romantischen Bewegung. Eine neue Welle mystischer In­nerlichkeit verband im ausgehenden 18. und im frühen 19. Jahrhundert gleich-gestimmte Seelen über die nationalen und konfessionellen Grenzen hinweg, von Frankreich über das protestantische und katholische Deutschland bis tief in die russische Orthodoxie hinein. Man sollte nicht nur das Sektiererische solcher Kreise sehen: stärker wirkte das Gemeinsame, die Übermacht der Sekten Sprengende, alle wahren Christen Zusammenführende. Sektiererisch wurden manche Erweckungsbewegungen nicht zuletzt erst in der harten Un­terdrückung durch staatliche und kirchliche Macht. Dies gilt auch für die „Allgäuer Erweckungsbewegung“ der späten neunziger Jahre des 18. Jahrhun­derts, der Sailer in den Anfängen nahestand und in der Sailerschüler eine maßgebliche Rolle spielten.

Eines der frühen Werke, das Sailers spirituelle und theologische Eigenart bereits deutlich erkennen läßt, ist die Theorie des weisen Spottes (München 1781). Dieses „Neujahrsgeschenk eines Ungenannten an alle Spötter und Spötterinnen über Dreyeinigkeit“ — so der Untertitel — zeigt die Genialität des religiösen Volkserziehers schon in der Anlage der Schrift. Der Ausdruck ist locker, sprachlich sehr genau. Man hat Sailers Stil gelegentlich mit Lessing verglichen. Die sprachliche Präzision wird am deutlichsten, wenn man die nur wenig zurückliegende, vielfach noch zeitgenössische Predigt- und Erbauungs­literatur im katholischen Süden des Reiches danebenhält. Sailer schreibt aus ungebrochener Religiosität heraus. Aber seine Religiosität hat die scholastische Enge gesprengt. Sie „begibt sich frei auf das rationalistische Argumentationsfeld der Zeit. Sie spricht erst einmal ,vernünftig‘ vernunftgemäß, weil das rationalistische Argument schwer und entscheidend ins Gewicht fallen muß. Aber die ideellen Fixierungen sind zugleich ,weise‘. Sie sind gesteuert durch Taktgefühl und Pietät, — durch gelassene Humanität“15 Da wird erst einmal der Spötter in seiner ganzen Armseligkeit bloßgestellt. Dann zeigt Sailer den verspotteten Gegenstand: die göttliche Dreifaltigkeit. Auch darin wird wieder von der Vernunft ausgegangen. Vernunftgemäß werden drei Faktoren be­schrieben, die im Innern des Menschen zusammenwirken und ein lebendiges Ganzes bilden: Tätigkeit, Selbstbewußtsein und Liebe. So entwirft Sailer das Bild einer gegliederten, lebendigen geistigen Einheit. Dieses Schema der Ver­nunft wird in zwei weiteren, tiefer eindringenden meditativen Stufen ausge­baut. Zum Schema der Vernunft tritt die Sprache der Heiligen Schrift (Vater, Sohn, Heiliger Geist), und an diese schließt sich an die Sprache der Kirche (die beseligende Vollkommenheit der drei göttlichen Personen). Dabei wird nichts von außen aneinandergefügt. Alles wird von innen her notwendig entfaltet. Damit man die Vernunft und ihre Gründe verstehen kann, muß die Heilige Schrift aufgeschlagen und die Lehre der Kirche vernommen werden. Denn nur so können die eigentlich humanen Bedürfnisse befriedigt werden, kann der Gesamtheit der Seelenkräfte Genüge geschehen. Auf solche Weise entfaltet sich der romantische Universalismus Sailers. Er drückt sich aus in einer indivi­duellen Frömmigkeit, die alle Kräfte des Verstandes, des Herzens, der Seele [62] ergreift und durchdringt, schließlich die ganze den Menschen umgebende Welt. Vernunftsprache, Bibelsprache und Kirchensprache führen hin zum ei­nen dreieinigen Gott, und indem sich das Bild der Dreifaltigkeit erfüllt, wer­den alle seelischen Kräfte angesprochen. Zwar klingt in der Sprache der ent­worfenen typographischen Schaubilder das Prinzip der zureichenden Vernunft Benedikt Stattlers an. Aber Sailer eröffnet mit der typographischen Darstel­lung des dreifaltigen Gottes zugleich die Fülle menschlichen Seins. Deshalb kann er am Schluß auch sagen: „Freund, Selbstdenker! Dir trau ichs zu, daß Du diese angewiesenen Meditationspunkte Deines Nachdenkens würdigest, und für Dich stehen sie da; denn der Spötter, — er liest nicht so weit.“16

Diese kleine Schrift Theorie des weisen Spottes wurde schon ein Jahr nach ihrem Erscheinen neu aufgelegt (Augsburg 1782), doch wohl ein Zeichen, daß sie einem echten religiösen Bedürfnis der Zeit entsprach, da eben Kants Kritik der reinen Vernunft viele suchende, zweifelnde Geister von neuem in Unsicher­heit stürzte. Sailers Anliegen war es, seine Leser religiös zu fördern. So bot seine Theorie des weisen Spottes eine Meditationsanleitung, die in drei Stufen zu immer höherer Vollkommenheit, zur Begegnung mit dem dreifaltigen Gott führen wollte. Verborgen, aber doch erkennbar schimmert der Gegensatz zum Illuminatenbund Adam Weishaupts durch, zu dessen Antijesuitismus. Die Le­ser sollten die Meditationspunkte erfahren und mitvollziehen.

In diesem religiösen und pädagogischen Anliegen Sailers spiegeln sich deut­liche Einflüsse der Geistlichen Übungen des heiligen Ignatius von Loyola. Über­zeugt von der Vortrefflichkeit dieser Geistlichen Übungen, die er im Noviziat zu Landsberg lebendig erfahren hatte, konnte er die ignatianische Methode der Meditation so überzeugend vortragen. Sailer wirkte für die Verbreitung der ignatianischen Exerzitien gerade in der Zeit, als seine Schüler des „Allgäuer Pietistenkirchleins“ bis an die Grenze der Abspaltung gerieten. 1799 erschie­nen in Mannheim und Landshut seine Übungen des Geistes zur Gründung und Förderung eines heiligen Sinnes und Lebens. In dem Büchlein wurden die Geist­lichen Übungen des Ignatius von Loyola gottsuchenden Menschen in der Sprache ihrer Zeit vermittelt. In der Einleitung spricht Sailer von der Hoffnung, daß diese Arbeit an vielen Menschen ihre siegende Kraft beweisen werde.

An dieser Stelle ist ein Wort über Sailers Verhältnis zu Benedikt Stattler nötig. Unter Sailers Lehrern war Stattler ohne Zweifel der bedeutendste. Stattler vermittelte dem jungen Sailer sein System der Dogmatik, seine theolo­gische Konzeption überhaupt, aber auch die zugehörigen philosophischen Grundlagen. Als öffentlicher Repetitor an der Universität Ingolstadt hatte Sailer auch das Stattlersche System allen Hörern wiederzugeben. Im Jahr 1780 griff Sailer mit zwei polemischen Schriften für seinen Lehrer auch in den Streit um Stattlers Demonstratio Catholica ein, der vor allem durch den Benediktiner Wolfgang Froelich aus St. Emmeram entfacht worden war. Im Handbuch der christlichen Moral (1817) rühmt Sailer seinen Lehrer Stattler als einen Mann, der seine Schüler vom ersten Satze der Logik bis zum letzten der Theologie in [63] strenger Konsequenz eigenständiges, kritisches Denken gelehrt habe. Dies galt für die Hinführung zum konsequenten Durchdenken eines Problems und noch mehr für die Anleitung zur selbständigen geistigen Arbeit. Hier konnte der alte Sailer mit Recht sagen, daß er Stattler viel, ja alles verdanke; er dachte dabei gewiß auch an den irenischen, ökumenischen Geist, von dem dieser sonst durchaus streitbare Mann eigentümlich geprägt war.

Aber die philosophisch-theologischen Grundkonzeptionen Stattlers hat Sailer schon seit 1781 Zug um Zug verlassen. Die räumliche Trennung nach der Entlassung der beiden „Exjesuiten“ von der Universität Ingolstadt erleichterte gewiß auch die innere Distanzierung. Den entscheidenden Anstoß bot für Sailer die Auseinandersetzung mit Immanuel Kant.

Bis 1781 war Sailer wohl auch Anhänger der Wolff-Leibniz’schen Philoso­phie im System Stattlers. Benedikt Stattler vertrat den philosophischen und theologischen Eudämonismus — darin repräsentiert er das Denken und den Geschmack seiner Epoche. Stattlers Theologie ist im Grunde Anthropologie. Das Formalobjekt seiner Theologie ist nicht Gott als Gott, sondern die Glück­seligkeit des Menschen. Darin ist er ganz Kind des aufgeklärten Jahrhunderts. Auch das Heilshandeln Gottes wird völlig unter dem Gesichtspunkt der menschlichen Glückseligkeit gesehen. Die Glückseligkeit des Menschen ist der Angelpunkt, um den sein ganzes Denken kreist. Auf dieses Ziel hin ist sein philosophisches und theologisches Konzept angelegt. Deshalb kann man sein theologisches System, nicht nur seine Ethik, als eudämonistisch kennzeichnen. Der eudämonistische Ansatz führte zu weittragenden Folgerungen, die von Stattler in strenger Konsequenz gezogen wurden. So wird menschliche Glück­seligkeit zum Zweck der ganzen Schöpfung. Das göttliche Gesetz erscheint als Beitrag zur Förderung menschlicher Glückseligkeit. Unabhängig vom Gewis­sen gibt es keine objektiven Gesetze. Das Gesetz wird zur Nützlichkeitsregel. Nur die Affekte der Lust und Unlust bestimmen den Willen wirksam. Unsitt­liches Handeln erscheint als Torheit, nicht als Schuld, sittliches Handeln ist Weisheit. Das menschliche Gewissen ist damit nicht mehr der Wesensordnung verpflichtet oder dem bindenden Willen Gottes, sondern der Glückseligkeit. In Stattlers System, das er gleichsam more geometrico „aus zureichenden Grün­den“ entwickelt, wird der Mensch zum Maß und zur Norm der Sittlichkeit gemacht.

Kants Kritik der reinen Vernunft (1781) schränkte bereits Sailers Hochschät­zung für seinen Lehrer Stattler in religions-philosophischen Fragen erheblich ein. Vor allem die geistige Auseinandersetzung mit Kant, über Jahrzehnte hin, spiegelt den Umbruch in Sailers ethischem Denken: die Abkehr vom eudämo­nistischen Ansatz Stattlers und seiner Zeit, die Hinwendung zu einem wieder an der Offenbarung orientierten Denken. Sailer vollzog diesen entscheiden­den, für die Zukunft trotz aller Rückschläge grundlegenden Umbruch in der Moraltheologie. In dem aufgewiesenen Weg zeigt sich Sailers denkerische Kraft und theologische Ursprünglichkeit, die ihn mit vollem Recht in die Reihe der großen theologischen Persönlichkeiten der letzten Jahrhunderte ein-[64]gliedert. Auf katholischer Seite hat sich Sailer über Jahrzehnte hinweg am entschiedensten mit Kant auseinandergesetzt.17

Schon die erste „Brachzeit“ nützte Sailer zu intensiver geistiger Arbeit. So entstand zunächst das Werk, das ihn in breiten Kreisen bekannt und berühmt machte, sein Vollständiges Lese- und Betbuch zum Gebrauche der Katholiken (Mün­chen-Ingolstadt 1783, „Zusätze“ München 1785). Einen Auszug davon brachte er wenig später heraus (Vollständiges Gebetbuch für katholische Christen, München 1785). Diese Werke hatten ungeahnten Erfolg. An die Stelle schau­erlich-breiter Phantasie-Schilderungen, wie etwa die Seelen im Fegfeuer ge­quält würden, setzte Sailer die kraftvoll tröstenden Worte der Heiligen Schrift, der kirchlichen Liturgie, die er in den Hauptteilen in voller Übersetzung brachte, und Texte aus den Werken der Kirchenväter. Der reißende Absatz beweist, wie lebendig das Bedürfnis nach echter geistlicher Erbauung in allen Schichten der Bevölkerung war, nach der oft schier erstickenden Überlast der Barockzeit und der verflachenden Wirkung der Aufklärung. Das Gebetbuch führte Sailer ungezählte Verehrer und Freunde zu, auch aus der evangelischen Welt, so vor allem die Gräfin Eleonore Auguste von Stolberg-Wernigerode, mit der ihn in der Folge ein herzlicher Briefwechsel und manche Besuche in Wernigerode verbanden. Lavater in der Schweiz sprach seine höchste Aner­kennung aus. König Ludwig I. von Bayern erbaute sich später täglich an Sailers Gebetbuch. Da das Buch auch von Protestanten, vor allem pietistischen Kreisen, viel benützt wurde, brachte der Berliner Buchhändler und aufkläreri­sche Popularphilosoph Friedrich Nicolai 1786 und 1787 seine gehässigen An­griffe gegen Sailer heraus; er suchte den Verfasser als verschlagenen Exjesuiten und Proselytenmacher herabzusetzen, allerdings ohne viel Erfolg. Sailer blieb dem Buchhändler die nötige Antwort nicht schuldig.

Im Jahr 1785 erschien Sailers Schrift Über den Selbstmord. Für Menschen, die nicht fühlen den Werth, ein Mensch zu seyn. Darin trat Sailer der verhängnisvoll um sich greifenden „Werther-Krankheit“ entgegen. Leidenschaftlich erregt und aufgewühlt durch Goethes Leiden des jungen Werthers glaubten zahlreiche, vor allem junge Menschen, Glück und Leid des liebenden Werther an sich selber erleben und nachempfinden zu müssen, bis zum Selbstmord.

Noch im selben Jahr 1785 erschien ein drittes großes Werk Sailers, sein philosophisches Hauptwerk: Vernunftlehre für Menschen, wie sie sind. Die Ver­nunftlehre ist eine philosophische Ethik im Einklang mit den Lehren des Chri­stentums. Sailer nimmt hier auch Stellung zur Philosophie der Zeit. Er setzt sich ernstlich mit Kant auseinander, doch ist der Einfluß seines Lehrers Bene­dikt Stattler in dieser frühen Schrift noch unverkennbar, wie auch Immanuel Kant seine deutlichen Spuren im Denken des jungen Magisters hinterlassen hat.

In weit stärkerem Maße zeigt sich die Entwicklung in Sailers erstem großen moralphilosophischen Werk, das aber auch das starke pädagogische Anliegen des Verfassers vertritt: Glückseligkeitslehre aus Vernunftgründen, mit Rücksicht auf das Christentum. Zunächst für seine Schüler, und dann auch für andere denkende [65] Tugendfreunde (1787). Dieses moraltheologische Frühwerk ist in Anlehnung an die Ethik Benedikt Stattlers zwar dem Namen nach noch eine „Glückselig­keitslehre“, doch wendet sich Sailer bereits bewußt und folgerichtig vom Eudämonismus ab, wie ihn Stattler vertreten hatte. Die Gewissenslehre zeich­net sich als Kernstück von Sailers Moraltheologie ab. Sailer begründet und erklärt die Autorität des Gewissensanspruches dadurch, daß das Gewissen in Gott seinen Ursprung hat. Aber die Art, wie denn der Gewissensanspruch als „Stimme Gottes“ zustande kommt, wird noch nicht näher dargelegt. Obwohl der herkömmliche Eudämonismus deutlich zurückgewiesen wird, ist eine ge­wisse Unausgeglichenheit im Entwurf der „Glückseligkeitslehre“ zu spüren. Mit diesem Frühwerk Sailers stieß die katholische Moraltheologie der Zeit, bis dahin vorwiegend eudämonistisch angelegt, auf die Ethik Kants. Die aufge­griffenen Probleme und die neue Fundierung der Moraltheologie sollten Sailer drei Jahrzehnte beschäftigen. Die Marksteine auf diesem Weg wurden die Grundlehren der Religion (1805) und das Handbuch der christlichen Moral (1817).

Als Professor der fürstbischöflich-augsburgischen Universität Dillingen brachte Sailer „auf Befehl“ des Kurfürsten und Bischofs Clemens Wenzeslaus ein Werk heraus, das in seiner Art neu war: Vorlesungen aus der Pastoraltheologie (3 Bände, München 1788/89). Die Pastoraltheologie, die Lehre von der kirchli­chen Seelsorge, war im Zug der Theresianischen Reformen erstmals an den Universitäten der Habsburger Lande 1774 zur selbständigen theologischen Disziplin erhoben worden. Viele katholische Universitäten des Reiches folgten diesem Beispiel. Die junge Pastoraltheologie wurde in Österreich aber von Anfang an stark dem Nützlichkeitsdenken des aufgeklärten Staates eingeglie­dert. Der Seelsorgepriester sollte in starkem Maße Vollzugsorgan des Staates in der Erziehung des Menschen zum tugendhaften, gewissenhaft arbeitenden und steuerzahlenden Untertan sein. Sailer ist nun der erste, der die Pastoral­theologie aus diesem überstarken Einfluß zu lösen beginnt und sie auf ihren legitimen Ort stellt, auf das Fundament der Offenbarungsreligion. Dazu ist Sailers großes Verdienst innerhalb der katholischen Theologie die konsequente Fundierung der jungen Disziplin. Auch nach Sailer trägt der Priester eine hohe Verantwortung als Freund, Führer und Berater des Volkes in allen Lebensla­gen; vor allem aber betont er den entscheidenden Vorrang der seelsorgerli­chen, priesterlichen Aufgaben. Sailer wurde der Vater der modernen Pastoral­theologie. Außer dem genannten Hauptwerk hat er immer wieder in Predig­ten, besonders in den häufigen Primizpredigten für seine Schüler, in Aufsätzen und Nachrufen seine Auffassung vom Priestertum, vom wahrhaft „geistli­chen“ Priester dargelegt, von der Priesterausbildung und -fortbildung, vom pastoralen Dienst.

In seiner Landshuter Zeit wurden diese Äußerungen auch vom Kampf ge­gen den radikal aufklärerischen Pastoraltheologen und Priestererzieher Mat­thäus Fingerlos erheblich mitbestimmt.18 Wesentlich aus diesem Kampf er­wuchsen Sailers Neue Beyträge zur Bildung des Geistlichen (2 Bände, München 1809-1811). Neben Ägidius Jais wurde Johann Baptist Hirscher, obwohl nicht [66] unmittelbarer Sailerschüler, der bedeutendste Moral- und Pastoraltheologe Deutschlands aus der Geisteshaltung Sailers heraus.

Die zweite „Brachzeit“ Sailers wurde eingeleitet durch ein Werk, das an Bedeutung für das religiöse Leben das Lese- und Betbuch zumindest erreichte, wenn nicht übertraf. Es war dies die Übersetzung der Nachfolgung Christi des Thomas a Kempis (München 1794). Sailer hat dies heute nach der Bibel am weitesten verbreitete christliche Buch klassisch übersetzt und damit zu einem wirklichen Volksbuch im deutschen Sprachraum gemacht.

Ein anderes, ebenfalls weit verbreitetes Übersetzungswerk Sailers sind die Briefe aus allen Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung (6 Bände, 1800-1804). Diese Sammlung enthält die schönsten und wertvollsten Zeugnisse christli­chen Geistes, angefangen von Briefen der frühchristlichen Martyrerzeit bis ins 18. Jahrhundert hinein, weitergeführt bis in die revolutionären Tage der Ge­genwart.

Seine vielbesuchten religionsphilosophischen Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten an der Universität Landshut veröffentlichte Sailer 1805 unter dem Titel: Grundlehren der Religion. Er führte diese Gedanken fort in mehreren Aufsätzen. Sie erschienen 1807 unter dem Titel: Religionslehre. Über die vor­nehmsten Hindernisse auf dem Wege zur richtigen Erkenntnis, zur gründlichen Wert­schätzung und männlichen Ausübung des Christentums.

Der erste Ansatz dieser überarbeiteten Vorlesungsreihe ging noch in die Dillinger Lehrtätigkeit zurück. In Dillingen hatte Sailer unter dem Titel Antideistik Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten gehalten und darin systematisch das schwierige Problem der natürlichen Gotteserkenntnis behandelt. Dieses Thema erschien ihm offenbar in seiner Zeit besonders wichtig. Deshalb setzte er seine Vorlesungstätigkeit darüber in Landshut fort.

Inzwischen war Kants Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793) erschienen. Diese Schrift hat ihn unter allen Schriften Kants wohl am tiefsten getroffen und zum scharfen Widerspruch herausgefordert. Im evange­lischen Deutschland griff Schleiermacher die Frage nach der christlichen Reli­gion Wort- und geistesmächtig auf in seinen Reden über die Religion, an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799). Im katholischen Deutschland haben sich mit der Infragestellung der überkommenen christlichen Religion Sailer und wenig später Johann Adam Möhler geistig ebenbürtig auseinandergesetzt.

Für Kant ist religiöses Verhalten gleichbedeutend mit gutem Lebenswandel. Für die personale Bezogenheit zwischen Gott und Mensch und für alle kulti­schen Formen der Gottesverehrung besteht kein Verständnis. Dieser These Kants und seiner Anhänger tritt Sailer entgegen, schon in den Grundlehren der Religion, schärfer in den Neuen Beyträgen zur Bildung des Geistlichen, am schärf­sten später im Handbuch der Moraltheologie (1817). Die subjektive Religion, verstanden als wirkliche Anerkennung Gottes, ist für ihn die Seele aller Pflicht­erfüllung; deshalb ist auch alles im Grunde Religionspflicht, was Pflicht gegen sich selbst und andere bedeutet. Aber die Religion schließt eben auch eigene Pflichten des Menschen gegen Gott in sich, ob man Gott in seinem Wesen, in [67] seinem Verhältnis zur Menschheit oder als Schöpfer und Erhalter der Welt betrachtet. Sailer war sichtlich bemüht, Hörer aller Fakultäten anzusprechen. Den Hauptteil des dreigliedrigen Werkes Grundlehren der Religion umfaßt die Glaubenslehre; Sitten- und Seligkeitslehre nehmen ihr gegenüber nur geringen Raum ein. Es ging Sailer eben darum, der glaubensunsicheren, skeptischen oder fortschrittsgläubigen akademischen Jugend an der Universität einen Zu­gang zum christlichen Glauben zu vermitteln. Daher legte er nicht etwa Grundlehren der Religion ganz allgemein vor, sondern seine Religionsphiloso­phie und zugleich seine Fundamentaltheologie, die Fundamentallehren des katho­lischen Christentums.

In den Grundlehren der Religion führt Sailer auch die Neubegründung der Moraltheologie, die er in der Glückseligkeitslehre begonnen hatte, ein gut Stück weiter. Es geht darum zu zeigen, wie im Vernunftgesetz und in dem darin offenbar werdenden Anspruch des Sittlichen der Anspruch Gottes sichtbar wird. Sailer unternimmt nun, und zwar in der Glaubenslehre, diesen Versuch mit Hilfe der Religionsphilosophie Friedrich Heinrich Jacobis. In den Grund­lehren der Religion wird klarer herausgearbeitet, daß die im Gewissen erfahrene Gesetzgebung dem Menschen als eine göttliche bewußt ist. Die Art dieser Bewußtheit wird aber nicht näher erklärt. Die Erfahrung von Gut und Böse, wie sie im Gewissenserlebnis gemacht wird, weist hin auf eine transzendente Person, auf ein ,höchst heiliges, höchst gerechtes‘ Wesen. Jede Gotteserkennt­nis hat das Gewissen zur Voraussetzung, sowohl erkenntnistheoretisch, weil die Begriffe Heiligkeit und Gerechtigkeit nicht aus der Natur, sondern aus dem Gewissen erfahren werden, als auch sittlich, weil die Vernunft nur durch Gewissenhaftigkeit zur Erkenntnis Gottes fähig und bereit wird. Die Erfah­rung Gottes als des Gesetzgebers wird erklärt mit Hilfe des Begriffes der ‚gottvernehmenden Vernunft‘, der von Jacobi übernommen wird. Gewissen wird verstanden als gottvernehmende Vernunft in ethischer Hinsicht. Die theonome Gewissensauffassung muß als klare Antithese zu Stattlers Lehre vom rein ,philosophischen Gewissen‘ angesehen werden, auf die Sailer in der Glückseligkeitslehre noch nicht ausdrücklich eingegangen war. — Im Gehorsam gegen das Gewissen und in der Gewissenhaftigkeit sieht Sailer auch die Bedin­gung der Hoffnung des Christen, nämlich der Heilszusage Gottes. Damit gewinnt das Gewissen ausdrücklich Bedeutung für das übernatürliche Heil des Menschen.19

Als Professor der Pädagogik gab Sailer 1807 die Schrift Über Erziehung für Erzieher heraus. Dieses Werk ist neben der Glückseligkeitslehre (1787) die be­deutendste pädagogische Schrift Sailers. Einflüsse von Rousseau, Kant, Base­dow und Pestalozzi sind unverkennbar. Der neuen Bildungsidee der Humani­tät, der sittlich autonomen Persönlichkeit hat sich Sailer weit geöffnet. Die legitimen Forderungen der Menschennatur stehen aber für ihn nie im Gegen­satz zur Übernatur, zum Evangelium, zur Kirche. Religiöse, sittliche, intellek­tuelle Bildung sind ihm eine organische Einheit, ein harmonischer Ausgleich unter Wahrung des Primates der Religion. Das Prinzip der Erziehung, ihr [68] leitender Gedanke und die Atmosphäre, in der sich Erziehung vollzieht, ist die Liebe zum Kind, und diese wieder ist verankert im christlichen Hauptgebot der Gottes- und Nächstenliebe. Ziel der Erziehung ist die freie, selbständige, religiöse Persönlichkeit.

1817 erschien das moraltheologische Hauptwerk Sailers, sein dreibändiges Handbuch der christlichen Moral, zunächst für künftige katholische Seelsorger und dann für jeden gebildeten Christen. Es ist das letzte große und reifste theologische Werk Sailers — ein würdiger Abschied vom theologischen Lehramt. Mit Sailers Handbuch beginnt etwas völlig Neues in der katholischen Moraltheologie. In Sprache, Methode, Einteilung und Form hat Sailer die frühere Darstellungs­weise der Schultheologie verlassen. Sein Neubau der Moraltheologie, ganz auf biblischem Fundament, erfolgte in der zähen Auseinandersetzung mit Kant. In mehr als drei Jahrzehnten hat sich Sailer so gründlich wie wohl kein zweiter unter den zeitgenössischen katholischen Theologen in das Denken Kants ein­gearbeitet. Er kann nun Kants Prinzipien, Kriterien und Methoden verwen­den, auch wenn er in einer bewußten, durch die Umstände geforderten Tar­nungstaktik Kant kaum einmal mit Namen nennt. Sailer übernimmt von Kant, was er als wahr erkennt, als „Vernunftlehre“ in die Moraltheologie. Aber auch sein kritisches Verhältnis zu Kant tritt nun weit stärker hervor als in der Glückseligkeitslehre und in den Grundlehren der Religion. Kants Standpunkt der Vernunft genügt Sailer nicht, und so bemüht er sich um die organische Verbindung von Vernunftlehre, Religionslehre und christlicher Offenbarung. Sailers eigentliche Kritik richtet sich gegen Kants Theodizee und die daraus resultierende Trennung von Religion und Moral. Der Unterschied zwischen Sailer und Kant zeigt sich wieder in der verschiedenen Lehre vom Gewissen als dem Kernpunkt der Moralsysteme.

Vernunft und Freiheit sind in Sailers Anthropologie die Wesensmerkmale des Menschen. Sie treffen sich als die Voraussetzungen für die Sittlichkeit im Gewissen. Schon in den Grundlehren der Religion hat Sailer zwischen Vernunft und Verstand unterschieden. Die Unterscheidung wird im Handbuch der Mo­ral systematisch ausgebaut: Verstand ist die Fähigkeit des Menschen, der Welt und seiner selbst bewußt zu werden; Vernunft ist die Fähigkeit, Gottes bewußt zu werden. „Die Wahrnehmung Gottes durch die Vernunft macht den Men­schen erst eigentlich zum Menschen und ist die Möglichkeitsbedingung jeder anderen Wahrheitserkenntnis. Weil Gewissen Vernunft in ethischer Hinsicht ist, wird im Gewissen Gott selber als höchster Gesetzgeber vernommen. — Die Freiheit des Wollens wird nicht in erster Linie als Wahlfreiheit verstanden, sondern von der Dynamik der Vernunft und des Gewissens auf Gott hin als Freiheit zum Guten. Die Freiheit des Wollens ist dem Menschen gegeben, damit er die sittliche Freiheit erreiche.“ Die Auseinandersetzung mit Kant wird am Verhältnis von Sittlichkeit und Religion besonders deutlich: „Gegen die Autonomie des Gesetzes bei Kant setzt Sailer die Theonomie des Gewis­sensgesetzes. — Gegen die Unabhängigkeit der Moral von der Religion bei Kant setzt Sailer die Priorität der Religion gegenüber der Moral. — Gegen die [69] Reduktion des Religiösen auf das Sittliche setzt Sailer den Eigenwert des Reli­giösen. — Indem Sailer das Gewissen ausdrücklich als religiöses Organ faßt, in dem im Sittlichen immer schon Gott als Gesetzgeber miterfahren wird, über­windet er ein rein innerweltliches Gewissensverständnis.“20

In solchem Zusammenhang wurde Sailer ein Menschenalter später der Vor­wurf des „Ontologismus“ gemacht, weil er die Unmittelbarkeit der menschli­chen Erkenntnis Gottes in der Vernunft und des göttlichen Gesetzes im Gewis­sen betone. Der Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey stellte daher 1873 den Antrag, alle Werke Sailers auf den Index der verbotenen Bücher zu setzen. Der Schritt hatte keinen Erfolg, und eine sorgfältige Prüfung der Texte ergibt die Grundlosigkeit der Verdächtigung.

Neben den genannten Hauptwerken verfaßte Sailer noch eine große Zahl anderer Werke, zum Beispiel Gelegenheitsschriften, Predigten, Lesungen für alle Sonntage des Kirchenjahres, Werke über den Religionsunterricht, über Priesterbildung. Ihm geht es auch in seinem geschriebenen Wort nie darum, nur akademisch-theoretisch zu dozieren. Er will nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Menschen christliche Hilfe bieten in frohen und schweren Stun­den, letztlich auch mit seinem geschriebenen Wort religiöses Leben wecken, das er als „gottselige Innigkeit“ versteht, hingelenkt auf die Grundaussage des Christentums, in der alle christlichen Kirchen übereinstimmen: „Gott in Christus — das Heil der Welt.“21 Aus, solcher Geisteshaltung sind viele Schriften Sailers entstanden, die sich an das Volk, vor allem an die Gebildeten, richten, etwa auch die reizvolle Veröffentlichung aus dem Jahr 1810: Die Weisheit auf der Gasse, oder Sinn und Geist deutscher Sprichwörter. Ein Lehrbuch für uns Deut­sche, mitunter auch eine Ruhebank für Gelehrte, die von ihren Forschungen ausruhen möchten. Der Band zählt über 400 Seiten.

In der Pastoral- wie in der Moraltheologie und Religionspädagogik beschritt Sailer neue Wege, die herausführten aus der dünnen „natürlichen Religion“ und dem schalen Moralisieren der rationalistischen Aufklärer. Von besonde­rem Interesse erscheint heute auch sein Bemühen, Geist und Sinn der Liturgie dem Volk wieder zu erschließen (Kirchengebete für katholische Christen, aus dem Missale übersetzt …, 1788. Vorbereitung des christl. Volkes zur Feier der Geburt unseres Herrn Jesu Christi, 1796. Das Hochamt, 1802. Die Weihnachtsfeier, 1813. Die Kirchweihfeier, 1816. Die hl. Charwoche nach dem Ritus der römisch-katholi­schen Kirche, 1817).22

Gewiß ist Sailer nicht überall ein origineller Denker und Schriftsteller. Er schrieb — nach einem Wort Diepenbrocks — „mit breitem Kiel“. Aber immer sind es Worte, die aus einem kindlich gläubigen Herzen kommen. Überall spüren wir die Lebensmacht der christlichen Botschaft, ihre herbe Kraft, aber auch ihre Innigkeit und Gemütstiefe. Überall stoßen wir bei Sailer auf eine Kenntnis der Heiligen Schrift und der Väter, wie sie nur aus einer lebenslangen beständigen Beschäftigung erwachsen kann. Sailer lebt und atmet in dieser ursprünglichen Welt. Und er wußte ihre unvergänglichen Werte in einer ge­nialen Weise zu erschließen und weiterzugeben. [70]

Man hat manchmal geglaubt, Sailer als bloßen Kompilator und Eklektiker abtun zu können. Gründliche Untersuchungen der letzten Zeit haben aber ge­zeigt, daß Sailer wohl starke Einflüsse von der Aufklärung, von der Romantik, von der Deutschen Bewegung her empfangen hat, daß es aber verfehlt wäre, ihn einer bestimmten Richtung oder geistigen Bewegung zuzuordnen. Er steht als Mensch und Theologe fest und kraftvoll in einer schwankenden Zeit.

Viele der großen deutschen Theologen des 19. Jahrhunderts hat er maßgeb­lich beeinflußt, zumindest ihnen den Weg bereitet und ihnen nach dem Zu­sammenbruch der Barockscholastik und dem theologischen Eklektizismus, auch dem Zersetzungsprozeß einer rationalistischen theologischen Aufklä­rung, neue, tragfähige Fundamente gebaut.

Freilich war Sailer nie strenger Systematiker, und dies erschwert die Unter­suchung. Neben den Arbeiten von Gerard Fischer, Barbara Jendrosch, Karl Gastgeber, Johann Hofmeier, Konrad Baumgartner, Konrad Feiereis, Franz Georg Friemel und Manfred Probst hat vor allem Joseph Rupert Geiselmann ein glänzendes Beispiel einer Einzeluntersuchung zur Sailerschen Theologie geliefert: Von lebendiger Religiosität zum Leben der Kirche. Johann Michael Sailers Verständnis der Kirche geistesgeschichtlich gedeutet (Stuttgart 1952). In gewaltiger Spannweite hat Sailer durch alle Stadien lebendiger Auseinandersetzung mit den geistigen Bewegungen seiner Zeit die Konstruktion seines Kirchenbegrif­fes durchgeführt. Er vertiefte den tridentinischen Traditionsbegriff (Überliefe­rung ist eine die Schrift ergänzende Offenbarungsquelle) zur Auffassung der „lebendigen Überlieferung“, die ein das ganze Kirchentum tragendes Prinzip wird. Lebendige Überlieferung heißt für Sailer nicht nur Weitergabe des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, sondern Fortpflanzung des religiösen Lebens überhaupt, im Gottesdienst, in der Feier des Kirchenjahres, in christli­chem Kult und Brauchtum im weitesten Verstand des Wortes. An diesen Begriff der lebendigen Überlieferung konnte später Johann Adam Möhler anknüpfen. Von hier führt die geistige Linie zu einem neuen zusammenschau­enden Verständnis der „Quellen der Offenbarung“ in den Aussagen des Zwei­ten Vatikanischen Konzils.

Sailers Kenntnis der Schrift und der Väter, seine tiefe, mystische Frömmig­keit hatten nicht nur zur Folge, daß sich ihm der Sinn für die übernatürlich-mystische Seite der Kirche neu erschloß. Das Organismus-Denken der Ro­mantik verhalf ihm auch dazu, die beiden Seiten der Kirche, ihre sichtbare, fehlbare Erdengestalt und ihre unsichtbare, übernatürliche Innenseite, zu einer organischen, lebendigen Einheit zu verbinden. Er hat damit die Voraussetzun­gen geschaffen, daß in der Theologie des 19. Jahrhunderts die Kirche in ihrer Schönheit und Wesensfülle wieder erfaßt werden konnte. Johann Michael Sai­ler also, und nicht etwa Johann Adam Möhler oder gar Matthias Joseph Scheeben, ist das Verdienst zuzuschreiben, der katholischen Theologie des 19. Jahr­hunderts gegenüber dem dürren juridischen Kirchenbegriff der nachtridentini­schen Kontroverstheologie zur Wiederentdeckung des mystischen Kirchenbe­griffs verholfen zu haben. Allerdings hat diese Sicht der Kirche erst durch [71] Möhler und Scheeben ihre spekulative Ausgestaltung erfahren. Freilich kön­nen auch die zeitbedingten Grenzen des Sailerschen Kirchenbegriffes nicht übersehen werden. So versteht Sailer etwa das Papsttum — wie die meisten katholischen Theologen seiner Zeit — in dem Bild Cyprians vom „Mittelpunkt der Einheit“, ohne die überkommenen primatialen Rechte zu bestreiten.

Ein treffliches Urteil über Sailers Persönlichkeit und geistige Leistung hat Joseph Görres in dem Schreiben abgegeben, das er 1825 zur Thronbesteigung an König Ludwig I. von Bayern gerichtet hat: „Unter den achtbaren Männern, die auf deinen Bischofsstühlen sitzen, ist einer der Berufenen, der früher im Lehramt mit Segen sich versucht. Er hat mit dem Geist der Zeit gerungen in allen Formen, die er angenommen; vor dem Stolz des Wissens ist er nicht zurückgetreten, sondern hat seinen Ansprüchen auf den Grund gesehen; keiner Idee ist er furchtsam zur Seite ausgewichen, vor keiner Höhe des Forschens ist er bestürzt geworden, immer nur eine Stufe höher hat er besonnen und ruhig das Kreuz hinaufgetragen und, wenn auch bisweilen verkannt, in Einfalt und Liebe wie die Geister, so die Herzen ihm bezwungen. Er hat eine Schule von Priestern dir erzogen, die, den Forderungen der Zeit gerecht, deinen guten Absichten bereitwillig entgegenkommt: ihr darfst du dein Volk und seine Erziehung kühnlich anvertrauen.“24

III. Wirkung

Es gibt Gestalten der Geschichte, die den Menschen nicht mehr loslassen, der ihnen einmal wirklich begegnet ist, und dies ohne jeden inneren oder gar äußeren Zwang. Vielen, den meisten wohl, ist es so ergangen, die Sailer in seinem langen Leben begegnet sind. Dazu gehörten viele hundert begeisterte Studenten in Dillingen und Landshut, aber auch so grundverschiedene Men­schen wie Lavater, Matthias Claudius, Friedrich Carl von Savigny, die „könig­liche“ Antonie Brentano in Frankfurt mit ihrer Familie, die enthusiastischen, komplizierten Geschwister Clemens, Christian und Bettina Brentano, die ka­tholischen Stolberg in Sondermühlen und die evangelischen in Wernigerode, Jung-Stilling und Passavant, Ignaz Heinrich von Wessenberg und Alois Güg­ler, schließlich Eduard von Schenk, die Mediziner Andreas Roeschlaub und Johann Nepomuk Ringseis, König Ludwig I. von Bayern, Melchior von Die­penbrock und die fast ungezählten geistlichen Schüler und Freunde in allen kirchlichen Rängen. In der menschlichen Ausstrahlung, im gesprochenen noch stärker als in seinem geschriebenen Wort, lag die erste und wichtigste Wirkung  Sailers. Er vermittelte den Menschen, die ihm näher begegnet sind, den unmit­telbar überzeugenden Eindruck einer absolut wahrhaftigen, im christlichen Glauben lebenden Persönlichkeit: „Das durchscheinende Geheimnis seines in­neren Lebens war die stete Gegenwart Gottes“, so bezeugt dies Diepenbrock.25 Clemens Brentano beschreibt seinen Eindruck vom Spätherbst 1818, unmittel­bar nach einer längeren Begegnung mit dem siebenundsiebzigjährigen Sailer: [72] „Gestern ist der große, fromme, lustige, mutwillige, zärtliche, hüpfende, flie­gende, betende, alles umarmende Gottes-Knabe Sailer und Christian [Bruder Clemens Brentanosl bei mir angekommen.“26 – „Er opferte, lehrte und seg­nete, und war so lustig, innig, ja mutwillig, daß alles trunken war vor Freude.“27 Sailer vermittelte lebendiges Christentum.

Eine entscheidend wichtige Wirkung ging in eine neue Priestergeneration, zunächst von den drei Jahrzehnten seiner Lehrtätigkeit in Dillingen (1784-1794) und Landshut (1800-1821) aus, auf indirektem Weg aber weit darüber hinaus, vornehmlich für Altbayern und das bayerische Schwaben, doch auch mit starker Ausstrahlung in die deutsche Schweiz, nach Württem­berg und Baden, Österreich, Westfalen und das Rheinland, beträchtlich auch ins evangelische Deutschland, besonders in pietistisch gestimmte Kreise.

Den Ausgangspunkt für die Hochschätzung bei evangelischen Christen bo­ten zunächst Sailers Lese- und Betbuch und die Übersetzung der Nachfolge Chri­sti, dann Korrespondenzen, persönliche Begegnungen und grundsätzlich Sai­lers Herausstellen des Gemeinsam-Christlichen und die lebenslange Zurück­weisung wechselseitiger konfessioneller Polemik. Von dieser christlich-ireni­schen, gütigen, stets hilfsbereiten Haltung blieb die weite „Pristerschule“ Sai­lers gekennzeichnet.

Durch den Einfluß des Kronprinzen und Königs Ludwig I. von Bayern gewannen Sailerschüler und Freunde bei der Neuorganisation der katholischen Kirche Bayerns seit 1821 in den Domkapiteln und auf Bischofsstühlen be­trächtliches, in den späten zwanziger und frühen dreißiger Jahren bestimmen­des Gewicht. Sailers Geist übte zudem beträchtlichen Einfluß im Bereich des alten Bistums Konstanz, im Bistum Rottenburg (Königreich Württemberg mit der katholisch-theologischen Fakultät in Ellwangen und Tübingen), im Erzbistum Freiburg und in der deutschen Schweiz (Lyzeum Luzern), nicht zuletzt in der kirchen- und kulturpolitischen Beratung König Ludwigs I. und des Ministers Eduard von Schenk bei der Neueinrichtung der Universität München 1826 im Geist der „Landshuter Romantik“.

Der unmittelbare Einfluß Sailers, seiner Freunde und Schüler ging schon ein Jahrzehnt nach Sailers Tod rasch zuende, in Bayern etwa zusammenfallend mit dem Ministerium Carl August von Abel (1837-1847). In der katholischen Kirche wuchs der Ultramontanismus mit jedem Jahr. Im preußischen Mischehenstreit, seit dem „Kölner Ereignis“ (Gefangensetzung des Kölner Erzbi­schofs Clemens August Droste zu Vischering durch die preußische Regierung 1837) und dem Erscheinen des Athanasius aus der Feder des alten Görres (1838) verschärfte sich die konfessionelle Polemik in allen Lagern.

Sailers denkerische Kraft, seine philosophische und theologische Leistung wurde in Behandlung seiner literarischen Arbeiten bereits dargelegt. In der Pastoral- und noch bedeutsamer in der Moraltheologie legte er durch biblische Fundierung einen neuen Grund, ebenso in der Religionspädagogik: Er ließ die Barockscholastik seiner Jugendzeit hinter sich, führte aber auch aus der dünnen „natürlichen Religion“ und dem Moralisieren so vieler Aufklärer heraus zu [73] einem „lebendigen Christentum“. Obwohl sein gewiß breit angelegtes Werk auf eine erstaunliche Geisteskraft schließen läßt, ging es auch dem Theologen Sailer nicht um die Wissenschaft um der Wissenschaft willen, sondern stets um die Bewahrung der recht verstandenen Glaubenslehre, um die Weckung reli­giösen Lebens, um ein letztlich pädagogisches Anliegen. Er wollte als tief gläubiger, von Gott erfüllter Priester gute Priester bilden und die Menschen seines Einflußbereiches zu Gott führen, ihnen die Mitte der Offenbarung er­schließen: „Gott in Christus – das Heil der Welt.“28

Durch den wachsenden Ultramontanismus und das Vordringen der kir­chenamtlich mächtig geförderten Neuscholastik in der kirchlich betriebenen Philosophie und Theologie wurden Sailers neue theologische Ansätze zunächst eher verschüttet. Am ehesten verstand Johann Baptist Hirscher noch die Pa­storal- und Moraltheologie aus Sailers Geistigkeit heraus, geriet aber seiner­seits ebenfalls in kirchliche Bedrängnis. Theologische Einflüsse Sailers gingen in die Bemühungen der älteren Generation der katholischen Tübinger Theolo­gen des vorigen Jahrhunderts ein, stärker indirekt als direkt.

Als sich an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die alte, seit langem schwelende Frage nach der Glaubwürdigkeit des Christentums in der moder­nen, gewandelten Welt – das Kernproblem aller christlichen Kirchen seit dem Durchbruch der Aufklärung – mit neuer Macht erhob, griffen merkwürdiger­weise viele der besten katholischen Denker auf den fast vergessenen, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bewußt verdrängten Sailer zurück, so Herman Schell, Sebastian Merkle, die Kreise um das junge „Hochland“ mit ihrem religiös-kulturellen Programm, Remigius Stölzle, dann Philipp Funk und Hubert Schiel. Nicht wenig trug die genauere Erforschung der Komplexe „Aufklärung“ und „Romantik“ zur neuen Phase der Sailerforschung bei. Als Ergebnis begann sich im 20. Jahrhundert fortschreitend die Entlastung Sailers von ungerechten Vorwürfen der Vergangenheit abzuzeichnen, seine wirkliche Bedeutung im geistigen und geistlich-religiösen Leben seiner Zeit, sein tiefes unterschwelliges Nachwirken im Klerus und Volk Altbayerns und Schwa­bens, vornehmlich über die vielen Priester aus Sailers Schule, aber auch seine theologischen Neuansätze in der Moral- und Pastoraltheologie, in einer reli­giös getragenen Erziehung und Bildung, in der Liturgik, in einer offenen geistigen Auseinandersetzung mit allen Problemen der modernen Welt. Sailer wird heute nicht nur als einer der wichtigsten Väter der neueren katholischen Theologie gesehen. Viele seiner zukunftweisenden Ansätze haben im Zweiten Vatikanischen Konzil, wenn auch nicht im bewußten Rückgriff, ihre Entfaltung und Bestätigung gefunden.

[409] JOHANN MICHAEL SAILER

1. Werke

Die wichtigsten Originalausgaben sind im Text genannt.

Johann Michael Sailer’s sämtliche Werke, unter Anleitung des Verfassers hrsg. v. Joseph Widmer. 40 Bände. Sulzbach 1830-1841, Supplementband 1855 (weist erhebli­che Lücken auf, besonders zu den frühen Werken; Textwiedergabe manchmal man­gelhaft).

2. Sonstige Quellen

Schmid, Christoph von: Erinnerungen aus meinem Leben, II: Der hochselige Bischof Johann Michael von Sailer. Augsburg 1853.

Schiel, Hubert: Johann Michael Sailer. Leben und Briefe. I: Leben und Persönlichkeit in Selbstzeugnissen, Gesprächen und Erinnerungen der Zeitgenossen. II: Johann Michael Sailer. Briefe (hier 5. 641-665: Verzeichnis des Schrifttums von Sailer, S. 666-680: Verzeichnis des Schrifttums über Sailer bis 1952). Regensburg 1948-1952.

3. Sekundärliteratur

Schwaiger, Georg: Johann Michael von Sailer (1751-1832), in: H. Fries – G. Schwaiger (Hrsg.): Katholische Theologen Deutschlands im 19. Jahrhundert, I, München 1975, 55-93.

Schwaiger, Georg: Johann Michael Sailer. Der bayerische Kirchenvater. München – Zü­rich 1982 (mit Quellen u. Lit.). [410]

Schwaiger, Georg, und Mai, Paul (Hrsg.): Johann Michael Sailer und seine Zeit. Regens­burg 1982 (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg, 16).

Weitere Sekundärliteratur siehe in den Anmerkungen zu diesem Beitrag.

[442] Anmerkungen

Georg Schwaiger: Johann Michael Sailer

1 Nachweise bei Georg Schwaiger: Jo­hann Michael Sailer. Der bayerische Kir­chenvater, München – Zürich 1982, 166-178.

2 Philipp Funk: Von der Aufklärung zur Romantik. Studien zur Vorgeschich­te der Münchener Romantik, München 1925 (im Mittelpunkt steht der „Sailerkreis“ in Landshut).

3 Lorenz Lang/Hubert Schiel: Johann Michael Sailer I, Regensburg 1948, 76.

4 Ignaz Weilner, Gottselige Innigkeit. Die Grundhaltung der religiösen Seele nach Johann Michael Sailer, Regensburg 1949.

5 Hubert Schiel: Geeint in Christo. Bi­schof Sailer und Christian Adam Dann, ein Erwecker christlichen Lebens in Württemberg, Schwäbisch Gmünd 1928; ders., Sailer und Lavater, Köln 1928. Da­zu die Quellenzeugnisse mit Briefen bei Hubert Schiel: Johann Michael Sailer, I-II, Regensburg 1948-1952. – Friedrich Wil­helm Kantzenbach, Johann Michael Sailer und der ökumenische Gedanke, Nürn­berg 1955. Franz Georg Friemel, Johann Michael Sailer und das Problem der Kon­fession, Leipzig 1972.

6 Hubert Schiel: Bischof Sailer und Ludwig I. von Bayern. Mit ihrem Brief­wechsel, Regensburg 1932.

7 Hubert Schiel: Johann Michael Sailer I, Regensburg 1948, 607f.

8 Berlin, 29. März 1823. Schiel, Sailer I, 628.

9 Melchior von Diepenbrock: Geistlicher Blumenstrauß, Sulzbach 21852, XI-XIII.

10 Weihbischof Michael Wittmann an Bischof Alexander Fürst von Hohenlohe (20. Juni 1832): Rupert Mittermüller, Le­ben und Wirken des frommen Bischof es Michael Wittmann von Regensburg, Landshut 1859, 415.

11 Clemens Brentano an Franz Brenta­no (9. Juli 1832): Schiel, Sailer I, 724.

12 Hubert Schiel, Sailer I, 33.

13 Hubert Schiel, Sailer I, 33.

14 Autobiographie von 1819: Sailers sämtliche Werke, hrsg. v. J. Widmer, Bd. 39, 266.

15 Hans Graßl: Aufbruch zur Roman­tik. Bayerns Beitrag zur deutschen Gei­stesgeschichte 1765-1785, München 1968, 350.

16 Sailer: Theorie des weisen Spottes, München 1781, 135.

17 Die geistige Auseinandersetzung Sailers mit der zeitgenössischen Philoso­phie ist eingehend untersucht: Gerard Fi­scher, Johann Michael Sailer und Imma­nuel Kant, Freiburg 1953; ders., Johann Michael Sailer und Johann Heinrich Pe­stalozzi. Der Einfluß der Pestalozzischen Bildungslehre auf Sailers Pädagogik und Katechetik, unter Mitberücksichtigung des Verhältnisses Sailers zu Rousseau, Basedow, Kant, Freiburg 1954; ders., Jo­hann Michael Sailer und Friedrich Hein­rich Jacobi. Der Einfluß evangelischer Christen auf Sailers Erkenntnistheorie und Religionsphilosophie in Auseinan­dersetzung mit I. Kant. Mit einem For­schungsnachtrag der Beziehungen der Sailerschen Moraltheologie zur materia­len Ethik Kants, Freiburg 1955. – Barbara Jendrosch, Johann Michael Sailers Lehre vom Gewissen, Regensburg 1971. – Da­zu die Aufsätze von Franz Georg Friemel und Barbara Wachinger [Jendrosch] in: Jo­hann Michael Sailer und seine Zeit, hrsg. v. Georg Schwaiger u. Paul Mai, Regens­burg 1982.

18 Heinz Marquart, Matthäus Fingerlos (1748-1817), Göttingen 1977.

19 Barbara Jendrosch, Johann Michael Sailers Lehre vom Gewissen, Regens­burg 1971, 253f.

20 Ebd. 254f.

21 Sailers sämtliche Werke, hrsg. v. J. Widmer, Bd. 19, 269. [443]

22 Karl Gastgeber, Gotteswort durch Menschenwort. Johann Michael Sailer als Erneuerer der Wortverkündigung, Wien 1964; Johann Hofmeier, Seelsorge und Seelsorger. Eine Untersuchung zur Pastoraltheologie Johann Michael Sailers, Regensburg 1967; Manfred Probst, Got­tesdienst in Geist und Wahrheit. Die li­turgischen Ansichten und Bestrebungen Johann Michael Sailers, Regensburg 1976. Dazu die Aufsätze von Konrad Baumgartner, Konrad Feiereis, Franz Georg Friemel, Johann Hofmeier, Manfred Probst, Barbara Wachinger [Jendrosch] in: Johann Michael Sailer und seine Zeit, hrsg. v. Georg Schwaiger u. Paul Mai, Regensburg 1982.

23 Melchior von Diepenbrock: Geistli­cher Blumenstrauß, 21852, XXIII.

24 Hubert Schiel: Sailer I, 318.

25 Geistlicher Blumenstrauß, 21852, XIII.

26 Clemens Brentano an Luise Hensel, 23. Okt. 1818. Schiel, Sailer I, 564.

27 Clemens Brentano an Luise Hensel, 17. Nov. 1818. Schiel, Sailer I, 571 f.

28 Siehe Anm. 21.

Quelle: Heinrich Fries/Georg Kretschmar (Hg.), Klassiker der Theologie, Zweiter Band: Von Richard Simon bis Dietrich Bonhoeffer, C.H. Beck, München 1983, Seiten 53-73.409f.442f.

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