Hector Pintos Lob der Heiligen Schrift: „Sie ist der Spiegel des Geistes, sie ist der Schatz der Weisheit, sie ist’s, die da spendet dem Leben die Ruh, sie ist unsern Füßen die Leuchte.“

Lob der Heiligen Schrift

Von Hector Pinto

So lasst uns denn fliehen zur Heiligen Schrift, da heilsame Lehre zu finden; zu ihr, die da prüft unsre Tugend, vertreibet die Laster und heilet die Seelen, ruft heim sie zur Würde.

Sie ist die Quelle, quillt über zum Rande gefüllt. Wir schöpfen von ihr, wir trinken von ihr, wir stillen den Durst, wir löschen den Brand, im Herzen entfacht.

Sie ist die Flamme – von Mose erblickt nicht zehrt‘ sie lodernd den Busch – da Gott unsre Seelen entzündet, zur Sehnsucht entflammt sie nach ewigem Heil.

Sie ist die Leiter; von Jakob erschaut bestieß ihre Zinne die Himmel; hält offen den Aufstieg vom Erdkreis zu diesen.

Sie ist der Speicher von Josef erbaut im Ägypten der gottfernen Welt: Von all überall gilt’s wiederzukehren zu jenem, den Hunger zu stillen.

Sie ist das Manna, vom Himmel gesandt ist’s klein, aber glänzend und süß: Jedweden Pilger zum Lande der Väter, verheißenen Lande, belebt sie von Neuem.

Sie ist der Turm, Daviden zu eigen, mit Zinnen gar stark erbaut, und tausend Schilde und jedwede Gattung der Waffen des Kriegers sie zieren.

Sie ist der Spiegel des Geistes, sie ist der Schatz der Weisheit, sie ist’s, die da spendet dem Leben die Ruh, sie ist unsern Füßen die Leuchte.

Sie endlich ist es, durch die wir des Teufels, der Welt und des Fleisches uns wehren; ist doch das geistliche Schwert Gottes Wort, da wir Feinde mit schrecken, nieder sie schlagen, heimholen täglich den Sieg.

Sie ist jener Teich für die Schafe, der Teich da Johannes von redet: Heilung gewährt er für jegliches Leiden vom göttlichen Engel beweget.

Nach Hector Pinto, In Esaiam Prophetam Commentaria, Cap. VIII, Antwerpen 1567, S. 82.

Aus dem Lateinischen übersetzt von Heinrich Martin Wigant Kummer.

Quelle: Johann Gerhard, Von der Heiligen Schrift, übers. von Heinrich Martin Wigant Kummer, Neuendettelsau: Freimund, 2019, S. 380-382.

Hier der Text als pdf.

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