Hans-Georg Geyer über Jesu Wort vom Salz der Erde und dem Licht der Welt (Matthäus 5,13-16): „Wenn Kirche es wiederholen würde, wie sie es oft getan hat, sich selbst in den Vordergrund zu stellen, selbst nach Macht und Einfluß zu begehren, selbst sich weltlicher Mittel zu bedienen, den Staat und dessen Gewalt in ihren Dienst zu stellen, würde sie überflüssig. Unentbehrlich ist sie gerade als diese an den Rand gedrängte, bedeutungslose gesellschaftliche Gruppe, die nicht mitmacht, was alle machen.“

Über Jesu Wort vom Salz der Erde und dem Licht der Welt (Matthäus 5,13-16)

Von Hans-Georg Geyer

Der Jünger Jesu, der durch das Evangelium aufgeklärt ist über seine eigene Lage, tritt nicht mehr als Besitzer auf: ein armes Häuflein, das nach der Hilfe Jesu schreit, vor übermenschliche Aufgaben hier auf dieser Erde sich gestellt sieht, das darum nur noch darauf bedacht ist. Menschen auf ihn hinzuweisen und von ihm jeden Tag ein bißchen besser Zeugnis abzulegen, eine Gemeinde, die nicht mehr oben steht und nach unten schaut auf die anderen, sondern eine Gemeinde, die unten steht, die weiß, wir brauchen mehr Sündenvergebung als alle Heiden da draußen, eine solche Gemeinde ist Licht und Salz der Welt. Eine solche Gemeinde unterscheidet sich von den Kollektiven in der Welt, die ja alle danach drängen, an der ersten Stelle zu stehen und andere Kollektive zurückzudrängen. Sie macht nicht mit in dem Konkurrenzkampf der großen und kleinen Kollektive in der Welt und auch nicht mehr mit bei der Selbstgerechtigkeit all dieser Kollektive. Daraus tritt sie aus. Das unterscheidet sie von den Kollektiven in der Welt. Wenn sie es wiederholen würde, wie sie es oft getan hat, sich selbst in den Vordergrund zu stellen, selbst nach Macht und Einfluß zu begehren, selbst sich weltlicher Mittel zu bedienen, den Staat und dessen Gewalt in ihren Dienst zu stellen, würde sie überflüssig. Unentbehrlich ist sie gerade als diese an den Rand gedrängte, bedeutungslose gesellschaftliche Gruppe, die nicht mitmacht, was alle machen. […]

Zur flüchtigen Zeit des natürlichen Lebens steht die Zeit des christlichen Glaubens in einem Verhältnis höchster Spannung. Zwar ist sie ebenfalls eine endliche Zeit mit ihrem bestimmten Anfang und ihrem bestimmten Ende; nicht identisch jedoch sind ihre Grenzen wie Himmelfahrt und Wiederkunft Jesu Christi oder die Ferne und die Nähe des auferstandenen Gekreuzigten mit den zeitlichen Grenzzonen natürlichen Lebens, mit der Geburt und dem Tod eines Individuums.

Quelle: Göttinger Predigtmeditationen 29 (1975), S. 462.465.

Hier der Text als pdf.

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