Heinrich Vogels „Acht Artikel evangelischer Lehre“ von 1933: „Weil wir denn Christen werden nicht durch die Geburt, durch Rasse oder Blut, sondern durch den Heiligen Geist, die Taufe und das Wort Gottes, verwerfen wir die Forderung, daß nur arische Christen Glieder der Deutschen Evangelischen Kirche sein dürften.“

Bemerkenswert sind Heinrich Vogels „Acht Artikel evangelischer Lehre“ von 1933, die dieser zunächst unter dem Titel „Kreuz und Hakenkreuz“ in der Zeitschrift Die Furche 19 (1933, S. 214-225) und dann als Separatdruck veröffentlicht hatte:

Acht Artikel Evangelischer Lehre um der gegenwärtigen Irrlehre willen den Verirrten zur Weisung den Angefochtenen zum Trost bekannt auf dem Grunde der Heiligen Schrift

Dieses Bekenntnis wurde im Auftrag einiger Pfarrer verfaßt von Heinrich Vogel und sodann von den Endesunterzeichneten auf seine Schriftgemäßheit überprüft und unterschrieben

Im Furche-Verlag / Berlin

1933

Artikel I. Vom Worte Gottes

  1. 1.    Von der Heiligen Schrift

Wir bekennen die Heilige Schrift Alten und Neuen Testamente als Gottes in Menschenmund gelegtes Wort, das wir hören allein im Glauben durch den Heiligen Geist.

Wir bekennen das Alte Testament in der Kirche Jesu Christi als das Zeugnis der Offenbarung Gottes im alten Bund, als das Gesetz und den Zuchtmeister, als die Weissagung, den Pfeil und Fingerzeig auf Jesus Christus hin.

Wir bekennen das Neue Testament als das Zeugnis der Offenbarung Gottes im neuen Bund, als das Evangelium von Jesus Christus, in dem das ewige Wort Fleisch ward, und in dessen Namen die ganze Heilige Schrift befaßt und beschlossen ist.

Wir verwerfen jeden Versuch, die Einheit der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments zu spren­gen, sowie jeden Versuch, die Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments entweder abzuschaffen oder zu kürzen oder zu entwerten.

In der Bibel geht es nicht um edle oder fromme Menschen, nicht um Helden oder Heilige, auch nicht um eine Volksreligion, sondern um Gott, um seine Ehre und um seinen Heilsweg zu uns verlorenen Menschen.

Wir verwerfen die fleischliche Irrlehre, die aus Gottes Wort einen heiligen Buchstaben macht, über den wir verfügen könnten, und läßt Gottes Wort nicht in Menschenmund gelegt sein.

Wir verwerfen die geistige Irrlehre, die in der Bibel lediglich religiöses Menschenwort liest, die Heili­ge Schrift nach dem religiös sittlichen Begriffsvermögen des Menschen deutet, und nicht mehr Gottes Wort in Menschenmund gelegt sein läßt.

Wir bekennen die Heilige Schrift als die alleinige Offenbarungsquelle und verwerfen die Annahme anderer Offenbarungsquellen in Natur oder Geschichte.

Für die Erkenntnis dessen, was Gott uns durch Natur oder Geschichte zu sagen hat, bekennen wir als alleinigen Grund und Maßstab sein Wort, wie es in der Bibel, in Menschenmund gelegt, zu uns kommt. Wir hören Gottes Stimme nicht in des Volkes Stimme, das heute ,,Hosianna“ und morgen „Kreuzige“ ruft, sondern in dem Wort der Heiligen Schrift.

Wir verwerfen Lehre und Methoden der sogenannten „Glaubensbewegung deutsche Christen“, die neben dem Wort der Heiligen Schrift das gegenwärtige Zeitgeschehen und die rassisch-völkische Weltanschauung dieser Zeit als zweite Offenbarungsquelle wähnen und werten.

Wir bekennen die Predigt als die der Heiligen Schrift unterworfene gegenwärtige Verkündigung des Wortes Gottes, dessen wahrer Prediger und Hörer allein der Heilige Geist ist, der unsern stummen Mund und unser taubes Ohr öffnet, daß wir das Wort Gottes predigen und hören können. –

Wir verwerfen die fleischliche Irrlehre, die den Mund des Predigtamtes für unfehlbar erklärt.

Wir verwerfen die geistige Irrlehre, die in der Predigt nichts anderes vernimmt als den Ausdruck reli­giöser Erlebnisse, Erkenntnisse und Selbstbekenntnisse des menschlichen Geistes.

Artikel II. Von den Sakramenten

  1. 1.    Von der Taufe

Wir bekennen die heilige Taufe als die Gnadentat unseres Heilandes und Herrn Jesus Christus, durch die wir unter dem Wasser auf den Befehl und die Verheißung seines Wortes hin in einer zweiten Ge­burt zum ewigen Leben versiegelt werden als Kinder und Erben seines ewigen Reiches und Glieder seiner heiligen Kirche, auf daß wir durch den Heiligen Geist in seinem Wort und Glauben täglich in seinen Tod getauft und mit ihm auferweckt werden zu einem neuen Leben. –

Wir verwerfen die fleischliche Irrlehre, die aus der Taufe ein geweihtes Wunderwasser und religiöses Zaubermittel macht.

Wir verwerfen die geistige Irrlehre, die in der Taufe nur ein Sinnbild und Gleichnis sieht, eine menschliche Aufnahmehandlung ohne göttliche Kraft und Wirkung.

Wir bringen schon die unmündigen Kinder zu solcher Versiegelung als Gottes Kind und Eigentum, weil Gottes Gnade all unserm Begreifen und Ergreifen ewig zuvorkommt.

Wir lehren das Patenamt als den priesterlichen Dienst an dem getauften Kinde in der Fürbitte und Wachsamkeit über seinem Christenstand.

Wir bekennen das heilige Abendmahl als die Gnadengabe unseres Heilandes und Herrn Jesus Christus, in dem er selbst uns unter dem Brot und Wein sich leiblich gibt, seinen wirklichen für uns gekreuzig­ten und für uns erstandenen Leib, dem Glauben als ein Unterpfand des Wortes von der Vergebung der Sünden und der Auferstehung der Toten, auf daß sein Leib sich auferbaue in uns als seinen Gliedern. –

Wir verwerfen die fleischliche Irrlehre, nach der sich durch eine dem Priester gegebene Vollmacht in einer Wiederholung des Opfers auf Golgatha Brot und Wein in Fleisch und Blut Jesu Christi verwan­deln.

Wir verwerfen die geistige Irrlehre, nach der das heilige Abendmahl nur als ein Sinnbild und Gleichnis zu nehmen sei.

Wir bekennen, daß unser keiner würdig ist der uns im Abendmahl dargebotenen Gnade und Gabe Got­tes; darum kommen wir mitsamt unserer Unwürdigkeit und Bedürftigkeit zum Tisch des Herrn in der getrosten Gewißheit, daß Gott mit seiner Gnadengabe schon auf uns wartet als der Vater auf den verlo­renen Sohn.

Artikel III. Von der Dreieinigkeit

Wir bekennen den einigen, wahren, lebendigen, den dreieinigen Gott, ewig Vater, ewig Sohn und ewig Heiliger Geist, daß niemand den Vater bekennt, es sei denn im Glauben an Jesus Christus durch den Heiligen Geist, daß niemand Jesus Christus bekennt, es sei denn als den Sohn Gottes des Vaters durch den Heiligen Geist, daß niemand den Heiligen Geist bekennt, es sei denn als den Geist gesandt vom Vater und vom Sohne. –

Wir verwerfen alle falschen Götter, nach des Menschen Bild oder nach dem Bilde anderer Kreatur erdacht und gemacht.

Wir verwerfen die falsche Einheit, Allheit und Vielheit eines jeden Gottes außer Christus.

Wir verwerfen die Natur- und Kultur-, Rassen- und Massen-, Volks- und Menschheitsgötter.

Wir verwerfen die Lehre, die das Geschaffene mit dem Schöpfer in eins setzt und macht aus Gott eine erste Ursache der Welt oder einen Inbegriff aller ihrer Kräfte.

Wir bekennen Christus nicht als einen ethischen Helden oder religiösen Führer, sondern als unsern an unserer Stelle hingerichteten und verfluchten, auferstandenen und erhöhten Heiland und Herrn.

Wir verwerfen die Lehre, die den Heiligen Geist und den Geist des Menschen miteinander verschmilzt und macht aus dem Heiligen Geist eine Anlage oder ein Habgut des Menschengeistes.

Artikel IV. Vom Gesetz

Wir bekennen das Gesetz Gottes als seinen heiligen, durch sein Wort offenbarten, im Gewissen uns überführenden Willen, der uns befiehlt, Gott über alle Dinge zu lieben und unsern Nächsten wie uns selbst.

Als das Gesetz des Gerichtes kommt es zu uns als das von uns nicht erfüllte Gesetz, das unsere Ge­setzwidrigkeit und Verlorenheit vor Gott offenbar macht, und verurteilt und verdammt uns unter Got­tes Zorn zum ewigen Tode. Dies Gesetz bekennen wir als den Zuchtmeister auf Christus hin.

Als das Gesetz der Gnade kommt es zu uns von Christus her als das von Christus an unserer Stelle erfüllte Gesetz und ruft uns mit tröstlicher Vermahnung auf zu dem Glauben und Gehorsam seiner Liebe; –

denn ob schon kein Werk des Menschen vor Gott gut ist und gilt, weil ein jedes Werk durch seinen Täter vor Gott verdorben und verworfen ist, so will Gott, der den gottlosen Menschen in Christus ver­siegelt und beschlagnahmt als sein Eigentum, doch die im Gehorsam gegen Gottes Gebot getanen Werke dieses Menschen ansehen und gelten lassen als gute Werke und Eigentum Jesu Christi, die seine Ehre preisen.

Als das Gesetz der Ordnung, in der Gottes vergebende Langmut die Welt um Jesu Christi willen er­hält, hält es die Menschen unter der Hoheit des Staates, innerhalb der Sitte des Volkes, in Ehe und Familie in äußeren Schranken, um dem Ausbruch ihrer Bosheit und Selbstsucht zu wehren und ihr Leben in Gemeinschaft zu ermöglichen. –

Wir verwerfen die Lehre, die vom Menschen besondere, selbsterdachte und gemachte Werke fordert, die nicht durch Gottes Wort geboten sind.

Wir verwerfen die Lehre, die den Inhalt des Gottesgesetzes gegeben sein läßt mit dem Staatsgesetz und der Sitte des Volkes.

Wir verwerfen die Lehre, daß der Mensch vor Gott gute Werke zu tun imstande sei.

Wir verwerfen die Lehre, die Gottes Gnade über den Werken des Menschen leugnet.

Artikel V. Von der Sünde

Wir bekennen die Sünde als den Abfall und die Absonderung des ganzen Menschen von Gott, seinem Schöpfer, und dem Nächsten, seinem Bruder; –

das ist: als den Ungehorsam, den Unglauben und die Feindschaft wider Gottes Wort, vom Satan ange­stiftet und vom Menschen eingewillt.

Wir bekennen, daß alles Menschenwesen am Stamm des von Gott abgefallenen Menschenwesens von dem Todesfluch der Absonderung gezeichnet, vor Gott verloren und verdammt ist.

Wir erkennen das Ebenbild Gottes, nach dem Gott den Menschen geschaffen hat, nicht an oder in uns selbst, sondern allein im Glauben des Wortes, das Fleisch ward. –

Wir verwerfen die Lehre, die aus der Sünde nur eine Unvollkommenheit, Mangel oder Gebrechen der menschlichen Natur macht und ein heilig-unversehrtes Seelenteil des Menschen dichtet und erträumt.

Wir verwerfen die Lehre, die den Menschen und seine Geschöpflichkeit an sich selbst zur Sünde macht: denn so wahr dieser ganze, von Gott geschaffene Mensch der Sünde und ihrem Fluch verfallen ist, so ist doch seine Geschöpflichkeit als Gottes gutes Werk nicht Sünde.

Von der Erkenntnis der Sünde

Wir bekennen, daß wir allein durch Gottes Wort als Sünder erkannt und unserer Sünde überführt wer­den.

Wir bekennen, daß unsere Sünde offenbar wird durch das Kreuz unseres Heilandes und Herrn Jesus Christus, in dem sie gerichtet und vergeben ist. –

Wir verwerfen die Lehre, die in den einzelnen Vergehungen des Menschen nur moralische Fehler und Entgleisungen erblickt, die der Mensch in Selbsterkenntnis einsieht und sich selbst vergibt im guten Vorsatz und Bemühen.

Wir verwerfen die Lehre, die den Menschen zwar insgemein als Sünder bekennt, aber seine einzelnen Vergehungen für zu geringfügig erklärt, als daß sie auf der Waage Gottes so schwer und ewig wiegen könnten.

Wir bekennen die wahre Buße als die tägliche Umkehr auf den Weg Gottes im Glauben und Gehorsam seines Wortes durch den Heiligen Geist.

Artikel VI. Von der Gnade

Wir bekennen die von Ewigkeit her freie, grundlose Barmherzigkeit und Gnade Gottes in Jesus Chris­tus, unserem für uns gekreuzigten und für uns erstandenen Heiland und Herrn, durch den Heiligen Geist dem Glauben in Wort und Sakrament gegeben und verheißen.

Wir bekennen, daß der Glaube durch das Wort in Christus lebt und Christus durch das Wort im Glau­ben.

Wir bekennen die Erlösung durch Christus und sein Blut und verwerfen die Selbsterlösung im eigenen Blut und Wesen. –

Wir verwerfen die Lehre, die aus der Gnade Gottes ein verfügbares religiöses Kapital der Kirche macht, das sie verwaltete, und von dessen Zinsen sie lebte; –

denn wir sind im Glauben nicht religiöse Rentner, sondern Bettler, die von Gottes Gnade leben.

Wir verwerfen die Gleichsetzung und Ineinssetzung der natürlichen Gaben des Menschengeistes mit der Gnade Gottes und bekennen, daß der Mensch mit allen Gaben des Leibes und Geistes lebt von dem Wort der Vergebung der Sünden.

Das Wort vom Kreuz verheißt nur im Gericht Gnade.

Der Glaube ist nicht eine menschliche Kraft, Vermögen, Anlage oder Seelenfunke, sondern lebt durch das Wort und in dem Wort, das sein Schöpfer und Herr ist.

Der Glaube geht nicht aus das Sichtbare, Fühlbare, Begreifbare, sondern hängt am Worte Gottes.

Wie wir nur das eine Christus-Evangelium kennen, so bekennen wir den einen Christusglauben und verwerfen die Rede vom artgemäßem deutschen, russischen, chinesischen oder indischen Christus- glauben als eine Verfälschung des Glaubens, in der aus der Rechtfertigung des Gottlosen in Christus eine Selbstrechtfertigung der eigenen frommen Art, und aus dem Heiland und Herrn der Welt ein völ­kischer Messias und Nationalheiland wird.

Artikel VII. Von der Kirche

  1. 1.    Vom Wesen der Kirche

Wir bekennen die Kirche als die Gemeinde Jesu Christi, die der Heilige Geist schafft und erhält durch das Wort Gottes und durch die Sakramente. –

Die Kirche ist nicht der Ausdruck aller Glaubenskräfte unseres Volkes, sondern sie ist der Leib Jesu Christi, an dem wir Glieder sind allein durch die Taufe im Glauben.

Die Kirche ist keine fromme Partei. Sie hat keine Mitglieder, sondern Glieder.

Sie besteht nicht aus frommen, sondern aus gottlosen Menschen, deren alleinige Frömmigkeit und Heiligkeit ihr Heiland und Herr Jesus Christus ist, zu dessen Eigentum sie versiegelt und beschlag­nahmt sind durch Gottes Wort.

Dies Kirche ist nicht ein religiöses Sammelbecken, sondern sie ist der Ort, wo Gottes Wort verkündigt und gehört wird. Darum: wo immer Gottes Wort verkündigt und gehört wird, da ist Kirche.

Weil wir denn Christen werden nicht durch die Geburt, durch Rasse oder Blut, sondern durch den Heiligen Geist, die Taufe und das Wort Gottes, verwerfen wir die Forderung, daß nur arische Christen Glieder der Deutschen Evangelischen Kirche sein dürften.

Insbesondere verwerfen wir die Bannung oder Entrechtung der Judenchristen in einer Kirche, die sich als Kirche Jesu Christi bekennt, der dem Fleisch nach ein Jude ward, wie denn Propheten und Apostel nach Gottes ewigem Ratschluß aus diesem Volk berufen wurden.

Israel ist nicht als Rasse oder Nation das auserwählte Volk, sondern als das Volk, in dem der Heiland aller Völker geboren, und von dem er gekreuzigt werden sollte. Nicht allein aber die Juden, sondern alle Völker der Welt, auch wir Deutschen sind am Kreuze Christi mitschuldig.

Israels Erwählung und Verwerfung ist nicht aus einem allgemeinen Erwählungsprinzip zu verstehen, das auch auf andere Völker übertragen werden könnte.

Wir bekennen, daß Gottes Treue nach der Schrift den Sieg behalten wird auch über Israels Halsstar­rigkeit und Untreue.

Die Kirche schuldet der Welt das Evangelium.

Die deutsche Kirche schuldet dem deutschen Volk das Evangelium.

Die Kirche in einem Volk unter dem Evangelium schuldet das Evangelium den Völkern, die ohne das Evangelium sind, auf Grund des Befehls und der Verheißung ihres Herrn und Heilandes Jesus Chris­tus.

Die Kirche schuldet den Protest gegen die Irrlehren, die das Evangelium beseitigen oder verfälschen. Die gottlose Irrlehre verherrlicht den gottlosen Menschen. Die religiöse Irrlehre verherrlicht den reli­giösen Menschen.

Wir sagen „nein“ zu der gottlosen Irrlehre, aber wir sagen „ja“ zu dem gottlosen Bruder; denn Christus ist nicht für uns fromme, sondern für uns gottlose Menschen gekreuzigt und auferstanden.

Wir sagen „nein“ zu der religiösen Irrlehre, aber wir sagen „ja“ zu dem religiösen Bruder; denn wir selbst sind mitsamt unserer Religiosität in unserer Gottlosigkeit erkannt durch das Wort von der Ver­gebung der Sünden.

Die religiöse und die antireligiöse Irrlehre werden nicht durch das Schwert überwunden, sondern durch das Wort Gottes.

Wir verwerfen jeden Gewissenszwang sowie jede Anwendung politischer Machtmittel in Sachen des Glaubens.

Der wahre Reformator der Kirche ist der Heilige Geist allein durch Gottes Wort. Darum besteht die wahre Erneuerung der Kirche nicht in ihrer Gleichschaltung mit wesensfremden Prinzipien, sondern in einem neuen Gehör und Gehorsam für und unter Gottes Wort.

Die Kirche ist in ihrer sichtbaren und zeitlichen Gestalt dem Befehl und der Weisung des Wortes un­terworfen, in dessen Glauben sie ihr unsichtbaren und unvergängliches Wesen und Leben hat, denn dasselbe Wort, das den gottlosen und todverfallenen Menschen in Christus rechtfertigt zur Auferste­hung des ewigen Leben, versiegelt die irdische Kirche im Glauben und in der Hoffnung unter die himmlische Kirche Jesu Christi, dessen die Herrschaft ist auf Erden wie im Himmel. –

Die verschiedenen Ämter der Kirche, als da sind: das Predigt- und Hirtenamt, das Lehramt, das Dia­konat, das Amt der äußeren Leitung, Ordnung und Verwaltung haben ihren Befehl und ihre Verhei­ßung allein von dem Wort her, durch das der Heilige Geist die Kirche schafft und erhält.

Weil denn das Amt der Kirche vom Befehl und der Verheißung des Wortes Gottes durch den Heiligen Geist lebt, müssen wir die Bindung desselben an das rassepolitische Prinzip (Arierparagraph) verwer­fen.

Die kirchliche Obrigkeit ist eine irdische Ordnung der irdischen Kirche, der wir in kirchlichen Dingen Gehorsam schuldig sind; es sei denn, daß ihre Anordnungen wider das Wort Gottes wären.

Wir gehorchen der kirchlichen Obrigkeit nicht aus Grund eines religiösen Führerprinzips sondern auf dem Grunde und nach dem Maßstab des Wortes der Heiligen Schrift, das aller menschlichen Autorität Schöpfer, Richter und Herr ist.

Darum verwerfen wir ein im Führerprinzip begründetes, mit Lehrautorität sowie mit Ein- und Abset­zungsgewalt ausgerüstetes Bischofsamt, in dessen Stimme sich angeblich die Stimme der Kirche kundgäbe.

Das Hirtenamt der Kirche weidet mit keinem anderen Stabe als dem Wort der Heiligen Schrift, dessen Schöpfer- und Befehlsgewalt es selber unterworfen ist, dem Wort, das alle Christen als Glieder am Leibe Jesu Christi im Glauben und in der Fürbitte zu den rechten Priestern und Bischöfen für einander macht.

Für die Berufung zu den Ämtern der Kirche entscheidet die einem jeden gegebene Gabe sowie die sachgemäße und ordnungsgemäße Vorbildung und Ausrüstung für das Amt.

Im Notfall ist jeder Christ zum Dienst am Wort und Sakrament sowie zu einem jeden durch die Not des Nächsten geforderten Amt der Kirche berufen.

Für die Entsetzung von einem kirchlichen Amt haben keine anderen Gründe Geltung als nachgewiese­ne Irrlehre, Amtsvernachlässigung oder unwürdiger Lebenswandel.

Artikel VIII. Von den Ordnungen

  1. 1.     Von Rasse und Volkstum

Wir bekennen, daß Gott der Schöpfer in seiner vergebenden Langmut und Treue die Welt erhält in seinen Ordnungen, als da sind: Rasse und Volk, Staat, Ehe und Familie.

Auch in unserem Volkstum und in unserer Rasse sind wie von dem Fluch der Absonderung gezeichnet und leben auch als Rasse und Volk von der Vergebung der Sünden.

Die Ordnungen, in denen Gott diese gefallene Schöpfung erhält und leben läßt, sind Zwischenordnun­gen, die an dem Tage Jesu Christi aufgehoben und verschlungen werden in die neue Ordnung der neu­en Schöpfung und Welt Gottes. –

Gottes Schöpfungsordnung ist nicht von der sichtbaren Natur abzulesen, sondern wird durch Gottes Wort erkannt. Das Lebensgesetz, in dem Gott der Schöpfer die abgefallene Welt durch seine Langmut erhält und leben läßt, hat die Strafe des Todesgesetzes bei sich und in sich und ist nicht mehr das Le­bensgesetz des Paradieses.

Weil Gott uns in unserem Volk unser Leben gibt und erhält, sind wir unserm Volk das Leben schuldig.

Darum sind wir unserm Volk in seiner Not auch den Kriegsgehorsam schuldig, wenn der Staat uns fordert, das Leben des Volkes zu verteidigen und zu erhalten.

Hingegen verwerfen wir den Lustkrieg, vom Geldgeiz oder Ehrgeiz, von Machtsucht oder Rachsucht angestiftet und entfesselt

Der schuldige Kriegsgehorsam, zu dem wir uns bekennen, lebt von der Vergebung der Sünden.

Die Selbsterhaltung des Lebens durch Kampf ist kein Gesetz des Paradieses, sondern ist das harte Gesetz über dieser sündigen Welt, die Gott durch seine Gnade erhält.

Darum verwerfen wir die Rede vom heiligen Krieg und bekennen uns zu der Fürbitte der Kirche um den Frieden der ganzen Welt

Der Staat hat seine Hoheit und Gewalt weder durch einen Gesellschaftsvertrag noch durch den Willen der Nation, sondern durch die Autorität der Gnade Gottes, um dem Bösen zu wehren und das Leben der Menschen in Gemeinschaft, als Glieder ihres Volkes, in Ehe und Familie, zu ermöglichen und zu erhalten.

Darum schulden wir der staatlichen Obrigkeit Gehorsam, es sei denn, daß sie uns wider Gottes Wort zu handeln befiehlt.

Vom Verhältnis zwischen Kirche und Staat

Kirche und Staat haben ihre unterschiedliche Vollmacht durch ebendasselbe Wort von der Autorität der Gnade Gottes, das aller menschlichen Autorität Schöpfer, Richter und Herr ist.

Darum haben Staat und Kirche die ihnen gegebene unterschiedliche Vollmacht beieinander anzuer­kennen und wiederum in den ihnen gesetzten Grenzen zu wahren.

Eine Gleichschaltung von Kirche und Staat verkennt und vermengt aber das Wesen und die Aufgabe des Staates, dem das Schwert gegeben ist, und der Kirche, der das Wort Gottes befohlen und verbei­ßen ist.

Darum verwerfen wir die Vergöttlichung des Staates ebenso wie die Verweltlichung der Kirche, die Verkirchlichung des Staates ebenso wie die Verstaatlichung der Kirche.

Wir bekennen die Ehe als Gottes Schöpfungsordnung und Gnadenring, durch Gottes Wort um Mann und Weib gelegt, daß sie einander eigen als Werkzeuge des Schöpfungswillens Gottes mit den ihnen geschenkten Kindern als eine Familie den Sieg des Segens Gottes über den Fluch unserer Absonde­rung und Selbstsucht preisen. –

Wir verwerfen die zeitliche Begrenzung der Ehe in einer Zeit- oder Kameradschaftsehe und bekennen als ihre gottgesetzte Grenze den Tod.

Wir verwerfen die Selbstmächtigkeit des Menschen über das noch ungeborene Leben und bekennen über der Schuld, Not und Anfechtung des Ehestandes die Vergebung der Sünden.

Beschluß

Im Gehorsam unter das Wort der Heiligen Schrift, das der Richter und Herr wie über alle Lehre, so über dies unser Bekenntnis ist, bitten wie Gott, uns und alle Christen bei und in seinem Wort zu be­wahren bis auf den Tag unseres Herrn Jesu Christi, an dem Gott alles neu machen wird in der Aufer­stehung und neuen Schöpfung zum ewigen Leben. Amen.

Unterschriften

gez. Ferdinand Vogel, gez. Johannes Wolff, gez. Rudolf Kehr, gez. Rudolf Dammrath, gez. Heinrich Vogel.

Die Anschrift von Pfarrer Heinrich Vogel ist: Dobbrikow bei Luckenwalde (Mark).

Zuerst erschienen unter dem Titel „Kreuz und Hakenkreuz“ in der Zeitschrift Die Furche 19 (1933), S. 214-225. Ebenfalls abgedruckt in: K. D. Schmidt (Hrsg.), Die Bekenntnisse des Jahres 1933, Göttingen 1934, S. 80-89. Wenig überarbeitet hat die Freie Evangelische Synode in Berlin-Brandenburg es sich am 7. März 1934 zu eigen gemacht. Originaldruck, erschienen im Furche-Verlag, Berlin 1933. November 1933.

Hier die Schrift als pdf.

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