Eduard Thurneysen, Predigt über Römer 8,11 (1934): „Ganze Zeiten stehen vor uns, die als Beispiel dienen können dafür, daß man dämonisiert werden kann auch von Idealen, die an und für sich gut sein mögen, die aber in der dämonischen Gestalt, mit der sie Menschen und Völker ergreifen und bewegen, entsetzlich sind. Und nun dahinein, in diese dämonisierte Welt und Zeit, wo die Menschen den Geistern verfallen, die über sie herrschen, da hinein greift wie eine Hand von oben die Botschaft von dem Gott, dessen Geist in uns wohnen möchte“

Predigt über Römer 8,11

Von Eduard Thurneysen

Wenn nun der Geist besten, der Jesus von den Toten aus. erweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Jesus von den Toten auserweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.

Die vorgelesenen Worte fangen mit einem großen „Wenn“ an: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auf, erweckt hat, in euch wohnt!“ Und dieses „Wenn aber“ hängt nicht irgendwo in der Luft, so als ob es uns nichts anginge, sondern es kommt in ganz direkter und persönlicher Weise auf uns zu und drängt auf eine Entscheidung, die bei uns fallen muß, immer wieder, eine Entscheidung, die auch jetzt und hier in dieser Stunde bei uns fallen muß und fallen wird, „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt…“ wohnt er in uns? Das ist die Frage, die sich hier aufdrängt, und die sich jetzt und hier und immer neu entscheiden muß.

Es gehört zu der großen Barmherzigkeit des Bibelwortes, daß es in dieser direkten und persönlichen Weise auf uns losgeht, uns anfaßt, an uns handelt. Es hat es an sich, daß wir nicht nur mit verschränkten Armen dabeisitzen und denken können: mich geht das nichts an. Ich muß fast annehmen, daß solche unter uns sind, die eben vorhin, wie aus der Bibel heraus die Rede war vom Geiste Gottes, der in uns wohnt, bei sich gedacht haben: ich bin ein Weltkind, ich bin ein Zweifler und mit dem Geiste Gottes oder gar mit der Auferweckung Jesu von den Toten habe ich nie etwas anzufangen gewußt. Darauf ist zu antworten, daß das Bibelwort es mit gar keinem anderen Menschen zu tun haben will und zu tun hat als eben mit solchen Zweiflern und Welt­kindern, wie wir es alle immer wieder sind. Paulus, der Apostel, der dieses Wort geschrieben hat, hat an lauter solche Leute gedacht. Er hatte Menschen vor sich, die ganz direkt vom Heiden­tum herkamen und die noch mitten in der heidnischen Welt drin lebten und die wahrhaftig auch so hätten seufzen können: ich gehöre nicht zu den Frommen, ich verstehe all das, wovon bei diesen die Rede ist, gar nicht. Gerade zu solchen redet er und will ihnen wahrhaftig mit seinem Worte vom Geiste Gottes, der in ihnen wohne, keine neue, schwere Last auslegen, die sie nicht bewältigen können, sondern etwas ganz Freundliches möchte er ihnen sagen. Er möchte ihnen sagen: wer du auch seiest, ob ein Weltkind, ob ein Zweifler, daraus kommt es jetzt gar nicht an, sondern aus den Geist Gottes kommt es an. Und darauf, dass dieser Geist Gottes wohnen will gerade bei Menschen, wie du einer bist, gerade bei Zweiflern und Weltkindern, bei Sündern und Sterbenden.

So laßt uns denn hören! „Wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt“: So oft in der Bibel vom Geist die Rede ist, so oft ist eine Frage aufgeworfen, die uns in der Tiefe unseres Lebens anfaßt. Geist, Geister, die in uns wohnen … damit ist auf alle Fälle nicht etwa das gemeint, was wir die Vernunft, den Verstand nennen. Es kann einer einen sehr scharf geschliffenen Verstand haben, es kann einer aber auch schwerfällig sein im Denken — über den Geist, der in ihm wohnt, ist damit noch gar nichts entschieden. Geist, der in uns wohnt, das ist auch etwas anderes als das Gefühls- oder Gemütsleben. Ge­fühl, Gemüt, damit ist sozusagen der Himmel gemeint, unter dem wir Menschen leben. Dieser Himmel kann bedeckt und verdunkelt sein — schwermütige Menschen leben unter solch einem verdeck­ten und verdunkelten Himmel. Dieser Himmel kann hell und lachend sein — frohmütige Menschen, die unter solch einem hel­len, lachenden Himmel wohnen. Aber über den Geist, der in der Liefe solcher Menschen wohnt und sie treibt und bewegt, ist da­mit noch nichts ausgesagt. Es gibt schwermütige Menschen unter dunkeln Himmeln, und doch tragen sie ein Helles Geisteslicht in sich. Und es gibt frohmütige Menschen, die von einem dunkeln Geiste umgetrieben werden. Geist, der in uns Menschen wohnt, damit ist auch nicht unser Wille gemeint, viel eher das, was unseren Willen regiert und bewegt. Der Geist, das ist sozusagen der Herr im Hause, und der Wille ist nur sein Werkzeug, das er braucht, wie eben ein Herr ein Werkzeug braucht. Und je nach­dem der Herr ist, je nachdem wird auch die Handhabung, der Gebrauch des Werkzeuges ausfallen. Es kann einer einen starken Willen haden und kann doch völlig gehemmt sein, weil der Geist in ihm gehemmt ist, der diesen Willen gebrauchen sollte, wir verstehen: Geist, der in uns Menschen wohnt, damit ist etwas erstes und letztes gemeint, etwas hinter unserem Denken, Fühlen und Wollen. Geist, der in uns Menschen wohnt — da müssen wir denken an uns selbst, an das Ich in uns drin, jenes geheimnisvolle Lebenszentrum, von dem alles ausstrahlt. Dieses Ich in uns drin, es wird bewegt von etwas, das nicht wir selber sind, das aber über uns kommt, uns ergreift und bewegt und erschüttert. Und dieses Ergriffen- und Bewegtwerden von diesem Etwas, das über uns kommt, das ist unser Geist.

Und nun fragt es sich, was für ein Geist es ist, der uns da er­greift und bewegt in uns drin, was für ein Geist es ist, der in uns wohnt, was für eine Fülle von Geistern gibt es in uns Menschen, hohe und niedrige, ernste und leichtfertige, edle und unreine Gei­ster! Der Geist der Freude, der Geist der Liebe, der Geist der Ar­beit, aber auch die dunklen Geister der Leidenschaft, des Haffes und der Sinnlichkeit. Es wird gesagt werden müssen, daß wir uns diesen Geistern gar nie entziehen können, wir haben es immer wieder mit ihnen zu tun, müssen uns ihnen öffnen, ihnen Raum geben. Jeder lebendige Augenblick unseres Lebens hat seine Lebendigkeit darin, daß ein solcher Geist über uns kommt, etwa so wie bei einem Badenden am Strande die Wellen kom­men und ihn überfluten und überströmen, und er wird von ihnen bewegt und getragen.

Aber nun ist hier gar nicht die Rede von diesen mancherlei Geistern, die über uns Menschen kommen können, sondern hier ist die Rede von einem ganz anderen Geiste, einem Geiste, der all diesen vielen Geistern, den guten und den bösen, von denen wir bewegt sind, gegenübertritt als etwas eigenes, neues, der Geist Gottes, wie ein Fremdling tritt da unter uns, vor uns hin der Geist, von dem Paulus sagt, es sei „der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat“, was ist das für ein Geist unter all den Geistern, die wir sonst kennen?

Laßt mich zunächst eine Frage stellen, eben jene Frage, die in dem Wörtlein „Wenn“: „Wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt“, drinsteckt. Wohnt dieser Geist, der Geist Gottes in euch, wohnt er wirklich in euch? Da denken wir daran, daß wir von all den vielen Geistern, von denen wir eben sprachen, wohl wissen können, ob sie in uns wohnen oder nicht. Es weiß zum Bei­spiel jeder von uns, mit was für einem Geiste er deute morgen den Tag begonnen dat, mit einem freudigen, dankbaren oder mit einem trübseligen, schwermütigen Geiste. Es weiß schon ein Rind, von was für einem Geiste es getrieben wird, von einem Geist des Zornes oder von einem Geist des Gehorsams und der Freude. Aber wenn nun die Frage aufsteht: der Geist Gottes — wohnt er in euch? was sollen wir da antworten? Dürfen wir es wagen, zu sagen: ja, Geist von Gott wohnt in mir? wir merken, diesem Geiste gegenüber, dem Geiste Gottes gegenüber stehen wir da wie in einer tiefen Verlegenheit, wir merken: da dort das gewöhn­liche Ja- oder Neinsagen einfach auf. wir merken: da steht vor uns auf wirklich ein ganz anderer Geist, ein Geist, der mit den Geistern, die uns sonst bewegen mögen, nicht zusammengeworfen werden kann. Darum sagt auch Paulus von diesem Geiste, es sei „der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat“. Es ist der Geist Gottes will damit gesagt werden, eines Gottes, der so sehr Gott ist, daß auch der Tod keine Grenze für seine Macht bedeutet, daß der Tod vielmehr an ihm und seinem Lebensruf seine eigene Grenze findet, an der er zerbricht.

Um einen solchen Geist geht es hier, wer wagt da von sich zu sagen, dieser Geist wohne in ihm, er trage ihn in sich? Sollte es aber diesem Geist unbegreiflicherweise wohlgefallen, in uns, ge­rade in uns Wohnung zu nehmen, wer möchte sich unterstehen, zu sagen, dieser Geist wohne nicht in ihm? Bleibt uns angesichts dieses Geistes etwas anderes übrig, als stille zu werden, Halt zu machen, anzubeten? Indem dieser Geist vor uns tritt, gebt eine ganz neue Erkenntnis vor uns auf. Unser Leben, das Menschen­leben mag noch so reich sein, noch so unerschöpflich an Möglichkeiten, an Höhen und Tiefen, an guten und bösen Geistern, die es durchwalten und bewegen, es ist im letzten ein armes Leben. Denn es hat eine Grenze, an der es aufhören und zerbrechen muß, eben den Tod, mit dem nur der Geist Gottes fertig wird. Unser Menschengeist wird nicht mit ihm fertig. Rein noch so guter und starker Geist, der uns menschlicherweise bewegt, hilft uns über den Tod hinweg, nicht der Geist unserer Dichter und Denker, aber auch nicht der Geist unseres Volkes oder unseres Blutes. Und umgekehrt: alle bösen Geister führen uns zum Tode bin. Darin bestellt ihr Böses, daß sie das tun. Jede unheilige Leidenschaft, die dein Herz erschüttert, ist eine Todesmacht. Und keine Freude oder Liebe, die wir in uns tränen mögen, ist so mächtig, daß sie diesen Todesmächten widerstehen könnte. Erst wenn wir dies sehen, können wir die Macht ermessen, die mit dem Geiste vor uns tritt, von dem es hier heißt, er habe Jesus von den Toten auferweckt und er vermöge es, „auch unsere sterblichen Leiber lebendig zu machen“. Freilich zuerst erfahren wir gerade durch diesen Geist, wie tief der Tod über uns herrscht. Auch Jesus Christus mußte ja durch ihn vom Tode auferweckt werden. Und er ist in diesen Tod hineingeführt worden, einfach weil er uns gleich geworden ist. Jesus Christus am Kreuz — da wird es klar wie nirgend sonst, daß es wirklich kein Menschenleben gibt, und wäre es noch so rein und heilig, das dem Tode entrinnen könnte. In dieser Welt leben, das heißt sterben müssen, das heißt im Tode zerbrechen. Und dort am Kreuze ist es auch klar geworden, warum das so ist. weil dieses Leben, weil unser Leben mit all seinem Guten und seinem Bösen abgeschnitten ist vom Geiste Gottes, des Schöpfers. Darum der Tod, der Tod als Grenze, die wir nicht überschreiten!

Aber nun da hinein die unerhörte Botschaft: „wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckte, in euch wohnt…“, dann, ja, dann „wird der, welcher Jesus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“! Das ist das Neue, das, wovor wir nur schweigen und anbeten können: dieser Christus, an dem die ganze Macht des Todes ausbricht, er ist nicht im Tode geblieben. Gott hat ihn auferweckt durch die Macht seines Geistes. Also ist sie wohl da, jene Grenze, die uns unerbittlich und unübersteigbar abschneidet vom wirklichen, vom ewigen Leben, von dem Leben, das kein Tod mehr brechen kann, aber sie ist zugleich überschritten, durchbrochen, überwunden! Im Todesreich drin steht er, der Gott, von dem wir uns getrennt haben. Bei uns steht er, bei uns, den Abgesonderten, den Sündern und Sterbenden. Aber er steht bei uns als der, der im Tode lebt und der uns, die Toten, hinein­reißt in sein Leben. Da sind sie, die zwei Punkte, um die unser ganzer Christenglaube kreist: das Kreuz, wo uns aufgedeckt wird, wer wir sind: vom Geiste Gottes Abgelöste sind wir, wir mit unseren bösen und mit unseren guten Geistern. Und die Auferstehung, wo uns ausgedeckt wird, daß dieser von Gott Abge­löste besucht wird, angerührt und von den Toten auserweckt durch diesen Geist Gottes, des Lebendigen und Barmherzigen.

Und nun sind wir gefragt, einfach gefragt, ob wir das wissen? Gefragt in alles sonstige Wissen, Denken, Meinen, Treiben hinein, ob wir wissen um den ganzen Ernst der Todesgrenze, der Todesmacht der Sünde und des Verderbens, in dem wir leben, aber auch wissen um den Einen, der dieser Sünde und diesem Tode die Macht genommen bat? wir sind gefragt, ob wir wissen, daß wir es zu tun haben nicht nur mit den allerlei guten und bösen Geistern in unserem Leben, sondern zu tun haben mit unse­rer Sünde und mit unserem Sterben, aber auch und erst recht mit Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist am drit­ten Tage und der auch uns auferwecken will am jüngsten Tage zu seinem und seines Vaters ewigem Leben. Leben müssen wir mitten im Tode drin, zugleich aber dürfen wir hören, daß, während wir im Tode leben, wir umgeben sind von einem Reiche des Lebens, das keinen Tod mehr kennt, umgeben von der Welt des Vaters, nur durch einen dünnen Schleier von ihr getrennt auf dessen Zerreißen wir warten dürfen! wir sind gefragt, ob wir das nicht nur hören, sondern ob wir uns das, indem wir es hören, wirklich sagen lassen, es uns sagen lassen, daß wir tatsächlich mit den guten Geistern, die uns verlieben sein mögen, nicht durchkom­men, daß aber auch die bösen Geister, die uns umtreiben, uns nicht verderben können, weil der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in uns wohnt, aus freiem Erbarmen Got­tes Wohnung genommen bat mitten in den Grenzen unseres im Letzten so armen Lebens, wir sind gefragt, ob wir wissen, daß dies die Wahrheit auch unseres eigenen, armen Lebens ist. Dieses Gefragtwerden, dieses Sichfragenlassen, dieses von dieser Frage Umgetrieben- und Bewegtsein — das ist das Zeichen dafür, daß wir den Geist Gottes in uns wohnen haben.

Und noch einmal, wer wollte es wagen, hier zu antworten mit einem: ich weiß es nicht? Es geht mich nichts an? Tragen wir nicht alle den neuen Menschen in uns, der seine Augen einfach im­mer wieder aufheben muß zu Jesus Christus? Das ist das woh­nen des Geistes Gottes in uns, dieses Aussehen aus Jesus. Den Geist Gottes in sich wohnen baden beißt praktisch, faktisch einfach immer wieder dieses Aufsehen üben auf Jesus. Ich weiß es wirklich nicht von mir aus, daß ich Gottes bin. Aber vor mir steht Jesus im Zeugnis seiner Apostel und Propheten. Und indem ich auf sie hinhöre, weiß ich: Er ist da für mich, tritt ein für mich, läßt mich nicht in Sünde und Tod. Und das rettet mich. Und das ist das wohnen des Geistes Gottes bei den Sündern und Ster­benden.

Paulus schließt damit, daß er sagt: „Derselbe wird auch eure sterblichen Leiber lebendig machen.“ „Eure sterblichen Leiber“ beißt es hier: also sind wir und bleiben wir immer weiter sterb­lich, auch wenn Jesus Christus mit seinem Geiste in uns wohnt? Ja und nein! Ja, sofern der Schleier noch nicht gerissen ist, die Grenze immer noch vor uns steht. Auch wir müssen sterben. Auch lins wird man einmal hinaustragen und herunterbetten in die große Gräberstadt draußen. Das ist wohl die Not. Aber aus dieser Not heraus fragen wir, seufzen wir. Und weil „der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat“, in uns wohnt, weil wir wissen um Jesus Christus, darum seufzen wir nicht ohne Hoffnung, darum suchen wir und dürfen wir finden. Das ist die Herrlichkeit unseres Christenglaubens, daß wir ganz ehrlich zugeben dürfen: ich bin, der ich bin, ein Mensch dieser Zeit, dieser Welt, einer, der Gottes Tun immer wieder nicht versteht, ein Zweifler, einer, der sich auflehnt gegen Gott, einer, der den Tod immer wieder für mächtiger hält als die Macht Gottes in Jesus Christus, aber auf diesen sich Auflehnenden hat er, Gott, die Hand gelegt. Diese auf mich gelegte Hand Gottes ist Jesus Christus. Und um deswillen wandle ich Zweifler, ich Sünder, ich Sterbender in der Hoffnung, in der Gewißheit: Ich, auch ich gehöre Gott. Der ist Gott, der Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, und der auch mich auferwecken wird. Dieser Gott ist mein Gott, an ihn darf ich mich hängen.

Laßt uns noch einmal zum Anfang zurückkehren. Das Um heimliche, die Krankheit unseres Lebens besteht darin, daß die Geister, die guten und die bösen, Gewalt gewinnen über uns, so daß wir ihnen ganz und gar verfallen, wo das geschieht, wo die Geister über uns kommen, so daß wir ihnen verfallen ganz und gar, da ist Gott nicht mehr Herr über uns, da gehören wir zu den weggetriebenen und darum umgetriebenen, zu den dämonisierten Menschen, wobei es ganz gleichgültig ist, ob es Gutes ist, das uns dämonisiert oder Loses. Denn ob Gutes oder Böses — dieses Hingerissenwerden von den Idealen oder von den Irr­tümern, die uns beherrschen, das ist das dies Kranke, das Unheimliche an unserem Dasein. Ganze Zeiten stehen vor uns, die als Beispiel dienen können dafür, daß man dämonisiert werden kann auch von Idealen, die an und für sich gut sein mögen, die aber in der dämonischen Gestalt, mit der sie Menschen und Völker ergreifen und bewegen, entsetzlich sind. Und nun dahinein, in diese dämonisierte Welt und Zeit, wo die Menschen den Geistern verfallen, die über sie herrschen, da hinein greift wie eine Hand von oben die Botschaft von dem Gott, dessen Geist in uns wohnen möchte, von dem Gott, der uns in der Kraft seines lebendigmachenden Geistes sagt: du bist mein, du gehörst nicht deinen Idealen und nicht deinen Irrtümern, du gehörst mir, dem König und Herr deines wie alles Lebens, wo das durchbricht, wo wir es nicht mit dem guten und nicht mit dem bösen Geist allein, sondern mitten im Getriebenwerden von den allerlei Geistern mit diesem unserem Gott und Herrn wieder zu tun bekommen, da wird das Leben überhaupt erst lebbar, da weichen die Schatten, da kann man auch als Mensch unter Menschen seinen Weg miteinander finden und geben, kann miteinander reden, kann eingreifen, ver­stehen, helfen. Da kann Sünde und selbst Tod kein letztes Wort mehr sein, da ist die Ewigkeit vor uns, und wir wandern ihr entgegen mitten in der Zeit, getröstet, ermahnt und gehalten von dem Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat.

Das ist unser Christenglaube. Soviel Menschen unter uns, in unserer Stadt, in unseren Gemeinden sich finden, die etwas von diesem Glauben wissen und in sich wohnen haben, soviel Kraft und Gegenwart Gottes wird unter uns wirksam sein. So laßt uns denn einig werden, jeder für sich und wir alle miteinander in der Bitte: Komm‘ Schöpfer Geist kehr‘ bei uns ein und laß uns deine Wohnung sein!

Quelle: Evangelische Theologie 2 (1935), S. 1-8.

Hier die Predigt als pdf.

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