Max Josef Metzger, Theologische Abhandlung über das Königtum Christi. Vermächtnis aus der Todeszelle (1943/44): „Christi ‚Königtum‘, zwar nicht ‚von dieser Welt‘, aber in dieser Welt, auf dieser Erde, was will es? Was ist die Mission des großen ‚Gesandten‘ des Vaters an die Menschheit?“

Theologische Abhandlung über das Königtum Christi. Vermächtnis aus der Todeszelle (1943/44)

Von Max Josef Metzger

„Christum oportet regnare!“ (1 Kor 15,25)

1 Kor 15,25, das Leitmotiv seiner Christkönigsgesellschaft, ist das Schlußwort der „Theologi­schen Abhandlung über das Königtum Christl“, die Dr. Max Josef Metzger mit gefesselten Händen in der Todeszelle schrieb. Er beendete diese Abhandlung am 27. 3. 1944, drei Wochen vor seiner Hinrichtung und übergab sie dem Gefängnisseelsorger Peter Buchholz bei seinem letzten Besuch. Diese Arbeit war Dr. Metzger besonders kostbar. Er gab auf einem Stenogrammzettel ausdrückliche Anweisung, sie der Leitung seiner Christkönigsgesellschaft auf dem schnellsten und sichersten Wege zukommen zu lassen. Die Mitglieder des Christkönigs-Instituts betrachten dieses Dokument als das geistliche Ver­mächtnis ihres Gründers und erkennen darin die Grundlage für ihre Spiritualität.

I. Teil: Über die Kirche

1. Über das Königtum Christi

In einer Zeit, da es zum Modewort geworden ist, bedarf das Wort „König­tum Christi“1 einer Definition, d. h. Abgrenzung. Es hat dieser Ausdruck in unserm Mund2 nicht das mindeste zu tun mit „politischem Katholizis­mus“ – nichts liegt uns ferner als Streben nach kirchlicher Macht-Erweite­rung! Wenn wir vom „Königtum Christi“ sprechen, so ganz im Sinn der Heiligen Schrift3. Und hier steht das Wort – im Neuen wie im Alten Testament – gleichsinnig mit einem andern, das fast noch eindeutiger und gewaltiger ist: „KYRIOS“4. Kyrios, das ist der Name für den Pantokrator, den Allherrscher, vor dem alle anderen „Götter“ und „Herren“ „Nichtse“ sind: GOTT in seiner ewigen Majestät und „Herr“-lichkeit, dessen Ruhm das Weltall kündet, das sein Schöpferwort ins Dasein gerufen, die Sonne in ihrem unbeschreiblichen Glanz und all ihre Trabanten am Himmelszelt, die „Himmel“ oben, in denen Cherubim und Seraphim mit all den Himmelsheeren ihr Dreimalheilig dem Herrn singen von einer Ewigkeit zur andern, und die Erde, wohin der Mensch gestellt ist, als „Herr“ der ihm unterworfenen Schöpfung „wenig unter Engel gestellt“5, um durch sie und mit ihr den ewigen HERRN in Wort und Tat dankend zu preisen.

Diesen Kyrios-Namen teilte von Ewigkeit her mit dem VATERgott der „LOGOS“, der vom Vater, im Vater und „zum Vater hin“6 war und ist und sein wird7, der „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“ … (Credo). Wenn der „Mensch Jesus“8 in der apostolischen Verkündigung den „Kyrios“-Namen trug, ja, wenn der „Menschensohn“ selbst ihn für sich in Anspruch nimmt9, so ist es dieser sinngefüllte Name, den im Sinn der Offenbarung nur der tragen konnte, der von sich selbst aussagte „Ich und der Vater sind eins ...“10. Das Kyriosrecht des menschgewordenen Logos für diese Weltzeit gründet in der „Sendung“ durch den Vater, einem Geheimnis, kraft dessen es von Ewigkeit her der Wille des Vaters war, daß die ganze Schöpfung unter ihm, dem 2. Adam, als dem Haupt gesammelt und in ihm allein Bestand haben soll11, daß sie durch ihn aus der Sündenverhaftung erlöst und wieder zum allheiligen Vater zu­rückgeführt werden soll, verwandelt in das „Reich Gottes“, bis nach Voll­endung Seiner Mission der Sohn dem Vater das „Reich“ und die Herr­schaft wieder zurückgeben kann, da wieder „Gott alles in allem“ gewor­den ist12.

Christi „Königtum“, zwar nicht „von dieser Welt“13, aber in dieser Welt, auf dieser Erde, was will es? Was ist die Mission des großen „Gesandten“14 des Vaters an die Menschheit? Er selbst sagt es uns: „Ich bin (ein) König. Dazu bin ich geboren und in die Welt gekommen, daß Ich der Wahrheit Zeugnis gebe“15. Dazu empfing der „Sohn“ vom Vater „Macht über alle Menschen“, daß er allem, was ihm der Vater gab, „ewiges Leben“ gebe16. Dazu ist er in die Welt gesandt, daß die „Welt durch ihn selig“ werde17, selig durch die „Erlösung“18, die „Vergebung der Sünden“19, die „Friedens­stiftung“20, die durch sein „Blut“21 uns zuteil wird. Dazu kam er, „alles im Himmel und auf Erden wieder unter ein Haupt zu bringen“22, alles auf Erden und im Himmel mit Gott zu versöhnen23, „die zerstreuten Kinder Gottes zu sammeln und zu vereinigen“24, die „Scheidewand“ zwischen ihnen niederzureißen25 und sie „alle eins“26 zu machen, ein „Leib“27 und ein „Geist“28. Dazu kam er, daß die Jünger, die seinen Namen tragen, sich lieben lernen mit der unerhörten Liebe, die er in Wort und Opfertat der Welt vor Augen stellte, der sich selbst verschenkenden, sich bis aufs Blut opfernden Liebe29, und daß sie in dieser heiligen Bruderliebe „eins“ wer­den, gleichwie der Sohn eins ist mit dem Vater, ja „vollkommen eins“30, eine „Gemeinschaft der Heiligen“ auf Erden, die Vorbildung der seligen Liebesgemeinschaft ist, die das eigentliche Ziel und die ideale Erfüllung der Herrengemeinde auf Erden („Kyriake“) darstellt.

Das also heißt „Königtum Christi“: „Reich Gottes“, wie es in diese Welt­zeit gekommen ist durch die Inkarnation des ewigen Logos, durch die vom Gottes- und Menschensohn verkündete beseligende Frohbotschaft, durch den Opfertod des Erlösers am Kreuz, durch die geheimnisvolle Eintauchung aller Erlösten in das gottmenschliche Leben Christi (Taufe, Glaube, Eucha­ristie, Kirche), schließlich durch die hinieden begonnene und drüben zu vollendende „Gemeinschaft der Heiligen“, die Kirche Christi, in der das heilige Pneuma durch die Zeiten hindurch gnadenhaft fortsetzt, was Christus im Fleische begonnen.

2. Kirche und Reich Gottes

Damit rühren wir an das „Geheimnis“31 „Kirche“.

Es gehört zum ewigen „Geheimnis“ des fleischgewordenen Kyrios, daß dieser seinen, die ganze Welt durchwaltenden Auftrag–sein „Königtum“ – erfüllt in einer täglich neuen Verwirklichung seiner einmaligen „Fleisch­werdung“ durch den geisthaften „Leib“, in dem der verklärte Herr durch die Zeiten hindurch sichtbar und wirksam wird, den „Leib“, der „die letzte Vollendung dessen ist, der selbst alles in allem vollendet“32, die ekklēsía toũ kyríou, die „Gemeinde“ des Herrn, die „Kirche“.

Wie der Kyrios vom Vater seine „Sendung“ empfing, so gab und gibt er diese – durch den in ihr waltenden „Geist“, den er „vom Vater“ ihr bis ans Ende der Zeiten „sendet“33 – weiter in seine Kirche, die seine „Ge­sandte“, Vollmachtsträgerin und Willensvollstreckerin in dieser Weltzeit ist, da er selbst verklärt zur Rechten des Vaters thront. Diese seine Kirche ist nicht das „Reich Gottes“, aber in ihr und durch sie soll in dieser Weltzeit Reich Gottes, d. i. Königsherrschaft Christi, Wirklichkeit werden, soweit dies eben möglich ist in einer Welt, in der alles noch „Stückwerk“ ist und bleibt34 – eigentliche, volle Wirklichkeit wird das Reich Gottes erst, wenn der Kyrios als Richter seiner Kirche und der Welt wiederkommt, um den „neu­en Himmel und die neue Erde“35 zu begründen. Dann hat die sehnsuchtsvolle Adveniat-Bitte der pilgernden Kirche ihre eigentliche Er­füllung gefunden, indem nun der Wille des Vaters „wie im Himmel, also auch auf Erden“ vollzogen sein wird, das heißt eben, indem das „Reich“ oder die „Herrschaft“ Gottes volle Wirklichkeit geworden ist.

3. Der Begriff Kirche

Wenn von „Kirche“ die Rede ist, bedarf es einer genaueren Herausarbeitung dessen, was damit gesagt sein will, und zwar grundlegend auf Grund der – nicht „definierenden“ (abgrenzenden), sondern bildhaft beschreiben­den – Ausdrucksweise der Heiligen Schrift; diese Schau der Kirche haben die „Väter“ übernommen und entfaltet und die Theologen begrifflich weiterentwickelt, ohne bisher zu einer abschließenden „Ekklesiologie“36 gelangt zu sein. Es erweist sich, daß dabei von „Kirche“ in sehr verschie­denem Sinn, d. h. unter verschiedenem Gesichtspunkt, gesprochen werden kann und wird. Ein Rattenschwanz von Mißverständnissen kommt, insbe­sondere auch in der Auseinandersetzung mit den „Sondergläubigen“37 („Häretikern“) daher, daß nicht nur im Sprachgebrauch der einfachen Gläubigen, sondern vielfach auch der Theologen, oft in einem Satz das Wort „Kirche“ in verschiedener Bedeutung gebraucht wird.

Wir entfalten den Begriff „Kirche“ im Anschluß an eine zusammenfas­sende Aussage:

„Die Kirche ist die Gemeinde (4a) oder das Volk (4b) der von Christus dem Herrn zum Heil („Reich Gottes“) Gerufenen (1), in die Reichsgemein­schaft Auf genommenen (2) und in ihr lebenden (3) Menschen“.

a. Die in die Kirche Gerufenen

Ausgangspunkt der „Kirche“ ist der Ruf Gottes an die Menschheit, und zwar durch Christus den Erlöser. Um einen „Ruf“ handelt es sich; das sagt schon das Wort ekklēsía (von ekkaleín = herausrufen, zusammen­rufen). Das ist bedeutungsvoll: „Kirche“ entsteht nicht von „unten“, son­dern von „oben“, nicht durch einen „contract social“ (Rousseau), sondern durch die gnadenhafte Berufung von Seiten Gottes: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt …“38

Wie und an wen ist der Heilsruf Gottes an die Menschheit ergangen? Wer also ist als „Glied“ der Heilsgemeinschaft Gottes, der Kirche, von Gott gemeint?

„Vielfach und auf mannigfache Weise“ hat Gott zu den Vätern durch die Propheten gesprochen – so beginnt der Hebräerbrief. Der Verfasser denkt wohl bei den „Vätern“ und den „Propheten“ entsprechend seinen Adressaten zunächst an die besondere Heilsgeschichte des gnadenhaft „auserwähl­ten Volkes“ Israel. Aber das Wort gilt in viel umfassenderem Sinn. Die ganze Menschheitsgeschichte ist im Grund Heilsgeschichte, eine einzige „Heils­ökonomie“, eine von Gottes Weisheit und Liebe bestimmte, wenn auch von uns Menschen in den Einzelheiten nicht durchschaubare Heilsführung, in der alle Weisen und Seher, Philosophen und Dichter, Propheten und „Hei­lige“ aller Völker, von Gott her gesehen, ihre Funktion hatten, wenn auch vielleicht zunächst nur als Wecker einer Sehnsucht, die über den Alltag und die fließende Zeit hinauswies und hinausdrängte, als Künder einzelner Wahrheiten, die wie verstreute Lichtstrahlen auf die Sonne als ihre Quelle hinwiesen, in der einmal „das Licht“ der Menschheit erscheinen sollte. Das ist geschichtliches Ereignis geworden „am Ende der Tage“, da Gott „zu uns durch seinen Sohn geredet hat; ihn hat er zum Erben über alles gesetzt, wie er auch durch ihn die Welten geschaffen hat“39. Die ganze Menschheit ist gemeint von Gott mit seinem Heilsplan. „Gott will, daß alle Menschen selig werden“ (1 Tim 2,4). Und so hat Christus als Erlöser in der Tat für alle opfernd sein Blut vergossen40. Die „Welt41, die im zweiten Adam verkörperte Menschheit42, ist erlöst. „Es gefiel Gott, … durch ihn alles mit sich zu versöhnen …, alles auf Erden und im Himmel“43. Die ganze Menschheit ist daher auch von Gott gemeint mit dem Plan der „Kirche“, denn „in Christus wollte er alles im Himmel und auf Erden wieder unter einem Haupt zusammenfassen“44. Hier haben wir den universalsten Be­griff von „Kirche“, der „Kirche von Anbeginn“, zu der als „Auserwählte“ nicht nur je 12 Tausend aus allen 12 Stämmen Israels, sondern eine un­zählbare Schar aus allen Völkern, Stämmen, Rassen und Sprachen gehö­ren. Sind damit von dem Seher43 nur in einem prophetischen Blick in die Zukunft diejenigen gemeint, die durch die christliche Verkündigung im Lauf der Jahrhunderte oder Jahrtausende erfaßt werden und zum Reich Gottes finden? Oder meint Johannes auch Unzählbare aus der vor- und außerchristlichen Welt und Zeit? Mit O. Karrer (Das Religiöse in der Menschheit) und vielen namhaften Theologen meine ich, daß Gottes uni­versaler Heilswille sich nicht vom „Zufall“ der Heilsverkündigung beschrän­ken ließ und läßt, sich vielmehr auch in diesen „Außenseitern“ wirksam erwiesen hat und erweist, wenn wir auch die Wege und Mittel seiner heimholenden Gnade nicht kennen. Sie alle gehören irgendwie zur „Kirche Christi“, auch wenn sie vielleicht nie den Namen ihres Erlösers gehört, wenn sie nur nach dem Maß ihrer geistigen Aufnahmefähigkeit gewissens­mäßig nach der „Wahrheit“ gestrebt und sich ihr geöffnet und nach ihrer Gewissenserkenntnis gelebt haben. Wenn sie erlöst wurden, dann nur durch Christi Gnade, durch die Verbindung mit ihm, der „das Licht“40, „der Weg“47, „die Tür“48, „der Mittler“49 zum Heil ist, ohne den niemand zum Vater kommen kann60. Sind sie aber durch ihn in der seligen Gemein­schaft der Heiligen um den Thron des Lammes versammelt, um in der ewigen Liturgie das Dreimalheilig mitzujubeln, so waren sie auf Erden schon, wenn auch unsichtbar, Glieder seiner Gemeinde, der Kirche Christi51.

Hier haben wir den allgemeinsten, freilich irgendwie doch mehr uneigent­lichen Begriff von „Kirche“. Denn wenn diese unsere miterlösten Brüder auch die Berufung zum Heil mit uns teilen, wenn sie auch irgendwie in die heilige Reichsgemeinschaft Christi aufgenommen wurden – wenigstens die (entscheidende!) des ewigen Heils! – und dies doch auch irgendwie auf Grund eines „Lebens“ in dieser Heilsgemeinschaft, so war doch dieses Leben in der Wahrheit und Gnade Christi ein überaus unvollkommenes, eigentlich nur im geheimen Willensansatz gegebenes. Von „Volk“ und „Gemeinde“ – was doch die eigentliche Grundbestimmung der (ecclesia) ist – kann man bei ihnen kaum oder doch nur im uneigentlichen Sinn sprechen.

b. Die in die Kirche Aufgenommenen

Zum Glied der Kirche macht sich der einzelne nicht selbst. Er wird auf­genommen in die Reichsgemeinschaft durch den Herrn, gemäß den Auf­nahmebestimmungen, die der Kyrios aus seiner Voll-Macht festgesetzt hat. Im Neuen Testament ist es klar und unzweifelhaft ausgedrückt, wodurch diese Aufnahme in die Reichsgemeinschaft oder die Eingliederung in den „Leib“ vollzogen werden soll: durch eine Verbindung zweier Elemente, eines in die sinnliche Erscheinung tretenden äußeren, und eines in der Tiefe der Seele gründenden, im ersteren aber auch zutagetretenden inneren: Taufe und Glaube. Wenn man die Offenbarungsurkunden der Schrift52 auf sich wirken läßt, kommt man zur Feststellung, daß die beiden Elemente so wesentlich miteinander verbunden sind, daß sie geradezu füreinander stehen können als Synonyma; man könnte geradezu sagen: die Taufe ist der grundlegende Glaubensakt, der Glaube ist das Wesen der Taufe. Im Zeitalter der Säuglingstaufe ist uns das Gefühl dafür etwas verlorengegan­gen, daß die Taufe nicht nur ein Eintauchen53 in Wasser ist, sondern fast mehr noch als Eintauchen in den Heiligen Geist durch den seligmachenden Glauben an den dreieinigen Gott gedacht ist. Was in der heutigen Taufpraxis meist mehr formelhafte54, wenn auch in sich tiefbedeutsame Zeremonie ge­worden ist, das bedeutete einmal eine Lebensentscheidung ohnegleichen – in den Hochzeiten der Kirche z. Zt. der Christenverfolgungen sehr oft ein Lebenswagnis! –, das laute Abschwören gegenüber dem Fürsten der Fin­sternis und seinem „Pomp“ und Anhang, und das feierliche dreimalige Bekenntnis des Glaubens auf die Fragen: „Glaubst du an Gott Vater …?Glaubst du an den Sohn und Erlöser ...? Glaubst du an den Heiligen Geist und seine Kirche …?“ Auf dieses Bekenntnis jeder der drei göttlichen Personen hin erfolgte ja das Untertauchen ins Wasser, das das vollkom­mene Untergehen und das Eingehen in das geheimnisvolle Leben des Be­kannten zum Ausdruck brachte, das „Sterben“ des alten Adam und das Aus-dem-Grab-Auftauchen zu „neuem Leben“56; das war die Taufe in ihrer ursprünglichen Form56, es war Abschluß des Lebens in der „Finster­nis“ des „Fleisches“ und „Erleuchtung“, „Versetztwerden in das Reich“ des „Lichtes“51, das in diese Welt gekommen ist, um „jeden Menschen zu erleuchten“58. Und dieses „Licht“ – Christus – ist das „Leben“59, in das der „Sterbende“ und nun „Wiedergeborene“60 eintaucht, das „ewige Le­ben“, das vom Vater durch den Sohn im Heiligen Geist gegeben wird je­dem, der als „Glied“61 in den geheimnisvollen „Leib“62 aufgenommen wird, dessen „Haupt“63 der Herr ist: eben seine „Kirche“.

„Glaube“ ist die andere Seite dieser Aufnahme in die Reichsgemeinschaft, die Antwort des Heilsuchenden auf das Heilsangebot,ursprünglich irgendwie Voraussetzung64 der Taufe, zugleich aber, in der heutigen Säuglings­taufe regelmäßig, die aus der Taufe sprießende Frucht. Kein Zweifel, daß die Wasser der Taufe „umsonst“ über den geflossen sind, der seine Seele nicht dem Glauben erschließt, sobald bzw. soweit er dazu (in der natürlichen organischen Entwicklung) die Möglichkeit erhalten hat. Und dies in einem „Glauben“, der nicht bloß ein Memorieren von Antworten auf Katechismusfragen ist, vielmehr ein Sich-erleuchten-Lassen vom „Licht“, das in der Taufe in der bislang heidnischen, d. i. gottfernen Seele, entzündet wurde, ein liebendes Sich-Hingeben65 an das göttliche Leben, das in der Taufe als „Keimling“ (spér­ma)66 in die Seele eingesenkt wurde, ein Ent­falten dieses Lebenskeimes im religiösen und sittlichen Leben des Alltags. Gottes Gnade mag diesen persönlichen Glauben ersetzen bei dem in der „Taufunschuld“ sterbenden Kind, das noch keiner persönlichen Lebensent­scheidung von Ewigkeitstragweite fähig war; wo die Fähigkeit dazu ge­geben war, wird diese Entscheidung gefordert als unbedingte Vorausset­zung der tatsächlichen Heilswirksamkeit der Taufe. „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“, sagt der Verfasser des Hebräerbriefes67, und das Tridentinum zitiert dieses Wort zustimmend als von grundlegender Bedeutung. „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird selig“, sagt der Herr nach Markus 16,16 – das Glauben steht hier geradezu vor der Taufe – „wer nicht glaubt, wird verworfen werden“ –, es ist bedeutungsvoll, daß trotz der Betonung der Heilsnotwendigkeit der Taufe im ersten Glied des Satzes im zweiten Teil des Heilandswortes nur der Glaube genannt ist; wir dürfen dabei daran denken, daß das Votum sacramenti, das (wenn auch nur unbewußte) Heilsverlangen („Glaube“) von Gott schon mit der Gna­denwirkung der Taufe gesegnet wird.

„Ein Glaube! Eine Taufe!“ nennt der Apostel68 zusammen. Sie sind immer zusammenzusehen als Bedingungen und Wirkursachen der Aufnahme in die Reichsgemeinschaft Christi.

Im äußeren Rechtsbereich ist der „Glaube“ als innerer Akt nicht kontrol­lierbar. So hält sich das kirchliche Recht vor allem an das sichtbare (und wirksame) Zeichen der heiligen Taufe. So sagt das Kirchliche Rechtsbuch (can. 87): „Baptismate constituitur homo persona … in Ecclesia Christi“. Die Taufe ist das Konstitutiv der rechtlichen Gliedschaft in der Kirche. Und nun ist es wichtig und wesentlich, daraus die bedeutsame Folgerung zu ziehen: Wer gültig getauft ist, ist damit in die Reichsgemeinschaft Chri­sti, in die Una, sancta, catholica et apostolica Ecclesia aufgenommen. Es ist dies nicht eine Privatmeinung, sondern die Folgerung, die auch das kirch­liche Recht zieht, das alle grundsätzlich dem kirchlichen Recht unterworfen sieht, die gültig getauft sind, gleichviel ob sie – etwa als Kinder von außerhalb der Gemeinschaft mit Rom stehenden Christen – außerhalb der aktiven kirchlichen Gemeinschaft stehen69. Die Folgerung muß gezogen werden, wenn es wahr ist, daß die Taufe einen „Character indelebilis“, ein unauslöschliches Mal, in die Seele einprägt, durch das eben das beson­dere Eigentums- und Herrschaftsrecht Christi an dem Getauften (die „Glied“schaft in Seinem „Leib“!) ein für allemal begründet wird. Wenn der Getaufte freilich seinerseits nicht zum äußeren Sakrament den persön­lichen Glauben hinzugibt – nach dem Maß seiner Gewissenserkenntnis! –, so wird die Gnadenwirkung des Sakraments nicht lebendig, so daß der Getaufte ein welkes, ja gleichsam in der Knospe erstorbenes Glied des Organismus wird – das Bild stimmt freilich nicht ganz, denn es steht die­sem (scheinbar erstorbenen) Glied die Möglichkeit offen, sich jederzeit in den Blutkreislauf des Leibes Christi einzuschalten und somit die Taufe (wieder)70 wirksam zu machen; die Taufe braucht nicht, ja darf nicht wie­derholt werden, wie dies notwendig wäre, wenn die Gliedschaft vollstän­dig erloschen gewesen wäre71.

Wenn vom „Glauben“ dabei die Rede ist, so ist es nötig, noch einmal zu betonen, daß es hierbei nicht um die Korrektheit der Erkenntnis- und Be­kenntnisbegriffe geht, sondern um die grundlegende Anerkennung des Herrenrechtes Christi, die Hingabe an ihn in (wenigstens keimhafter) Liebe und tätigem Leben. Es ist ausdrücklich Lehre der Schrift: Wer Chri­stus als den Herrn anerkennt – das kann nur „im Geiste“ geschehen –, wird auch von ihm anerkannt, d. h. eben, ist Glied seiner Kirche72.

Und die Kirche nimmt auch selbst keinen anderen Standpunkt ein73: Sie weigert das Heil – zu dem man durch die Kirche bzw. „in“ der Kirche kommen kann: Extra Ecclesiam nulla salus! – denen nicht, die bona fide außerhalb der aktiven kirchlichen Gemeinschaft stehen. Pius IX., gewiß kein der Nachgiebigkeit verdächtiger Nachfolger Petri, hat 1854 gegen­über dem religiösen Indifferentismus scharf hervorgehoben, es wäre ein verderblicher Irrtum, das ewige Heil für die zu erwarten, die „in keiner Weise“ der katholischen Kirche zugehören, fährt aber dann fort: „Es ist auf gleiche Weise festzuhalten, daß jene, die in Unkenntnis der wahren Religion74 befangen sind, wenn ihre Unkenntnis unüberwindlich ist75, deshalb in keine Schuld vor Gott verwickelt sind. Wer möchte so vermes­sen sein, sich zuzutrauen, er könne den Umfang dieser Erkenntnis an­geben angesichts der verschiedensten Völker, Länder, Veranlagungen und so vieler Momente ..Und 1863 sagt der gleiche Papst in einer Enzyklika: „Es ist selbstverständlich, daß jene, die in unüberwindlicher Unkenntnis unsere Religion nicht kennen, aber dabei das natürliche Sittengesetz und die von Gott in alle Herzen eingeprägten Gebote halten und die, zum Gehorsam gegen Gott bereit, ein ehrbares und rechtes Leben führen, – daß diese wohl imstande sind, durch die wirksame Kraft der göttlichen Gnade und des himmlischen Lichtes zu dem ewigen Leben zu gelangen. Denn Gott, der aller Menschen Sinn und Herz, Gedanken und Verhalten vollkommen kennt und sieht, kann es bei seiner unendlichen Güte nicht zulassen, daß irgendeiner verlorengehe, der nicht die Schuld einer frei­willigen (persönlichen) Sünde auf sich hat“™.

c. Die in der Kirche Lebenden

Die Aufnahme in die Reichsgemeinschaft Christi begründet eine echte und wurzelhaft unverlierbare Gliedschaft in der Kirche Christi. Freilich ist diese Gliedschaft heilswirksam nur nach Maßgabe des Lebens aus den Wurzelkräften dieser Gliedschaft heraus, aus Gnade, Glau­be, Liebe her­aus. Denn dieses Leben „in Christus“77 bzw. „Christi in uns“78 ist der eigentliche Sinn und das Ziel der Kirche, die Wurzel, aus der als Frucht die Gliedschaft in der ewigseligen Lebensgemeinschaft des „Himmels“ erwachsen soll.

Leben in Christus! Leben aus dem Glauben, aus der Gnade, aus der Liebe! Das hat so viele Weisen und Grade, als es Menschen gibt. Und so könnte man auch, und mit Recht, sagen, daß die Kirchengliedschaft einen vom individuellen Sein und Leben des einzelnen abhängigen, ganz verschieden­artigen Charakter annimmt. Immerhin kann man nach gewissen grund­legenden Gesichtspunkten bedeutsame Gruppen unterscheiden: Das „Le­ben“, um das es bei der Kirchengliedschaft geht, wird vor allem durch drei Momente bestimmt: a) den inneren „Geist“, b) die kirchlich-sakra­mentale Betätigung, c) das religiös-sittliche Leben. Die harmonische Voll­entfaltung des Lebens nach diesen drei Richtungen macht wohl den „voll­kommenen“ Christen, den „Heiligen“ (im heutigen Wortsinn) bzw. das eigentliche Gliedsein im „Leib“ Christi aus.

Nach außen werden nur die beiden letzteren Momente ganz offenbar. Es ist feststellbar, ob jemand am „kirchlichen (Gemeinde-)Leben teilnimmt, ob er seine „religiösen Pflichten“ erfüllt, den öffentlichen Gottesdienst besucht, die Sakramente empfängt, seine Kirchensteuer bezahlt usw. Es wird auch mehr oder minder offenbar, ob und inwieweit jemand in sei­nem persönlichen Leben das göttliche Sittengesetz achtet und erfüllt, die christlichen Tugenden verwirklicht. Aber die Seele dieses nach außen in die Erscheinung tretenden Lebens bleibt doch unsichtbar und ist durchaus nicht immer mit Sicherheit feststellbar. Aber nur von dieser Seele, dem We­senskern seines Lebens, hängt im letzten ab, ob in der Tat und inwieweit das Leben Christi von ihm Besitz ergriffen hat, d. h. wieweit er wirklich lebendiges „Glied“ seines „Leibes“ genannt werden kann. Und diese „Seele“ ist der in Liebe tätige Glaube oder die aus dem Glauben lebende Liebe19. Der von der Liebe Christi erfüllte Mensch wird ganz von selbst – auch ohne Kirchen-“Gebot“ – sich gedrängt fühlen, nicht nur in seinem Herzenskämmerlein zu Gott zu beten, sondern auch mit der Gemeinde zusammen die „Eucharistia“ zu pflegen in gemeinsamer Anbetung, in Psalmen, Lobliedern und geistlichen Gesängen80, in gemeinsamem Lau­schen auf Gottes Wort und gemeinsamer Verwirklichung seiner heiligen Gnadengeheimnisse81; er wird die kirchliche Autorität anerkennen, von der er weiß, daß der Herr sie bestellt hat, an seiner Statt die Herde zu „weiden“82; er wird daher willig und vertrauend auf die Führung des Heiligen Geistes sich, ihrer Leitung unterwerfen in allem, was ihres Amtes ist; er wird seine „Steuer“ nicht als eine Last bezahlen, sondern als will­kommene Gelegenheit, auch seinen materiellen Beitrag zum Aufbau der Gemeinde des Herrn83 zu leisten. Er wird vor allem danach streben, in der Heiligung seines Lebens die Früchte des Heiligen Geistes84 zu gewinnen und in seinem ganzen Alltag das Licht Christi leuchten zu lassen, daß die Menschen an den Christen gute Werke sehen und den Vater im Himmel erkennen und preisen …,85. Es wird dabei – gemäß der Gebrechlichkeit und erbsündlichen Gebrochenheit der menschlichen Natur – auch in vielem versagen86; ja es mag sein, daß sein nach außen in die Erscheinung treten­des Leben durchaus nicht die strahlende und anziehende Schönheit zeigt, die dem Leben Christi in ihm wohl entsprechen möchte; vielleicht hat er eine ungünstige Erbmasse in die Wiege gelegt erhalten, eine unharmoni­sche Veranlagung, ein ungünstiges Temperament, schwache Nerven usw. So mag er vielleicht vor den Menschen gar nicht in besonderem Ansehen stehen – sieht das Auge Gottes in seiner Seele Grund die heilige Liebe als letzte lebensbestimmende Triebkraft87, so ist er vor ihm ein „Heiliger“ und Auserwählter im Vollsinn des Wortes. Und wenn er vielleicht infolge äußerer Verhältnisse von allem sakramentalen Leben abgeschnitten wäre88, alle Liturgie entbehren müßte, die Gnade Gottes strömte ihm als durch die Liebe lebendigem Glied seines Leibes in nicht geringerem Maß zu89 als irgend einem andern.

Und umgekehrt! Das kirchliche Praktizieren macht noch keinen zum echten Glied der Kirche, wenn die Seele dieses Tuns nicht die Liebe Christi ist. Dieses Gewohnheitschristentum, das nur aus Tradition zufolge des geistigen Trägheitsgesetzes die „kirchlichen Pflichten“ erfüllt, das mit den Lippen Gebete plappert, indes das „Herz weitab“ von Gott ist, das seine Kirchensteuern mürrisch bezahlt, aber innerlich in keiner Weise an Gottes heiliger Kirche interessiert ist, dieses Christentum aus selbstsüchtiger Le­bensversicherung, das Gott wie einen zur Sicherung des Lebens benötigten Schutzmann behandelt, oder als einen Kaufmann, mit dem man einen Krämerhandel abschließt – wahrlich, das hat mit der „Kirche“ im letzten wenig zu tun; ob es vor Gott einmal einen gnädigen Richter findet, ist immerhin sehr fraglich90. Und diese bürgerliche Wohlanständigkeit und ebenso die kirchliche Korrektheit, die wie jener Pharisäer mit selbstgerechter Verachtung auf die „andern“ herabsieht, die „Zöllner“ und öffentlichen „Sünder“, sie macht vor Gott noch nicht zum „Christen“, auch wenn dieser eine Mitra trüge. In der (unsichtbaren) heiligen Rangordnung der Kirche Christi, wie sie beim Gericht einmal offenbar werden wird, werden auch „die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein …“91.

Was also ist der Maßstab, mit dem zu messen ist? Das entscheidende Kriterium der Gliedschaft in der Kirche als dem Leib Christi? Nicht das äußere, sondern das innere Leben, das nur von Gott sicher gerichtet werden kann: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Und damit ist gesagt, daß die Kirche letztlich ein Geheimnis92 bleibt, das nie in dieser sichtbaren Welt sich voll erschöpft, das nicht in ihr, sondern in der andern Welt ihre Wurzeln hat93, und daß sie, die sichtbar in diese Welt eintritt und die Gliedschaft der einzelnen in ihr sichtbar begründet, doch in letzter Wesenstiefe unsichtbar94 ist wie der Gottmensch, den sie in dieser Zeit darstellt, unsichtbar ist in seinem göttlichen Wesen, das seine gottmenschliche Persönlichkeit begründet.

Bei solcher Überlegung leuchtet auf die bedeutungstiefe Wahrheit, jene Erkenntnis, der Augustinus Ausdruck gab, wenn er von der Kirche sagte, daß viele drinnen sind, die in Wahrheit (= vor Gott) draußen sind, viele draußen, die vor Gott als Glieder der Kirche der Auserwählten gelten. Erst das letzte Gericht erweist vor der Welt, wer von den vielen „Berufe­nen“ „auserwählt“, d. i. im letzten Glied der Kirche war und ist.

d. Kirche als Gemeinde und Volk

Die Kirche ist und bleibt in ihrer letzten Wesenstiefe ein unsichtbares „Mysterium fidei“. Und doch ist sie zugleich – darin durchaus eine echte Darstellung des Gottmenschen – für diese Weltzeit als eine sichtbare Ge­meinde95 von Christus gewollt und begründet.

„Gemeinde“, „Volk Gottes“ ist die Kirche. Es ist wahr, man kann sich ein „Volk“, eine „Nation“ auch denken ohne äußere Organisation, ohne

„Staat“ – der „Nationalstaat“ ist ja bei uns noch nicht viel mehr als ein Jahrhundert an die Stelle der „Kulturnation“ getreten. Aber es liegt doch so sehr in der Natur des Volkes, daß es sich auch in der geordneten „Volks­versammlung“ – das ist ja geradezu der Sprachbegriff von „Ecclesia“ zur Zeit Christi – darstellt, daß es in geordneter Staatlichkeit sich verwirk­licht. Und eine „Gemeinde“ ohne „politische“ Ordnung, ohne Ämter, Ver­fassung und Gesetz ist nicht denkbar. So gehört – zunächst einmal ganz abgesehen von den dies bestätigenden Aussagen der Offenbarungsur­kunden – zur Integrität der Gemeinde Christi, des Volkes Gottes, vom Wesen her irgendeine Rechtsorganisation, so sehr es wahr ist, daß bei der Reich-Gottes-Gemeinde der tragende Grund nicht das Recht, sondern die Liebe96 sein muß. In der Tat erweisen es die Offenbarungsurkunden als Willen Christi und seiner Apostel, seiner Gemeinde einen solchen äuße­ren Halt durch Amt und Verfassung zu geben, mag immerhin Amt und Charisma nicht in so weitgehender Scheidung gedacht gewesen97 sein, als dies in der Geschichte schließlich zutage getreten ist. So wird man, wenn auch gewiß mit Einschränkungen gegenüber dem heute üblichen Sprach­gebrauch, sagen müssen, daß die Kirche Christi auf den Felsen Petri ge­stellt ist im Willen Christi, eine die Einheit der Kirche gewährleistende Gesamtführung einzusetzen, unbeschadet der „plenitudo potestatis“, die den Nachfolgern der Apostel in ihren Kirchensprengeln ebenso zukommt im Einvernehmen mit dieser Gesamtführung.

4. Der Wesenscharakter der Kirche auf Grund ihres Selbstverständnisses

Und so bestehen die beiden, sich scheinbar ausschließenden Feststellun­gen zu Recht:

„Die Kirche Christi ist die von Christus begründete Gemeinde all derer, die durch die Taufe in seine Reichsgemeinschaft auf genommen wurden und führt all ihre Glieder zum Heil, soweit sie in gläubiger Liebe Christus als Herrn ihres Lebens anerkennen“ und: „Die Kirche Christi ist die Una sancta catholica et Apostolica Ecclesia unter der Führung des römischen Papstes und der mit ihm in Verbindung stehenden Bischöfe, die von Christus bestimmte Anstalt zur Vermittlung des Heils durch sein Wort und Sakrament.“

„Credo in a) Unam b) Sanctam c) Catholicam d) Apostolicam Ecclesiam.“ Mit diesen 4 Grundbezeichnungen des Symbolums drückt die Kirche Christi ihren Wesenscharakter auf Grund ihres Selbstverständnisses aus. Es lohnt sich, diesen 4 Begriffen nachzudenken, und zwar bzgl. ihrer Sinnmeinung und ihrer konkreten Verwirklichung. Es ergeben sich daraus neben wei­terer Klärung des „Geheimnisses“ Kirche die wichtigsten Folgerungen.

a. Una

„Una“! Schon dieses erste Wort zur Wesensbezeichnung der Kirche ist von außerordentlichem Sinnreichtum, der durchaus nicht immer erkannt wurde und wird. „Eine“ Kirche! Im Deutschen ist das Wort mißverständlich, da es auch als unbestimmter Artikel angesehen werden kann und vielfach – in der falschen Betonung beim Beten – auch angesehen wird. Genau das Gegenteil des Unbestimmten meint die lateinische wie die griechische Originalsprache, die einen unbestimmten Artikel nicht kennen: „die eine Kirche“ ist Gegenstand des Glaubens. „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“ ist darum die einzig mögliche Über­setzung.

Das „una“ hat also zunächst die Bedeutung von unica: es gibt nur eine einzige Kirche Christi trotz der vielen „Kirchen“ (= Gemeinden), in denen eben die eine Kirche sich darstellt98, trotz der vielen Kirchengemeinschaften, die in ihrer Vielzahl und Gegensätzlichkeit diese Grundtatsache des Glau­bens zu verdunkeln drohen.

Gemeinde Christi, Volk Christi, Kirche Christi ist ein für allemal be­stimmt durch den Heilswillen Christi, der die Menschheit erlöst und zum Heile gerufen, und der die einzelnen in seine Reichsgemeinschaft auf genom­men hat – eben durch die Taufe, mit der immer der in Liebe tätige „Glau­be“ zusammengesehen werden muß99. So drückt das „Una“ zunächst nicht eine Beschränkung, sondern gerade im Gegenteil eine Ausweitung des Raumes der Kirche Christi aus – wobei immer bedacht werden muß, daß das Wort Raum der Kirche insofern unangemessen ist, als die Kirche Christi nicht „von dieser Welt“ ist und daher nicht von ihren Kategorien des Raumes und der Zeit her gesehen sein will, sondern eine geistig-geistliche Größe, eben ein Mysterium ist.

„Kirche“ geht jedenfalls über den Raum dieser Erde hinaus. Es gehört wesentlich zum Begriff der „einen“ Kirche, daß die „heimgegangenen“ Brüder und Schwestern noch immer in der „Gemeinschaft der Heiligen“, d. i. der Kirche, stehen; erst die kämpfende (oder „pilgernde“) und die „leidende“ und „triumphierende“ Kirche zusammen bilden die Kirche Christi.

Wenn schon von der räumlichen Ausdehnung der Kirche gesprochen wer­den soll, so müßte man sagen: der Raum der Kirche Christi ist so weit als der Herrschaftsanspruch oder die Herrschaftsverwirklichung Christi – wir sagten schon, daß im Gegensatz zum allumfassenden Herrschaftsanspruch Christi die Verwirklichung desselben nach Gottes Plan in den Raum des freien Willens gestellt und daher in unzähligen Weisen und Graden Tatsache geworden ist bzw. wird. Insoweit immerhin der einzelne Christ, der vom Herrn in seine Reichsgemeinschaft einverleibt wurde, wenigstens das ihm geschenkte „Leben“ – wir würden heute sagen: die „heiligmachende Gnade“ – bewahrt, gehört er nicht bloß zufolge des ge­gebenen Herrschaftsrechtes Christi, sondern auch auf Grund einer, wenn auch vielleicht sehr unvollkommenen Herrschaftsverwirklichung zur Kirche Christi, d. i. der Una Sancta Catholica Apostolica.

Wenn die Lebensherrschaft Christi in seiner Kirche bzw. die Lebensdurchherrschung im einzelnen Christen nicht so verwirklicht ist, wie dies dem Willen des Herrn entspräche, so hat dies zwei Gründe: die Sünde und die menschliche Unvollkommenheit, die um der Klarheit willen unterschieden werden müssen, wenn sie auch im tatsächlichen Leben durchaus nicht rein­lich voneinander scheidbar sind.

Die Sünde in all ihren Formen, als Gedanken-, Begierde-, Tat- und Unterlassungssünde, bedroht die Verwirklichung des Reiches Gottes und Chri­sti. Sie hindert und mindert die Erfüllung des Willens Gottes, so daß dieser auf Erden, auch im Raum seiner Kirche, nicht in der Vollkommen­heit geschieht wie im Himmel100. Ja als „Todsünde“101 entthront sie ge­radezu den Herrn und liefert das Leben seinem Widersacher, dem Anti- Christus aus. Stolz und Wollust verschließen der Saat des Glaubens den Boden oder lassen die oberflächlich aufgenommene Saat ersticken und ver­dorren102. Weltverhaftung läßt keinen Raum für die Hoffnung, auf das kommende Reich des Herrn. Und alle Ichbesessenheit verwehrt der Liebe das Recht, der Liebe zu Gott und der aus ihr erfließenden Dienstwillig­keit und Barmherzigkeit gegenüber dem Nächsten, die im Grunde eins sind103. Welch ein Wunder geschähe in der Welt, wenn die Jünger Christi, erfaßt vom Glauben an ihren Erlöser, erfüllt von der Hoffnung auf den neuen Himmel und die neue Erde, eins wären in der Liebe und so ihr Reich104 verwirklichten auf Erden! Wahrlich, da erfüllte sich die Bitte des Herrn105, daß solche herrliche Einheit der Kirche Christi die Welt zum Glauben führte an die Sendung Christi durch den ewigen Vater. Ein Traum …! Die Sünde steht seiner Wirklichwerdung, der Einheit, im Weg, wie diese umgekehrt sich von selbst ergäbe, wenn die Herrschaft Christi im Leben der Seinen verwirklicht wäre …

Gewiß, es ist durchaus nicht immer die Sünde der Bosheit! Die menschliche Armseligkeit und Schwäche ist kraft der Erbsünde so groß, daß damit gar nicht gerechnet werden kann, hier auf Erden schon das „Reich“ so dar­zustellen, daß es als leuchtende Stadt auf dem Berge106 jeden überzeugen und an sich ziehen müßte. Und das in der Welt wirkende „Geheimnis der Bosheit“107 läßt die Hoffnung noch aussichtsloser werden, daß je einmal die „pilgernde Kirche“ anders als im Bettlergewand durch die Lande gehe, so die Welt immer wieder neu auf eine wahre Glaubensprobe stellend. Nicht als ob durch diese nüchterne Feststellung die Schuld der Christenheit am Zustand der „Welt“108 auf ein unentrinnbares „Fatum“ geschoben, als ob die Verantwortung der Kirche dadurch verringert und ihre Aufgabe aufgehoben wäre, für den Herrn als „Licht der Welt“ zu zeugen. Aufgabe und Verantwortung bleiben der Kirche, auch wenn sie darum weiß und wissen muß, daß sie in ihrer Gebrochenheit immer hinter dem Ziel Zu­rückbleiben muß, das ihr gesteckt ist und bleibt, so daß sie immer der demütigen „Buße“ bedarf und auf die allerbarmende Gnade Gottes an­gewiesen bleibt109. Gott allein weiß, wie weit solches Zurückbleiben hinter dem „Ideal“ zurechenbare und zugerechnete „Schuld“ der Kirche und ihrer Glieder ist, wieweit es in der nun einmal gegebenen Unzulänglichkeit und Unvollkommenheit der menschlichen Natur begründet liegt.

Einheit der Liebe! Das ist die Einheit des Heiligen Geistes schlechthin110, der ja das „Band der Liebe“ ist. Sie wäre gegeben, wenn alle Glieder der Kirche durchdrungen wären von dem Glaubensbewußtsein, daß sie Glieder an dem einen Leib Christi sind, und daß es sinnwidrig ist, daß ein Glied dem andern widerstreite111. Es ist nicht nur das mangelnde oder unent­wickelte und daher unwirksame Glaubensbewußtsein, was diese allumfas­sende Liebesgemeinschaft nicht zur Auswirkung kommen läßt, deren Zutagetreten einstmals der überzeugendste „ad Hominem“-Beweis der Göttlichkeit des Evangeliums für die Heiden war112. Natürliche Gegeben­heiten aller Art bedrohen die Wirkkraft dieser Idee: die nationalen und sozialen und persönlichen Gegensätzlichkeiten treten stärker in die Sinne und durch sie ins Bewußtsein, während der Mensch dieser geheimnisvol­len letzten Tiefeneinheit nur in besinnlicher Stille glaubend „inne“ wird. So sehr also die Sünde diese Liebesgemeinschaft hindert – Unterlassungs­sünden sind wie für den einzelnen so für die Welt vor allem Schuld am Unglück! –, so wird ein wirklichkeitsoffener Mensch sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß die volle Verwirklichung dieses „Ideals“ über die Kräfte der durch die Erbsünde geschwächten menschlichen Natur hinausgeht und daher nie zu erwarten ist. Es „müssen Ärgernisse sein“, auch in der Kirche, aber wehe dem, durch dessen Schuld sie kommen113.

Wenn Christus der Herr in die Welt kam, um das Licht der Wahrheit in ihr aufleuchten zu lassen114, wenn seine Kirche von ihm als „Säule und Grundfeste der Wahrheit“115 gedacht war, so gehört gewiß die Einheit im Glauben wesentlich zu der „Una“ sancta Ecclesia.

Einheit im Glauben – was heißt das? Die Gemeinsamkeit gläubigen Vertrauens auf die Barmherzigkeit und Gnade des sündevergebenden Gottes (fiducia) ist gewiß schon eine die Gläubigen stark verbindende Einheit. Aber die heiligen Urkunden des „Glaubens“116 lassen darüber keinen Zweifel, daß auch die Einheit in der „res quae creditur“, in dem, was ge­glaubt (= für wahr gehalten) wird zu der vom Herrn gewollten, von den Aposteln betonten Einheit der Kirche hinzugehört. Freilich hebt die Schrift die gläubige Anerkennung Christi als des „Herrn“ vor aller andern Glau­benspflicht so stark hervor117, daß man doch bzgl. der Heilsnotwendigkeit des Wahrheitsglaubens eine gewisse Rangordnung gegeben sehen muß. „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen“, sagt der Verfasser des Hebräerbriefes118 und fährt fort: „wer Gott sich naht, muß glauben, daß Er ist und denen, die Ihn suchen, Vergelter ist“. Die Theologen sehen in diesen Worten die Formulierung der heilsnotwendigen Grundwahrhei­ten119, ohne deren Aufnahme ins Bewußtsein in der Tat irgendein „Glau­ben“ schon psychologisch nicht möglich erscheint. Aber heilsnotwendig ist darüber hinaus für den Jünger Christi, der ihn als Herrn im Vollsinn der Offenbarung gefunden hat, zweifellos auch die gläubige Annahme jeder einzelnen Wahrheit, die der Herr als Offenbarung verkündet hat – nicht unbedingt, wie die Theologen sagen, die explicite, die ausdrückliche Auf­nahme der einzelnen Wahrheit ins Bewußtsein, sondern die klare Willens­bereitschaft, die auf die grundsätzliche Anerkennung Christi als „der Wahrheit“ geht, womit implicite, „eingewickelt“, in dem grundsätzlichen Glaubensakt, die Anerkennung jeder einzelnen Wahrheit gegeben ist, bzgl. deren die Tatsächlichkeit der Offenbarung feststeht. Ist diese letztere bzgl. einer einzelnen Wahrheit dem Menschen bewußt geworden, so ist damit die gläubige Annahme auch dieser einzelnen Wahrheit für ihn heilsnot­wendig geworden, ohne daß er das Recht hätte, irgendeine Rangordnung bzgl. der Wichtigkeit der einzelnen Wahrheiten aufzustellen120. Wenn es die vom Herrn seiner Kirche übertragene Aufgabe121 ist, durch die Zeiten und Räume hindurch Zeugin und Künderin der geoffenbarten Wahrheit zu sein und als solche, in deren Hut, „Säule und Grundfeste der Wahrheit“, so wird es zu deren Aufgabe gehören, den Gesamtbestand der geoffen­barten Wahrheiten zu hüten122 und in der Welt zu predigen123. Und wenn es auch wahr ist, daß die Offenbarung des Neuen Bundes mit Christus ein für allemal gegeben ist, in dem die Fülle der Gottheit leibhaftig unter uns offenbar geworden ist124, so ist es doch ebenso von der Schrift be­zeugt, daß erst der „Geist der Wahrheit“ „alle“, d. i. die ganze Wahrheit, so offenbar machen wird, daß sie als solche richtig erkannt wird125, der „Heilige GEIST“, der der „Kirche“ verheißen ist, wohl auch den einzelnen Gläubigen in der Art, wie er es für sein persönliches Heil braucht126, aber vor allem der Gesamtheit und ihren besonders erwählten Organen127 für dieses universale Wahrheitsamt in Raum und Zeit. Nicht neue Offen­barungen zu geben, ist dabei das Amt der Kirche, nicht dazu hat sie den Heiligen GEIST als „Beistand“ empfangen, vielmehr die gegebene Offen­barung zu „bezeugen“; dazu gehört freilich auch, auf den Heiligen Geist zu hören, um in ihm Sinn und Inhalt jeder einzelnen Offenbarungswahr­heit klar zu erkennen; dieses Hören auf den Heiligen Geist wird vor allem auch darin bestehen, die „geistgehauchten“ Schriften128 unaufhör­lich zu befragen, um in ernster Prüfung festzustellen, was in den Urkunden der Offenbarung ausgesprochen ist; ebenso natürlich, was im Glaubens­bewußtsein der Gesamfkirche129 als (mündlich oder außerhalb der Bibel schriftlich) „überlieferte“ Offenbarung lebt – Einheit als Identität der Lehre für die Jahrhunderte. Es gehört gewiß zur Vollkommenheit der gott­gewollten „Einheit“ der Kirche Christi, daß die Gesamtheit der Gläubigen, der Christusjünger auf Erden, die Gesamtheit der Offenbarungswahrhei­ten kennt und anerkennt; es gehört darum auch zum Amt der damit be­trauten besonderen Organe der Kirche, Sinn und Inhalt der einzelnen Offenbarungswahrheiten gegen Irrtum abzugrenzen (de-finire) und so die Möglichkeit irrtumsloser Erfassung der Wahrheiten zu schaffen, ebenso schließlich um der Einheit des Glaubens willen von der (sichtbaren) Ge­meinschaft der Kirche diejenigen auszuschließen, die einer erklärten Offen­barungswahrheit130 widerstreiten. Nur wenn die Gesamtheit aller Jünger Christi in allem Heilsnotwendigen – und dazu gehören irgendwie alle Offenbarungswahrheiten – offenbar und geschlossen glaubens-eins ist, wird sie zum Zeugnis für die Heiden131 in dieser Welt. Die Exkommuni­kation einzelner oder ganzer Gruppen von Menschen erfolgt auf Grund äußerer, sichtbarer Tatbestände. Keinem Amtsträger der Kirche steht es aber zu, das Urteil über die innere Gewissensbeschaffenheit der einzelnen dem vorwegzunehmen, der allein die Tiefen der Herzen durchschaut132. So be­sagt die Exkommunikation nur die Unterbrechung der äußeren, sichtbaren Gemeinschaft, die Versagung der Gemeinschaft gegebenen und in ihr wirkenden zeichenhaften Gnadengeheimnisse133 – die Gnade Gottes selbst ist nur dem, freilich auch sicher, dem entzogen, der bewußt einer als solcher erkannten geoffenbarten Glaubenswahrheit den Glauben versagt, oder der bewußt dem von ihm als Vollmachtsträger Christi erkannten Amt und dessen Entscheidung den Gehorsam weigert. So mag es sein und wird es sein, daß selbst formell Exkommunizierte, wenn sie Gott als bona fide anerkennt, tatsächlich weiter zur – unsichtbaren134 – Kirche Christi, zur Una Sancta Catholica et Apostolica Ecclesia gehören und durch sie ihr ewiges Heil finden. Ganz sicher gilt dies von all denen, die ohne ihre Schuld135 außerhalb der sichtbaren Glaubenseinheit der Una Sancta ste­hen, aber gewissensmäßig klar darauf eingestellt sind, Christus als den Herrn, auch in seiner Offenbarung, anzuerkennen und in unverbrüchli­chem Glauben an ihn zu leben136.

Wir rühren damit an die Frage der Einheit der Verfassung und des Rechtes sowie des Kultes in der Kirche Christi. Gehört sie bzw. inwieweit gehört sie auch zu der von Christus gewollten, seiner Kirche als Grundgesetz mitgegebenen und darum heilsnotwendigen Einheit?

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, da uns die frühen Glaubensur­kunden keinen weitgehenden Aufschluß darüber geben. Wer unbefangen das Neue Testament durchgeht, muß anerkennen, daß Christus der Herr Petrus einen „Primat“, eine Vorzugsstellung vor den andern Aposteln, eingeräumt hat137, daß er ihm in besonderer Weise das Hirtenamt138 an­vertraut und ihm die „Schlüssel des Himmelreiches“ übergeben hat. Ob auch das ausgesprochene Glaubensbekenntnis Simons den Anlaß dazu gab, ihn als „Fels“ der Kirche zu bezeichnen – in der Namensänderung Si­mons – Petri, in dem Begründen („Bauen“) der Kirche auf diesen „Felsen“ wird man unbedingt den Ausdruck einer grundlegenden Funktion Petri in der Kirche Christi sehen müssen. Und wenn der Herr seinem Apostel verheißt, daß er auf Grund des Gebets seines Meisters139 den Glauben seiner „Brüder“ stärken soll, so ist damit wohl diese Funktion des Einheitsdien­stes angedeutet, die in der Geschichte in den Nachfolgern Petri immer stärker zutage getreten ist140. Selbst wenn man von der die Geschichte der Kirche letztlich durchwaltenden Kraft des Heiligen Geistes absehen würde, kann es vernünftigerweise keinem Zweifel unterliegen, daß der Herr diese Einheitsfunktion nicht nur zu Lebzeiten Petri für notwendig befunden hat; je mehr die Kirche sich entfaltete, um so dringlicher wurde ja die Aufgabe des „Einheitsamtes“. Und wenn auch kein „Beweis“ dafür aus der Heiligen Schrift geführt werden kann, daß Christus den „Felsen Petri“ so verstan­den hat, daß die Nachfolger Petri auf dem Bischofsstuhl in Rom in diese Funktion eintreten sollten, so darf doch die tatsächliche Geschichte der Kirche als Zeugnis dafür dienen, daß dies in der Willensmeinung Christi gelegen war, der als „Haupt“141 seines Leibes „alle Tage bis ans Ende der Welt“142 mit seiner Kirche verbunden, durch seinen Heiligen Geist in ihr wirksam gegenwärtig ist. Freilich haben bei der tatsächlichen Entwicklung des Primats bzw. der „verfaßten“ Kirche zweifellos auch natürliche, mensch­liche – auch allzumenschliche143 – Faktoren eine Rolle gespielt, so daß keinesfalls die jeweilige zeitbedingte und in ihrer Form wechselnde Art der Verwirklichung des „Primats“ einfachhin als kategorischer Wille des Herrn angesprochen werden darf. Wie bestimmte Zeitverhältnisse, z. B. der „Zen­tralismus“ der kirchlichen Rechtsverfassung, mehr oder minder zeitge­schichtlich geboten erscheinen ließen, so können andere Zeiten wiederum eine weitergehende Dezentralisation als Gebot der Stunde erfordern, ohne daß damit dem Prinzip Abbruch getan würde.

„Einheit in der Mannigfaltigkeit“ ist auch heute in der unter der Führung Roms geeinten Kirche gegeben – man denke nur an die verschiedenen Ost­kirchen, die zwar uniert aber doch weder dem Codex Juris Canonici noch der liturgischen Uniformierung der abendländischen Kirche unterworfen sind. Es steht keinerlei dogmatische Schwierigkeit einer ähnlichen Regelung für andere Gebiets“kirchen“ – etwa die in nordischen bzw. germanischen Landen – entgegen144. So heilsam in der „römischen“ Kirche die Vereinheitlichung der Liturgie sich im allgemeinen ausgewirkt hat, die „römische“ Kirche145 ist hierbei nicht einmal identisch mit der abendländischen; nicht nur der Osten, auch Mailand, Lyon, verschiedene Orden usw. haben ihre liturgische Eigenart erhalten, der Osten in all seinen verschiedenen Spra­chen. Und es wäre wiederum durchaus möglich, ja teilweise wünschenswert, daß die Mannigfaltigkeit in der Einheit entsprechend den besonderen na­tionalen Eigenarten der Völker ebenso ihren natürlichen Ausdruck fände wie die Einheit in der Mannigfaltigkeit. „In necessariis unitas! In dubiis libertas! In Omnibus caritas!“ Der klassische Grundsatz darf auf unsere Frage angewandt werden und besagt dann: Nur die grundlegende äußere Einheit ist von Christus dem Herrn angeordnet in der Einsetzung eines Hüters der Einheit für die Gesamtkirche; nur deren Bewahrung ist heils­notwendig. Wenn die Einräumung größerer Selbständigkeit und Frei­heit“148 für die einzelnen Volkskirchen in Recht und Liturgie der Ver­wirklichung der Einheit in Glaube und Liebe förderlich ist, mehr als ihr Gegenteil, so legt weise Liebe nahe, einer solchen großzügigen Einheit nach­zutrachten, statt die Zentralisierung in Uniformierungstendenzen so weit zu treiben, daß sie zum Hindernis der vom Herrn gewollten großen und wesentlichen Einheit der Kirche wird. Welch ein Jammer, daß z. B. die große und innerlich so reiche Ostkirche, bis auf die unierten Splitterkirchen, trotz der Glaubensgemeinschaft die Gemeinschaft des Brotbrechens mit der römischen „Mutter“-kirche nicht pflegt und pflegen darf – warum? Im wesentlichen, weil sie die „Herrschafts“ansprüche Roms fürchtet! Das dürfte in einer Herrengemeinschaft gar nicht in Frage kommen, der ihr Meister eingeschärft hat, daß, wer in ihr der Erste sein will, „Diener“ aller sein muß147, sehr zum Unterschied von allen weltlichen Gewalthabern, die ihre Macht zu ihrer eigenen Glorie und zur Vergewaltigung ihrer Un­tertanen mißbrauchen148. Die schwärende Wunde am Leib der „einen“ Kirche, die durch Auseinanderspaltung der östlichen und westlichen Patri­archate entstanden ist, bleibt ein Vorwurf für die Gesamtkirche, dessen Verantwortung viel ernster genommen werden müßte, als dies tatsächlich heute geschieht. Ähnliches gilt naturgemäß bzgl. der „reformierten“ Kir­chengemeinschaften, die freilich z. T. sich in einem Maße von der Glau­benseinheit getrennt haben, daß der Spalt nicht durchwegs überbrückbar erscheint.

Wie die Kirche Christi viel weiter ist als die als solche erkennbare sicht­bare Gemeinde, so ist auch die Einheit der Kirche nicht primär durch die sichtbare Einheit im Glauben bestimmt, sondern bleibt ein Glaubensge­heimnis. Und dies, obwohl es gewiß zum Willen Christi gehört, daß die Einheit sichtbar und dadurch überzeugend149 in die Erscheinung tritt.

Die überzeugendste und dem Willen Christi am meisten entsprechende sichtbar zutage tretende Einheit ist die eucharistische Tischgemeinschaft. Man ist versucht, in ihr geradezu das Wesen der Kirche und ihrer Einheit zu sehen in Anknüpfung an das Apostelwort: „Ein Leib (seid ihr), die ihr alle von einem Brote eßt“150. Denn die „Eucharistie“ ist ihrer innersten Bestimmung nach nicht nur „Gemeinschaft des Blutes (bzw. Leibes) Chri­sti“151, sondern Gemeinschaft des Blutes Christi und Darstellung seines „Leibes“.

In der eucharistischen Gemeinschaft, wie sie Christus wollte, verwirklicht sich der Doppelcharakter der Kirche: Gemeinschaft in Christus.

„Eucharistie“ ist Gemeinschaft des Lebens und Dankens, wie schon das Wort kündet – „einmütig wie aus einem Mund“152 –, sie ist gemeinsame Begehung des „einmaligen“ Lebensopfers Christi – „Verkündigung des Todes des Herrn“153; „memoria passionis, resurrectionis et ascensionis“ – und vor allem Mahlgemeinschaft als Wiederholung der Tischgemein­schaft im Abendmahlssaal gemäß dem Herrenauftrag („Brotbrechen“). Nicht einprägsamer kann die „Familie“ Christi154 zum Ausdruck kommen, als wenn sich alle „Hausgenossen Gottes“155 um den Tisch versammeln156, an dem der Hausvater den Seinen das Brot bricht. Ob die „Welt“ die Jünger Christi scheidet nach Geschlecht, Stand und Beruf, hier heißt es oft wirk­lich: „Jetzt gilt nicht mehr der Jude und Grieche, Sklave und Freier, Mann und Weib: ihr alle seid ja EINER in Christus Jesus“157, sind doch alle zu­sammen „Leib Christi“158, die einzelnen aber dessen Glieder159.

Ja, ihr seid „EINER“ (eis), weil Christus der „Friede“ ist, der die tren­nende Scheidewand niedergerissen und die Zwei zu einem neuen Menschen umgeschaffen hat160. Einer dadurch, daß die in der Taufe begründete Le­bensgemeinschaft mit Christus durch die geheimnisvolle Nahrung – „Fleisch“ und „Blut“ des Herrn181 – entfaltet wird, so daß ein wunder­sames Ineinander Christi und der Seinen entsteht: Er in uns und wir in ihm162. Hier ist überhaupt kein Raum mehr für irgendwelche Trennung; die „Einheit“ mit Christus wird so eng, daß auch die Gemeinschaft (ekklesia) wie der einzelne das kühne Wort des Apostels sprechen darf: „Ich lebe, doch nicht eigentlich ich: Christus lebt in mir“163. Auf diesem Boden wird erst verständlich, daß der Liebesjünger die Liebe zu Gott und Chri­stus vollständig in eins setzt mit der Bruderliebe164.

Wie grausam ist gegenüber dieser idealen die empirische Wirklichkeit! Die „in Christo“ lebenden „Heiligen“ haben die tiefste Liebesgemeinschaft untereinander nicht mehr, auf die gewiß in besonderer Weise das Wort des Herrn anwendbar ist: „Daran wird man erkennen, ob ihr meine Jünger seid, daß ihr einander liebt“165. Christus scheint in der Tat (nach „Kirchen“) „geteilt“166 zu sein. Ob die Tischgemeinschaft nicht mehr mög­lich ist, weil die Glaubens- und Liebesgemeinschaft zerfiel? Oder ob die Glaubens- und Liebesgemeinschaft verlorenging, weil die eucharistische Gemeinschaft nicht mehr so gepflegt wurde, wie sie der Herr meinte? Es wird auch hier kein einfaches „Entweder-oder“ gelten, sondern das „Sowohl-als-auch“! Sicher ist, daß Zeremonialisierung und damit Formalisierung des eucharistischen Mysteriums eine Mitschuld trägt daran, daß der Gemeinschaftscharakter der Eucharistie so wenig mehr zutage tritt und damit dem Bewußtsein auch entschwindet, was eben durch sie immer neu zeichenhaft, d. i. „sakramental“ „verkündet“ werden soll.

Diese Einheit der Kirche, wie sie in der eucharistischen Mahlgemeinschaft besonders sinnfällig zum Ausdruck kommt, hat keine Grenzen in Raum und Zeit. Sie verbindet in letzter brüderlicher Gemeinschaft reich und arm167, hoch und niedrig, gebildet und ungebildet, Herrn und Knecht168, Griechen und Juden, Weiße und Neger169 ohne Unterschied170 „in Chri­stus“, ohne die natürlichen Gegebenheiten aufzuheben171. Diese Einheit hebt Gegenwart und Vergangenheit auf, vielmehr sie stellt alle Zeiten, alle „Heiligen“, die in das Leben Christi eingegangen sind, in die leben­dige Heilsgegenwarf Christi172, die pilgernde178, die verklärte und die der Verklärung harrende Schar der Christusgetreuen ist eine einzige communio sanctorum174: die irdische Liturgie ist nur eine Vorübung der himmli­schen, an der sie schon teilnimmt175, indem ein geheimnisvoller „Bote“ die „Gebete der Heiligen“ zum „sublime altare ante conspectum divinae Majestatis“ emporträgt – die (sekundäre!) „Gemeinschaft der Heiligen“, d. i. die geistliche Güter- und Hilfsgemeinschaft der drei „Sphären“ der einen Kirche ist nur ein natürlicher Ausfluß der primären Lebens- und Liebes­gemeinschaft, die in der eucharistischen Lebensgemeinschaft mit Christus ihren Seinsgrund hat.

Soll ich die „graue“ Wirklichkeit der empirischen „Kirche“ vergleichen mit dem kategorischen Imperativ, der in ihrem Wesensgrund liegt? Im Dogma der Kirche lebt das Bewußtsein dieser vom Vater über den Sohn im Heiligen Geist strömenden Einheit wohl weiter, aber der Alltag der Christen verrät den „lebendigmachenden Geist“ allzuwenig. „Kirche“ ist nicht eine ideale Gegebenheit, sondern bleibt Aufgabe für alle Jünger Christi, daß die eine Kirche als eine, heilige offenbar werde zum Zeugnis für die Welt.

b. Sancta

Una Sancta! Wenn wir heute von der „heiligen“ Kirche sprechen, so stellt sich dabei bei den meisten zunächst die Vorstellung der sittlichen Voll­kommenheit der Kirche (d. i. der Christenheit) ein. Es ist aber dieser Be­griff der Heiligkeit zwar kein unrichtiger aber ein sekundärer. Die Kirche Christi ist nicht „heilig“, weil sie sittlich vollkommen ist, sondern sie soll rein und ohne Makel sich dem Herrn darstellen176, weil sie „heilig“ ist, d. h. dem Herrn zugehört177.

„Heilig dem Herrn“ ist zwar die ganze Erde, die Gottes Schöpferhand entstammt, aber in ganz besonderer Weise die menschliche Gemeinschaft, auf die Gott seine Hand gelegt178, die er berufen hat, ein „Lob seiner Herr­lichkeit179 zu sein, die Kirche, die als „Braut“ dem einen Mann „verlobt“ ist: Christus180, die daher in bräutlicher Hingabe sucht, was „ihres Herrngemahls ist“181. Die Liebe trägt ihr Gesetz in sich. Ohne „Gebot“ sucht sie das Wohlgefallen des Geliebten. Was dem „Bräutigam“ der Kirche ge­fällt, was ihn allein und ganz erfüllt182, das ist die Erfüllung des heiligen Willens des VATERS – „so wie im Himmel, also auch auf Erden“183 – und „das ist der Wille Gottes: eure Heiligung184.

Durch die Hinopferung des Leibes Christi sind wir ein für allemal ge­heiligt185, aber diese „Heiligung“ soll sich, muß sich am geheimnisvoll ihm verbundenen „Leib“, d. i. der Kirche, auswirken in all den „Früchten“, die der in diesem Leib und all seinen Gliedern wohnende189 und wirkende Heilige Geist zeitigt187. „Herrlich wollte er die Kirche für sich bereiten, ohne Makel, ohne Runzel und andere Fehler, heilig sollte sie sein und ohne Fehl188. Im „lebendigmachenden Geist“189 sind die Satzungen Gottes in unsere Herzen gelegt und in unser Inneres geschrieben190. Sie sollen – vor allem anderen das „königliche“191 „neue“192 Gesetz, das die alle andern „Gesetze“ einschließende „Erfüllung des Gesetzes“193 ist – zwar in aller Welt verkündigt194 werden, ob gelegen oder nicht195, immer neu einge­schärft, aber im Letzten soll es doch der GEIST sein, der in allen die „Liebe“ wirkt196, auf die alles ankommt197. So wird Augustinus‘, des gro­ßen Liebenden, Wort wahr: Ama et fac quid vis! (Handle in Liebe, dann tu, was immer!) Das ist das lebendigmachende Gesetz der „Freiheit“198 des Neuen189 Bundes – „wo der GEIST ist, da ist Freiheit“200, „heilige“ Frei­heit, die nicht versucht, den Grundsatz solcher Freiheit „Alles ist erlaubt“201 zum „Deckmantel der Bosheit“202 zu gebrauchen. Denn wer im Geiste Christi ist, sucht nicht das Seine, sondern das des Nächsten203 und weiß sich dem Imperativ verpflichtet: „Einer trage des andern Last: so erfüllt ihr das Gesetz des Herrn“204.

Die Kirche ist heilig205; sie ist erlöst206, ihre Glieder sind losgekauft und „gerettet“207, der Macht der Hölle entrissen und „gerechtfertigt“208, sind aus dem Reich der Finsternis ins Reich des Lichtes versetzt209, sie haben das „Leben“ „bleibend“210 in sich. Und doch – immer die gleiche Dialektik der Gegebenheiten! – zugleich ist es wahr, daß der Herr nicht Gerechte, sondern Sünder berufen hat211, und daß die „Geheiligten“ weiterhin in sich etwas vom Fluch der Sünde212 tragen, so daß sie zufolge des „doppel­ten Gesetzes“213 in ihrer Brust tun, was sie nicht sollen und wollen214 … Das vom bösen Feind in den Acker des Gottesreiches gesäte Unkraut216 wuchert immerfort neben der guten Frucht bis zum Tag der „Ernte“ – „Geheimnis der Bosheit“216 neben dem Geheimnis der Gnade …!

Darum aber ist in der „Kirche“ (Gemeinschaft der berufenen „Heiligen“) das besondere priesterliche Heiligungsamt nötig, in vielfacher Gliederung217, als Charisma der Liebe, an dem alle Glieder des Leibes irgendwie teilhaben im „allgemeinen Priestertum“218, und als besonderer Vollmachtsauftrag219 zur Verwaltung der geheimnisvollen Gnadenzeichen, die der Kirche von ihrem Herrn gegeben sind – alles mit dem Ziel, den „Leib“ „aufzubauen in Liebe“ durch die Heranbildung der Heiligen220.

Das „Wort“ Gottes ist die große Heiligungsgabe der Kirche: das Wort als Frohe Botschaft der Gnade und Barmherzigkeit Gottes221, als Erkenntnis zeugende Heilslehre222 und lebensgestaltende Wegweisung und Mah­nung223, das „verbum visibile“, das ist das in gnadenwirkenden Geheim­niszeichen Gestalt annehmende „Sakrament“, ja das fleischgewordene „WORT“ selbst: Christus, der sich selbst den Seinen zur Lebensnahrung gibt und so in allen Gliedern des Leibes Leben wirkt und entfaltet224. Wahrlich, unerschöpflich reich ist die „heilige“ Kirche, der vom „Haupte“ her ununterbrochen „Gnade um Gnade“225 zuströmt, die alle zur Heiligung führt, die im „Leibe“ sind und leben und daher in Verbindung mit dem Haupt226, und zwar jedes Glied nach dem Maß der tatsächlichen Lebensverbindung mit dem Haupt.

Ist das nicht allzuschöne Theorie? Ist die Kirche wirklich „Heilig“, so wie die Offenbarungsurkunden sie fordern227? Erweist sich die Gnade des Hauptes wirksam in den Gliedern?

Kein Zweifel, daß die Frage einen immer neu bedrängen kann, wenn man auf die empirische Kirche sieht, zumal etwa auf solche Zeiten der Kirchen­geschichte, in denen der Führer der Kirche selbst228 feststellen muß, daß alle ohne Ausnahme abgewichen sind vom Weg des Herrn, ja daß die Verführung dazu geradezu von oben, von den Trägern des (höchsten) Amtes kam… Aber nüchternes Urteil bewahrt vor Übertreibungen, un­gerechten Verallgemeinerungen und Fehlschlüssen. Die heiligende Wirk­samkeit der Kirche ist an den Früchten des Heiligen Geistes zu ersehen bei allen, die sich in das Gnadenleben der Kirche mit ganzer Seele hinein­stellen: die „Heiligen“ (im Vollsinn des Wortes) der Kirche sind und bleiben ein lebendiges Zeugnis für die weiterwirkende Heiligungskraft des Heiligen Geistes, der seine Kirche nie verlassen hat, auch nicht in den düstersten Zeiten – man braucht nur an die ergreifende Tiefe mystischen Lebens zu denken, die vielfach gerade in der Zeit zutage getreten ist, von der Hadrian VI. spricht. Aber es tut gewiß not, daß die Heiligkeit der Kirche nicht nur als deduktiv aus unbezweifelbaren Prinzipien erwiesener „Besitz“ der Kirche apologetisch gefeiert wird, sondern daß die Verant­wortlichkeit der Kirche für die empfangene Gnade mehr als bisher zu lebendigem Taterweis führt „… sie sollen eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel dafür preisen“229. „Die Welt braucht Heilige“230,braucht eine überzeugend heilige Kirche.

… Una Sancta! …! Der Gegenstand dieser Glaubensaussage ist, wie sich gezeigt hat, sehr komplex, weil teilweise irrational und mit Aporien be­lastet wie im Grund alle Glaubensaussagen; mit logischen Begriffen ist es nicht zu „be-greifen“, nicht zu „definieren“. Nur in der idealen Seinssphäre, in Meinung und Wille des Herrn, ist die Einzigkeit und Einheit sowie die Heiligkeit der Kirche eindeutig, klar bestimmt. Im realen Raum der menschlichen Entscheidungsfreiheit werden „Einheit“ und „Heiligkeit“ so vielfältig wie die Zeiten und ihre Menschen, so vielfältig, daß auch die gegensätzliche Aussage unter bestimmten Gesichtspunkten noch irgend­wie wahr ist: die Kirche ist nicht „einig“, nicht „heilig“, vielmehr in ihrer Gespaltenheit und Sünde ein Ärgernis. Die Glaubensaussage besteht nichtsdestoweniger ganz und gar zu Recht: ich glaube, daß der Herr seine Kirche als „eine“ und „heilige“ begründet hat, und daß sie dieses ihr We­sen nicht verloren, sondern trotz aller zeitbedingten, in menschlicher Sünde begründeten Verdunkelungen bewahrt hat; ich glaube, daß der Herr Einheit und Heiligkeit seiner Kirche zur Aufgabe gestellt und zum Ziel gesetzt hat, und daß er zu seiner Stunde in Gnaden sie auch so offenbar macht, wie es seinem Willen entspricht231 und seiner Verherrlichung dient. Die wahrhaft „eine, heilige“ Kirche der Vollendung ist in der Tat „eine Herde mit einem Hirten“232; offenbare Verwirklichung des Königtums Christi.

c. Catholica

Diese eine, heilige Kirche ist die Catholica. Auch dieser Begriff ist keines­wegs eindeutig und in jeder Beziehung einsichtig, er ist vielmehr vielfacher Gefahr der Verfälschung oder wenigstens Verundeutlichung ausgesetzt, wozu die Beibehaltung des Fremdwortes in allen Sprachen233 leicht ver­führen kann.

„Catholica“ (kath’ hólou oder hólon) drückt die Allgemeinheit – räumlich die Ökumenizität, inhaltlich die Universalität oder Totalität – aus. Man kann sagen, daß irgendwie das „Catho­lica“ und „Una“ zusammenfallen, für einander eingesetzt werden können, jedenfalls sich „implizieren“: weil der Heilswille Gottes die ganze Menschheit umfaßt und in der Er­lösung tatsächlich umgriff, darum geht der Wille des Herrn auf die Einheit der ganzen Menschheit in der Gemeinschaft der Erlösten. Und weil alle in der einen und durch die eine Kirche selig werden sollen – „Extra Ecclesiam nulla salus“234 – so muß die eine Kirche, die nach dem schönen Wort Kologriwofs „die ausgebreiteten Arme des allgegenwärti­gen Erlösers“ darstellt, sich nach des Herrn Auftrag an alle Völker in gleicher Weise wenden und muß in ihrer ganzen Existenz so universal sein, daß alle Völker aller Zeiten in ihr ein „Daheim“ finden, daß alle in ihr und ihrer alle Wahrheit umgreifenden Botschaft die Erfüllung ihrer Wahrheitssehnsucht und ihres Heilsverlangens, die Führung zur Höchst­entfaltung ihres gottgegebenen Seins finden.

Die Kirche Christi ist das ganze Volk Gottes, (kath’ hólou der laós toũ theoũ)233. Sie ist also keine Kleruskirche, als ob der Klerus „die“ Kirche, das „Volk“ (die „Laien“) nur Objekt der Kirche wären236. Kraft göttlicher Ordnung gehört eine Gliederung der Ämter und Vollmachten („Hierar­chie“, „Klerus“) wohl zum Wesensbestand237 der Kirche; aber diese Ämter sind nicht „die“ Kirche, sondern deren Funktionen, die Amtsträger sind Diener238 Christi und seiner Kirche, sind ebenso „Glieder“ des „Leibes“ wie die anderen, gehören ebenso zum „laos“ wie die andern „Volksge­nossen“ („Laien“)239. Sieht man die Kirche anders, so sieht man sie nicht „katholisch“, wenngleich der Schein heute manchmal gegen diese Fest­stellung sprechen möchte. Die Kirche Christi ist keine Kirche der Männer, noch weniger freilich eine der „Betschwestern“. Es gehört zum Wesen der Kirche, daß sie beide Geschlechter umfaßt; es gehört zu ihrer wesentlichen Aufgabe, beider Geschlechter gottgegebene Mitgift zu erhalten, zu entfal­ten, zu vergöttlichen, auch im ganzen ihres eigenen Seins das auf gegen­seitige Befruchtung kraft der Schöpferordnung angewiesene männliche und weibliche Element zu verbinden in ausgleichender Synthese. Eine ein­seitig vermännlichte240 Kirche entspricht ebensowenig der Katholizität – und verhindert diese auch praktisch – wie eine feminin entartete241 der Führungsanspruch der männlichen Autorität242 ist für den „Aufbau“ der Kirche ebenso bedeutsam wie die größere Herzkraft der Frau243; beide sollen als „Glieder“ im „Leib“ einander tragen und zusammen den Leib aufbauen gleich Amt und Charisma, die ebenso erst im Zusammenwirken die vollen Früchte des Geistes reifen lassen.

Die „Catholica“ ist keine Kirche der „Vollkommenen“ (Heiligen), sondern eine Heilsgemeinschaft und Heilsanstalt für alle; sie soll nach dem Willen des Herrn in sich – bis zum Tag der „Ernte“ – auch die „Sünder“ begrei­fen; ja sie ist geradezu Kirche der „Sünder“244, die zu retten ja der Hei­land zur Erde kam. Es sollen die Getreuen Gelegenheit finden, in Nach­sicht, Geduld, brüderlicher Liebeshilfe Früchte der Gerechtigkeit zu zei­tigen245; der „Fall“ der schwächeren Brüder soll sie zu Demut, erhöhter Wachsamkeit246 und zur Sühnebereitschaft247 führen, Gott dem Herrn zur Ehre. Es soll die Menschenfreundlichkeit und Barmherzigkeit des Herrn immer neu offenbar werden und alle, die es wahrnehmen, zu Dank und Lobpreis aufrufen.

Die Catholica ist keine Kirche der Mönche und Nonnen, also solcher, die der „Welt“ den Rücken gekehrt haben, keine Gemeinschaft von Verächtern der Natur und ihrer Freuden und Genüsse, keine Gemeinde der Ehe­scheuen und Weltflüchtigen. Sie bleibt nach dem Willen des Herrn mit den Ihren „in der Welt“248; ihre Glieder nehmen die Welt ernst, arbeiten mit an ihren Aufgaben249, ja sehen darin einen wesentlichen Gottesdienst; sie „besitzen“ und gebrauchen mit Dank alle Güter der Erde, und doch auch wieder, als besäßen und gebrauchten sie die Welt nicht, die „ver­geht“250, da sie ihre eigentliche Heimat „jenseits“ wissen, im „Himmel“251, auf den ihr seelisches Auge letztlich gerichtet bleibt auch mitten im Welt­dienst. Und so ist die Catholica eine Gemeinde, in der zugleich diejenigen eine besondere beispielgeben­de, gewissensbewegende Funktion haben, die einen an sie persönlich ergehenden Sonderruf des Herrn zu Enthalt­samkeit in verschiedenster Form „fassen“252 und ihm folgen. Eine „vermönchte“ Kirche, die die Sonderberufung einzelner zur Grundlage der Vollkommenheitslehre für alle machen wollte, wäre ebenso wenig „ka­tholisch“ wie eine auf die Charismen der „evangelischen Räte“ eigensinnig verzichtende.

Die Kirche Christi ist nach dem Willen des Herrn nicht eine Kirche der „Weisen“253, der „Gebildeten“, der „Gnostiker“, sondern eine Volksküche, die die auf die „Milch“ angewiesenen „Unmündigen“ wie die Mündigen – und alle ungezählten Zwischenstufen – in sich begreift, eine Kirche also, die in geduldiger Erziehungsarbeit diejenigen trägt, die erst durch „Gesetz“ und sinnenhafte „Volksfrömmigkeit“ zur vollerleuchteten „Frei­heit der Kinder Gottes“ in der „Liebe“, der Anbetung Gottes „im Geist und in der Wahrheit“254 geführt werden können, in der aber auch und gerade die echte „Gnostik“ zu Hause ist, die vom „Spiegel“ zur „An­schauung“ der Wahrheit255 emporstrebt. Eine Catholica ist eine am Bei­spiel des Herrn sich orientierende Heilskünderin für alle; wie er Weisheit kündete, der das Ohr zu leihen die Weltweisen aller Zeiten Grund haben, doch so, daß er auch – und gerade! – vom einfältigen Gemüt und unver­bildeten Sinn der „Kleinen“256 verstanden wurde, so muß man durch die Verkündigung der Catholica alle zum Heil zu führen wissen.

Die Catholica ist keine Kirche einer Theologen- oder gar Philosophen-Schule257. Sie läßt Plato und Aristoteles, die Stoa und die Moderne zum Wort kommen als Wegbereiter und Diener des einen Lehrers und Meisters der göttlichen Weisheit258. Sie hütet sich vor der Verabsolutierung zeitbedingten natürlichen Wissens, vor der Versuchung, dieses mit dem Dogma ineinszusetzen, so daß dadurch dem Wissen ihrer Zeit vorauseilende Geister in ihrem Wahrheitsgewissen angefochten werden.

Als „Catholica“ steht sie über den Zeiten und hat die Erfahrung, daß die Philosophenschulen wechseln, indes das Wort des Herrn bleibt259, gestern heute und ewig260. Ohne die gottgegebene Vernunft als „Hure“261 aus dem Heiligtum zu jagen, weiß sie doch um die Beschränktheit und Bedingtheit aller natürlichen Erkenntnis und ihre Unfähigkeit, dem „mysterium fidei“ mehr als analoge262 Ausdrucksmittel zu leihen. Und da die Theologen-Schulen in Vernunft­spekulation über die Offenbarung gründen, so wahrt sie sich die Freiheit grundsätzlicher Überlegenheit über zeitgebundene Schulweisheit und läßt auch ihren Gliedern die Freiheit „in dubiis“, und etwas von „dubium“ haben letztlich alle nicht ausdrücklich geoffenbarten Wahrheiten an sich.

So steht die Catholica auch über den nur relativ vollkommenen Typen und „Stilen“ christlicher Lebensverwirklichung. Nicht eine „petrinische“ oder „paulinische“ oder „johanneische“ ist die „Kirche Christi“, sondern eine „katholische“, die Petrus nicht nennt, ohne Pauli zu gedenken und um­gekehrt. Christus ist nicht geteilt263. Sie ist nicht dem zielstrebigen Metho­dismus der Jesuiten, nicht der gnadebetonenden Theozentrik der Do­minikaner oder der Mystik des Poverello und seiner Jünger verschrieben; sie sieht das Heil nicht nur in der Geistesfreiheit des salesianischen Leh­rers, sie schwört auch nicht einfach auf die weise Diskretion des Erzvaters der Mönche, sondern allein auf den Herrn ihrer aller, die alle seine be­scheidenen Schüler sind und bleiben, soviel die besonderen Gaben des Heiligen Geistes sie auch als gratiae gratis datae erhalten haben. All die Typen und Stile, Formen und Richtungen sind nur Teilverwirklichungen des Catholicon der Una Sancta. Die „Ekstase der (gottgeweihten) Arbeit“ und die „Weltflucht“ der Mystiker werden von ihr als die Pole gewertet, zwischen denen die Spannung des Strebens gemäß der Sonderberufung jedes einzelnen erhalten werden muß, um allen ihren Weg zum Heil offen zu lassen. Wie hoch wertet die Kirche ihre Liturgie als besonderes Gnadengeschenk des Heiligen Geistes! Aber sie weiß gleichwohl auch um deren Raum- und Zeitbedingtheit in ihren einzelnen Formen; sie steht darum offen für die gleichzeitige Anerkennung der Liturgien des Ostens264 und einzelner „Kirchen“ des Westens neben der (eigentlich stadt-) „römi­schen“, und grundsätzlich wohl auch für die Entfaltung eigenständiger Liturgien im Missionsneuland sowie für das Wachstum stets neuer Formen im alten Raum der Kirche. Und so sehr sie die Liturgie als vornehmsten Wesensstil des Volkes Gottes weiß, so verkennt sie nicht das gottgegebene Bedürfnis des einzelnen zu unmittelbarem persönlichen Verkehr mit Gott im „Gebet des Kämmerleins“265 und läßt diesem alle natürliche Freiheit der Entfaltung.

Die Catholica steht über bzw. in den Generationen. Das „Generations­problem“ besteht zufolge ihrer „Menschlichkeit“ wohl auch in ihr; sie selbst ist der gottgeführte immer neue Ausgleich zwischen dem Vorwärts­drängen der Jungen und dem Beharren der Alten – weder die einen noch die andern haben den Heiligen Geist allein für sich.

Die Catholica ist keine „urchristliche“ und keine „moderne“, auch keine „römische“ Kirche, sofern diese Bezeichnungen irgendwelche Verhaftung an einen bestimmten Raum oder eine Zeitperiode der Geschichte zum Ausdruck bringen. Die abendländische ist so wenig „die“ Catholica als die „orthodoxa“ des Ostens. Die Una Sancta Catholica ist und muß sein die Kirche aller Zeiten und Räume266.

Eine künstlich auf die Praxis oder „Lehre“ der Urkirche reduzierte Kirche leugnete die Kraft des Heiligen Geistes im organischen Wachstum der Kirche, eine dem modernen Zeitgeist sich verschreibende, sich nicht immer wieder am Geist der ersten Zeugen verjüngende und erneuernde Kirche schnitte sich die Wurzeln der Katholizität ab. Eine Kirche, die sich an die kontingenten Kultusformen eines (etwa des Mittelmeer-)Raumes so bände, daß Völker anderer Kultur sich in ihrer Eigenart dadurch vergewaltigt fühlten, wäre darin nicht „katholisch“, auch wenn sie vielleicht diesen Ehrentitel mit besonderer Betonung trüge.

Katholizität muß sich gerade in Offenheit für alle Zeit- und Volksbedürf­nisse, in der Beschränkung der „Uniformierung“ auf das durch die Offen­barung gegebene „eine Notwendige“ offenbaren. Nur wenn sie „allen alles“267 wird, kann sie alle zu Christus und durch ihn zum Heil führen.

„Katholisch“ ist die Una Sancta nicht durch Einengung auf bestimmte, raum- und zeitbedingte Entwicklungsformen, sondern durch allumfassende Fülle268. Man hat der „römischen“ Kirche „Complexio oppositorum“ vor­geworfen. Eben das ist ihr Ehrentitel, wenn sie (– nicht „Syn­kretismus“, äußeres Aggregat verschiedenster Elemente, sondern) die in Gott gegebene Synthese der in polarer Verbindung aufeinander bezogenen einzelnen Teilwahrheiten, Teilsichten, Teilverwirklichungen des „Pleroma“ Christi darzustellen sich bemüht. So überwindet sie auch alle „Häresie“, indem sie deren versprengte Teilwahrheit heimholt in die allumfassende, in herr­licher Freiheit des GEISTES ausgewogene Fülle269. So erweist und verwirk­licht sie sich als Una, Sancta, Catholica.

d. Apostolica

„Apostolica“ nennt sich die Kirche Christi in ihrem Glaubensbekenntnis. Was ist damit gesagt?

Offenbar zunächst, daß die Kirche vom Herrn „auf den Grund der Apostel“270 bzw. im besonderen auf dem Felsengrund Petri271 begründet wurde durch die Berufung der „Zwölf“272 – bzw. der – als der Keim­zelle der Heilsgemeinschaft „Kirche“, durch die Aussendung273 derselben und die Übertragung grundlegender Heilsvollmachten274 an sie — die Iden­tität der Kirche von Heute mit dieser Kirche der Apostel ist offenbar In­halt des Glaubensbekenntnisses.

Bei der Kirche Christi als dem „Volk des Herrn“275 gibt es keine „Volks­souveränität“; es geht nicht „alle Gewalt vom Volke aus“, sondern, ganz im Gegensatz dazu, alle von Dem, der sagte: „Mir ist alle Gewalt ge­geben im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker … und lehret sie alles halten, was ich euch befohlen habe …“276. Er hat der Kirche ein für allemal die „Verfassung“ gegeben, zwar nur in den Grundlagen, also mit großer Freiheit der Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten von Zeit und Raum, aber diese Verfassung, soweit sie vom Herrn gegeben wurde, steht fest, ist dem Willenszugriff der „Gesandten“ entzogen. Die Verfassung der Kirche aber ist eine „apostolische“, d. h. eine in allem auf „Sendung“277 vom Herrn gegründete.

Das besagt durchaus nicht eine Beschränkung der Sendung auf einzelne Glieder der Kirche, im Gegenteil: die ganze Kirche hat „Sendung“, alle Glieder der Kirche haben daran Anteil. Aber alle in der wohlausgewoge­nen „Glied“erung eines Organismus nach Art eines menschlichen „Leibes“, in dem auch einzelnen Gliedern höhere, lebenswichtigere Funktionen zu­geteilt278 sind als andern. Er hat es so gewollt, daß „Hirten“279, „Lehrer“280, „Vorsteher“281, „Aufseher“282 usw. in der Gemeinschaft „dienen“ – um der Gemeinschaft willen sind sie da, nicht umgekehrt die Gemeinschaft („hörende Kirche“) als ihr Objekt, wie dies so leicht in irdischen Reichen zutage tritt, wo die Großen die Kleinen „vergewaltigen“283, es ist gerade die Eigenart dieser vom Geist der Fußwaschung284 geformten Gemeinschaft „Kirche“, daß alle sich gegenseitig zuvorkommend im liebenden Dienen286.

Die Kirche steht in „Sendung“. Es geht eine gerade Linie vom VATER, der den SOHN „sendet“287, zu den Aposteln, die vom Herrn „gesendet“288, selbst durch Handauflegung die Sendung mit Vollmacht weitergeben289 an „Älteste“ und „Aufseher“ als ihre Gehilfen und Nachfolger, die selbst wieder die Gläubigen alle aufrufen zur „Anteilnahme am hierarchischen Apostolat der Kirche“290, je nach dem besonderen Auftrag („Missio canonica“) oder der unmittelbaren persönlichen Berufung der einzelnen (Cha­risma, Prophetie), die ihre Sendungsechtheit in gehorsamer Eingliederung ins Ganze erweist. Die „Apostolische Sukzession“ ist eine Kette, an der für das Leben der Kirche grundlegende Vollmachten hängen. Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?291. Ja, nur Gott, Gottes Sohn, der alle Voll-Macht vom VATER hat, und die, denen er diese übermenschliche Macht des im Himmel gültigen „Bindens“ und „Lösens“ und „Behaltens“, des Sündennachlassens – offenbar wieder zur Weitergabe – verliehen hat292. Die „Sakramente“ hängen in ihrer Wirkung „ex opere operato“293 an der „Voll-Macht“ ihrer Bereitung und Ausspendung; die Apostel fühlten sich als „Verwalter und Ausspender“ der „Mysterien“294 und wußten, was sie taten, wenn sie – nur mit allem Bedacht295 – andern die Hände auflegten. So ist diese Apostolische Sukzession des Vollmachts­zusammenhangs mit den Aposteln kraft ununterbrochener Reihe von Anfang an296 als Wesensmerkmal der Kirche Christi angesehen worden. Sie umfaßt freilich durchaus nicht das Ganze der Apostolizität der Kirche297.

Wahrhaft „apostolisch“ ist die Kirche (als Gesamtgemeinschaft) nur, wenn das Sendungsbewußtsein und der Sendungswille sie ganz durchdringt. Die Gemeinde des Herrn wäre nicht „apostolisch“, die selbstzufrieden und selbstgenügsam im „Sakristeichristentum“ nur für sich lebte, auf die Sicherung des eigenen Heils – ihre Führer vielleicht sogar nur der eigenen Existenz als „Kultbeamter“! – bedacht, aber darauf vergessend, daß sie gesandt ist „in alle Welt“, „aller Kreatur“ das Heil zu künden, in Fort­setzung der Sendung ihres Herrn, all die „zerstreuten Kinder Israels“ zu­rückzuführen298, daß „ein Schafstall werde und ein Hirt“299.

„Apostolisch“ darf sich die Kirche mit Stolz nur nennen, wenn das Kö­nigtum Christi, die Durchchristlichung aller menschlichen Verhältnisse, der privaten Lebenssphäre der einzelnen wie des öffentlichen Marktes der „Welt“, in ihr als der königliche Imperativ lebt, der als „Caritas urgens“300 alle zum täglichen Apostolat des Betens und Opferns, des Bei­spielgebens und der Liebestat führt301. „Salz“302, „Sauerteig“303, „Licht“304 der Welt, „Stadt auf dem Ber­ge“305 ist die Kirche Christi, oder sie trägt die Etikette „Apostolisch“ wie eine leere Flasche.

Das bedeutungsvollste Wesensmerkmal der Apostolizität (– man könnte auch sagen: der „Apostolischen Sukzession“ –) der Kirche ist nicht so sehr das formale der Rechts- und Vollmachtsübertragung von den Aposteln bis auf uns – das Leben in den „Sakramenten“ ist zwar der „ordentliche“, aber nicht der ausschließliche Weg der Heilsvermittlung! –, sondern die Einheit der Kirche von heute mit den Aposteln im Besitz der „Wahrheit“306 und des „Geistes“307 Christi.

Die Heilsverkündigung der Apostel – kurz gesagt: Kreuz308 und Auf­erstehung300 des Herrn! – ist und bleibt die Wahrheit, die große Froh­botschaft, die die Kirche der Welt zu bringen hat. „Ob selbst ein Engel vom Himmel eine andere Botschaft verkündete, der sei verflucht …!“310 sagt mit Recht der Völkerapostel. Ihr, der Apostel, depositum fidei311, ihre als Augen- und Ohrenzeugen312 zuverlässigen Überlieferungen313, hat die Kirche zu hüten und zu wahren – neue Offenbarungen der Welt zu geben, hat kein Organ der Kirche Recht und Möglichkeit, wohl aber klarzustellen – in demütiger Hingabe an den Geist der Wahrheit und in gewissenhafter Auswertung auch aller natürlichen Erkenntnisquellen –, was zum Offenbarungsbestand gehört, sowie durch entsprechende Abgren­zungen („Definitionen“) Verkehrungen des Verständnisses abzuwehren, und so die rechte Erkenntnis der Heilswahrheit sicherzustellen. Die vom „GEIST Getriebenen“ sind die Kinder Gottes314, d. i. auch die echten Glie­der der apostolischen Kirche; sie machen die Kirche erst eigentlich zur apo­stolisch wirksamen. Denn am „Geist“ – man könnte im Sinn des Herrn und seines Apostels auch einfach sagen: an der „Liebe“ – allein erkennt die Welt315 die Göttlichkeit dieser sich über den brutalen (Un-) „Geist“ der Welt erhebenden Gemeinschaft. Keine Verkündigung wirkt so überzeu­gend als das Leben und Lieben wahrhafter „Christen“; an der lebens­vollen Verwirklichung dieses „apostolischen Geistes“ hängt der ganze Erfolg des Apostolates der Kirche.

5. Die Identität der Una Sancta Catholica Apostolica mit der „römisch-katholischen“ Kirche

„Una“, „Sancta“, „Catholica“, „Apostolica“, ist die Kirche Christi. Wir ver­suchten, in die Bedeutungsfülle dieser Prädikate „der“ Kirche einzudrin­gen. Und nun die große Frage: Ist die römisch-katholische316 Kirche „einig“, „heilig“, „katholisch“, „apostolisch“? Oder umgekehrt: Ist die „Una Sancta Catholica Apostolica“ identisch mit der „römisch-katholischen“ Kirche? Wenn man mit nüchternem Wahrheitssinn auf diese Fragen antworten will, so muß man bekennen, daß es keine ganz eindeutige Antwort auf diese Fragen gibt.

Wer – außer hoffnungslos der Schönfärberei verfallenen „Apologeten“ – möchte behaupten, daß die Inhaltsfülle der „Una Sancta Catholica Apostolica“ der „römischen“317 Kirche, und ihr ausschließlich und allein, zu­käme, wie sie im geschichtlichen Raum steht?

„Einheit“ hat die „römische“ Kirche von jeher auf ihre Fahne geschrieben und kann sie in der Tat in besonderer Weise für sich in Anspruch neh­men: eine zweifellos selbst dem Gegner imponierende Einheit vor allem im scharfformulierten Bekenntnis „eines Glaubens“ über den ganzen Erd­kreis hin, in der Geschlossenheit ihrer um den „summus pontifex“ sich scharenden Hierarchie, in der durch den Codex iuris canonici zentrali­sierten Rechtsgleichheit des Abendlandes, einschließlich der von diesem Raum her bestimmten andern Teile der Erde, in der weitgehenden Uni­formierung der (abendländischen) Liturgie. Aber ist nicht gerade diese Einheit der „römischen“ Kirche erkauft durch die Abspaltung der Hälfte318der „Rom“ ablehnenden Christenheit, die mit der andern Hälfte zusam­men „eine Herde unter einem Hirten“ zu sein bestimmt ist? Ist mit der Einheit der „römischen“ Kirche schon verwirklicht, was der Herr mit seiner Kirche meinte, mit dem „einen Schafstall“, dessen „Türe“ er319, Heil für alle, die seinen Namen anrufen320, für alle, die sich vom Geiste Gottes treiben lassen321, der Kirche, in der die von fern wie von nahe „Einer“322 geworden sind, ein Leib und ein Geist323! Gibt sich die „römische“ Kirche nicht allzuleicht zufrieden mit der (auch nur teilweisen!) Einheit der „abendländischen“ Kirche? Ja, man möchte auch fragen: hat der Geist der verbindenden Liebeseinheit auch nur die sich zur „römischen“324 Kirche zählenden Völker friedlich zusammenzuschließen vermocht? Sind nicht 1914–18 und 1939–?(1945) als erschütternde Anklagen gegen das „Chri­stentum“ des Abendlandes auch nicht abzuweisende Einwände gegen die tatsächliche Verwirklichung der „Einheit“ in der „römischen“ Kirche?

Ist die „römische“ Kirche „heilig“? Wieder ist ein begeistertes Ja die Ant­wort, wenn man hinblickt auf das ideale Bild, das die Theologie von ihr entwickelt325, aber auch wenn man z. B. hinsieht auf den heiligen Reichtum, der sich in der herrlichen Liturgie der römischen Kirche, aber nicht nur in ihr, auch im Gebetsleben und Tugendstreben ungezählter ihrer Einzelglieder sowie ihrer Gemeinschaftsgruppen zu allen Zeiten offen­bart; der „christliche Sternenhimmel“328 der „Heiligen“ aller Nationen, Stände, Geschlechter usw. mag als einziger Taterweis der „Heiligkeit“ der Kirche gelten.

Aber daneben diese Schatten! Nicht nur Sünde über Sünde bei der Viel­zahl der „Namens­christen“ – wer sich dem heiligenden Einfluß der Kirche entzieht, kann freilich kein ernsthafter Einwand gegen ihre Heiligkeit sein–, nein, zeitweise auch sittliche Verkommenheit bei den Lehrern und Füh­rern der Kirche327! Und so viel erbärmliche „Menschlichkeit“ durch alle Grade der „heiligen Ordnung“: Weltgeist und Genußsucht, irdisches Macht- und Geltungsstreben, Ehrgeiz und Eigennutz, Selbstgerechtigkeit und Stolz, Herzenskälte und Unwahrhaftigkeit usw. usw.! Wer fände die Christenheit der „römischen“ Kirche, wenn er mit dem vom Herrn selbst gegebenen Erkennungszeichen328 nach der Gemeinschaft seiner Jün­ger suchte?!

„Katholisch“ nennt sich die „römische“ Kirche mit besonderer Betonung. Und in der Tat darf sich diese Kirche wie keine zweite Weltkirche heißen, sie, die ihr heiliges Opfer zu jeder Tag- und Nachtstunde an zahlreichen Orten der weiten Erde feiert. Aber hat die „römische“ Christenheit das Bewußtsein der in ihrem Ehrennamen gegebenen Verpflichtung ganz le­bendig erhalten? Hat sie nicht, was die Universalität der Heilsgemein­schaft Christi zum Ausdruck bringen soll, geradezu als Namen zur Abgren­zung gleichsam als einer Sonderkirche gegenüber andern gemacht? Gewiß mit dem Anspruch, „die“ „allgemeine“ Kirche Christi zu sein329, aber doch offenbar mit der praktischen Wirkung einer Einengung ihres nach außen in die Erscheinung tretenden Seins in (Schul-)Lehre, Disziplin, Recht, Gottesdienst usw.? „Häresie“ ist wohl nie Alleinschuld der sich von der „Einheit“ sondernden Gruppen, sondern zugleich Schuld der Kirche, die Lebenswahrheiten und -forderungen zeitweise verkümmern läßt330 und so Sonderbetonungen zeitgeschichtlich „notwendig“ macht – mit aller Gefahr der „Sonderung“ („Häresie“), wenn für diese Wahrheiten Raum und Verständnis in der „Mutter“-Kirche zu fehlen scheint381. Kann man mit gutem Gewissen sagen, daß die „römische“ Kirche – nicht in der Idee, sondern der Empirie! – so „katholisch“, d. i. überzeitlich und über­räumlich ist, daß alle in ihr sich geborgen fühlen, die im Apostolicum Chri­stus uneingeschränkt als den „Herrn“ bekennen, alle, unabhängig von ihrer rassen- oder kulturmäßigen oder etwa philosophischen Bestimmtheit, die alle offenbar vom Heils-Auftrag der Kirche nicht berührt werden?

Die „römische“ Kirche kann sich sicher mit besonderem Recht „apostolisch“ („sendungsmächtig“) nennen: sie kann also auf ihren Adelsstammbaum hinweisen auf die ununterbrochene Kette der „Apostolischen Sukzession“, die ihr die Erhaltung der „Sendungs-Voll-Macht“ Christi verbürgt, sie weiß sich auf dem „Felsen Petri“ gegründet, auf den der Herr seine Kirche „bauen“, durch den Er dauernd ihre Einheit gewährleisten wollte. Sie hat ihre „Sendung“ durch die 19 Jahrhunderte getragen und Volk um Volk dem Königtum Christi zu unterwerfen getrachtet; ihre „Mission“ ist heute wie gestern weltumspannend und übertrifft an zahlenmäßigem Erfolg die Missionsbemühungen aller andern „Kirchen“. All dies ist unbestreit­bar. Aber ist die „römische“ Kirche als Gemeinschaft tatsächlich von der Sendung Chri­sti durchdrungen? Hat man nicht bis in unsere Tage die grundwesentliche Sendung der „Lai­en“ – in Reaktion gegen die verab­solutierte und daher vereinseitigte Betonung des „Allgemeinen Priester­tums“ durch den Reformator332 – weiterhin verkümmern lassen, im Glaubensbewußtsein ebensowohl wie in der Praxis? Hat nicht ein selbstzu­friedenes, weitläufiges Kultbeamtentum vielfach das Bild des apostolischen Arbeiters im Weinberg des Herrn333 bis zur Unkenntlichkeit verdeckt? Bei aller Würdigung zeitbedingter „Notwendigkeiten“: ist nicht der Unter­schied zwischen den heutigen „Gesandten“ des Meisters, der nicht wußte, wohin er sein Haupt legen sollte, und den erstmals von ihm in die Welt Ausgesandten oft doch ein allzu krasser? Ist man nicht in weiten Kreisen der Kirche mit der (mehr oder minder erfolgreichen) „Erhaltung“ des „Besitzstandes“ durchaus zufrieden und macht kaum mehr Anspruch auf den Charakter der „erobernden“ Kirche (Ecclesia „militans“)?

Unbefangene Prüfung muß die gestellte Frage dahin erweitern: Hat die „römische“ Kirche Einheit, Heiligkeit, Allgemeinheit, Sendungstreue und -macht sich nicht nur irgendwie erhalten, sondern ist dies der Fall in der Ausschließlichkeit, daß sie in jeder Beziehung allein auf diese Merk­male der „wahren“ Kirche Christi Anspruch erheben kann?

Wer einfachhin der Wahrheit sich verpflichtet weiß, kann das letztere keinesfalls sagen.

Wer wollte behaupten, daß die „nicht-unierten“ Christen bzw. deren Kir­chengemeinschaften der Einheit ganz entrieten, die Kennzeichen der Kirche Christi ist? Nicht die äußere Einheit „organisatorischer“ Art innerhalb der Kirchengemeinschaft ist natürlich gemeint – sie ist selbstverständlich in verschiedenen Ausprägungen334, je nach dem Charakter der einzelnen „Kirchen“, gegeben – sondern der Zusammenhang mit der Gesamtchri­stenheit aller Räume und Zeiten in Glaube, Hoffnung und Liebe, vor allem der gnadenhafte Zusammenhang mit Christus, dem Herrn und „Haupt“ der Kirche. Wie steht es damit? Wenn man von den tat­sächlich „ungläu­bigen“ Gliedern der verschiedenen Kirchen absieht – es gibt solche ja auch, wenn gewiß in weit geringerem Umfang, innerhalb des Rechtsver­bands der „römischen“ Kirche –, so wird man als Tatsache feststellen, daß diese Christen untereinander und auch mit der „römischen“ Kirche verbunden sind durch dasselbe grundlegende Glaubensbekenntnis (Aposto­licum, Nicaenum), das die gläubige „Herren“-Gemeinde konstituiert, durch das Herrengebet, in dem sich alle mit uns als „Brüder“335 vor den einen Vater stellen, durch die „eine Taufe“338, die sie alle zu – kraft des „character indelebilis“ nie mehr abtrennbaren – Gliedern des „einen Leibes“ machte, zu einem Großteil (Ostkirche!) durch ein auch von Rom in seiner Gültigkeit und darum Wirkkraft anerkanntes Amt mit der Voll-Macht der gültigen Verwaltung der heiligen Geheimnisse (Heiliges Opfer, Sakramente) – von der Einheit der „Liebe“ ganz zu schweigen, die mancherorts außerhalb der „römischen“ Kirche zu augenfälligerer „Gemeinschaft“ geführt hat als in dieser.

Nur ein ausgesprochener Pharisäer337 könnte auf den Gedanken kommen, daß die „Heilig­keit“ ein Monopol der „römischen“ Kirche, bei den Chri­sten „draußen“ höchstens ein „glän­zendes Laster“ sei. Wie ausgeprägt ist z. B. das „heilige Leben“ der Ostkirche! Nicht nur in ihrer heiligkeitsgesättigten Liturgie, sondern auch in der Lebensmächtigkeit und Tiefe der Volksfrömmigkeit und ganz besonders seiner Starzen, Mönche, Pilger usw.338. Aber wie viel unzweifelhaftes echtes Heiligungsstreben tritt dem unbefangenen Beobachter auch bei den „evangelischen“ Christen aller Schattierungen entgegen! Ich denke etwa an das geradezu pro­phetische Christuszeugnis Ungezählter unter ihnen, an Gestalten wie Bodelschwingh, Wi­chern, Mutter Eva Winckler, Mathilde Wrede, an meine Er­fahrungen in der Fellowship of Reconciliation, an die glaubenstiefe Ver­kündigung und das überzeugend echte Beten und Singen in so vielen evangelischen Gotteshäusern, deren Eindruck ich mich nicht entziehen konnte. Ja, wenn die christliche „Vollkommenheit“ („Heiligkeit“) wesen­haft in der „Liebe“ besteht, so stehe ich nicht an, ehrlicherweise zu be­kennen, daß ich persönlich „draußen“ eher mehr als weniger Geist echter Liebe nach 1 Kor 13 angetroffen habe, verglichen mit den oft nieder­drückenden Erfahrungen im Kreis der „Brüder“ gleichen „Glaubens“. Nein, die „Heilig­keit“ ist Gabe des GEISTES, der offenbar „weht, wo Er will“339 – oft zur Beschämung der Tugendstolzen, wo sie es nicht wün­schen bzw. zugeben wollen.

„Katholizität“ möchte man wohl am ehesten den Christen „draußen“ be­streiten. In der Tat ist ja alle „Häresie“ eben Negation der allumfassenden, alle Wahrheit umgreifenden und harmo­nisch verbindenden Wahrheitsfülle. Doch keinesfalls läßt sich solches Verdikt aussagen von der Ostkirche, die sich aufgrund ihres „orthodoxen“ („rechtgläubigen“) Bekenntnisses mit Recht auch „katholisch“ nennt. Daß sie die Entwicklung der abend­ländischen Kirche (seit dem Eintritt des Schismas) zum größten Teil nicht mitgemacht hat, gibt ihrem Wesen in frei­lich nur negativer Betrachtung einen „allgemeineren“ Charakterzug gegenüber der abendlän­dischen Kirche, die in Lehre, Recht, Verwaltung usw. weit stärker festgelegt er­scheint – darum auch die Bestrebung der angelsächsischen u. a. Kirchen, die „Wiedervereinigung“ auf dem Boden der Ostkirche zu suchen. Was freilich der Ostkirche von Heute zu fehlen scheint, das ist der Drang ins Weite, zur Weltmission, ebenso wie zur Durchdringung des ganzen, auch des öffentlichen Lebens mit dem Geist Christi. Die Bestreitung aller „Katholizität“ würde aber auch bzgl. der Reformationskirchen den Tat­sachen nicht gerecht. Nicht nur daß z. B. Luther durchaus die Katholizität, auch unter Beibehaltung des Namens340, für seine Reformationskir­che in Anspruch nahm, also sich von der „allgemeinen“ Kirche nicht „trennen“ wollte. Wenn man z. B. die „Confessio Augustana“341 von 1530 einfühlend auf sich wirken läßt, so verspürt man unverkennbar die Wesensverbin­dung mit dem „katholischen“ Bekenntnis und Leben. Und wenn die Ent­wicklung aufgrund des Spaltpilzes „Subjektivismus“ sich mit der Zeit außerordentlich weit ab vom Glauben und Leben der „allgemeinen“ Kirche (– hier bewußt die Ostkirche mitgedacht! –) entfernt hat, so ge­bietet die Wahrhaftigkeit festzustellen, daß inzwischen eine – zum Teil erstaunlich weitgehende – rückläufige Bewegung eingesetzt und den glau­bensarmen und traditionslosen Liberalismus weithin überwunden hat. Schon sucht man nach der Verwirklichung „evangelischer Katholizität“ …

Das berührt bereits stark die Apostolizität der Kirche. Wenn man bei diesem Wort vor allem an den inneren und äußeren Zusammenhang mit Lehre und Ordnung, Geist und Leben der Apostel und ihrer „Urge­meinde“ denkt, wird man die Ostkirche ausgesprochen „apostolisch“ nen­nen können, insofern sie fast geradezu den Eindruck der Erstarrung in der primitiven Entwicklungsphase der Kirche macht; auch die Reforma­tionskirchen sind in der Tendenz insofern „apostolisch“, als sie auf die „unverbildete“ und „unverfälschte“ Lehre und Praxis der apostolischen Urgemeinde zurückzugehen vorgeben. Dafür haben sie leider die le­bendige Überlieferung wie die Vollmachtsübertragung des Amts vielfach unterbrochen und sind zufol­ge der grundsätzlichen Traditionslosigkeit weithin dem Subjektivismus verfallen, der zur Ver­neinung der Apostoli­zität führt. Das Sendungsbewußtsein („Salz“, „Sauerteig“) scheint in der Ostkirche wenig entwickelt, insofern auch in den Reformationskirchen, als sie vielfach in vereinseitigtem Eschatologismus die „Welt“ der Sünde überlassen oder wenigstens auf ernst­haften Versuch der Verwirklichung des Königtums Christi in dieser Weltzeit verzichten.

Fassen wir das Ergebnis dieser Betrachtung zusammen, so ergibt sich: Das „Una, Sancta, Catholica, Apostolica“ kommt als Wesensmerkmal der ganzen Kirche Christi zu und ist ihr – vor allem als „Talent“ zur Ver­antwortung! – vom Herrn gegeben, der ganzen Heilsgemein­schaft Christi, die als solche konstituiert ist durch den gnadenhaften Lebenszusammen­hang der „berufenen Heiligen“ mit ihrem „Haupt“ und „Herrn“ aufgrund der „einen Taufe“. Insofern als iure divino der „Fels Petri“ für die ganze Kirche bleibende Seinsgrundlage ist, und insofern als „Rom“ diesen „Fel­sen“ darstellt, ist die ganze Kirche mit all ihren Gliedern auf „Rom“ be­zogen, also die Kirche Christi identisch mit der „römischen“ Kirche.

Das „insofern“ ist eine bewußte Einschränkung: die einzelnen Apostel haben Auftrag und Vollmacht ihrer Sendung nicht von Petrus, sondern unmittelbar vom Herrn erhalten – ob sie gleich gewiß den als ihren Wort­führer und als Felsen ihrer Einheit anerkannten, der den beson­deren Auf­trag vom HERRN erhalten hatte, die Herde zu „weiden“ und die „Brüder“ im Glauben zu „stärken“342 – und sie haben ihre Heilsvollmachten un­mittelbar, nicht etwa im Auftrag Petri („Roms“) in ihrer Handauflegung weitergegeben. Wenn auch mit dem Inkraft­treten des Codex iuris canonici (1918) eine lange Entwicklung zu einem Abschluß gebracht wurde, so daß nunmehr die Bischöfe durchwegs343 vom Papst „ernannt“ werden sollen, so ist damit offenbar kein ius divinum als Grundlage behauptet oder etwa begründet worden, d. h. es will keineswegs damit zum Aus­druck gebracht werden, daß die Bischöfe nun den ordo und die daraus fließende Gewalt statt vom Herrn der Kirche vom Papst erhalten, in­folgedessen nur dessen Stellvertreter344 seien; nach wie vor wird die Weihe Vermittlung durch nichtunierte, aber in apostolischer Sukzession stehende Bischöfe als „gültig“ anerkannt. Damit ist aber grundsätzlich bzgl. des ganzen Umfangs des ordo, seiner Vollmachten und Gnadenwir­kungen, eine Verknüpfung der außerhalb der (vollen!) Union stehen­den „Kirchen“ mit der – nach Christi Willen durch „Rom“ geführten – „Una Sancta Catholica Apostolica“ weiterhin gegeben, also auch eine in den Wirkungen in die Erscheinung tretende „Teilhabe“345 an der Ein­heit, Heiligkeit, Allgemeinheit und Sendungsmächtigkeit der Kirche Christi. „Einheit“, „Heiligkeit“, „Katholizität“, „Apostolizität“ ist der ganzen Kirche Christi als eine Art wesensmäßiger „character indelebilis“, aber vor allem als stets neue Aufgabe gegeben. Die volle Verwirklichung dieser Aufgabe wäre schon die volle Verwirklichung des Königtums Christi in dieser Weltzeit. Diese aber ist in ihr nicht zu erwarten, vielmehr erst als „eschatologische“ Tatsache – auf den Tag des „Gerichts“ – verheißen. So ist es im Wesen der Sache gegeben, daß die empirische Kirche Christi nur in „Näherung“ an das Ideal als Una, Sancta, Catholica, Apostolica in die Erscheinung tritt, in den einzelnen Gliedern, Gemeinden usw., in de­nen die Kirche Christi sich leibhaftig darstellt, ebenso wie in der Ecclesia als ganzer. Es bleibt freilich die unabweisbare Forderung des HERRN, die mit dem Wesen der Kirche gegeben ist, als aller gemeinsame Verantwor­tung, seine Gemeinde als eine in der Tat „Una, Sancta, Catholica, Apo­stolica“ – Gemeinschaft aller zum Heil Berufenen darzustellen, der Welt zum Glau­bens­zeugnis346.

II. Teil: Der „Orden“ der Zukunft

Das Königtum Christi ist das Heils-“Geheimnis“, das von Ewigkeit her im Willen Gottes beschlossen ist, das aber in dieser Weltzeit in der die­ser und dem in ihr wirkenden „Geheimnis der Bosheit“347 entsprechenden Gebrochenheit in die Erscheinung treten soll und zwar in der Una Sancta Catholica Apostolica, der „Kirche“ Christi. „Soll“ – das will in diesem Fall heißen, daß Gott, der die Kirche in den Raum der Freiheit stellte, mit dieser Gebrochenheit „rechnet“ – die Theologen sprechen von „Zulassung“ bei allem nicht dem „eigentlichen“ Willen Gottes entsprechenden Ge­schehen – nicht aber, daß etwa der im „Willen“ Gottes ausgedrückte Imperativ für uns Menschen damit abgeschwächt wäre. Nein, es ist und bleibt der klare, gebieterische „Wille“ Gottes, daß die Kirche Christi in und von ihren Gliedern aufgebaut werde als ein zeugnismächtiger heiliger Tempel, „Lob Seiner Herrlichkeit“348 – Wille Gottes und daher unabding­bare heilige Verantwortung und Aufgabe aller Jünger Christi.

Ja, aller Glieder der Kirche! Vornehmlich naturgemäß der mit besonderer Amts-Verantwor­tung beladenen, aber auch in besonderem Maß derer, denen – als verpflichtende gratia gratis data! – tiefere Erkenntnis von dem im Herzen Gottes ruhenden Plan der „Gemeinschaft der Heiligen“ geschenkt wurde, und die so zu dem bedeutungsvollsten Apostolatsdienst der innerkirchlichen Erneuerung vom Herrn aufgerufen werden.

1. Erneuerung der Kirche durch „Orden“

Die Geschichte der Kirche erweist deren nie versiegende Regenerations­kraft und zugleich als Tatsache, daß immer wieder der Anstoß zur Rück­besinnung auf die ganze „Breite und Länge, Höhe und Tiefe“ des Heils­planes Gottes349 und damit auf Überwindung der ihm entgegen­stehenden Mächte des Bösen sowie zur gnadenhaften innerkirchlichen Wiedergeburt nicht so sehr von den – oft dem Amtsschema verhafteten – Amtsträgern, sondern von einzelnen – man möchte sie „Propheten“ heißen –, vor allem von Gemeinschaften innerhalb der Kirche ausging, die der HERR, in jeder Zeit neu, als Rufer zur „Metanoia“350 und Kinder seines „Reiches“ erweckte.

Es sind vor allem die „Orden“ der Kirche, denen offenbar vom HERRN dieser Wesensdienst an seiner Gemeinde zugewiesen erscheint. Zum Un­terschied von den, vor allem in den letzten 100 Jahren, in großer Zahl entstandenen „Kongregationen“, die einen ganz konkreten, zweck­haft praktischen Dienst des Aufbaus oder der heilenden Liebeshilfe – Kran­kenpflege, Schule, Loskauf der Gefangenen, Rettung der Gefallenen, Ju­genderziehung usw. – sich zugewisen wissen, sind die geschichtlichen „Orden“ nicht eigentlich durch einen praktischen „Zweck“ charakterisiert, sondern durch ein „Ziel“, durch einen wurzelhaften („radikalen“) Dienst am Ganzen der Kirche, eine neue Entfaltung ihres Ideals gegenüber zeit­weiliger Entstellung oder Entartung, einen geistgewirkten Impuls zur („sühnenden“) Ergänzung des an der zeitbedingten („empirischen“) Kirche „Fehlenden“, zur beispielhaften unverkürzten Verwirklichung der „Gemeinschaft der Heiligen“ im Kleinen (ecclesiola in ecclesia). Vielleicht am stärksten tritt dies in Erscheinung in der Bewegung, die an den vom „Evangelium“ bis ins letzte erfaßten poverello anknüpft und die man geradezu die „echte Reformation“ der Kirche nennen möch­te. Dabei ist es von größter Bedeutung, daß der „Orden“, der der durchgängigen Neu-„Ordnung“ der Gemeinde Christi zu dienen als seine große Aufgabe fühlte, nicht ein Priester-, sondern ein Laienorden (wenn auch bald unter priesterlicher Führung) war, ja daß der eigentliche primäre Orden des hl. Franz nicht der „Erste“, sondern der (nachmalige) „Dritte“ Orden ist, der bewußt die Menschen aus allen Berufen, vom Bettler bis zum König, zu einer neuen, „evangelischen“ Lebensordnung aufrief; der (nachmalige) „Erste“ Orden der in Gemeinschaft lebenden (geistlichen und Laien-)„Brüder“ ist in der Idee des Gründers gleichsam innerhalb des (als Keim­zelle der Wiedergeburt der Kirche wirkenden) großen Weltordens noch einmal eine Keimzelle für die stets neue Verlebendigung des „freien“ (nicht auf die Lebensgemeinschaft beschränkten) Ordens.

Die Kirche Christi ist als „Pilgerin“ „unterwegs“. Ihre Füße sind unrein vom Schmutz der Erde, ihre Kleider vom Staub der Straßen befleckt. Sie hat immer wieder – je mehr der „Tag des Herrn“ zu nahen scheint, um so mehr! – Anlaß, sich zu reinigen und zu rüsten für ihren „Bräuti­gam“. Ja, sie hat in der Auseinandersetzung mit der bösen „Welt“ man­chen Schaden erlitten, hat sich nicht von aller Ansteckung aus der sie umgebenden Atmosphäre bewahren können351. Sie bedarf allzeit der „Buße“352, der Erneuerung und Verjüngung, vor allem sie selbst immer neu das „Omnia instaurare in Christo“ (Pius X.). Wie anders sollte diese Erneuerung bei ihr als einem „Leib“ vor sich gehen als durch Verjüngung ihrer Zellen und Glieder? Wenn ein lebendiger Organismus erkrankt, so werden aus der Lebensmitte alle Kräfte gesammelt, um neue, gesunde und lebenskräftige Zellen zu bilden und mit ihnen das lebensuntüchtig gewordene Gewebe zu ersetzen; von dieser Regeneration der kranken

Stellen geht dann, wenn genügend Reserven an gesunder Lebenskraft vorhanden sind, eine Verjüngung des ganzen Organismus vor sich, so daß das „Fieber“, die akute „Krankheit“, in der Tat, wie die neuere Biologie es darstellt, ein Prozeß der Gesundung und Erneuerung ist, vielleicht dem Ganzen zu Heil und Fortschritt. Ob es nicht beim „Leib“ der lebendigen Kirche Christi ebenso sein muß: Ob nicht eben ein „Orden“ als ein solches Sammlungszentrum gesunder Verjüngungskräfte dafür in Frage kommt? Der englische katholische Schriftsteller Benson hat um die Jahrhundert­wende in einem bemerkenswert prophetischen Roman „Der Herr der Welt“ die Zukunft der Kirche wesentlich bestimmt gesehen durch einen neuen Orden, der, aus Not und Bedürfnis der Zeit geboren, den Geist der Urkirche in der Welt von Heute und ihren Formen noch lebendig macht.

Wenn man die Tatsache auf sich wirken läßt, in welch erstaunlichem Umfang Benson inzwischen tatsächlich eingetretene Zukunftsentwicklun­gen, z. B. technischer Art, die zu seiner Zeit ganz phantastisch schienen, vorhergesehen hat, so kann man wohl auch seiner Sicht der Zukunft der Kirche – nach Abzug alles Romanhaften – Bedeutung nicht absprechen.

2. Die Verwirklichung der Grundeigenschaften der Kirche im „Orden“ der Zukunft

Wie müßte der „Orden der Zukunft“ aussehen, der solchen Dienst der Kirche Christi zu leisten berufen wäre? Er müßte offenbar in sich im Kleinen, gleichsam als ihr Prototyp, lebendig und überzeugungskräftig die Kirche Christi in ihrem wahren und echten Geist, ihrem äußeren Wir­ken und inneren Leben, zum Ausdruck bringen.

a. Einig

„Einheit“ in der Mannigfaltigkeit („Katholizität“), „Heiligkeit“ und „Apostolizität“, die Grundeigenschaften der Kirche Christi, müßten in diesem Orden in einer Weise zutage treten, daß darin Symbol- und beispielhaft der eigentliche gottgewollte Charakter der Kirche Christi zum Ausdruck käme, daß durch eine gewisse „Übergebühr“ der Glaubensleistung süh­nend ergänzt und ersetzt würde, was an der Großkirche als Versäumnis und Mangel erscheint; daß durch die vom Orden ausgehende motorische Kraft die Gesamtkirche aus stagnierender Ruhe wieder in lebendige Be­wegtheit käme in Richtung auf das große Ziel, das „REICH“ Jesu Christi. Einheit in der Mannigfaltigkeit, Mannigfaltigkeit in der Einheit! Der Orden vom Reich Christi – nennen wir ihn einmal kurz „Kyrios-Orden“ – müßte, als „ecclesiola in ecclesia“, sich in gleicher Weise auf beide Geschlechter erstrecken, wie dies schon im Abenmahlsaal nach der Himmelfahrt des Herrn in der sich bildenden Herrengemeinde als ein charakteristischer Zug in die Erscheinung trat353. Er müßte so die Schöpfungsmitgift des Mannes wie des Weibes zu deren naturgemäßer Ergänzung und wechsel­seitigen geistigen Befruchtung vereinen – selbstverständlich unter kluger (– d. h. nicht ängstlicher –) Verwirklichung aller notwendigen Sicherun­gen zur Verhütung unguter Auswirkungen solcher Begegnung der Ge­schlechter in der heiligen Freiheit des GEISTES – er müßte die Möglich­keit schaffen, an alle von ihm in Angriff genommenen praktischen Aufgaben in einheitlicher Planung je nach der besseren Eignung des einen oder des andern Geschlechts „Brüder“ und „Schwestern“ einzusetzen, die alle vom gleichen Geist beseelt, vom gleichen Apostolatsdrang erfaßt ein innerlich einheitliches „Werk“ schaffen. So bekommt das „Werk“ des Ordens einen „katholischen“, d. i. universal geformten Charakter, der überzeugend und vorbildhaft zu wirken vermag.

Der Kyrios-Orden müßte allen „Berufen“ in gleicher Weise offenstehen, sofern nur die für den Orden wesentliche apostolische Grundberufung gegeben ist. Vom Akademiker bis zum „Unge­bildeten“ sollten alle Bildungsschichten in ihm – wie am Tisch des Herrn – in geschwisterlicher Gemeinschaft verbunden sein, wobei jedes „Glied“ ohne Überheblichkeit oder Minderwertigkeitsanwandlung – beides Erscheinungsformen der gleichen Ichbezogenheit! – den ihm aufgrund seines gottgegebenen „Talents“ zugewiesenen „Dienst“ am Ganzen schlicht und einfach erfüllte; solche Gemeinschaft wäre eine tägliche Schule der Einfachheit, Demut und Liebe, durch die die Jüngerschar Christi ausgezeichnet sein muß, durch die sie überzeugend wirkt wie die Urgemeinde: „homothymadón“: „ein Herz und eine Seele“!354 (Weihe-)Priester und (priesterliche) Laien müßten in ihm – nicht wie „Herren“ und „Knechte“, sondern – wie in der benediktinischen oder franziskanischen Urgemeinschaft „brüder“lich355 vereint, wechselseitige ehrfürchtige Liebe und Dienstbereitschaft, ja in der Tat den Geist der Fußwaschung sinnfällig verwirklichen, der leider gar viel­fach nicht mehr überzeugend in die Erscheinung tritt, in vielen bestehen­den Gemeinschaften wie in der Kirche im Großen.

Aber auch die standesmäßige Sonderberufung der einzelnen müßte im Kyrios-Orden ihre Form der Verwirklichung finden: die jungfräulich von aller Bindung des Blutes um des Herrn wil­len Gelösten müßten in ihm eine herzwarme Familie des Geistes finden, in der sie verwurzeln, von der getragen sie ganz dem großen Apostolat des „Reiches“ sich hingeben oder, gemäß ihrer Veranlagung und Vorbildung, ihren geistigen oder prakti­schen Dienst im „Werk“ verwirklichen können. Aber so wesentlich der Geist, praktischen Bestand und apostolische Durchschlagskraft diese ge­gebene Kerngemeinschaft innerhalb des Ordens sein mag, so nötig ist ihm selbst, soll er mit der Fülle des Lebens verbunden bleiben, die Ergän­zung durch diejenigen, die auf Grund der Ausübung ihres bürgerlichen Berufes ganz im Leben der „Zeit“ und der „Welt“ stehen; bei aller Be­deutung, die „klösterliche“ Abgeschlossenheit vor allem für tiefste seeli­sche Kultur bei gegebener persönlicher Berufung haben kann, ein „Orden“, der sich als solcher klösterlich abschlösse, könnte die große unmittelbare Wirkung auf die Welt nicht ausüben, zu der gerade der Orden der Kirche Christi gerufen ist. Nicht als Anhängsel, als Objekt des „ersten“ (Gemeinschafts-)Ordens, nein, als Mitsubjekt, als die zweite grundwesent­liche Säule des Gesamtordens muß die Schar derer im Orden wirken, die – analog dem „Dritten“ Orden oder den „Oblaten“ – im Getriebe des Le­bens der Welt stehen und dort „Gemeinschaft der Heiligen“ darstellen sollen.

Ja, es gilt diese Erwägung schließlich auch von der Einbeziehung der Ehe in die Lebens- und Wirksphäre des Ordens. So wahr es ist, daß Eheleute allzu leicht der letzten Hingabe an den Herrn über einer gewissen Selbstbefriedigung vergessen356, sie sind nicht weniger als andere zur Jünger­schaft Christi und zur Vollkommenheit der Liebe aufgerufen357 und er­halten im „Sakrament“ eben dazu die tägliche Gnadenausrüstung; sie benötigen freilich gerade in ihrem Stand der Gebets- und Beispielshilfe der Brüder und Schwestern, die die Dämonie des Blutes überwunden haben. Und andererseits: die „Welt“ ist nicht für den HERRN zu ge­winnen, wenn nicht der schöpfungsmäßige Brunnquell des natürlichen Lebens von der Kraft des Heiligen Geistes neu durchdrungen wird, wenn nicht echte Christkönigsfamilien vorleben, daß und wie solches „Geheim­nis“ der Gnade geschieht. So muß innerhalb des Kyrios-Ordens ein Lebens- und Entfaltungsraum für wahrhaft apostolische Eheleute gegeben sein; sie müßten vom Orden her eine durchaus ihrem Stand entsprechende Le­bensordnung nahegebracht erhalten; sie wären aber innerhalb des Ordens durchaus nicht nur die Empfangenden: sie vermitteln dem Orden als Gan­zem viele Lebenseinsichten, ohne die sein Apostolat blutleer, seine Ver­kündigung lebensfern und unglaubhaft, vielleicht selbst seine aszetische Auffassung und Praxis einseitig, unnatürlich und gequält zu werden droht. So schwierig die praktische Verwirklichung der Forderung nach irgend­welcher Vereinigung der Ehelosen und der Verheirateten in der Einheit des Ordens sein mag, sie ist ein Prüfstein der wahrhaften Berufung des Ordens als Erneuerungszentrum der Kirche Christi.

Der Kyrios-Orden darf als solcher keiner Nation zugehören, keiner natio­nalen „Kultur“ ver­schrieben sein, sondern wird insofern wahrhaft „ka­tholisch“, d. h. allumfassend sein, als er grundsätzlich allen Nationen offen­steht, ja sich bemüht, in allen Wurzeln zu fassen, so wird er – ohne einem verwaschenen Kosmopolitismus als Prägeform seiner Mitglieder zu hul­digen – wiederum die gottgegebene besondere Mitgift jeder Nation inner­halb ihrer Grenzen positiv entfalten und anderseits alle sich wechselseitig anregen und ausgleichen lassen, wie es dem großen Plan des Vatergottes entspricht, der seine Sonne über alle leuchten läßt, und der an Pfingsten den GEIST über alle ausgoß. Allem Mißbrauch Christi und seiner Kirche für nationale oder gar wirtschaftliche „Interessen“ wird er sich verschließen; seine Mission ist einfach und umfassend zugleich: Verkündigung von Kreuz und Auferstehung Christi und der Erlösung in seinem Blut, Zeu­genschaft für die Herrlichkeit des einen und einzigen HERRN und seines Reiches, nicht für vergängliche Ehre irdischer Macht. So wird der katho­lische Orden von selbst zum Diener und Anwalt des Friedens Christi im Reich Christi.

Der Kyrios-Orden soll und wird einen ausgeprägten Charakter aufweisen gegenüber der ge­schichtlich in Erscheinung getretenen typenmäßigen Aus­prägungen geistlichen Lebens, aber nicht eigentlich als ein neuer Typ neben ihnen, sondern als deren Synthese. Innerhalb des Kyrios-Ordens muß wie im Großen der Kirche sich ein steter Ausgleich vollziehen zwi­schen den mehr „beschaulichen“ und den mehr „aktiven“ Berufungen, der mehr methodischen und den mehr Geistesfreiheit in Anspruch nehmenden Richtungen, der mehr tragisch-pessimistischen wie der ebenso berechtigten gläubig-optimistischen Lebenshaltung usw.; „benediktinische“ und „fran­ziskanische“, „jesuitische“ und „salesianische“ Frömmigkeit soll sich zu Hause fühlen können in dem „katholischen“ Orden der allumfassenden Kirche, aufgrund der für ihn wesentlichen Geistesfreiheit, die vor allem die wesentliche – d. i. wohl die von Schrift und Liturgie als den eigent­lichen „katholischen“ Quellen der Gottinnigkeit her bestimmte – Fröm­migkeit pflegt, die als Pflicht für alle ja nur ein Minimum des allen gerecht Werdenden fordert, im übrigen den Spielraum des „Rates“356, d. i. freie individuelle Wahl der Mittel aufgrund der persönlichen Geistführung, zugesteht.

Diese Katholizität wird die ganze Geisteshaltung des Kyrios-Ordens be­stimmen. Aller geistigen Verengung abhold, wird er in großer Freiheit sich des ganzen Reichtums der Gesamtkirche freuen, der Charismen des Ostens wie des Westens, des Nordens wie des Südens, der Urgemeinde, des „Mittelalters“ und der „Neuzeit“. Er wird, keiner theologischen oder philosophischen „Schule“ verschrieben, aller echten, d. i. vom Heiligen GEIST kommenden „Gnosis“ offenstehen. Seine „Theologie“ und „Ver­kündigung“ wird vor allem eine unmittelbar aus den Offenbarungsquel­len schöpfende „biblische“, darum einfache und wesenhafte sein; doch wird der Orden in überzeitlicher katholischer Weite bei den „Vätern“, aber auch bei all ihren geisterleuchteten Epigonen, allen „Lehrern“ der Kirche, demütig und lernbegierig in die Schule gehen, ohne aber auf einen zu schwören als auf ihrer aller „Meister“. Von der Weisheit des Kreuzes und der Gnade Gottes allein alles Heil erwartend, wird der Kyrios-Orden doch keinem falschen Supranaturalismus oder Mystizismus zuneigen; die Natur als Gottes Schöpfung ist in ihrer weisen Ordnung und ihrer Zu­ordnung zur „Über-Natur“ für ihn aller ehrfürchtigen Pflege wert; „Hu­manität“, am „Menschensohn“ orientiert, wird für ihn ein Begriff von tiefem Inhalt und verpflichtender Bedeutung sein, Voraussetzung und Grundlage aller echten „Seelenkultur“ und Reich-Gottesverwirklichung; von menschlicher „Leistung“ erwartet er nicht „Erfolg“ oder gar Heil, wohl aber in vertrauendem Glauben Bewahrung und Mehrung der Gna­denhilfe Gottes, der „jedem nach seinen Werken“ zu „vergelten“ verhei­ßen hat. Allen „Ismen“, als Einseitigkeiten abgeneigt, dient der Kyrios-Orden in allem der Synthese, nicht verdächtiger menschlich-künstlicher, sondern der in Gott verwirklichten „Fülle“, vor dessen „complexio oppositorum“ menschliche Logik immer aufs neue kapitulieren muß. Ja, der Kyrios-Orden wird so „katholisch“ sein, daß er auch die in abgespaltenen Gruppen verstreuten Sprengstücke göttlicher Wahrheit wieder einzusam­meln sucht in die große Scheune des HERRN, um so auch deren Wort­führer heimzuführen zur „einen Herde“. Der wahrhaft „katholische“ Orden überwindet in seiner Fülle alle „Häresie“ von innen heraus und verwirklicht so die hl. Einheit der Kirche.

Una Sancta! Darin besteht das Wesen der „Gemeinschaft der Heiligen“ („Kirche“), daß sie vom HERRN gerufen und als Eigentum angenommen – das ist eben „heilig“ – ist. Und das ist der Sinn ihrer Berufung, der „Wille Gottes“: ihre „Heiligung“ als einer in Liebe gottverlobten „Braut“359, geschmückt mit allen Gaben des GEISTES für den himmlischen „Bräutigam“, „ohne Makeln und Runzeln“380, in Sein und Leben ein einziges „Lob seiner Herrlichkeit“361. „Heiligkeit“ ist das vornehmste Kennzeichen der Gemeinde Christi. Es muß daher ebenso sinnfälliges Wesensmerkmal des Ordens sein, der wesenhafter Erneuerung der Kirche dient. Die „Heiligkeit“ des Kyrios-Ordens muß zutage treten als eindeutige Lebensantwort des Ordens auf die Berufung vom Herrn, und zwar als Antwort der einzelnen Glieder des Ordens und als das in die Erscheinung tretende Gemeinschaftsleben des Ordens als solchen.

b. Heilig

„Heiligkeit“ ist nicht Fehlerlosigkeit, Vollkommenheit der Natur, ihrer Anlage und Entfaltung im Leben. Auch die („kanonisierten“, d. i. zur „Richtschnur“ aufgestellten) „Heiligen“ waren fehlsam und mit Schwä­chen aller Art behaftet – alle Menschen stehen irgendwie unter der „Sünde“ und ihren Folgen362, sei es auch nur auf Grund der geheimnis­vollen „Erbmasse“, die einen jeden mit den Sündenfolgen seiner Vor­fahren bis auf Adam irgendwie belastet. Heiligkeit ist die Aufnahme der göttlichen Gnade in die Mitte der eigenen Existenz in Glaube, Hoffnung und Liebe, letztlich die Liebe Gottes aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften. Heiligkeit, in ihrer subjektiven Wirklichkeit gesehen, ist das letzte Ernstmachen mit der die Existenz des „Christen“ begründenden Tauferklärung, dem Reich des „Bösen“ vollkommen zu entsagen und aus dem Glauben an den dreieinigen Gott zu leben. Wenn man auch das Versagen aus Schwäche und Armseligkeit „Sünde“363 heißen will, so verträgt sich solche „Sünde“ durchaus noch mit „Heiligkeit“, so­fern nur der Wille des „Heiligen“ auf die Überwindung auch der kleinsten Störungen der Harmonie mit Gott gerichtet bleibt – nach Maßgabe der persönlichen Einsicht und Kraft, bzw. der gottgeschenkten Gnade. Durch solche Willenseinstellung ist dann freilich jede zum „Tod“ führende „Sünde“364 ausgeschlossen, da das Wesen dieser Sünde ja eben in der Willensabkehr von Gott gelegen ist. Heiligkeit ist also einfachhin Liebe nach dem Maß der jedem gegebenen Gnadengabe, sich auswirkend nach der jedem einzelnen gewordenen persönlichen Berufung. Solche „Heilig­keit“ – besser gesagt: solches Heiligkeitsverlangen und -streben – muß ein Charakteristikum der Kyrios-Brüder und -Schwestern sein. Von keinem andern Gesichtspunkt darf die Gliedschaft im Kyrios-Orden, wenn er sich und seiner Berufung treu ist, so bestimmt sein als von solcher grund­sätzlich „heiliger“ Lebensentschlossenheit. Ein heiliger Radikalismus des Strebens, entzündet an der Gesinnung des HERRN365, dessen Speise es war, den Willen des VATERS zu tun366, muß immer neu als GEISTES- funke von einem Glied des Ordens auf den andern überspringen und von all diesen in heiliger Leidenschaft Entbrannten auch die liebeskalte Welt in Brand stecken, wenn anders der Orden seine Berufung erfüllt.

Echte Liebe offenbart sich vor allem in der selbstverständlichen Opferbereitschaft für den Geliebten. So muß im Kyrios-Orden, sehr zum Unter­schied von der Opferscheu in weiten Kreisen der Kirche, die die „erste Liebe“ verlassen haben, jedes Opfer – Besitz, Geltung, Ehre, Eigenwille, Bequemlichkeit, „Lebensgenuß“ aller Art, ja das Leben selbst – gefordert werden können und froh geleistet werden, das um der Verherrlichung Gottes, um des „Heiles“ des „Näch­sten“ bzw. der „Welt“, um der gott­gegebenen Mission des Ordens willen sich als gottgewollt nahelegt. Solche, letzten Opfers fähige und mit aller Liebe – nicht nur in klingenden Worten der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit – im Leben ernstma­chende Entschlossenheit ist das letzthinnige Kennzeichen der Jüngerschaft Christi, daher auch des Kyrios-Ordens, der nicht mehr aber auch nicht weniger sich zum Ziel setzen darf als eben das letzte Ernstmachen mit der Jüngerschaft Christi.

Auch die „Gemeinschaft der Heiligen“ im Kyrios-Orden wird wie die Kirche im Großen aus Menschen bestehen. Menschen sind zeitlebens unterwegs und noch nicht am Ziel. Die „Heiligen“ fallen nirgends vom Himmel, sondern wachsen heran im „Kriegsdienst“ des Lebens. Und Men­schen haben – vom Schöpfer! – ein sehr verschiedenes Maß an Liebes­kraft und Willensstärke als Mitgift ins Leben mitbekommen, wodurch auch ihre persönliche Berufung irgendwie bestimmt ist. Ja das Maß der per­sönlichen Gnade und damit der Hingabefähigkeit der einzelnen ist in der Lebenskurve bestimmten, nur zum Teil erklärbaren Schwankungen unter­worfen. Diesen Wirklichkeiten wird der Kyrios-Orden Rechnung tragen müssen in psychologisch einfühlender Rücksichtnahme auf das einzelne berufene, aber organischen Wachstumsgesetzen unterworfene und daher nur allmählich zur Vollreife gelangende Glied. Er wird von selbst sich in konzentrischen Kreisen aufbauen nach dem Maß des Radikalismus äußerer Lebenshingabe, zu dem der einzelne sich gerufen bzw. (mit der Gnade) fähig weiß; die Nähe zum Zentrum dieser konzentrischen Kreise wird mehr oder weniger den Grad der aktiven Mission des einzelnen be­stimmen; Sinn und Ziel der ganzen „Organisation“ muß es sein, planmäßig von der Peripherie her zum Zentrum hereinzuholen, nicht in Gleichmacherei bzgl. der äußeren Lebensform, sondern in Aufruf und Er­ziehung zu immer radikalerer Verwirklichung des Liebesgeistes; dieser ist das Zentrum des Ganzen, in seiner „existenziellen“ Aufnahme ins Le­ben muß die Entscheidung des einzelnen für den Kyrios-Orden im letzten bestehen.

Eine Gemeinschaft von „Heiligen“, d. i. von Menschen, in denen die Früchte des Heiligen Geistes greifbar zutage treten, ist von selbst auch Gemein­schaft der Heiligen, die auch als solche für die Heiligkeit der „Kirche“ zeugt und ihr dient. Alle Geistesgaben sind ja nicht nur um des einzelnen willen gegeben, sondern für den allgemeinen Nutzen367, sollen letztlich dem Aufbau des heiligen Leibes Christi in Liebe dienen. „Philadelphia“, herzwarme, „ungeheuchelte“ Bruderliebe wird das unübersehbare Merk­mal der heiligen „Familie“ sein, mit welchem ansprechenden (verpflichten­den!) Namen die Liturgie auch die Kirche im Großen bezeichnet. Die ganze Ordensregel des Kyrios-Ordens wird von diesem Geist erfüllt sein, der echte, ungezwungene und frohe „Gemeinschaft“ verwirklicht, in der jeder einzelne in zuvorkommender Rücksichtnahme des andern Last, jede Teil­gruppe in ihrer besonderen Art die Last des ganzen Ordens, ja der gan­zen Kirche mitträgt. Der Gemeinschaftsegoismus, der allzuleicht und all­zuoft unter schönerem bestechenden Titel an die Stelle des Einzelegoismus tritt, wird im Kyrios-Orden keine Heimat haben; er weiß darum, daß er nicht um seinetwillen da sein darf, sondern um der Gesamtkirche willen, der er dient. Der größte Dienst, den er der großen Gemeinde Christi zu leisten vermag, wird aber der lautere Idealismus des Heiligkeitsstrebens sein, an dem sich immer wieder alle Ordensglieder gegenseitig und alle diejenigen entzünden, die mit ihm in Berührung kommen. Alles Leben der Gemeinschaft wird durch ihn „geweiht“ und „geheiligt“, d. i. zum ech­ten, wesenhaften „Gottesdienst“368. „Ora laborans, labora orans!“ wird seine „heilige Regel“ sein: verherrlicht Gott mit all eurer Berufs-Arbeit, dient ihm und den Mitmenschen wie in einem Werke durch euer Beten des Mundes! Die Heiligwerdung und Heilighaltung allen gemeinnützigen Berufsdienstes ist von wesentlichster beispielgebender Bedeutung gegen­über der Säkularisierung allen Lebens in der Welt von heute. Aber auch, und wahrlich nicht zuletzt, der heilige Dienst des gemeinschaftlichen Got­teslobes ist wie ein unaufhörlich sprudelnder Quell der Gemeinschafts­heiligung und so zugleich bedeutsames Apostolat; nichts tut der in ihrer „Heiligkeit“ zu erneuernden Kirche mehr not und soll darum auch der Kyrios-Orden in wahrhafter liturgischer Selbstbesinnung sorgsamer pfle­gen als sinn- und seelenvollen Gemeinschaftslobpreis Gottes in einer den geistdurchglühten Gemeinschaftssinn der Urkirche atmenden „Eucharistie“ und einem die Stunden des Werktags lebendig mit Gott verbindenden Stundengebet. Das ist wahrhaft „sancta ecclesia“ im Kleinen und Keim­zelle neuen heiligen Lebens der Kirche im Großen.

c. Apostolisch

Gemeinschaft von „Heiligen“ ist von selbst „apostolisch“: „sendungsmäch­tig“. Denn kein Apostolat ist überzeugungsmächtiger als das eines ganz durchchristlichten Seins und Lebens. (Reich-Gottes-)„Erfolg“ hat die Kirche – und so auch jede in ihr wirkende Gemeinschaft – genau so viel, als sie selbst in Tat und Wahrheit „heilig“ ist. Die Kirche im Großen bewahrt, auch wo sie die Berufung zur Heiligkeit nicht voll erfüllt, ihre objektive Sen­dungsmacht, wie sie diese von ihrem Herrn erhalten hat: die Offenbarung Gottes zu verkündigen und die Heilsgeheimnisse zu verwalten369. Ihre in „apostolischer Sukzession“ stehenden Organe vermitteln diese Heilsgüter in Christi Namen und Kraft, daher im wesentlichen unabhängig von ihrer persönlichen sittlichen Würdigkeit („Heiligkeit“)370. Aber alle Glieder der Kirche nehmen kraft des in Taufe und Firmung vermittelten „allgemeinen Priestertums“ teil an dem allgemeinen Sendungsauftrag und, wenn auch in entsprechender Begrenzung, der Sendungsmacht. Ihr Wirken, das nicht auf Amtsvollmacht aufbaut, ist aus diesem Grund viel stärker gebunden an die Heiligkeit ihres persönlichen Lebens.

Der Kyrios-Orden wird weniger der Ort der „missio canonica“, der ob­jektiven Amtssendung, als des unmittelbar gottgeschenkten (– aber in die Amtsordnung sich einfügenden –) „Charis­ma“ sein, das überaus vielfältig ist und in seiner Spitze, dem „Prophetentum“, an praktischer Apostolatsbedeutung hinter dem Wirken der Amtsträger nicht zurücksteht371.

Das Bewußtsein apostolischer Mitverantwortung auch der einfachen Glie­der des „Volkes“ Gottes, der „Laien“, ist in der Kirche weithin verküm­mert, zum Teil wohl schon seit die Taufe nicht mehr persönliche Lebensentscheidung der Christen ist, die heute in gläubiger Familie ohne ihr Zutun in das Reich Christi einfachhin „hineingeboren“ werden. Von selbst entfaltet sich aber Sendungsverantwortung und Sendungsdrang bei dem, der zu wachem Be­wußtsein der christlichen Adelswürde mit all ihren herr­lichen Gnadengaben372 gekommen ist. So ist es natürlich, daß gerade der Apostolatscharakter dem Kyrios-Orden ein besonderes Gepräge geben muß. „Jeder Katholik ein Missionar“ (Lacordaire) – das wird in besonderer Ausprägung von allen Gliedern des Kyrios-Ordens gelten: all ihr tägliches Leben und Tun, ihr persönliches wie das der Gemeinschaft, muß irgendwie bestimmt sein durch das Wissen um die große Aufgabe: Aufbau des Rei­ches Gottes in der „Gemeinschaft der Heiligen“, d. i. der Kirche und durch sie in der Welt.

„Apostolischen“ Charakter wird schon das persönliche Leben der Glieder des Kyrios-Ordens tragen. Keineswegs Verächter der gottgemäßen Le­bensfreuden, die sie durchaus mit frohem Dank genießen373 – freilich zu­gleich „als genössen sie nicht“ –374 nicht weltflüchtig und lebensscheu, werden sie doch von aller Verstrickung in die Verführung der genieße­rischen „Welt“ sich mit herzhafter Entschlossenheit freihalten, alles hinter sich werfend, was irgend­wie ihre apostolische Wirkentfaltung hindern oder mindern könnte375; sie werden ein bedeutsames Apostolat schon allein dadurch ausüben, daß sie durch ihr Leben den bestehenden Vorwurf der Welt zunichte machen, als „entschädigten“ sich die Zölibatäre und Enthalt­samen für ihr Lustopfer durch anderes „Genießen“ aller Art. Schlichtheit und Einfachheit wird ihre gan­ze Lebenshaltung376 und auch irgendwie ihr Apostolat kennzeichnen, ohne daß sie der herrlichen Freiheit der Gottes­kinder entrieten, auch all dessen sich, auch als natürlicher Mittel zur Ver­herrlichung Gottes, zu bedienen, was in der Welt in Achtung und Ehren steht377: Wissen­schaft, Bildung, Kunst, Geschmack usw., Werte, die sie durchaus als solche schätzen, sie freilich einordnend in die „heilige Ord­nung“, die von oben her bestimmt ist. Von dieser heiligen Ordnung her hat auch der Inhalt ihres Apostolats, ihr „Werk“, sein Gesetz. Nicht ir­gendwelche apostolische „Betrieb“samkeit darf das Wesen des Kyrios-Ordens kennzeichnen, vielmehr gerade eine planmäßige Ausrichtung auf das Wesentliche379 des Reich-Gottes-Gedankens sowie auf das, was je­weils in der Großkirche im argen liegt oder verkümmert erscheint und darum der Neuaufnahme und Herausstellung durch von der Gnade frei gerufene Organe bedarf, Pionierarbeit an besonderen Zeitaufgaben, die zwar leicht Verkennung begegnet, deshalb aber nicht minder „not-wendend“ ist.

„Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit“379 wird als oberstes Ziel aller apostolischen Tätigkeit voranleuchten. Alles und nur was diesem Hochziel allen echten „Gottesdienstes“ entspricht, wird in das Apostolat des Kyrios-Ordens aufgenommen werden können. Und ebenso alles, was der Verwirklichung der Liebesgemeinschaft dient; sie ist ja vornehmlich Sinn und Ziel der „Kirche“380; als Gemeinschaft der Liebe Christi erweist sie sich am über­zeugendsten in ihrer Gottessendung381. Das Apostolat des Kyrios-Ordens wird also nicht – wie vielfach heutige „ordentliche“ Seelsorge und „außerordentliche“ „Mission“ – vornehmlich quantitativen Charak­ter tragen mit dem Ziel zahlenmäßiger Steigerung der kirchlichen „Pflicht“- betätigung (Gottesdienstbesuch, Beichthäufigkeit, Kommunionen usw.), sondern gerade qualitativen: Weckung einer ganz von den „göttlichen“ Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und Liebe durchdrungenen Gesinnung382, wahrhaft evangeliumsgemäße Durchseelung des Berufs- wie des Gebets-Gottesdienstes wird im Apostolat des Kyrios-Ordens ausschlag­gebenden Rang haben. Als lebensmäßig erwachsende natürliche Frucht solcher evangelischer „Metanoia“, die von oben Gnade auslöst, nicht als „Erfolg“ methodisch psychologischer Seelsorge„arbeit“, wird der Kyrios-Orden auch quantitativ nicht weniger Eroberungen machen als die metho­dische Betriebsamkeit anderer, aber seine „Erfolge“ werden tiefer gegrün­det sein und den Anfechtungen der Welt mehr standhalten als erfahrungs­gemäß die andern. Nicht als ob der Kyrios-Orden die Mittel „moderner“ Seelsorgemission verschmähte, im Gegenteil! Aber durch deren grund­sätzliche Wertung als durchaus sekundärer Hilfen im Vergleich zum Auf­bau der Gemeinde von der „Mitte“ – dem Altar! – her wird ein Apostolat auch ohne in die Augen fallenden äußeren Unterschied gegenüber andern seinen besonderen Charakter aufweisen. Von selbst ergeben sich aus sol­cher grundsätzlicher Orientierung bestimmte Apostolatsaufgaben und -methoden. Als solche wären etwa zu nennen: planmäßige Einführung des christlichen Volkes zum allzeit lebendigen Wort Gottes (schriftgemäße Predigt in GEISTES-“Salbung“, Bibelstunden und -kurse, Verbreitung täglicher Lesung des Neuen Testaments in den Familien usw.); darauf auf­bauend eine umfassende Geistesschulung, die vor allem das Wesentliche christlicher Existenz dem Volk in Fleisch und Blut übergehen läßt; Weckung eines von geisttötender Schablone und verflachender Gewohnheit sich fernhaltenden tiefen persönlichen Gebetslebens in sinnvoller383 (rationabile“!) Gestaltung (Pflege des Psalmengebets und -gesangs in der Volks­sprache, Volksbrevier!); (volks-)liturgische Durchformung des kirchlichen Gemeindegottesdienstes unter planmäßiger Heranholung der Gemeinde zu aktiver Mitfeier der heiligen Geheimnisse (Meßopfer, Sakramentenspendung); Erziehung zu mündiger Gewissensverantwortlichkeit384 in der per­sönlichen Lebensgestaltung der einzelnen; allseitige apostolische Formung möglichst vieler Gemeindeglieder, vor allem durch Heranholung zu prak­tischem Gemeinde- und Gemeinschaftsdienst (allseitige Entfaltung kirch­licher Gemeinde-„Caritas“, vor allem auch der brüderlichen „Nächsten“-Hilfe); Arbeit an der Überwindung der alle Seelenkultur von Grund aus verhindernden Genußkultur von heute, nicht zuletzt durch positive Pflege aller edlen Naturfreude sowie echter „Humanität“; Mitarbeit an der Ver­wirklichung einer wahrhaft sozialen Ordnung385 als natürliche Voraus­setzung des Reich-Gottes-Aufbaues u. a. So wird der „Geist“ des Kyrios-Ordens sich in der „ordentlichen“ Seelsorge fruchtbar erweisen. Aber seine besondere Aufgabe wird vor allem auch über die Ortsgemeinde und das Alltagsgegebene hinausgreifende „außerordentliche Mission“ sein. Dies nicht nur durch (durchaus christozentrisch geformte) Auswertung aller dies­bezüglichen Mittel (Einkehrtage, „Exerzitien“, „Missionen“, kirchliche Ge­meindeerneuerungswochen, Bibelwochen, Apostolische Ferienwochen, Ar­beitstagungen; „Presse“ usw.), sondern durch den allseitigen, geistigen und praktischen Dienst an den großen Aufgaben, die sich ergeben aus der Spannung zwischen der empirischen Existenz und dem Ideal der „Una Sancta Catholica Apostolica“. Es seien nur kurz genannt: „Una Sancta-Arbeit“ (planmäßige „Begegnung“ mit dem Ziel der Wiedervereinigung der getrennten Christenheit), Überwindung der „Häresie“ durch theolo­gische Entfaltung der katholischen Wahrheitsfülle entgegen schulmäßiger Abschließung und Verengung, Förderung übernationaler Begegnung der Katholiken zu wechselseitiger geistiger und praktischer Befruchtung (in­ternationale „Christkönigskongres­se“); Ersetzung des nicht sendungsmäch­tigen Kultbeamtentums durch wahrhaft apostolische „Diener am Wort“ und selbstlose „Hirten“ der Herde Gottes, Überwindung aller kirchlichen Selbstzufriedenheit und Selbstgerechtigkeit im Geist selbstkritischer Be­sinnung und „Buße“, Weckung und Pflege echten christlichen Bruder­geistes, nicht zuletzt auch zur Überwindung der mörderischen wechselseiti­gen Selbstzerfleischung der „christlichen“ Völker.

d. Katholisch

Der katholische Orden wird wie in seiner geistigen Haltung so in seiner praktischen Formung der Orden der Synthese sein. Er wird eine klare Autorität einheitlicher Führung verwirklichen, wie dies der kirchlichen Tra­dition entspricht und wird ebenso stark aus dem Bewußtsein leben, daß „Freiheit“ die Gegenwart des GEISTES388 anzeigt. Er wird also die geistige und gewissensmäßige Mündigkeit387 seiner Glieder nicht nur nicht hintanhalten, sondern gewissensverantwortliche persönliche Entscheidung der einzelnen388 ebenso pflegen wie den Geist hingebender Gottesliebe, durch den allein solche „Mündigkeit“ möglich gemacht wird. „Bindung so­viel als (– für die Erreichung des geistlichen Ideals sowie zur Verwirkli­chung der praktischen Zwecke des Ordens –) nötig, Freiheit soviel als (– ohne wesentliche Gefährdung der ‚Liebe‘ des einzelnen und der Liebes­verwirklichung der Gemeinschaft –) möglich“ wird der praktische Ord­nungsgrundsatz des Kyrios-Ordens sein müssen.

Der Kyrios-Orden wird im besten Sinne des Wortes „konservativ“ sein müssen, d. h. darauf bedacht, ehrfürchtig alle Geistesgaben zu hüten, die der Kirche im Lauf der Geschichte ge­schenkt wurden; er wird insbeson­dere auch die bewährten Erfahrungen der Ordensgeschichte der Jahrhun­derte für seine eigene Lebensentfaltung auswerten. Doch wird er keines­wegs zeitbedingte oder in besonderen Zwecken einzelner Orden begrün­dete Formen „konservieren“, die den inzwischen geänderten Zeitumstän­den, den offenbaren Bedürfnissen sowie geistgewirkten Erkenntnissen der Gegenwart sowie seiner eigenen Berufung nicht entsprechen. In der über­legenen Freiheit des vom Herrn gepriesenen Hausvaters389 wird er aus dem Schatz des immer neu fruchtbaren GEISTES Altes und Neues hervor­zuholen wissen, neuen Wein in neue Schläuche füllend390, also zugleich im besten kirchlichen Wortsinn dem „Fortschritt“ dienend.

„Basileia“ – das „Reich“ oder die Königsherrschaft des Allherrn „Kyrios“ – ist das große Hochziel der ganzen Heilsgeschichte der Menschheit391. Die „Ekklesia“ des Kyrios – kurz, aber mit überaus kennzeichnendem Aus­druck „Kyriake“ genannt: „Herren“-“Gemeinde“, -“Gemeinschaft“, -“Bru­derschaft“, -“Leib“, -“Braut“, -“Volk“, -“Haus“, -“Tempel“ – ist die Künderin und Dienerin dieses Königtums Christi auf Erden. Sie baut Reich Gottes auf als „Una – Sancta – Catholica – Apostolica“ – nach dem Maß, als sie die in diesen ihren Adelsprädikaten ausgedrückte Wesensverpflichtung in der Tat erfüllt. Unter dem allgemeinen Gesetz der mensch­lichen Gebrochenheit („Erbsünde“) stehend, bleibt sie aber immer und immer zu ihrem „Phänotypus“, ihrer sinnfälligen Erscheinung, in Span­nung zu ihrem Wesenssinn und bedarf daher zu jeder Zeit – zur einen augenfälliger, zur andern weniger – der „Buße“, der Rückbesinnung (Metanoia) auf den GEIST, der sie ins Dasein gerufen, der wurzelhaften Selbsterneuerung. Nach den Erfahrungen der Geschichte sind es immer wieder „Herrengemeinschaften“ („Kyriake“) innerhalb der Großkirche, „Orden“, die von Gott aufgerufen werden, diesem bedeutungsvollsten, innerkirchlichen Apostolat zu dienen. Auch unsere Zeit offenbarer „Wende“ scheint einen solchen „Orden“ im Dienst kirchlicher Erneuerung zu er­warten. Sein Bild – wir nannten ihn einmal kurz „Kyrios-Orden“, um die beherrschende Rolle des „Kyrios-Basileus“ in ihm zum Ausdruck zu brin­gen – hat in unserer Betrachtung konkrete Züge gewonnen, die mit einer gewissen zwangsläufigen Gesetzlichkeit aus der vorgegebenen Aufgabe erwachsen und nicht willkürlich ausgetauscht werden können.

3. Über Berechtigung und Berufung der Societas Christi Regis

Und nun erhebt sich als letzte die konkrete, für uns entscheidungsschwere Frage nach der Berufung unserer „Societas Christi Regis“. Wer vor dem von uns entworfenen Bild des „Kyrios-Ordens“ unsere Societas Christi Regis bis ins einzelne unvoreingenommen betrachtet, dem springen zwei Tatsachen unzweideutig in die Augen:

1) Die S.CH.R. ist geboren aus dem Bewußtsein der Berufung eben zu dem Dienst, den der Erneuerungsorden der Kirche zu leisten hat.

2) Ihr ganzer Aufbauplan verwirklicht in allen wesentlichen Zügen die durch solche Berufung geforderte „Gestalt“ und „Verfassung“ des Kyrios-Ordens.

Dürfen wir daraus, nach 25 Jahren „Geschichte“ der S.CH.R. den Schluß ziehen, daß die S.CH.R. in der Tat gerufen ist zu der größten und ver­antwortungsschwersten Aufgabe, die in der Kirche Christi zu leisten ist, einer Aufgabe von überragender geschichtlicher Bedeutung? Die beiden Tatsachen sind offenkundig:

1) Die S.CH.R. ist erwachsen aus dem Leiden um die „empirische Kirche“, besser gesagt um das Versagen der „Christenheit“ gegenüber der eindeutigen Forderung des HERRN an seine Gemeinde. Es ist kein Zufall, daß das Gründungsdatum der S.CH.R. zusammenfällt mit dem Ende des „Weltkrieges“. Die blutige Selbstzerfleischung der „christlichen“ Völker mußte jedem Tieferblickenden wie ein Gottesgericht – d. i. ein im Plan Gottes gelegenes Selbstge­richt der Welt – erscheinen über ein Christen­tum, das weithin Fassade, Form, Gewohnheit, frommer Eigennutz, ja heuchlerischer Mißbrauch des Namens Christi geworden war. Die „Kirche“ hatte versagt in ihrer „pontifikalen“ Aufgabe, zwischen den auseinander­strebenden Teilen der Menschheitsfamilie Brücken des Friedens zu schla­gen. Sie mußte versagen, da ihr die Liebeskraft fehlte, sich selbst als die Una sancta zu verwirklichen in der sinnfälligen und überzeugenden Ein­heit, die von selbst auch der Völkereinheit dient. Sie hatte den ,,sacro(!) egoismo“ nicht eindämmen können, der zwangsläufig ins Verderben füh­ren mußte, da in ihrem eigenen Schoß das „Heilige“ oft und oft nur Ver­brämung von Selbstversorgung und, mehr oder weniger verstecktem, Eigennutz geworden war. Ihr Charakter als allumfassende („katholische“) Weltgemeinschaft war vielfach verdunkelt durch geistige Verengung („Konfessionalismus“), nationale und personale Aspirationen ihrer Teilgemeinden, Verkümmerung des Bewußtseins der Weltverantwortung. Und so konnte auch ihre „Sendung“ („Apostolizität“) nicht mehr die Geistesmacht er­weisen, die eine vor der Katastrophe stehende Welt noch hätte zurück­reißen können. Alles Tatsachen, die für den Sehenden Gleichnis-Charakter tragen und in sich einen Imperativ zu Buße und Erneuerung bergen.

Aber gerade darin schien die „Kirche“ am meisten vor Gott gefährdet, daß sie nämlich die „Sünde“ im wesentlichen nur in der „Welt“ außer sich sah, ohne der eigenen Säkularisierung bewußt zu werden, und dem ehr­lichen Selbstgericht aus dem Wege ging, das Voraussetzung jeder gnaden­haften Metanoia ist. Das Leiden um die herrliche Braut Christi, die in ihrer (all­zu) menschlichen Erscheinung so viele Makel und Runzeln zeigte, also tiefes „Sentire cum Ecclesia“, ihrer gnadenhaften Berufung und Welt­verantwortung – nicht irgendwelcher „Zweck“gedanke – gebar die Socie­tas Christi Regis.

2) Der konkrete Charakter der S.CH.R. als eines „Ordens“ ist von einer geradezu gewagten Komplexität; wie wohl kein zweiter Orden innerhalb der Großkirche ist die S.CH.R. ganz bestimmt durch die Erkenntnis der weitausgreifenden Berufung, die im Dienst an der ganzheit­lichen Erneue­rung der Kyriake durch eine von ihr umschlossene, sie im Kleinen darstel­lende Herrengemeinschaft gegeben ist. Es müßte noch einmal alles wieder­holt werden, was über den Kyrios-Orden gesagt wurde, um die bis zur geo­metrischen Deckung gehende Übereinstimmung einsichtig zu machen. Es sei nur hingewiesen auf die umfassende Einheit in der Mannigfaltigkeit, wie sie in der S.CH.R. in ihrem verfassungsmäßigen Aufbau vorschwebt, den Aufbau des ganzen Ordens in konzentrischen Kreisen – Äußerer Kreis „Christkönigsbund“ ohne Verpflichtung zu einer konkreten Lebensord­nung; mittlerer Kreis „Freie Schar“ mit einer den Anforderungen bürger­lichen Berufs angepaßten Lebensordnung; innerster Kreis „Regulierte Schar“ mit ausgesprochen ordensmäßigem Gemeinschaftscharakter –, die Vereinigung einer Brüder- und Schwesterngruppe unter einer Gesamtlei­tung, den grundsätzlich übernationalen und den „Laien“-Charakter, die konkreten Zielsetzungen und Methoden seines Apostolats usw. – in allem erweist sich die Konzeption der S.CH.R. als die des geschauten Kyrios-Ordens.

Und nun steht die Schicksalsfrage vor uns nach unserer tatsächlichen gott­gegebenen Beru­fung. Ist sie die umfassende Berufung, die von Anfang an ihren Charakter bestimmte und ihre Verfassung formte? Oder war wohl die Berufung zur Mitarbeit an der – zweifelsohne vielen „Gliedern“ der Ekklesia anvertrauten – Erneuerungsaufgabe gottgegeben, aber in viel engerem Rahmen, als ihn ein großer gottgerufener Erneuerungsorden verlangte?

Auf diese Fragen kann nur die von Gottes Vorsehung geleitete Geschichte die Antwort geben. Wenn wir auf die so enttäuschungsreiche Geschichte der ersten 25 Jahre unserer S.CH.R. ins­besondere auf das bisherige Mißlingen des Aufbaues einer – für die große Mission wohl entscheidenden – lebendigen (Priester- und Laien-)Brüdergemeinschaft sehen, auf die nach einem Vierteljahrhundert zahlenmäßig so unbedeutende persönliche Kräf­teansammlung, nicht zuletzt auf unser aller persönliche Fehler und Unzu­länglichkeiten, müssen wir uns gedrängt fühlen, den Gedanken an eine so universale Berufung geradezu als Vermessenheit und Hochmut abzuwei­sen. Und doch steht all dem gegenüber ein Wissen um den Gnadenruf Gottes an uns, sich äußernd insbesondere im verpflichtenden Wissen um die Not der Kirche, auch eine offenbare Gnadenführung im einzelnen als unsere Erfahrung. Dürfen wir an Gottes Macht zweifeln, auch heute ge­rade das Kleine, das „keine Existenz“ hat392, zu erwählen, um das „Starke“ zuschanden zu machen, „auf daß kein Sterblicher sich seiner vor Gott rühmen“ kann? Eines nur tut uns not, wovon unsere Berufung ganz und gar abhängt: der Glaube Abrahams, der „uns allen zum Vater“393 gege­ben ist: „Er glaubte Gott, der die Toten lebendig macht und aus dem Nichts ins Dasein ruft. Ja, gegen alle (natürliche) Hoffnung glaubte er, ganz ein Mann der Hoffnung, daß er (nämlich) Vater vieler Völker würde, und zwar auf Grund des ihm gegebenen Wortes: ‚So zahlreich wird deine Nachkommenschaft sein.‘ Und er ward nicht schwach im Glauben; er schaute nicht auf seinen erstorbenen Leib – war er doch beinahe 100 Jahre alt! – noch auf den unfruchtbar gewordenen Schoß Saras. Er zweifelte nicht wie ein Ungläubiger an Gottes Verheißung, sondern bewährte eben sei­nen starken Glauben; er gab Gott die Ehre, fest überzeugt, daß Er die Macht hat, Sein Versprechen zu erfüllen. Und eben dies ward ihm als ‚Gerechtigkeit‘ angerechnet. So steht es geschrieben – nicht bloß seinet­wegen, sondern auch für uns: auch uns wird es ebenso angerechnet, wenn wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus Christus auferweckt hat von den Toten, ihn, der um unserer Sünden willen dahingegeben wurde, dann aber auferstanden ist, um uns die Gnade zu schenken“394.

Deĩ!

Christum oportet regnare! (1 Kor 15,25)

27.3.1944

Anmerkungen zur „Theologischen Abhandlung“

  1. Beruhigung und Befriedigung zugleich ist es für uns, daß Bruder Gottwills lange vor der neuen Proklamierung der Christkönigsidee (Einführung des Christkönigsfestes 1925) ge­radezu als Herold des Königtums Christi bezeichnet werden kann.
  2. Der Wesenssinn der Societas Christi Regis ist kurz aber erschöpfend ausgedrückt in der einfachen Begriffsbestimmung: Die S.Chr.R. ist eine Missionsgesellschaft im Dienst des Königtums Christi. Die folgenden Gedanken versuchen, diese Begriffsbestimmung etwas auszuschöpfen.
  3. Es ist nicht ohne Reiz und tiefen Sinn, daß die älteste Handschrift, die wir von irgend­welchen Teilen des Neuen Testaments besitzen, ein Papyrusfragment aus der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts, ausgerechnet die Selbstbezeugung Christi als König aus Joh 18 ent­hält. Vgl. auch die – offenbar schon in der urchristlichen Liturgie übliche – im Neuen Testament beliebte Doxologie, die sich sodann mit dem Vaterunser verbunden hat 1 Tim 1,17; 6,16; 1 Petr 4,11; 5,11; Offb 1,6; 5,12.13; 7,12; 19,1; Jud 25.
  4. Fast möchte man den Ausdruck Kyrios vorziehen, um das politisch deutbare und daher leichter in den Streit zu ziehende Wort „König“ zu meiden. Sollten wir je genötigt sein, unseren Namen zu wechseln, so müßte man uns als Kyriake, als die Hilfstruppe des Kyrios, bezeichnen, womit zugleich ein anderer Wesenszug unserer Gesellschaft mit an­gedeutet wäre: unsere Beziehung zur einen „Kirche“ Christi.
  5. Ps. 8,6
  6. Joh 1,1
  7. Quod de Tua gloria credimus, hoc de Filio Tuo sine differentia dlscretionis sentlmus (Präfation).
  8. 1 Tim 2,5
  9. Joh 13,13
  10. Joh 10,29
  11. Eph 1,10; Kol 1,16; Hebr 2,10 ff.; vgl. Joh 11,52
  12. 1 Kor 15,28
  13. Joh 18,36
  14. Joh 17,18; 20,21
  15. Joh 18,37
  16. Joh 17,2
  17. Joh 3,17; 1 Tim 2,4; Tit 2,11
  18. Joh 3,14-18; Röm 3,24; Eph 1,7; Hebr 9,12
  19. Apg 10,43; Kol 1,14
  20. Eph 2, 14-17; Kol 1,20; 2 Thess 3,16
  21. 1 Kor 10,16; 11,25.27; Eph 2,13; Kol 1,20; Hebr 9,12; 10,19; 12,24; 13,20; 1 Petr 1,19; 1 Joh 1,7; Offb 1,5; 5,9; 12,11; Mt 26,28; Mk 14,24; Lk 22,20; Joh 6,53 ff.; Apg 20,28.
  22. Eph 1,10
  23. Kol 1,19
  24. Joh 11,52
  25. Eph 2,14
  26. Joh 17,20 f.; Gal 3,28; Eph 2,15
  27. Röm 12,5 ff.; 1 Kor 6,15; 12,12 ff.; Eph 1,22; 4,4; 5,30; Kol 3,15
  28. Röm 15,5; Eph 2,18; 4,3; Phil 1,27
  29. Joh 13,34; 15,12 ff.; 1 Joh 3,16
  30. Joh 17,11; 21-23
  31. „Mysterien“ ist mit „Geheimnis“ nur ganz unzulänglich übersetzt. Dieses Wort drückt nur die Unerfaßbarkeit dessen für unsere Erkenntnis aus, was hier gemeint ist – eine, nicht einmal die wesentlichste Seite der Sache. Was gemeint ist, das ist eine gnaden- hafte Wirklichkeit, die in einer anderen Welt gründet und in unserer irgendwie zeichenhaft sichtbar bzw. wirksam wird.
  32. Eph 1,23
  33. Joh 14,26; 20,23
  34. 1 Kor 13,12
  35. 2 Ptr 3,13
  36. vgl. Koster, Ekklesiologie im Werden.
  37. Die uns Deutschen geläufige Ausdrucksweise „Irrgläubige“ klingt allzu selbstgerecht und für die Betroffenen verletzend. Sie ist im offiziellen Terminus „haereticus“ nicht begründet. „Häresie“ ist „Sonderung“ oder „Wahl“ oder Sonderung durch Auswahl, Her­auslösung bestimmter Wahrheiten aus dem Gesamtgefüge der „Katholischen“, d. i. all­umfassenden Wahrheit. Durch Überbetonung dieser herausgegriffenen (Teil)-Wahrheiten ohne die Mitbetonung der sie zur Vollwahrheit erst ausgleichenden (polaren Gegensatz-) Wahrheiten entsteht allerdings leicht Irrtum, aber es sollte nicht verdeckt werden, daß der Ausgangspunkt der Häresie zumeist eine Wahrheit ist – die in der katholischen Ver­kündigung zwar enthalten, aber ungebührlich zurückgetreten war (was man „innerkatholi- schen Häresieansatz“ nennen könnte und als Schuld bekennen müßte).
  38. Joh 15,16; Eph 1,4
  39. Hebr 1,2
  40. Joh 11,52; 1 Tim 2,6; 4,10;
  41. Joh 3,16
  42. „die vielen“ Röm 5,15, „aller“ 18
  43. Kol 1,19
  44. Eph 1,10
  45. Offb 7,9 ff.
  46. Joh 8,12; 1,9; 12,46; 1 Joh 1,5 u. a.
  47. Joh 14,6
  48. Joh 10,8
  49. Hebr 7,25; 8,6; 9,15; 12,24; 1 Tim 2,5
  50. Joh 14,6
  51. „Wer immer aufrichtig nach Wahrheit sucht, der gehört in einem gewissen Grad bereits zur Kirche, oder er ist wenigstens auf dem Weg, der zu ihr führt.“ Kologriwof, Wort des Lebens S. 323. „Selbst die, die an der sichtbaren Kirche keinen Anteil haben, können dennoch diese Gnade empfangen, gleichsam abgeleitet von dem großen Gnadenstrom, der ständig vom Haupt Christus herabfließt auf Seinen mystischen Leib. Und sie erhalten diese Gnaden als solche, die vorherbestimmt sind, entweder schon hienieden oder im Jenseits in die lebendige Einheit dieses Leibes eingegliedert zu werden. In Erwartung dieser Einverleibung bewegen sie sich bereits im Glanz der Wahrheit dieses mystischen Leibes. Schon Jetzt leben sie sein Leben. Das ist es auch, was der berühmte Satz des Origenes besagen, will: Außerhalb der Kirche wird keiner gerettet.“ Kologriwof, S. 321. Ob der „mystische Leib“ Christi nicht schon durch die (allgemeine) Erlösung die ganze Menschheit sich „einleibte“?
  52. vgl. z. B. Gal 3,26.27; Eph 4,6; Kol 2,12
  53. Leider wird selbst dies nicht mehr sichtbar, so daß der grundlegende Charakter der „Taufe“ – „Tauchen!“ – verborgen bleibt. Auch ein Beispiel für die Sinnentleerung der ursprünglich so sinn-vollen symbolischen Handlungen, der „Zeichen“ – wenn sie ihren Zeichencharakter einbüßen, wird man da noch dem Willen des HERRN gerecht?
  54. Im Bewußtsein des Volkes jedenfalls weithin; wie es bzgl. der Spender der Taufe sich verhält, bleibe dahingestellt!
  55. Röm 6,3.4; Kol 2,12; 3,3; 2 Tim 2,11
  56. Die heutige aktive (in der Ostkirche passive) Taufformel ist erst später hinzugekommen, als eben die Kleinkinder nicht mehr auf die Glaubensfragen antworten konnten. Vgl. den Nachweis in meinem Buch „Zwei Karoling. Pontifikalien vom Oberrhein“.
  57. Kol 1,13; Hebr 10,32; Eph 2,6
  58. Joh 1,9
  59. Joh 1,4
  60. Röm 6,4; Joh 3,3
  61. 1 Kor 6,15; 12,27; Röm 12,5
  62. 1 Kor 12,12/27; Röm 12,5; Eph 1,22; 4,4; Kol 3,15
  63. Eph 1,22; 4,15; Kol. 1,18
  64. Apg 8,37; 10,47; Mk 16,16 vgl. unten!
  65. Schön sagt Kologriwof, Wort des Lebens S. 241 über den Glauben im Anschluß an Kirejewskij: „Sein Hauptmerkmal ist das Bestreben, alle Teile der Seele zu einer Kraft zu vereinigen und jenen inneren Brennpunkt des ‚Daseins zu finden, wo die Vernunft und der Wille, das Gefühl und das Gewissen, wo das Schöne und das Wahre, das Wun­derbare und das Ersehnte, wo das Gerechte und das Barmherzige, und der ganze Be­stand des Geistes unter der Einwirkung der Gnade in eine lebendige Einheit zusam­menfließen, damit das durch die Sünde verwundete menschliche Ich in seiner ursprüng­lichen Geschlossenheit wiederhergestellt werde und so fähig sei, sich Gott hinzugeben und sich so zu retten“.
  66. 1 Joh 3,9; 1 Petr 1,23
  67. Hebr 11,6
  68. Eph 4,6
  69. vgl. den berühmten Brief Pius IX. an Kaiser Wilhelm I. zitiert bei Hagen, Die Mitglied­schaft der Kirche
  70. Der Verfasser des Hebräerbriefes (6, 3 ff.) scheint ja, nach dem Wortlaut, diese Mög­lichkeit auszuschließen für die schon zum Glauben Gekommenen, die sodann wieder abfallen; vielleicht denkt er aber auch nur an moralische Unmöglichkeit der Bekehrung. Die kirchliche Tradition hat sich gegen die vom Wortlaut nahegelegte Auffassung ent­schieden.
  71. Es wird immer wieder der Analogiecharakter aller dogmatischen Formulierungen offen­bar, der vorsichtig machen muß gegenüber allen logischen Deduktionen aus dogmatischen Vordersätzen.
  72. Mt 10,31; Röm 10,13; nach Joel 2,32; 1 Kor 12,3; 1 Jo 2,23; 4,2.15
  73. vgl. Hagen, Die Mitgliedschaft der Kirche.
  74. Der Ausdruck bezieht sich sowohl zunächst auf den christlichen Glauben im allgemeinen in Unterscheidung vom „Heidentum“, er darf aber, entsprechend dem kurialen Sprachge­brauch sowie dem Sinn des Ganzen durchaus auch angewendet werden auf das Ver­hältnis der außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft stehenden „Nichtkatholiken“ zur „wah­ren Religion“, wie sie durch das kirchliche Lehramt vertreten wird.
  75. Die „ignorantia invincibilis“ ist selbstverständlich relativ zu fassen eben unter Berück­sichtigung der vom Papst selbst angedeuteten Verschiedenartigkeit der Erkenntnisbe­dingungen. Die „Unkenntnis“ bezieht sich nicht so sehr auf den Inhalt der Glaubenslehre als auf ihre Wahrheit, ihren Offenbarungscharakter. Wer der tatsächlichen Sachlage ge­recht wird, kann nicht leugnen, daß die übergroße Mehrheit der außerhalb der aktiven Gemeinschaft der Kirche geborenen Christen die moralische Möglichkeit solcher Erkenntnis kaum einmal erhält, nicht ohne daß dabei die Glieder der Kirche eine erhebliche Schuld (nicht bloß versäumter Verkündigung!) trifft.
  76. zitiert bei Karrer, Das Religiöse in der Menschheit, 3. Aufl. S. 223/24. Leo XIII. sagt in einem Schreiben an Kardinal Gibbons von diesen bona fide-Sondergläubigen: „Solche sind mehr aus Unkenntnis als mit Willen von uns Getrennte.“
  77. Joh 6,56; 14,20; 17,23.26 und ungezählte Male, vor allem bei Paulus.
  78. Joh 6,56; 14,20; 17,23.26; Röm 8,10; 2 Kor 13,5; Gal 4,19; Kol 1,27
  79. Gal 5,6
  80. Eph 5,19; Kol 3,16; vgl. Röm 15,6
  81. 1 Kor 10,16
  82. Joh 21,16; 1 Kor 4,1 f.; 12,27 ff., Eph 4,11 ff., 2 Kor 5,18 f.; 1 Thess 5,12; Hebr 13,17 ff.; Apg 20,28; 2 Tim 2,2; 4,2 ff.; 1 Ptr 5,2 u. a.
  83. 1 Kor 16,2 f., 2 Kor 8; Phil 4,16; Eph 4,13
  84. Gal 5,22; Eph 5,8.
  85. Mt 5,16
  86. 1 Joh 1,8; Röm 3,9
  87. 2 Kor 2,14
  88. Man darf dabei sogar an zu Unrecht erfolgte formelle „Exkommunikation“ denken, vgl. etwa Johanna v. Orleans, Maria Ward.
  89. Hier erweist sich der dynamische Charakter der hl. Taufe, deren Lebenskeim durch das Leben fortwirkt – die Erkenntnis des fortwirkenden Dynamismus der Sakramente ist durch die scholastische Begriffszustutzung fast verloren gegangen; vgl. „Das Geheimnis des Senfkorns“. 1 Joh 2,27; 3,9; Joh 6,27.56
  90. Mt 7,21
  91. Mt 19,30;
  92. Kol 1,26; Eph 3,4
  93. Phil 3,20
  94. Dieser Tatbestand wird durch die übliche Apologie der Sichtbarkeit der Kirche gegen­über den Sondergläubigen verdunkelt, ohne daß die Gefahr einer solchen ans Wesen greifenden Akzentverschiebung den meisten ins Bewußtsein tritt: das Sekundäre verdrängt das Primäre, statt es leuchtend zu machen.
  95. Neben „Gemeinde“ und „Volk“ gebraucht die Schrift noch eine ganze Reihe anderer, durchwegs analoger, Bezeichnungen für das Geheimnis „Kirche“. Die bedeutsamste ist wohl die Benennung der Kirche als „Leib“ (Christi). In ihr kommt auch der geheimnis­volle Doppelcharakter der Kirche zum Ausdruck, denn der „Leib“ ohne die „Seele“ („Haupt“) ist ein der Verwesung preisgegebener Leichnam. Die Kirche ist in ihrer äußeren „Leiblichkeit“ für den Herrn das Organ seines Wirkens In Zeit und Raum, ja sie ist gleichsam der „Leib“ der „Braut“, ohne die der Herr sein schöpferisches Leben nicht weitergibt (Eph 5,29 ff.). Aber wie der Irdische Leib Christi in der Verklärung in die Geistigkeit verwandelt wurde, so ist auch die diesseitige Leiblichkeit der Kirche nur ein Vorübergehendes; das in der Vollendung bleibende Wesen der Kirche ist die „geistige“ (pneumatische) Gemeinschaft in Christus. So ist die Kirche auch ein „Tempel“ (1 Kor 3,16 f., 1 Ptr 2,5 u. a.), aber auch nur auf Zeit, in der Vollendung des neuen Jerusalem fehlt der „Tempel“: „Der Herr, der allmächtige Gott, ist ihr Tempel und das Lamm“ Offb 21,22).
  96. Mt 20,26; Röm 13,10; Kol 3,14
  97. vgl. 1 Ptr 4,10 f., 1 Kor 12,28 f., Eph 4,11; 2 Tim 2,2; 1 Ptr 2,5 f.
  98. vgl. z. B. 2 Kor 1,1; 2 Thess 1,1
  99. Auch die Geistversiegelung (Eph 1,13) = „Firmung“ ist immer irgendwie mitgedacht; die zeitliche (z. T. selbst die ideelle) Trennung von der Taufe hat Ihren Grund hauptsächlich in der Säuglingstaufe, der die Geistversiegelung nicht mehr richtig entsprach; die „Fir­mung“ setzt sinngemäß (einen gewissen Grad von) Mündigkeit voraus.
  100. Alles natürlich vom Menschen her gesehen – von Gott her gesehen, erfüllt sich der Wille des Allerhöchsten immer, da Er ja diese „Freiheit“ des Menschen will, und deren Auswir­kungen von vornherein in seinen Weisheitsplan miteinbezogen hat; das „Wie“ dieses Ineinander zweier widereinander strebender Faktoren bleibt Gottes Geheimnis.
  101. 1 Joh 5,16
  102. Mk 4,13 ff.
  103. 1 Joh 4,20
  104. „Ut Christi Caritas rursus dominetur in hominibus!“ Wahlspruch des hochsinnigen Frie­denspapstes Benedikt XV.
  105. Joh 17, 21.23
  106. Mt 5,14
  107. 2 Thess 1,7
  108. Mt 5,13
  109. Auch die Kirche – als solche – sie ist ja im Grund nichts anderes als die Gemeinschaft der einzelnen Christen – bedarf allzeit der Buße. Das liegt in ihrem gottmenschlichen Wesen begründet. Während der „historische“ Christus sich in einem Gefäß von auser­lesener Reinheit und Heiligkeit inkarnierte, hat Er als „mystischen“ Leib die sündever­sehrte Menschheit angenommen, so daß die Heilsgnade in „zerbrechlichen Gefäßen“ bewahrt ist. Auch die vom Heiligen GEIST geführte Kirche steht wie der vom gleichen GEIST bewohnte Einzelchrist zugleich unter dem „andern Gesetz“, das sich in ihrer kirchengeschichtlichen Entfaltung immer wieder in verschiedenster Weise äußert. „Mono­physitismus“ wäre es, dies leugnen zu wollen. Es ist fast eine Gotteslästerung, wenn dem Heiligen GEIST auch solche zeitgeschichtlichen Entwicklungen zugeschrieben werden, die tatsächlich in der Geistverschlossenheit und Sünde ihrer Glieder (aller „Rangstufen“) ihren Grund haben.
  110. 1 Joh 1,3.7; 2,10; 3,10 ff.; 23; 4,7 f., 16.20.21 u. a., Röm 13,8; 1 Kor 13
  111. 1 Kor 12,15 f.
  112. „Seht, wie sie einander liebenl“ Brief an Diognet.
  113. Mt 18,7
  114. Joh 18,37
  115. 1 Tim 3,15
  116. z. B. Röm 16,17; 1 Kor 1,10; 15,1.12 f.; Eph 4,3; 1 Tim 2,4 f.; 4,16; 6,3 f.; 2 Tim 1,13; 2,18 f.; Tit 1,9; Hebr 11,6; 2 Ptr 1,20; 1 Joh 2,22; 4,2; 5,1.5; 2 Joh 7 f.; Offb 2,14 f.; 22,18 f.
  117. s. Anm. 110
  118. Hebr 11,6
  119. Der Text legt die Annahme solcher Absicht des Verfassers doch kaum nahe.
  120. Von den Offenbarungsurkunden aus könnte man dabei an die Auferstehung des Herrn denken als die große Wahrheit, von der aller Glaube abhängt und die es vor allem in der Welt zu bezeugen gilt; vgl. Apg 1,22; Röm 1,4; 4,25; 6,4; 10,9; 1 Kor 15,3.4.14; Eph 1,20; 2 Tim 2,8
  121. Hier könnte wohl gefragt werden, ob hier die Kirche als Gemeinschaft aller Gläubigen oder als „Heilsanstalt“ gemeint ist; aber die Gemeinschaft ist eben Heilsanstalt gerade in ihrer Gliederung in „Ämter“, wobei die „Anteilnahme der Laien am hierarchischen Apo­stolat der Kirche“ nicht so ganz untergeordnete Bedeutung hat, wie dies vor Verkündi­gung der „Katholischen Aktion“ in die Erscheinung getreten war.
  122. 2 Tim 1,14; 2,2; Tit 1,13; Offb 2,14 f.; Apg 20,28
  123. Mt 28,20; Mk 16,16; 2 Tim 4,1 f.; Tit 1,3
  124. Kol 2,10
  125. Joh 16,13
  126. Joel 2,28-31; Apg 2,17 ff., 1 Kor 2,12; Jer 31,31-34; Hebr 8,10 ff.; 10,16
  127. Joh 20,22
  128. 2 Ptr 1,21. Es kann nicht geleugnet werden, daß in der wissenschaftlichen Theologie der „Schule“ die menschliche Verstandestätigkeit als logische „Deduktion“ aus (nicht immer ganz schriftgemäßen) Prämissen eine allzugroße Rolle gespielt hat gegenüber der ur­sprünglichen Aufgabe der Theologie, „S. Scriptura“ zu sein. Luther hat nicht ohne Grund sich gegen das überhandnehmen der Philosophie („Hure Vernunft“) in der Theologie gewandt. Die biblische sowie „Verkündigungs-“theologie von heute steht dagegen in Reaktion.
  129. Vincenz v. Lerin: „Quod semper, quod ubique, quod ab omnibus creditur …“ Es lohnte sich, dem vielzitierten Wort eingehender nachzudenken. Darf z. B. die halbe Christen­heit von heute, die außerhalb der Verbindung mit Rom steht, einfachhin übergangen wer­den bei der Prüfung der ,,’O’kumenizität“? Ist nicht auch die ökumenizität der „allge­meinen“ Konzilien eingeschränkt, z. B. durch das Fehlen der Ostkirche, die doch als wirklicher Teil der Kirche Christi nicht bestritten werden kann, da sie den „orthodoxen“ Glauben wahrte und ebenso das echte Sakrament und Amt? Wann erlebt die Kirche wieder ein vollwertiges, von allen anerkanntes Glaubenszeugnis auf einem wirklich die ganze Ökumene zusammenführenden Konzil? Noch z. Zt. des Tridentinums schien Rom der Gedanke nicht unkirchlich, auch die „Protestanten“ (die doch offenbar noch als Glieder der „Kirche“ angesehen wurden) zum Konzil einzuladen. Sollte es heute ganz unmöglich sein?
  130. Bei den Verhandlungen des Vaticanums hatten nicht alle Bischöfe klar im Bewußtsein, daß nur wirkliche Offenbarungswahrheiten die assistentia des Heiligen Geistes gegeben erscheinen lassen, so daß mit unfehlbarer Sicherheit deren Wahrheit „definiert“ werden kann. Man liest einige Ausführungen von Konzils,,vätern“ (bei Butler, Das Vaticanische Konzil) nicht ohne Bestürzung und begreift die Verlegenheit der mit anderem Wahrheits­gewissen ausgestatteten andern.
  131. Joh 17,21.23; vgl. H. S’chlunk, Das Wunder der Kirche (Tambaran)
  132. Man kann leider nicht sagen, daß dieser unbestreitbare Grundsatz allzeit in der Kirche beachtet worden wäre. Selbst hochamtliche Verlautbarungen von Trägern des Lehramts konnten peinlich berühren.
  133. Vgl. Hagen, Die Mitgliedschaft der Kirche.
  134. Man könnte sie auch noch zur sichtbaren Kirche rechnen, nur in sehr unvollkommener Weise, da sie ja durch die sichtbare Taufe der sichtbaren Kirche einverleibt wurden und dieser Tatbestand kraft des character indelebilis nicht mehr von Grund aus geändert wird. Rechnet man doch „abgestandene“ Katholiken, deren Band mit der Kirche nicht formell gelöst wurde, noch zur sichtbaren Kirche, obwohl diese zum Unterschied von jenen nicht einmal mehr der (wesentlichen!) unsichtbaren Gemeinschaft zugehören. Man sieht, die Begriffe sind fließend bzw. unzureichend.
  135. Der kuriale Ausdruck dafür ist „error invinciblis“; die moralische Unmöglichkeit, die Glaubenspflicht im konkreten Fall zu erkennen, läßt diesen Tatbestand gegeben erschei­nen.
  136. Es ist sehr bedauerlich, daß – entgegen dem strengen kirchenrechtlichen Begriff des CJC – diese von uns tragischerweise getrennten Brüder mit den (formellen) „Häretikern“ immer wieder in einen Topf geworfen werden, ebenso, daß man darauf vergißt, daß auch den formellen Häretikern gegenüber die christlichen Pflichten der Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Liebe nicht aufgehoben sind.
  137. Mt 16, 18; wozu die vielen Stellen verglichen werden müßten, die Petrus in der Führung des Apostelkollegiums zeigen. Freilich muß man sich vor anachronistischer Exegese hüten: die heutige Ausprägung des Primats darf man in der urchristlichen Gemeinde nicht vor­aussetzen.
  138. Joh 21,15 ff.
  139. Lk 22,32
  140. vgl. Fr. Heiler, Urchristl. Autonomie und päpstlicher Zentralismus, ein sehr aufschluß­reiches, in der geschichtlichen Darstellung im Wesentlichen einwandfreies Werk, das alle Beachtung verdient.
  141. Eph 1,22; 4,15; Kol 1,18
  142. Mt 28,20
  143. Nicht einmal ausgesprochene Urkundenfälschungen ausgenommen, (vgl. Heiler Anm. 140).
  144. vgl. die Erklärung der „evangelisch-katholischen“ Christen zur Frage der Una Sancta. (Es ist nicht genau geklärt, welche Schrift gemeint ist.)
  145. Der Ausdruck „römische Kirche“ ist so verschiedensinnig, daß aus dem ununterschiedenen Gebrauch desselben ein wahrer Rattenschwanz von Mißverständnissen erwachsen ist. „Rö­mische“ Kirche ist zunächst die stadtrömische Kirchengemeinde oder „Diözese“, deren Bischof zugleich in aufsteigender Stufung universalere Ämter bekleidet: als Metropolit der Erzdiözese Rom, als Primas von Italien, als Patriarch des Abendlandes, als summus episcopus (- „papa“ ist ursprünglich ein Titel, den er ebenso mit andern teilte wie alle andern vorgenannten Ämter -) der Gesamtkirche. Es leuchtet ein, daß der römischen Stadtgemeinde entsprechend analoge Rechte alle andern großen Stadtgemeinden haben, ebenso die Metropolitansprengel, die Volkskirchen, die Patriarchate entsprechend ihrer römischen Schwester. Es ist ganz unbegründet, daß andere Kirchen sich In allem an stadtrömischen Ordnungen, Gebräuchen, Sitten usw. uniformieren; wohl ist es sinnvoll, daß die „Vorsteherin des Liebesbundes“ darnach strebt, sich so vorbildlich zu gestalten, daß ihre Ordnung als Modell für andere geltend und von diesen zur Gestaltung ihrer gebietsgemäßen Verfassung gebraucht werden kann, ihr „Geist“ als „Licht“, das allen andern voranleuchtet. Die Geschichte beweist freilich eindeutig, daß der römischen Ge­meinde durchaus kein überzeugendes Charisma in dieser Hinsicht von ihrem höchsten Herrn verliehen wurde, daß sie vielmehr ebenso der menschlichen Hinfälligkeit und Un­zulänglichkeit ausgeliefert ist wie alle andern „Kirchen“. Einzig in bezug auf das we­sentliche Einheitsamt der Bewahrung vor dem Glaubensabfall ist dem Bischof der rö­mischen Gemeinde in ganz bestimmter Grenzumschreibung eine assistentia des Heiligen Geistes gegeben, die seine unfehlbare Glaubensentscheidung ermöglicht (Vaticanum), dar­über hinaus eignet ihm ein Führungsrecht der Gesamtkirche in Ausübung des „Einheits­amts“, das keine inhaltliche Umgrenzung kennt, das aber naturgemäß sich auf die Er­haltung der notwendigen Einheit („in necessariis unitasl“) der Gesamtkirche beschränkt und den berechtigten Selbständigkeitsansprüchen der verschiedenen Patriarchate, Primate usw. Rechnung trägt. Von der Gesamtkirche als „römischer“ (mit Rücksicht auf die uni­versale Funktion des römischen Bischofs) ist also in ganz anderem Sinn zu sprechen als von der (engeren oder weiteren) römischen Gebietskirche; die daraus sich ergebenden Konsequenzen wollen gut beachtet sein – im Interesse der Einheit der Gesamtkirche, die nur in organischer Mannigfaltigkeit bestehen kann.
  146. Die „Autokephalie“ der östlichen Patriarchate entspricht dem ursprünglichen Zustand der verfaßten und gegliederten Kirche.
  147. Mt 20,25 ff. Der Titel, den der große Gregor in wahrhaft evangelischer Auffassung seines Amtes (vgl. Heiler, Autonomie . . .) sich zulegte („Servus servorum Dei“), ist aus der kurialen Sprache nicht verschwunden, doch erscheint er den Außenstehenden nur mehr als ein „Epitheton ornans“, das als solches seine Glaubwürdigkeit erst beweisen muß.
  148. Mt 20,25
  149. Joh 17,25.23
  150. 1 Kor 10,17
  151. 1 Kor 10,16
  152. Röm 15,6
  153. 1 Kor 11,26
  154. „Hanc igitur“ vor der Konsekration
  155. Eph 2,19
  156. „Circumstantes“ im wahren Wortsinn, wie ursprünglich gemeint und verwirklicht
  157. Gal 3,28
  158. 1 Kor 12,12.27; Röm 12,5; Eph 1,22; 4,4; Kol 3,15
  159. Eph 1,22; 4,15; Kol 1,18
  160. Eph 2,14
  161. Joh 6,51 f.
  162. Joh 6,56; 14,20; 17,23.26; vgl. 1 Joh 3,24; Röm 8,10; 2 Kor 13,5; Gal 4,19; Kol 1,2; sowie bzgl. des „Wir in Christo“ ungezählte Male bes. bei Paulus
  163. Gal 2,20; Eph 2,15
  164. 1 Joh 2,9 f.; 3,10.14 f.; 4,12 ff.; 20.
  165. Joh 13,35
  166. 1 Kor 1,13
  167. Jak 2,1 ff.
  168. Brief an Philemon
  169. Gal 3,28; Kol 3,11
  170. Apg 10,35; Röm 2,11; Eph 6,9 ff.; Kol 3,25
  171. 1 Kor 7,24; 14,34f.; Eph 5,21 ff.; Kol 3,22ff.; 1 Tim 2,8 ff.; 6,1 ff.; Tlt 2,1 ff.; 3,1 ff.; Philem u. a.
  172. Hebr 8,8
  173. Hebr 13,14; Phil 3,20; 2 Kor 5,6
  174. Phil 2,10; Offb 8,3; 6,9
  175. „ex hac altaris participatione“ („Supplices“ des Kanons)
  176. 2 Kor 11,2
  177. Gal 3,29. Vgl. das Mißverständnis des Titels „Heiliger“ Vater!
  178. Tit 2,14. Daher heißen auch die Berufenen des Alten Bundes „Heilige“.
  179. Eph 1,12
  180. 2 Kor 11,2
  181. 1 Kor 7,34
  182. Hebr 10,9; Joh 4,34; 5,30; 6,38-57; 14,31
  183. Mt 6,10
  184. 1 Thess 4,2; Röm 12,2
  185. Hebr 10,10
  186. Gal 4,6; Röm 5,5; 8,9.11; 1 Kor 6,19; 2 Tim 1,14; Tit 3,6
  187. Röm 6,22; Gal 5,22; Eph 5,9; Kol 3,12
  188. Eph 5,27
  189. 1 Kor 15,45; Röm 8,2
  190. Hebr 8,10; 10,16 = Jer 31,34; vgl. Röm 2,15 (Heiden!)
  191. Jak 2,8
  192. Joh 13,34
  193. Röm 13,8 ff.; Gal 5,14
  194. Mt 28,19; Mk 16,15; Röm 10,14.17; 2 Tim 4,2
  195. 2 Tim 4,2
  196. Röm 8,5.14; 1 Kor 12,11
  197. 1 Kor 13,1 ff.
  198. Jak 1,25; 2,12; Röm 8,21; 1 Ptr 2,16; 2 Kor 3,17
  199. Hebr 8,6 f.; 1 Kor 11,25
  200. 2 Kor 3,17
  201. 1 Kor 6,12 ff.; 10,23 ff.
  202. Gal 5,13; 1 Kor 8,9 ff.; 1 Ptr 2,16
  203. 1 Kor 10,24; 13,5; Phil 2,4
  204. Gal 6,2; vgl. Mt 7,12
  205. Apg 26,18; Röm 5,5; 6,22; 1 Kor 3,17; 6,19; Eph 5,26; Kol 3,3
  206. Röm 5,18; 2 Kor 5,15ff.; Gal 3,13; 5,1; Eph 1,7 f.; 2,8.16; Kol 1,12; 2,14; 3,1; 1 Tim 2,5; 2 Tim 1,9; Tit 3,5; Hebr 6,4; 9,12.28; 10,19 f.; 1 Joh 3,5; 4,10; Offb 1,5; 5,9.
  207. Röm 8,24
  208. Röm 3,22 f.; 5,1 f.; 6,7 f.; 8,30; Eph 2,16; Tit 3,6; Hebr 6,4
  209. Eph 2,6; 5,8; Koi 1,13; 3,1; Phil 3,20; 1 Thess 5,5
  210. Joh 6,56; 15,3 ff.
  211. Mt 9,13; Mk 2,17; Lk 5,32; Röm 3,10.23; Gal 3,22; 1 Tim 1,15
  212. Röm 7,14 ff.
  213. Röm 7,23
  214. Röm 7,14.19
  215. Mt 13,24 ff.; 36 ff.
  216. 2 Thess 2,7
  217. 1 Kor 12,4 ff.; 27 ff.
  218. 1 Kor 12,7 f.; 27 f.; 13; 14,1 ff.; 1 Thess 5,11; Hebr 10,24; 1 Ptr 2,5 ff.; Offb 1,5
  219. 1 Kor 4,2; 12,4ff.; 27 ff.; 2 Kor 3,6; 5,18 f.; 2 Kor 10,8; Eph 3,2 ff.; 4,11; Phil 2,17 Kol 1,25; 1 Thess 5,12; 1 Tim 3,1.9; 5,17 f.; Tit 1,5; Hebr 13,17
  220. Eph 4,13 ff.
  221. Man darf den prägnanten Sinn des „Evangeliums“ mit den evangelischen Brüdern tatsäch­lich darin sehen, aber, ihn darauf zu beschränken, erscheint nicht berechtigt.
  222. s. Anm. 116
  223. Joh 10,8 f.; 14,6 f.; 15,10 f.; Röm 6,12 ff.; 2 Tim 4 u. v. a.
  224. Joh 6,32 ff. Es erscheint der „Schule“ wesentlich, die der Kirche zur „Verwaltung“ gege­bene Heils- und Heiligungsgnade begrifflich genau zu zergliedern. Es erscheint aber heute doch fast noch nötiger und bedeutsamer, die letzte Einheit von Wort und Sakra­ment und die Einheit der Sakramente zu betonen im einen Sakrament: Christus. Immer ist es der Herr, der in seiner Geistessendung auf Grund seines Erlösungstodes alle Gnade wirkt.
  225. Joh 1,16
  226. „Extra Ecclesiam nulla salus“ (Joh 15,5)
  227. vgl. z. B. Röm 6,19 f.; 12,1 ff.; 1 Kor 5,8; Gal 5,16 ff.; Eph 3,14 f.; 4,1 ff.; 24; 5,26 ff.; Phil 1,11; Kol 3,9.12 ff.; 1 Thess 3,13; 4,2; 2 Thess 2,13 f.; Hebr 12,14; 1 Tim 3,9; 1 Ptr 3,15; 2 Ptr 3,11
  228. Hadrian VI. in seiner Botschaft an den Nürnberger Reichstag 1522/23
  229. Mt 5,16
  230. Br. Franz Hasenbichler
  231. Es ist Vorsicht geboten bei Aussagen darüber, wie der Herr die Einheit seiner Kirche verwirklicht wünscht – die Pläne und Wege Gottes, des „ganz anderen“, entsprechen zumeist nicht unserer allzu beschränkten Vorstellung (Röm 11,33). Wir haben gemäß unserer Einsicht auf alle Einheit hinzuwirken, die wir als im Willen des Herrn gelegen ansehen, aber Immer in der bescheidenen Gehorsamshaltung, die dem Herrn nicht vor­greift. Das Kirchengebet vor der Kommunion erbittet ausdrücklich das „coadunare“ „secundum voluntatem Tuam“, die Einheit, so wie sie Gottes Willen entspricht.
  232. Joh 10,16
  233. Luther hat Im Glaubensbekenntnis das „Catholica“ mit „allgemeiner christlicher Kirche“ übersetzt, ganz zu Recht; infolge der inzwischen leider erfolgten Begriffseinengung emp­finden beide Teile das diesbezügliche Bekenntnis des andern Teils als vom eigenen abweichend, ganz entgegen der Meinung des Symbolums.
  234. s. Anm. 65
  235. 1 Ptr 2,9; Lk 1,17; Tit 2,14
  236. Diese „Sicht“ der Kirche wird zwar nicht als theologische Lehre verkündet, sie wird aber – wohl ohne volles Bewußtsein – so gepflegt, daß sie geradezu als die landläufige anzusehen Ist. Sie zu entwurzeln, auch im Volksbewußtsein, und damit ein echtes kirch­liches „Volks“bewußtsein wachzurufen, ist eine der wichtigsten Aufgaben praktischer Ekklesiologie.
  237. zu ihrer „Integrität“.
  238. Mt 20,25; 23,11; Mk 10,44; Lk 22,26; 1 Kor 3,5; 4,1; 2 Kor 3,6; 6,4; Eph 3,7 u. a.
  239. Der Vorwurf des „Klerlkalismus“ kann nur verstummen, wenn diese Wahrheit der gan­zen Kirche in Fleisch und Blut übergeht.
  240. z. B. durch einseitiges Hervortreten der männlichen „ratio“ („Logik“), des Organisations- und Machtstrebens bzw. des Willenselementes in Aszese und Moral, der „Methodik“ statt der „Liebe“, der Autorität auf Kosten der „Freiheit“.
  241. z. B. in Verweichlichung des Christusbildes, Pflege der Gefühlsseligkeit in der Fröm­migkeit, Überbetonung der „passiven“ Tugenden in Moral und Aszese.
  242. 1 Kor 11,3 ff.; 14,34 ff.; 1 Tim 2,11; Eph 5,23
  243. 1 Ptr 3,3
  244. Mt 9,13; Mk 2,17; Lk 5,32; Röm 3,10.23; Gal 3,22; 1 Tim 1,15
  245. Eph 4,2; Jak 1,3 f.; 1 Kor 13,1 ff.
  246. 1 Kor 10,12; Gal 6,2.4
  247. Kol 1,24
  248. Joh 17,15
  249. 1 Tim 2,15; 3,5; 5,8.14
  250. 1 Kor 7,31; 2 Kor 6,10; Phil 4,12
  251. Hebr 13,14; Phil 3,20; 2 Kor 5,6; 1 Ptr 1,17; 2,11
  252. Mt 19,11; 1 Kor 7,25 ff.; Mt 19,16 ff.; Mk 10,18 ff.; Lk 18,18 ff.
  253. 1 Kor 1,17.20 f.; 26 ff.; 2,1 ff.; Kol 2,8
  254. Joh 4,23; Röm 7,6; 8,5.14.21; 1 Kor 2,13; 14,15; Eph 1,17; Gal 5 ff.; Kol 1,9
  255. 1 Kor 13,12
  256. Mt 19,14; Mk 10,14; Lk 18,17; Mt 21,16
  257. 1 Kor 1,12 ff.; 3,4 ff.
  258. Mt 23,9
  259. Mt 24,35
  260. Hebr 13,8
  261. Luthers Anliegen, das Glaubensgeheimnis bzw. das „Wort“ nicht der Weltweisheit zu überantworten, soll keinesfalls damit auf die Seite geschoben werden.
  262. Analogie ist immer „ähnlich-unähnlich“.
  263. 1 Kor 1,12
  264. Es muß anerkannt werden, wie Rom immer wieder dem unerleuchteten Elfer gewisser Überrömer entgegen das Recht der Liturgien des Ostens festgehalten hat. Es stand schon einmal In einer römischen Kongregation der Antrag zur Debatte, die Ordinations­form des Ostens mangels der „Form“ des Sakramentes ungültig zu erklären; zum Glück kam gerade ein Fachmann in die Sitzung, der nachwies, daß just diese Ordinationsform des Ostens ursprünglich auch die römische gewesen war …
  265. Mt 6,6
  266. Röm 3,22
  267. 1 Kor 9,22
  268. Kol 2,10
  269. Die einzige wirkliche Überwindung der Häresie, wobei es keine „Sieger“ und keine „Be­siegten“ gibt, sondern nur eine siegende Wahrheit und Liebe.
  270. Eph 2,20; 3,5; 4,11
  271. Mt 16,18
  272. Mt 10,1 ff.; Mk 3,13 ff.; Lk 6,12 ff.
  273. Mt 10,5 ff.; Mk 6,7 ff.; Lk 9,1 ff.; Mt 28,19; Mk 16,15; Apg 1,8; Mk 13,9; Joh 20,21
  274. Mt 16,19 f.; 18,18; Joh 20,23 ff.; Mt 26,26 ff.; Mk 14,22 ff.; Lk 22,19 ff.; Mt 28,19 u. a.
  275. 1 Ptr 2,9; Lk 1,17; Tit 2,14
  276. Mt 28,18
  277. Joh 20,21
  278. Röm 12,4 ff.; 1 Kor 12,12 ff.; Eph 4,10 ff.
  279. Joh 21,15 f.; 1 Ptr 5,2; Apg 20,28
  280. Mt 28,19; Mk 16,15; Joh 17,20; Röm 10,17; 12,7; 1 Kor 1,17; 12,28; 2 Tim 2,24; 4,2 f.; Tit 1,9 f.
  281. Lk 22,26; Röm 12,8; 1Tim 5,17; Hebr 13,17
  282. 1 Tim 3,1; Apg 20,28; Offb 2 ff.
  283. Mt 20,25
  284. Joh 13,14
  285. Röm 12,10
  286. Mt 20,25; 23,11; Mk 10,44; Lk 22,26; 1 Kor 3,5; 4,1; 2 Kor 3,6; 6,4; Eph 3,7 u. a.
  287. Lk 9,48; 10,16.22; Joh 5,17 ff.; 6,38; 8,28; 10,18; 12,49; 14,24; 17,3.18.21.23; 20,21
  288. Mt 28,19; Mk 16,15; Lk 10,22; Joh 17,18; 20,21; 2 Kor 5,20; 10,8; Gal 1,1.15
  289. 1 Tim 4,14; 5,22; 2 Tim 1,6; 2,2; Tit 1,5
  290. „Definition“ der „Katholischen Aktion“ durch Papst Pius XI., 2 Tim 2,2
  291. Lk 5,21
  292. Mt 16,19; Joh 20,23
  293. ihrer heilswirksamen Kraft unabhängig von den persönlichen Qualitäten ihrer Ausspender, die freilich nicht vergewaltigt, sondern in ihrer Wirksamkeit abhängt von Bereitschaft und Mitwirkung des Empfängers („Glaube“-“Liebe“)
  294. 1 Kor 4,1
  295. 1 Tim 5,22
  296. vgl. Ignatius v. Antiochien in seinen Briefen
  297. vgl. Röm 2,29; 4,16; Mt 3,9; Gal 3,9
  298. Joh 11,52
  299. Joh 10,16
  300. 2 Kor 5,14
  301. „Jeder Katholik ein Missionär“ Lacordaire, entfaltet von Br. Gottwills: „Jeder Tag ein Missionstag …!“
  302. Mt 5,13
  303. Mt 13,33; Lk 13,20
  304. Mt 5,14; Mk 4,21; Lk 8,16; Eph 5,8 ff.; 1 Joh 1,7
  305. Mt 5,14
  306. Eph 4,5 u. a.
  307. Röm 8,10.14; 1 Kor 2,16
  308. 1 Kor 1,17 ff.; 2,2 u. a.
  309. 1 Kor 15,17 u. a. vgl. Anm. 120
  310. Gal 1,8
  311. 1 Tim 6,20; 2 Tim 1,14
  312. Joh 1,14; 1 Joh 1,1; 1 Kor 15,4; Apg 1,21; Kol 1,26; Hebr 1,2 u. a.
  313. 1 Kor 15,3; 2 Thess 2,15
  314. Röm 8,14
  315. Joh 13,35
  316. Wer diese Bezeichnung aufgebracht hat, hat unserer Kirche damit keinen guten Dienst erwiesen. Denn alle Einschränkung des „Catholica“ ist irgendwie dessen Negation. So ist der „Konfessions“begriff des Wortes „Katholisch“ entstanden, der den eigentlichen Sinn dieses Wesensmerkmals der Kirche Christi ganz verdrängt hat, wenigstens im Be­wußtsein des durchschnittlichen „Katholiken“.
  317. Um der Eindeutigkeit der Gegenüberstellung der mit „Rom“ nicht unierten Kirchenge­meinschaften willen sei im Folgenden die Kirche, soweit sie mit dem Papst verbunden ist, kurz „römische“ genannt trotz der Unrichtigkeit dieses Ausdrucks unter anderen Ge­sichtspunkten.
  318. Die Statistiken über die Mitgliederzahl der verschiedenen „Kirchen“ gehen auseinander; nach einigen steht die Mehrheit, nach andern die Minderheit in „Union“ mit „Rom“. Vgl. Congar, „Chrétiens désunis“.
  319. Joh 10,7
  320. Apg 2,21; Röm 10,13
  321. Röm 8,14
  322. Gal 3,28
  323. Eph 4,4 u. a.
  324. s. Anm. 317
  325. Das Bild des idealen Seins der „Braut ohne Makel und Runzeln“ wird naturgemäß auch von den anderen Kirchen in Anspruch genommen, ist also ohne Beweiskraft.
  326. Titel der Heiligenlegende von Alban Stolz.
  327. vgl. die Botschaft Hadrians VI. an den Nürnberger Reichstag 1522/23
  328. Joh 13,35
  329. In der kurialen Sprache wird daher der Ausdruck „Kirche“ für die nichtunierten kirch­lichen Gemeinschaften im allgemeinen streng vermieden, doch wird der „Kirchen“­charakter der (nichtunierten, autokephalen) Ostkirchen in offiziellen Kundgebungen durch Ver­wendung des Ausdrucks „Kirche“ anerkannt, zweifellos zu Recht, nachdem nicht bloß ein „orthodoxer“ Glaube, sondern auch Amt und Sakrament anzuerkennen sind.
  330. Man könnte geradezu von innerkirchlichem „Häresie“-ansatz sprechen.
  331. Man denke an die geradezu tragische Verständnislosigkeit der römischen Kurie gegen­über dem religiösen „Anliegen“ Martin Luthers in den ersten Jahren seines reformatori­schen Auftretens!
  332. Die „Häresie“ Luthers war selbst wieder irgendwie Reaktion gegen einen evangelischen „Klerikalismus“.
  333. Mt 10,8 ff.; Mk 6,8 ff.; Lk 9,3 ff.; 10,3 ff.
  334. Die Ostkirchen z. B. stehen auf dem Standpunkt, daß die Einheit der Gnadengemeinschaft und der Liebe bedeutungsvoller sei als die äußerer Disziplin und bevorzugen die größere Freiheit der „autokephalen“ (nationalen) Einzelkirche. Allem „Organisatorischen“ begeg­nen sie als einem „Menschlichen“ in der „göttlichen“ Kirche mit Mißtrauen; im Grund rührt alle Ablehnung der „Union“ mit Rom von diesem Mißtrauen gegen den „Westen“ her.
  335. Mt 23,9
  336. Eph 4,4
  337. Man trifft aber solche trotz der kirchl. Verurteilung des Satzes, daß die Tugenden der Heiden – um wieviel mehr die der vom Heiligen Geist im Taufwasser Wiedergeborenen und Besiegelten! – nur glänzende Laster seien.
  338. Man lese etwa das russische „Pilgerleben“, um einen tiefen Eindruck zu erhalten von der Glaubens- und Liebeskraft, die da lebendig in die Erscheinung tritt!
  339. Joh 3,8
  340. Nachweis bei Fr. Heiler im ersten Band seines großen Werkes über die Kirchen: Die Ostkirche.
  341. Luther stand ja wohl manchen ironischen bzw. vermittelnden Formulierungen Melanch­thons etwas kritisch gegenüber, gab aber schließlich doch seine Zustimmung. Welche welt- und kirchengeschichtliche Chance ist versäumt worden, da man in Augsburg nur auf die Differenzen stierte und die großen Einigungsmöglichkeiten übersah! Noch heute muß jeder ernsthafte Versuch der Wiedervereinigung an einer Auseinandersetzung über die – in der lutherischen Kirche heute noch als (grundlegende) Bekenntnisschrift anerkannte, wenn auch nicht durchwegs mehr ernstgenommene – Confessio Augustana beginnen.
  342. Joh 21,15 ff.; Lk 22,32
  343. Lückenlos ist diese Ordnung auch heute nicht durchgeführt; aufgrund von Konkordaten ist gelegentlich noch ein Wahlrecht der Kapitel o. ä. zugestanden; immer wird aber heute die „Bestätigung“ durch den Papst verlangt.
  344. Auf dem Vaticanum hat diese Auffassung einiger Überrömer eine Rolle gespielt, doch hat der CJC ausdrücklich die Bischöfe in ihrer Ordo-Selbständigkeit sichergestellt.
  345. In den verschiedensten Arten und Graden
  346. Joh 17,21.23
  347. 2 Thess 1,7
  348. Eph 1,12; 4,12 f.
  349. Eph 3,18
  350. Mt 4,17
  351. Offb 2,4; 3,1.14 u. a.
  352. s. Anm. 109
  353. Apg 1,14
  354. Apg 4,32
  355. Mt 23,9
  356. 1 Kor 7,32 ff.
  357. Eph 5,21 ff.
  358. Es ist auffallend, wie wenig Spielraum heute innerhalb der Kirche im Großen und der religiösen Gemeinschaften dem „Rat“ eingeräumt wird; überall tritt die Neigung zu (alttestamentlicher) Gesetzlichkeit zutage.
  359. Eph 5,32; 2 Kor 11,2; Offb 19,7; 21,9
  360. Eph 5.27
  361. Eph 1,12
  362. Röm 3,9.23
  363. Der Sprachgebrauch der Schrift ist diesbezüglich nicht eindeutig; mancherorts ist offen­bar als „Sünde“ nur die wirkliche Gottesabkehr gemeint. Vgl. 1 Joh 5.16-18; Hebr 10,26; Mt 12,31
  364. 1 Joh 5,16; vgl. Röm 8,1
  365. Phil 2.5; 1 Kor 2,16
  366. Joh 4,34
  367. 1 Kor 12,7
  368. 1 Kor 10,31
  369. 1 Kor 4,1
  370. d. i. Wirkung der Sakramente „opere operato“ – unabhängig von der Disposition des Ausspenders, doch nicht des Empfängers.
  371. 1 Kor 14,1. Paulus nennt Röm 12,6 ff. die Gabe der Prophetie vor den „Amts“gaben, Eph 4,11 gleich nach den Aposteln.
  372. 1 Kor 1,5; 2,9; 2 Kor 3,8 ff.; Eph 1,3 ff.;17 ff.; 2,6; 3,15 ff.; Kol 1,12 f. u. a.
  373. 1 Kor 10,31; 1 Tim 4,4
  374. 1 Kor 7,31
  375. 1 Kor 10,23 ff.; 1 Tim 6,8
  376. Joh 4,23
  377. 1 Kor 3,22
  378. 1 Kor 2,2
  379. Joh 4,23
  380. Röm 13,10; 15,5 u. a.
  381. Joh 17,21.23
  382. Röm 8,9 ff.; 1 Kor 6,2.19
  383. 1 Kor 14,12.15.19
  384. 1 Thess 5,21; Röm 2,15; 1 Kor 2,14; 14,20; Phil 1,10; Eph 1,18; 5,10
  385. 2 Thess 3,11; Jak 1,27; 5.1 ff.; 2 Kor 8,13; Apg 2,44; 4,32
  386. 2 Kor 3,17
  387. Eph 4,13
  388. s. Anm. 384
  389. 2 Kor 5,14
  390. Mt 9,17; Mk 2,22; Lk 5,38
  391. Eph 3,9; 1,10; Kol 1,16
  392. 1 Kor 1,28
  393. Röm 4,16
  394. Röm 4,17-25

Quelle: Maran atha. Zum 25. Todestag von Dr. Max Josef Metzger, hrsg. v. Christkönigs-Institut, Meitingen-Freising: Kyrios-Verlag, 1969, S. 33-115.

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