In Stein gemeißelt. Zur Schriftgestaltung und Materialwahl bezüglich der Gebotsstelen vor der Martin-Luther-Kirche in Vöhringen/Iller

In Stein gemeißelt. Zur Schriftgestaltung und Materialwahl bezüglich der Gebotsstelen vor der Martin-Luther-Kirche in Vöhringen/Iller

Sollen die Zehn Gebote im öffentlichen Raum präsentiert werden, denkt man unweigerlich an Steintafeln als Schriftmedium. Schließlich wird im 2. Buch Mose erzählt, wie Mose vom Berg Sinai herabstieg mit den „zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand; die waren beschrieben auf beiden Seiten, vorn und hinten waren sie beschrieben. Und Gott hatte sie selbst gemacht, und die Schrift war Gottes Schrift, eingegraben in die Tafeln.“ (32,15f). Was unveränderlich in Stein gehauen ist, kann nur jeweils an einem Ort präsentiert werden. Dass die Zehn Gebote in schriftlicher Form überörtlich publik gemacht worden sind, verdankt sich wesentlich dem frühneuzeitlichen Buchdruck. So wurden auch Martin Luthers Erklärungen mit den Zehn Geboten ab Januar 1529 zunächst als Einblattdrucke von Nickel Schirlenz in Wittenberg gedruckt. Diese waren in der Funktion von Katechismustafeln zum öffentlichen Aushang bestimmt.

Unter der Überschrift „Zehn Gebote entfaltet“ sind die zehn Gebotsstelen vor der Martin-Luther-Kirche im Erscheinungsbild aufgeschlagener Buchseiten gehalten. Sie nehmen dabei beide Beschriftungsarten auf, sowohl die oberflächig gedruckte wie auch die in Stein gehaue­ne Schrift: Auf der linken Edelstahlseite werden Luthers Grundworte aus seiner jeweiligen Gebotserklärung mittels Lasertechnik auf die Ober­fläche des gebürsteten Edelstahls aufge­bracht, während auf der rechten Steinseite der Gebots­text eingehauen wird.

Für die Steinseite ergeben sich bezüglich Materialwahl wie auch Beschriftung besondere An­forderungen: Zum einen soll die Oberflächenbeschaffenheit tatsächlich einer behauenen Stein­tafel entsprechen. Zum anderen muss jedoch die Oberfläche eben genug sein, um eine plane Beschriftung entsprechend der Edelstahlseite zu ermöglichen. Dazu ist die Wahl auf den Maggia-Gneis gefallen. Dieser dunkelgraue, stark geschieferte und feinkörnige Felsstein mit hellen Einsprenglingen wird in der Schweiz im Tessiner Maggiatal abgebaut. Er lässt sich gut auf eine Stärke von 8 cm ebenflächig spalten. Als spaltrauhe Stele zeigt er eine vorwiegend glänzend-schwarze Färbung, die stellenweise einen leicht grünlichen Stich annimmt.

In der Verbindung von Edelstahl und Maggia-Gneis wird für jede Gebotsstele ein digitalisier­tes doppelseitiges Druckbild erstellt. Dabei habe beide Seiten jeweils eine eigene Typografie in gleicher Schriftgröße, wobei für den Stein eine gravurgeeignete Inschrift mit Großbuchsta­ben (Majuskel) vorzusehen ist.

Während auf der Edelstahlseite das digitale Schriftbild direkt in die Laserbeschriftung übertra­gen wird, ist für die Steinbeschriftung ein mehrstufiges Verfahren vorgesehen. Das digitale Druckbild wird auf eine geplottete Sandstrahlfolie übertragen, die auf dem Stein angebracht wird. Mittels Sandstrahlverfahren wird dann die Beschriftung in den Stein eingetragen und schließlich in klassische Weise von einem Steinmetz mittels Schrifteisen eingehauen. Damit die Schrift im Stein besser konturiert wird, werden die eingehauenen Buchstaben mit einem farbigen Lack ausgemalt.

Hier mein Text als pdf.

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