Christoph Blumhardt, Predigt über Markus 10,13-16: Und sie brachten Kinder zu ihm, daß er sie anrühre: „Der Heiland redet und handelt bloß mit den Men­schen als mit Gottes Kindern. Er ruft die Kräfte hervor, die auch wieder dem Leibe neues Leben geben können. Es liegt so viel Wunderbares in jedem Menschen – auch in dem, der ganz verkehrt geworden ist –, daß mit einem Augenblick das Wunder aus ihm hervortreten kann.“

Predigt über Markus 10,13-16: Und sie brachten Kinder zu ihm, daß er sie anrühre.

Von Christoph Blumhardt

Alles, was der Heiland dem Leibe nach an den Menschen tut, beruht nicht auf etwas Wunder­barem, die Naturgesetze Veränderndem, gar nicht! Er redet und handelt bloß mit den Men­schen als mit Gottes Kindern. Er ruft die Kräfte hervor, die auch wieder dem Leibe neues Leben geben können. Es liegt so viel Wunderbares in jedem Menschen – auch in dem, der ganz verkehrt geworden ist –, daß mit einem Augenblick das Wunder aus ihm hervortreten kann. Es kann so hervortreten, daß er ein anderer Mensch wird, daß er seine Sünde ablegt, daß er neue Wünsche und Triebe bekommt, daß er einen Ekel faßt gegen alle Häßlichkeiten, daß er eine Kraft bekommt. Oft müssen auch Ärzte sagen: Es ist doch wie ein Wunder.

Wer ein Kind wird, ist ein Wunder. Und ein solches Kind hat eine Weisheit und einen Ver­stand und eine unmittelbare Auffassung der Dinge, der über den Verstand der Verständigen geht. Und Kinder müssen es ewig wieder sein, die das Reich Gottes vertreten auf Erden. Sie tun das Wunder: Sie gehen unberührt durch die gefährlichsten, häßlichsten Lagen, gehen un­berührt durch und überwinden so die Welt. Wahrlich, diese Wunder sollten nie aufhören! Keine Gewalt des Bösen ist so stark, daß ein Kind (Gottes) davon überwunden wird. Und wer ein Auge dafür hat, der wird niemals sagen, daß Gottes Kräfte, wie sie Jesus darstellt, erlo­schen sind. Soweit Menschen sich nicht schämen, Kinder zu sein, geschehen merk würdige, wunderbare Dinge. Und diese Wunder gehen vor unseren Augen immer wieder vor sich. Und das ist das Reich Gottes.

O meine Lieben, wie schön ist es, ein solches Reich Gottes vor Augen zu haben! Wie herrlich ist es, daß wir schauen dürfen mit unseren leiblichen Augen, hören mit unseren leiblichen Ohren, fühlen mit unseren Händen das Reich Gottes! – Werdet wie die Kinder! Schaut hinein in die Welt als Kinder! Ihr werdet Wunder um Wunder erleben.

Gehalten am 10. Januar 1909 in Bad Boll.

Quelle: Christoph Blumhardt, Ansprachen, Predigten, Reden, Briefe 1865-1917. Neue Texte aus dem Nachlaß herausgegeben von Johannes Harder, Bd. 3: Geliebte Welt 1907-1917, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 21982, S. 33f.

Hier die Predigt als pdf.

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