Karl Steinbauers Konfirmationspredigt in Senden/Iller über Epheser 6,10-20 von 1939: „In einer Stunde werde ich das Gefängnis hier verlassen und werde ins Konzentrations­lager Sachsenhausen verbracht. Ich danke euch allen, besonders euch lieben Konfir­manden, für eure Treue, die ihr mir wieder bezeugt habt.“

Da mag die Konfirmationspredigt mit Bezug auf Epheser 6,10-17 und Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“ martialisch klingen, die Karl Steinbauer für den Konfirmationsgottesdienst am 2. April 1939 in Senden/Iller ausgearbeitet hatte. Aber auf dem Hintergrund, dass er nach seiner Predigt über Matthäus 2,13-23 am 15. Januar 1939 nachts in seinem Pfarrhaus von SA-Leuten überfallen und für zweineinhalb Monate im Amtsgerichtsgefängnis Neu-Ulm inhaftiert worden war und er am Tag der Abfassung, dem 28. März 1939, im Gefängnis vor dem Abtransport ins Konzentrationslager Sachsenhausen stand, erhält die Predigtsprache ihre eigene Geltung:

Konfirmationspredigt über Epheser 6,10-20

Im Herrn Christus geliebte Gemeinde!

Meine im Herrn Christus geliebten Konfirmanden!

In diesen Tagen werden in ganz Deutschland die Musterun­gen für die Jahrgänge 1906 und 1907 durchgeführt. Da wird jeder genau untersucht auf Herz und Nieren, ob er militär­tauglich ist. Und wer tauglich ist, wird dann für die Waffen­gattung ausgehoben, für die er sich beson­ders eignet. Im Herbst und nächsten Frühjahr werden dann die Ausgemuster­ten eingezogen und ausgebildet. Bei dieser Gelegenheit ist dann auch die Fahnenvereidigung, bei der jeder Soldat Gehor-[240]sam und Treue verspricht bis in den Tod. Im Falle einer Mobil­machung müssen sie dann zu den Waffen eilen, in ihre Kaser­nen, und werden dort feldmarschmäßig ausgerüstet, mit Ge­wehr, Seitengewehr, Leibriemen, Patronen und was sonst al­les dazu gehört: Stiefel, Uniform und Stahlhelm usw.

Schaut, ganz ähnlich ist es mit euch. Ihr habt euch schon länger zur Musterung gestellt: Bei der Anmeldung zum Konfir­mandenunterricht. Im Konfirmandenunterricht selbst seid ihr einexerziert worden und heute nun sollt ihr gleichsam euren Fahneneid auf euren obersten Kriegsherrn leisten, auf den Herrn Christus. Aber das ist der Unterschied: Ihr werdet nicht mehr entlassen, sondern ihr werdet eingekleidet, mit allen Waffen eines Christenmenschen ausgerüstet und dann geht’s sofort an die Front! Und der Krieg, in den ihr zieht, dauert, so­lange ihr lebt. Es gibt keinen Urlaub, nicht für einen Tag, ja, für keine Viertelstunde. Immer steht ein Christ unter Waffen, im­mer an der Front! Das ist gar nicht so leicht, diesen Kriegs­dienst zu tun. Noch dazu hat das militärpflichtige Alter für die Soldaten Christi nach unten und oben keine Grenze – der jüngste Konfirmand muß so gut seinen Mann stehen wie ein alter Greis … und zwar an der Front! Auch ist kein Unter­schied zwischen Bub und Mädchen, Mann und Weib – alle müssen bei Tag und Nacht immer unter den Waffen stehen und im­mer an der Front! Wer nicht an der Front steht, sondern sich hinter der Front herumdrückt, ist kein Christ.

Nun wissen wir freilich gut, solcher Kriegsdienst eines Chri­sten ist gar nicht leicht. Wie manchem Erwachsenen ist dieser Frontdienst zu schwer und zu viel geworden, den und jenen sehen wir fahnenflüchtig werden. Darum wird es uns gar nicht leicht, euch dreizehnjährige Christen an die Front zu schicken, in den Krieg für Christus. Aber wir haben keine Wahl: Ihr wollt und sollt Christen sein, und Christ sein kann [241] man nur, wenn man an der Front steht. Ja, aber wer ist denn nun ein kriegstauglicher Christ und wie kann man ein solcher werdend

Der Apostel gibt die Antwort: »Zuletzt meine Brüder, seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.« – Also das sehen wir gleich: Da kommt es nicht darauf an, daß einer 1,85 Meter groß ist und einen Brustumfang von 1,10 hat und 12 cm aufschnauft: Nein, solche Stärke gilt hier nicht. Wenn Gott seine Musterung hält, kann ein altes schwaches Weib­lein ein kriegstauglicher Christ sein, das treu an vorderster Front kämpft, durch Beten und Flehen und freudiges Auftun ihres Mundes, wenn es gilt ein tapferes Wort für Christus ab­zulegen – ja da kann ein Bub oder Mädchen stark sein und ein baumlanger Mann, an dem der Militärarzt bei der Musterung seine Freude hat, der kann von Gott als untauglich erfunden werden. »Denn Gott hat nicht Lust an der Stärke des Rosses, noch Gefallen an eines Mannes Schenkeln, der Herr hat Ge­fallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.« (Psalm 147,10ff)

Tauglich sind wir für Gott, wenn wir uns nicht auf unsere Macht und Kraft verlassen, sondern allein von Gott unsere Stärke haben: »Mit unserer Macht ist nichts getan.« Wir müs­sen wis­sen: Damals als wir getauft wurden, da hat er uns zu Seinen Kindern und Erben angenommen, Seinen Geist gege­ben, daß wir mit ihm ausgerüstet unseren Kampf kämpfen. So wollen wir uns als Gottes Kinder halten.

Aber zuerst wollen wir uns fragen: Wie steht denn eigent­lich die ganze Kriegslage? – Es sind zwei Kriegsheere und zwei Feldherren. Auf der einen Seite steht der Herr Christus mit sei­nem Häuflein Getreuer. Auf der anderen Seite steht der Teufel mit seinem Heer, der Fürst dieser Welt und seine Trabanten. Das lesen wir aus den Versen 11 und 12: »Ziehet an den [242] Har­nisch Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels.« Doktor Martin Luther hat dies auch ge­kannt: »Der alt böse Feind, mit Ernst er’s jetzt meint, groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist.« Dazu kommt also noch das Heer seiner Trabanten, Vers 12: »Denn wir ha­ben nicht mit Fleisch oder Blut zu kämpfen, sondern mit Für­sten und Gewal­tigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel.« – Er fühlt sich recht sicher und wohl ge­rüstet, darum gibt er keine Ruhe und geht auf Eroberungszü­ge aus. Wir wissen, daß dieser Kampf nach Gottes Willen ge­kämpft wird seit dem Sündenfall und seitdem Gott Feind­schaft gesetzt hat zwischen dem Teufel und den Nachkommen der Eva, als Er sagte: »Ich will Feindschaft setzen zwi­schen Dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll Dir den Kopf zertreten und Du wirst ihm in die Ferse stechen.«

Und der Kriegsschauplatz für diesen Kampfe? Ihr wißt es gut, der Kriegsschauplatz ist in erster Linie unser Herz, zunächst die Menschenbrust. Und da sollt ihr euren Mann stehen und Widerstand tun, daß die Sünde nicht die Festung eures Her­zens erstürmt und wenn ja, daß ihr sie in hartem zähem Nah­kampf wieder hinauswerft. Wer auf diesem Kriegsschauplatz der Menschenbrust tapfer kämpft gegen jede Sünde, Ungehor­sam, Lüge, Faulheit, Schmutz und alle bösen Lüste, Feigheit, Glaubensschwachheit usw., nur der ist tauglich für den Krieg des Herrn Christus, denn es geht hier eigentlich gar nicht um einen Kampf mit Menschen und gegen Menschen, sondern um den Kampf gegen den, der uns von Gott und unserem Herrn Christus und seinem Evangelium losreißen will.

Denn der Herr Christus ist der andere Feldherr. Wenn es vom Teufel heißt: »Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung [243] ist«, so heißt es von Ihm: »Er ist auf Erden kommen arm, daß Er unser sich erbarm«.-Er sagt ja selber: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt«. Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen. Freilich gilt dennoch auch: »Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden«. So ist es auch mit der Waffenrüstung. Mit Augen kannst Du sie nicht sehen und sie nicht mit Händen greifen, und doch wird damit der größte und wichtigste aller Kriege ausgefochten, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Christus und dem Satan.

Wir haben schon gesagt, der Kampf tobt immer, seit Adams Zeiten, aber zu manchen Zeiten bricht er besonders stark hervor, so daß nicht nur die einzelne Menschenbrust Kriegsschau­platz ist, sondern die ganze christliche Kirche und Ge­meinde. So war es zu Luthers Zeiten. So droht es heute wieder mehr und mehr zu werden.

Von solchen besonderen Zeiten, solchen unheimlichen Of­fensiven und Großangriffen des Teufels redet der Apostel auch hier, wenn er Vers 13 von den »bösen Tagen« redet. Da gilt es dann wie er sagt: Widerstand zu tun und alles wohl ausrich­ten und das Feld behalten. Laßt es euch nur von euren Vätern oder alten Frontsoldaten erzählen, wie es da zugegangen ist im großen Krieg, bei den großen Offensiven von Verdun und an der Somme und in Flandern. Lange Zeit war nichts besonderes, ja vielleicht sogar Ruhe, aber eine unheimliche Ruhe. Auf einmal bricht es los. Tagelang hagelt es aus hunderten von Geschützen ein Trommelfeuer über die Stellungen und Schützengräben, daß kein Grashalm mehr zu sehen ist und alles kurz und klein geschossen ist. Viele, viele fallen dabei, andere werden verwundet, wieder andere verlie­ren die Ner­ven. O, es ist nicht leicht, einer solch mörderischen Offensive standzuhalten, es waren »böse Tage«! Aber etliche sind doch immer wieder da gewesen, die haben sich in einen Granat-[244]trichter gesetzt und als die feindlichen Sturmwellen kamen, ihr MG aufgepflanzt und Widerstand getan und geschossen, was sie konnten, und das Feld behalten. Leichter ist es noch zu ertragen, wenn es einen Tag oder wenigstens nur etliche dauert, wenn es aber Wo­chen, Monate, eins, zwei, drei, vier Jahre dauert und noch länger, da heißt es aushalten: Wer aber beharrt bis ans Ende, sagt der HERR, der wird selig werden.

Freilich, der Krieg, um den es hier geht, wird mit anderen Waffen ausgefochten. Aber auch die Teufelsoffensiven wider den HErrn und seine Gemeinde sind »böse Tage«, und es gibt viele Verluste. Groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist. Auch hier aus unserem Vers 14 können wir’s schließen, es heißt: uns gürten mit Wahrheit und einen Panzer der Ge­rechtigkeit anziehen. Daraus ersehen wir also: mit Unwahrheit und Lüge geht der Fürst der Welt und seine Helfershelfer ans Werk und mit Ungerechtigkeit. Manch einer fällt der Un­wahrheit und Lüge zum Opfer, manch einer wird ein Opfer der Ungerechtig­keit. Sagt der HErr nicht selbst: Dieweil die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen, so wird die Liebe in vielen erkalten.

Ja, wie soll sich da einer noch retten? Hilft vielleicht Flucht, und wohin fliehend Oh nein! Flucht hilft nicht; kein Mensch kann sich diesem Krieg entziehen. Es hat keinen Wert, seine ir­dische Habe retten zu wollen, es geht ja um die Seele und das ewige Leben. Wenn die Zeit der Verwüstung kommt, dann steige nicht herab vom Dach, etwas aus dem Hause zu holen, und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen. Oh, mancher meint, sich retten zu können, daß er irgendwie sich heraushält aus dem Kampf, daß er sich hinter die Front drückt. Es geht ja nicht, ihr Lieben! »Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlie­ren«! sagt der HErr selber. Ich will euch bitten, um eurer Seelen Seligkeit willen: bleibt tapfer. O ich weiß, es ist oft nicht leicht. Der und jener wird schwach, [245] zieht sich zurück – ein andrer folgt. Der HErr sagt ja selber, so die Zeit nicht verkürzt würde, so würde kein Mensch selig. Aber begehen wir nicht die Torheit, von der Fahne Jesu zu wei­chen. Dort wollen wir treu stehen, wo der Kampf tobt. Ihr Er­wachsenen alle seid auch einmal an der Konfirmation so wie diese jungen Christen da gestanden. Lasse jeder sich mahnen: »Gedenke, daß du zu der Fahn deins Feldherm hast geschworen. Ge­denke, daß du als ein Mann zum Streit bist auser­koren, daß ohne Streit und Sieg nie keiner zum Triumph aufstieg!« – Frage dich: »Wo steh ich heute? Was ist mein Fahneneid?!« Wir haben keine dritte Wahl. Entweder du stehst an der Front für Chri­stus! »Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen …«, vor den Menschen sagt Er! – »Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.« –

Oder aber du stehst auf der Seite des Widerchrists und ar­beitest ihm in die Hände. »Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.« Ich kann jeden nur ernstlich bitten und mahnen: Prüfe dich. Wo stehst du? – Und wer nicht bei der Fahne steht, an der Front, ist fahnenflüchtig! Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein of­fenes Bekenntnis bei allem Widerstreit, trotz aller Feinde loben, trotz allem Heidentum zu preisen und zu loben das Evangelium.

Ja, aber schaffen wir uns dadurch nicht Unruhe, Krieg? Jawohl! Wir Christen sind ein streit­bares Völklein. Unser Herr sagt: »Ich bin nicht gekommen, Frieden zu stiften, sondern das Schwert … Ich bin gekommen, daß ich ein Feuer anzün­de auf Erden. Was wollte ich lieber, denn es brennete schon!« Unser Text hallt wider von Waffenklang: Panzer, Helm, Schwert, Schild, Pfeil, Beinschienen … Jawohl, es geht um Krieg! Und das Christus-Heer steht auch gerüstet bis an die [246] Zähne und ist bereit und fertig, loszuschlagen. Fertig! – zu treiben das Evangelium des Friedens! Jawohl Krieg – aber zum Frieden! Der heilige Krieg des Chri­stus begann, und es ist wirklich der einzige, der auf den Frieden, den großen letzten Frieden zielt. Das sehen wir an den Waffen: Wahrheit ist der Leibriemen, Gerechtigkeit ist der Panzer. Der Unwahrheit gilt der Krieg! Aller Unwahrheit, aber fürs erste, der, die leugnet, daß es gilt: »Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!« Wie sagt Johannes, der Apostel: »Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, daß Jesus der Christus sei? Das ist der Widerchrist, der den Vater und den Sohn leugnet,« (1.Joh 2,22) Was ist Ungerechtigkeit, als dies, daß man leugnet: »Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehren­kleid …!« Wer sagt: Wir brauchen nicht die Versöhnung, brauchen nicht Blut und Kreuz, wir ma­chen uns selbst selig durch unsere Taten, der ist unwahr und ungerecht. Aus dieser Unwahr­heit und Unge­rechtigkeit des Antichrist kommt alle andere Ungerechtigkeit und Unwahrheit – und dagegen müs­sen wir zu Felde liegen! Wir halten den Schild des Glaubens hoch und wenn er voll be­spickt ist mit den Pfeilen des Böse­wichts und uns manchmal der Arm erlahmen will, wenn uns unsere eigene Sünde und Unwahrheit übermannt, dann flehen wir Ihn an: Ich glaube Herr, hilf meinem Unglauben. Wir tra­gen auf dem Kopf den Helm des Heils, der fester ist und besser schützt als der beste Stahlhelm. Eigentlich heißt es, der Helm der Weltrettung! Jawohl wir liegen im Kampf, Tag und Nacht zum Heil unseres Volkes und Vaterlandes, zum Heil der Welt, und keine Verleumdung kann uns dies nehmen. Wir stehen im Heerbann des Weltret­ters! – Wohl hat sein Volk ihm gesagt: »Es ist besser, einer sterbe für das Volk, denn daß das ganze Volk verderbe …« und wie ein Hochverräter und Volksauf­wiegler mußte er den Schandtod sterben. Er ist aber doch [247] ein Weltheiland und die, die ihn ans Kreuz schlu­gen, stehen bis heute unter schwerem Gericht. – Sehen wir’s denn nichts Wollen wir uns war­nen lassen!

»Und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Got­tes!« Ihr singt es in jedem Gottes­dienst seit meiner Gefangen­setzung: »Herr, Dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhal­te mir, denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reich­tum für. Wenn Dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn. Mir ist nicht um tausend Welten, aber um Dein Wort zu tun.« – Was hülfe es denn, wenn ich die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an meiner Seele? – Und wenn wir darüber fallen und unser Leben hingeben, Schande, Schmach, Verachtung, Verfolgung zu tragen haben, meine lieben Konfirmanden, meine im Herrn Chri­stus liebe Gemeinde: Es kann uns kein größeres Glück widerfahren, als daß wir als treue Sol­daten unseres Heilands an der Front ste­hen. Haltet aus! Steht zu eurem Fahneneid! Werdet nicht fahnen­flüchtig! »Kommt her des Königs Aufgebot, die seine Fahne fassen, daß freudig wir in Drang und Not sein Lob erschallen lassen. Er hat uns seiner Wahrheit Schatz zu wahren anver­traut. Für ihn wir treten auf den Platz und wenn’s dem Her­zen graut, zum König aufge­schaut!«

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in meiner Zelle im Gefängnis. – Die ihr später zum Tisch des Herrn geht und euch stärkt für den Kampf, der euch verordnet ist, und ihr ein­verleibt werdet in die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, in die Gemeinschaft des Königs aller Kö­nige – so habe ich gestern mit meiner Frau mich stärken dür­fen im Hl. Abend­mahl. In einer Stunde werde ich das Gefängnis hier verlassen und werde ins Konzentrations­lager Sachsenhausen verbracht. Ich danke euch allen, besonders euch lieben Konfir­manden, für eure Treue, die ihr mir wieder bezeugt habt, und ich weiß: Sie galt ja nicht meiner Person, sondern unserm treuen Heiland, der für uns treu war bis in den Tod …

Ich danke allen in der Gemeinde, die für die Sache Christi eingestanden, und auch mich getra­gen und gestärkt haben mit ihrer Fürbitte, und ich bitte euch weiter um treue Fürbitte mit den Worten des Apostels mit den Versen 18-20 unseres Kapitels: »Betet stets in allen Anliegen mit Bitten und Flehen im Geist …«

Wir kommen von Ostern her und wissen, daß wir einen auferstandenen Herrn haben, den lobt und preiset und seid darin getrost und freudig. Singet miteinander das Osterlied, das Sünd und Tod verlacht: »Gelobt sei Gott im höchsten Thron …!« Den preist, dem alle Gewalt gegeben ist im Him­mel und auf Erden. Ihm befehle ich euch alle, meine im Herrn Christus geliebten Konfirmanden und die ganze Gemeinde. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, hal­tet an am Gebet! Der Herr segne euch und behüte euch, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch seinen Frieden!

Euer im Herrn Christus getroster und freudiger Pfarrer

Karl Steinbauer.

Ausgearbeitet am 28. März 1939 im Gefängnis des Amtsgerichts Neu-Ulm und zur Verlesung im Konfirmations­gottesdienst an Palmsonntag, 2. April 1939, in der Auferstehungskirche in Senden/Iller vorgesehen.

Quelle: „Ich glaube, darum rede ich!“ Karl Steinbauer: Texte und Predigten im Widerstand, hrsg. v. Johannes Rehm, Tübingen: Theologischer Verlag Tübingen, 22001, S. 239-248.

Hier die Predigt als pdf.

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