„Durch tiefe Nacht werd‘ ich dann zu Dir gehen“ – Ernst Munzingers Gebet aus dem Gefängnis (1944/45)

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Ernst Munzinger (1887-1945)

Ernst Gustav Adolf Munzinger (* 6. Juli 1887 in Riga; † 23. April 1945 in Berlin) kam als Nachrichtenoffizier in der Wehrmacht mit dem Widerstandskreis um Hans von Dohnanyi und Hans Oster in Kontakt. Nach dem Scheitern des Attentats vom 20. Juli 1944 wurde Munzinger  festgenommen und in das Zellengefängnis Lehrter Straße nach Berlin verbracht. Zusammen mit 14 weiteren Widerstandskämpfern wurde er in der Nacht auf den 23. April 1945 durch Gestapoangehörige auf einem nahegelegenen Fabrikgelände in der Invalidenstraße erschossen. Im Gefängnis schrieb er folgendes Gebet:

Versprich mir eins —
Ich weiß, es kommen Stunden,
Die werden dunkler sein als alles, was geschah…..
Ich weiß, was ich an Trost und Kraft gefunden,
Dann wird es sein, als wär‘ es niemals da…

Durch tiefe Nacht
Werd‘ ich dann zu Dir gehen
Auf müden Sohlen und in aller Not.
Ich werde lang in Deiner Nähe stehen
Und furchtlos harren auf den stummen Tod.

Versprich mir eins —
Du wirst ein Zeichen geben,
Das mir das Tor der düstren Nacht erschließt;
Du wirst die reine Schale Deiner Hände heben,
Daraus das Licht von Deiner Seele fließt!

Du wirst mich segnen,
Wenn ich dann mich wende
Und schmerzlich lang ein süßes letztes Mal
Die Stirne drück‘ in Deine lieben Hände —
Versprich es bald —
Denn über mir wird schon der Morgen fahl.

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