„Glauben ist gemeinsam feiern …“ – Von der hoffnungslosen Apotheose des selbstbezüglichen Glaubens

Das ist in der Tat ein schönes Stimmungslied, das Johannes Matthias Roth, bayerischer Pfarrer und Liedermacher, getextet und komponiert hat:

Glauben ist gemeinsam feiern, singen, beten, hören, sehen, / unter Gottes Segen leben und auf neuen Wegen gehen.

  1. Wenn wir glauben und vertrauen, weicht der Zweifel Macht, / alle Ängste sind besiegt,
    Licht in dunkler Nacht.
  2. Wenn wir lieben und verzeihen, Hände sich berühren, / wird der Geist der Einigkeit uns zusammenführen.
  3. Wenn wir hoffen, weitergehen, einig, Hand in Hand, / Glaube unser Herz erfüllt, in die Welt gesandt.

Das Lied geht so leicht über unsere Lippen. Und genau da fangen die Probleme an. Der Text zielt auf Glauben, Lieben, Hoffen an sich, als wären diese heilvolle Tugenden, die es herauszusingen gilt.

Wer so singt, sucht sich selbst in der Gemeinschaft der Mitsingenden zu ermutigen und zu bestärken. Aber wie können sich die Singenden in diesem kollektiven Selbstverhältnis auf den dreieinigen Gott ausrichten, der an seinem Volk Israel gehandelt und in seinem Sohn Jesus Christus die Völker auf deren Glauben hin in die heilvolle Gemeinschaft mit ihm hineingenommen hat?

Der religiöse Glaube, der bei sich selbst bleibt, ist ein unerhörter Götze. So hat Martin Luther zu Recht in seiner Auslegung zum Galaterbrief geltend gemacht, dass der Glaube nicht in uns selbst besteht:

„Das Evangelium heißt uns, nicht unsere guten Taten und Vollkommenheiten anzusehen, sondern Gott, der der Verheißende ist, Christus, der Mittler. […] Dies ist also der Grund, warum unsere Theologie voller Gewissheit ist: Sie reißt uns von uns selbst los und stellt uns außerhalb von uns, so dass wir uns nicht auf unsere Kräfte, nicht auf unser Gewissen, unser Wahrnehmungsvermögen, unseren Charakter und unsere Werke, sondern auf das verlassen, was außerhalb von uns ist: auf die Verheißung und die Wahrheit des Gottes, die nicht trügen können.“ [WA 40/I, 589,17-19.25-28, zu Gal 4,6 (Übers. nach G. Sauter, Zugänge zur Dogmatik, Göttingen 1998, 28 – vgl. D. Martin Luthers Epistel-Auslegung, Bd. 4: Der Galaterbrief, hg. v. H. Kleinknecht, Göttingen 1980, 228].

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s