Martin Luther über das rechte Beten im Großen Katechismus: „Wenn aber ein Gebet recht sein soll, muss es ernst gemeint sein, sodass man seine Not empfindet – und zwar eine solche Not, die drückt und zum Rufen und Schreien treibt. Dann geht das Gebet von selbst so, wie es gehen soll, sodass man keiner Belehrung darüber bedarf, wie man sich darauf vorbereiten oder Andacht schöpfen soll. Die Not aber, die uns selbst wie auch jeden anderen angehen soll, findest du reichlich genug im Vaterunser; deshalb soll es auch dazu dienen, dass wir uns ihrer daraus erinnern, sie betrachten und zu Herzen nehmen, damit wir nicht lässig werden im Beten. Denn wir haben alle genug an dem, was uns mangelt; der Fehler liegt aber darin, dass wir es nicht fühlen und sehen. Darum will Gott auch, dass du diese deine Not und Anliegen klagst und vorbringst – nicht als ob er es nicht wüsste, sondern damit du dein Herz entzündest, stärker und mehr zu begehren, und den Mantel weit ausbreitest und auftust, um viel zu empfangen.“

Über das rechte Beten

Von Martin Luther

Eine ernsthafte Ermahnung und zugleich wunderbare Einladung zum Gebet findet sich in Martin Luthers Erklärung des Vaterunsers aus seinem Großen Katechismus:

„Wenn aber ein Gebet recht sein soll, so muss es damit ernst sein, daß man seine Not fühlt, und [zwar] eine solche Not, die uns drückt und zum Rufen und Schreien treibt. So geht dann das Gebet von selbst so, wie es gehen soll, so dass man keine Belehrung darüber braucht, wie man sich darauf vorbereiten und [daraus] Andacht schöpfen soll. Die Not aber, die uns selbst wie auch jedermann gegenüber angelegen sein lassen soll, wirst du reichlich genug im Vaterunser finden; deshalb soll es auch dazu dienen, dass man sich ihrer daraus erinnere, sie betrachte und zu Herzen nehme, damit wir nicht lässig werden im Beten. Denn wir haben alle genug an dem, was uns mangelt: der Fehler liegt aber daran, dass wir’s nicht fühlen und sehen. Deshalb will Gott auch haben, dass du diese [deine] Not und Anliegen klagst und vorbringst, nicht als ob er es nicht wüsste, sondern damit du dein Herz entzündest, desto stärker und mehr zu begehren, und den Mantel nur weit ausbreitest und auftust, um viel zu empfangen.“

Zitiert nach: Lutherisches Kirchenamt (Hrsg.), Unser Glaube. Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 31991, Nr. 763, Seite 702.

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