Rudolf Bultmann, „Rogate“-Predigt über Johannes 16,22-33: „Wollen wir die Freude der Freiheit »jenes Tages« erleben, d. h. wollen wir die innere Freiheit von uns selbst gewinnen als Menschen, die nicht mehr zu dieser Welt gehören und die doch offen sind für die Begegnungen des Lebens, so müssen wir vor Gott einsam sein können. Wir müssen bereit sein, in eine Ein­samkeit hineinzugehen, in der die Welt für uns versinkt in die Nich­tigkeit, in der alle Bindungen, auch die verpflichtendsten und liebsten, gelöst sind, in der uns niemand mehr begegnet als Gott allein. Wir müssen uns vor Gottes Augen stellen ganz nackt und bloß, entkleidet von allem, an das wir uns halten möchten, entblößt von allem, das wir um uns hängen möchten, um ein Ansehen und Bewußt­sein unser selbst zu haben. Es ist eine schauerliche Einsamkeit, die für den natür­lichen Men­schen ein Schrecken ist; und der Gott, der uns in solcher Einsamkeit begegnet, mag uns anmu­ten wie die vernichtende Macht des Todes. Seinem verzehrenden Blick müssen wir standhal­ten und bereit sein, vor ihm nichts zu sein.“

Predigt über Johannes 16,22-33 Von Rudolf Bultmann Ihr habt auch nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz … Mehr

Hans Joachim Iwands Predigtmeditation zu Johannes 16,23b-33 (Rogate, 1950): „Wo die Gemeinde sich selbst schon als Sieger fühlt und nicht mehr teilnimmt an der Enge und Drangsal dieses todgeweihten, angefochtenen Daseins in der Welt, wo man jetzt schon mitherrschen und mittriumphieren und die Knechtsgestalt der Kirche hin­ter sich lassen möchte, da wird man ebenso lasch und glaubenslos, phrasen- und formel­haft werden im Gebet wie dort, wo man sich einem pseudochristlichen Fatalismus überlässt und mit dem Unglauben an den Sieg Jesu über den Kosmos auch den ‚Sinn des Bittgebetes‘ über­haupt in Frage stellt und die entscheidenden Schlachten und Aufgaben eben nicht mehr so, in der eigenen Ohnmacht vor Gott und allein durch sein Eingreifen und sein Handeln zu bestehen wagt.“

Predigtmeditation zu Johannes 16,23b-33 (Rogate, 1950) Von Hans Joachim Iwand Er in der Mitte der auf seinen Namen hin vereinigten,er, … Mehr