Paul Schempp über Karl Barth 1947: „Wie Barth vor aller Flucht in Weltanschau­ungen warnt, so schiebt er auch im Glauben an die Weltherrschaft des gekreuzigten und auferstandenen Christus alle optimistischen oder pessimistischen Perspektiven beiseite. Nüchterne Besonnenheit, Ge­duld, sachliche Arbeit, Absage an reaktionäre Träume, an Sehnsucht nach Führertum und Befehl, an die Sucht, immer andere haftbar zu machen, und dafür ein verantwortliches Ja zum Menschen in den gege­benen und aufgegebenen Formen und Möglichkei­ten der Gemeinschaft, das sind Forderungen Barths, die eine allgemeine Wegrichtung anzeigen. Unermüdlich ermuntert und erinnert Barth die Kirche der Reformation, ihre einzigartige, unentbehrliche, fröhliche und siegreiche Sache recht zu treiben und sich nicht zu verlieren an allerlei gutgemeinte ‚Bewegungen‘, an Bedürf­nisse und Belange und Selbstempfehlungen. Indem sie ganz für Christus da ist, ist sie auch ganz da für die Welt, für die wirkliche Not und für jede Not des Menschen, gerade auch für seine politische Not und Verlegenheit.“

Karl Barth und der Protestantismus (1947) Von Paul Schempp Es werden noch viele Bücher geschrieben werden über den Professor der … Mehr

Sören Widmann über Paul Schempp (1900-1959): „Erst nach seinem Tode wurde sichtbar, für wie viele Menschen Paul Schempp, der streitbare und angefochtene Theologe, auch Helfer und treuer Seelsorger war. Ihn habe, so bekennt einer der vielen Freunde in einem Brief, ein einziger Satz immer wieder aufgerichtet, den Schempp einem Pfar­rerskollegen zur Antwort gab, als dieser ihn mitten in den turbulenten Tagen des Kirchenkampfes ängstlich-neugierig fragte, was es denn Neues gebe: »Seit der Auferstehung Jesu Christi gibt es nichts Neues!«“

Paul Schempp (1900-1959) Von Sören Widmann Paul Schempp war wie seine Freunde und Kampfgefährten Hermann Diem und Richard Widmann Jahrgang … Mehr

Paul Schempp, Brief an eine Schwermütige in der Heilanstalt G. (1945): „Wenn ich könnte, so würde ich Sie zu Weihnachten holen und Ihrer Mutter und Schwester bringen, und Sie müssten die Engelein singen hören, bis auch Ihnen das Herz im Leibe lacht: »Ja, in dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ!« Aber so oder so, Sie werden bald aus Ihrer Höhle herauskommen und sich wundern müssen, »wenn Er, wie Ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat«.“

Brief an eine Schwermütige in der Heilanstalt G. Kirchheim, den 12. Dezember 1945 Liebe Frau N.! Mit Erschrecken und Trauer … Mehr

Paul Schempp, Beileidsbrief zum Soldatentod von zwei Söhnen der Familie K. in Iptingen (1946): „Ich komme bis heute nicht los von der Scham und Empörung darüber, dass wir, die wir das Unheil schon lange hatten kommen sehen, nicht Leib und Leben daran gewagt haben, es zu verhindern und nicht mitschuldig zu werden am Verbluten unserer Jugend. Aber es ist nun geschehen, und was man Opfer für Freiheit und Ehre hieß, ist nun ein Denkmal schreck­licher Verführung, und wir sehen vor uns nur Armut an Leib und Seele.“

Beileidsbrief zum Soldatentod von zwei Söhnen der Familie K. in Iptingen Kirchheim, den 23. Januar 1946 Liebe Familie K.! Vor … Mehr

Paul Schempps Beileidsbrief zum Tode eines Soldaten, den dieser in Iptingen konfirmiert hatte (1946): „Sie könnten uns anklagen: »Warum habt ihr uns in diesen Wahnsinn rennen lassen? Was habt ihr getan, um es zu verhindern, dass wir in den Tod marschieren mußten?« Und ich kann mich nicht entschuldigen. In der Kirche hab’ ich wohl ein wenig für Freiheit gekämpft gegen die Vergewaltigung der Gewissen, aber was hat uns nun dieses sture Sichbefehlenlassen gekostet bis zur Zerstörung der eigenen Heimat! Angst hat man uns gemacht, und wir haben uns einschüchtern lassen und woll­ten doch freie Christenmenschen sein!“

Beileidsbrief zum Tode eines Soldaten, den Schempp einst in Iptingen konfirmiert hatte. Kirchheim, den 30. Januar 1946 Liebe Familie G.! … Mehr

Kirchlich-theologische Sozietät, Ein Wort an die Gemeinden zur Entnazifizierung (1946): „Darf ich denn als Christ andere anklagen und belastende Tatsachen gegen sie vorbringen? Die Ant­wort muss heißen: Wenn du ohne den Drang nach persönlicher Vergeltung nicht reden kannst, dann schweig! Wenn du aber im Namen unschuldiger Opfer, um der Sühne böser Taten willen, um der Sicherung des Volkes und vor allem der Jugend vor neuem Nationalsozialis­mus und Militarismus willen Tatsachen vorbringen kannst, dann rede und steh zu deiner Rede!“

Ein Wort der Kirchlich-theologischen Sozietät an die Gemeinden zur Entnazifizierung Liebe Mitchristen! Nationalsozialismus und Militaris­mus sind nach Wurzel, Geist und … Mehr

Paul Schempp, Sacra musica. Über Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium (1953): „Gott läßt sich’s gefallen, dass wir ihm singen und spielen; Gott gefällt’s, wenn wir uns freuen und in aller menschlichen Unzulänglich­keit besingen und bestaunen, was Er an uns gewendet hat, wenn wir uns einreihen in den Chor der Dankbaren und Ehrfürchtigen und uns auf­fordern lassen, »zu kommen und zu schauen dies schwache Knäbelein«.“

Sacra musica. Über Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium Liebe Schüler und Schülerinnen, liebe Eltern, liebe Freunde unserer beiden Gymnasien und – … Mehr

Paul Schempp, Predigt über Johannes 7,33-39 (1935): „Wird Gottes Wort weiterziehen und eine tote, selbstsichere Kirche zurücklassen, deren Gottesdienste wie leerlaufende Maschinen sind? Ist vielleicht gar schon die Zeit angebrochen, da man Christus umsonst sucht? An der Kirche wird heute viel herumgedoktert und man möchte sie gern lebendig und stark und einflußreich haben. An der Organisation fehlt’s, sagt der eine; an der zeitgemäßen Predigt, der andre. Ja, ja, es fehlt hinten und vorne, oben und unten, bei den Pfarrern und den Gemeinden, aber es könnte auch noch viel schlimmer sein: Christus könnte uns fehlen.“

Predigt über Johannes 7,33-39 Von Paul Schempp 33 Da sprach Jesus zu ihnen: Ich bin noch eine kleine Zeit bei … Mehr

Paul Schempps Brief an Landesbischof Theophil Wurm vom 8. September 1936: „Mir ist das Maul leicht zu stopfen, denn ich hab noch nie gerne mit hohen Herren zu tun gehabt und wollte am liebsten über meine Gemeinde hinaus keinen Schritt mehr tun und kein Wort mehr sagen oder schreiben, aber wo soll ich mit meinem Gewissen bleiben, wenn wir blindlings in den Ab­grund rennen, und ich hätte geschwiegen. Wenn Sie sich nun über mich empören und ärgern, dann wollen Sie bitte auch denken, dass Sie mir wohl schon einige hundert Male Anlass zu gleicher Empörung und gleichem Ärger und oft auch schon Ursache zu schlaflosen Nächten ge­geben haben. Gott wird uns richten.“

Die Kirchlich-theologische Sozietät um Hermann Diem, Heinrich Fausel und Paul Schempp in Württemberg hielt sich während während der NS-Diktatur an … Mehr