Rudolf Bultmann, Ein Rückblick auf die Diskussion um die Entmythologisierung (1960): „Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich ein Urteil über meine Arbeit anmaßen, die nie ein Wort von mir gelesen haben. Ich konnte unmöglich auf alle Zuschriften antworten. In manchen Fällen habe ich es getan, und zwar besonders dann, wenn der Angriff auf meine Person besonders heftig war, wenn mir z. B. geweissagt wurde, dass ich so schrecklich enden werde wie Voltaire oder Nietzsche. Ich habe dann gefragt, worauf sich das Urteil des Schreibers gründe, und was er von meinen Schriften gelesen habe. Die Antwort lautete regelmäßig, ohne Ausnahme: nichts gelesen von meinen Schriften! Aber aus einem Sonntags- oder Gemeindeblatt erfahren, dass ich ein Irrlehrer sei. Ich halte es für unverantwortlich, dass Sonntags- und Gemeindeblätter das Thema – sollte wohl sagen: das Schlagwort – der Entmythologisierung vor Laien bringen, ein Thema, von dem sie nichts verstehen oder das sie notwendig missverstehen, weil das Verstehen theologische Bildung voraussetzt.“

Ein Rückblick auf die Diskussion um die Entmythologisierung (1960) Von Rudolf Bultmann Die Post, die in den letzten Jahren täglich … Mehr

Martin Luther, 42 Thesen zur Disputation über Johannes 1,14 »verbum caro factum est« (1539): „Obwohl an dem Satz festgehalten werden muss: »Alles Wahre steht mit dem Wahren in Einklang«, so ist doch nicht dasselbe wahr in verschiedenen Wissensbereichen. In der Theologie ist wahr, dass das Wort Fleisch geworden ist. In der Philosophie ist das schlicht unmöglich und absurd. Wir täten also besser, wenn wir lernten, Dialektik oder Philosophie in ihrer Sphäre zu belassen und mit neuen Sprachen zu reden im Reich des Glaubens, außerhalb jeder Sphäre.“

42 Thesen zur Disputation über Johannes 1,14 »verbum caro factum est« (1539) Von Martin Luther DISPVTATIO THEOLOGICA. AN HAEC PROPOSITIO … Mehr

Eberhard Jüngel über die Aufklärung im Licht des Evangeliums: „Gerade im Blick auf das Böse ist uns die sich selbst so nennende Aufklärung eine radikale Aufklärung schuldig geblieben. Auch die Theologie ist sie der Zeit bisher schuldig geblieben. Böse ist trotz der ungeheuren Exzesse von Bosheit, die das zu Ende gegangene Jahrhundert kennzeichnen, noch immer eine bourgeoise, einer verbürgerlichte und insofern auch schon verharmloste Kategorie. Mangelt es der christlichen Theologie an Mut zu jener ‚Umwertung aller Werte‘, die sich im Lichte des Evangeliums vollzieht und ohne die die Abgründe des Bösen zwar erfahren und erlitten, nicht aber auf den Begriff gebracht und also auch nicht bekämpft, mit Gedanken, Worten und Werken erfolgreich bekämpft werden können?“

Über die Aufklärung im Licht des Evangeliums Von Eberhard Jüngel Schneidend wird die Differenz zwischen der im Lichte der Vernunft … Mehr

Edmund Schlink, Thesen über Theologie und Naturwissenschaften (1947): „Wie die Religionsgeschichte und Philosophie kann auch die Beschäftigung mit den Naturwissenschaften für die Theologie eine Hilfe sein, die Verborgenheit des Wortes im Fleisch, d. h. die Verborgenheit der Offenbarung in Vorstellungsinhalten der Weltbilder menschlicher Geschichte immer wieder aufs Neue zu erkennen.“

Thesen über Theologie und Naturwissenschaften Von Edmund Schlink I. 1. Die Theologie bezeugt aus Grund der Heiligen Schrift und unter … Mehr